Zitate der Woche:
"Ökonomie soll eigentlich mit Ressourcen und Anstrengungen effizient umgehen, aber sie erzieht oder zwingt uns, die Ressourcen effizient und anstrengungslos zu verbrauchen… das muss Ökopathie sein."
(Gunter Dueck)
"Die Afghanen tragen die Verantwortung für ihr Land, und sie müssen die Lösung finden, die zu ihrer Kultur und ihrem Selbstverständnis passt. Wir sind zur Unterstützung da und werden den Afghanen keine Lösung nach deutschem Muster aufdrücken."
(General Pfeffer, neuer Kommandeur des Regionalkommandos Nord in Afghanistan)
(Gunter Dueck)
"Die Afghanen tragen die Verantwortung für ihr Land, und sie müssen die Lösung finden, die zu ihrer Kultur und ihrem Selbstverständnis passt. Wir sind zur Unterstützung da und werden den Afghanen keine Lösung nach deutschem Muster aufdrücken."
(General Pfeffer, neuer Kommandeur des Regionalkommandos Nord in Afghanistan)
Freitag, 17. Februar 2012
Freitag, 10. Februar 2012
Der Sternenhimmel im Februar
+++Die von mir für die jeweilige Jahreszeit vorgestellten sichtbaren Sternbilder und ihre Position am Himmel beziehen sich - sofern nicht anders angegeben - auf einen Beobachterstandort von 50°N und 15°O.
Als Unterstützung beim schnelleren Auffinden der Sternbilder empfehle ich den Kauf eines kleinen Himmelsführers mit beigefügter drehbarer Sternkarte. Dieses praktische Hilfsmittel misst meist nicht mehr als 10 cm im Durchmesser und findet Platz in jeder Jacken- oder Handtasche+++
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| Der mitteleuropäische Sternenhimmel in der ersten Februarhälfte | um 21 Uhr |
[--> Link zur Generierung von Sternkarten für das ganze Jahr]
[Der Sternenhimmel im Januar]
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Noch immer kann man die Wintersternbilder (siehe Januar) im S und SW beobachten. Na, wie heißen doch gleich die Sterne des Wintersechsecks?
Ein, zwei Merksprüche als Vorschlag:
Kleine Ansammlung Riesiger Sterne Produziert Chemische Produkte.
Kinder Aus Reichen Sippen Provozieren Paparazzi-Cams.
Künstler Aller Richtungen Sind Potentielle Provokateure Chinas.
Kluger Anwalt Regelt Sehr Professionell & Clever Probleme.
Kicking Ass Redbull Sport Promotion Competition Programme.
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| Das Wintersechseck [Bildquelle] |
Die Milchstraße erstreckt sich von S über W nach N (vor allem im S und N ist sie auffällig hell).
Wer die Milchstraße am Himmel entdeckt hat, der findet darin im Februar die folgenden Sternbilder (von S nach N): Großer Hund, Kleiner Hund, Orion, Zwillinge, Stier, Fuhrmann, Perseus, Kassiopeia, Kepheus und Schwan.
Planeten im Februar
Ab Monatsmitte kann man Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn und Uranus in der ersten Nachthälfte beobachten.
Merkur --> beste Abendsichtbarkeit des Jahres zwischen 25.02. und 03.03. (etwa 1,5 h nach Sonnenuntergang tief im W)
Venus --> unübersehbarer "Abendstern" bis 22 Uhr im Sternbild Fische
Mars --> befindet sich in Oppositionsstellung und verfrüht seinen Aufgang auf 18 Uhr (Sternbild Löwe)
Jupiter --> ist in der Abenddämmerung in fast 50° Höhe im SSW und nach dem Untergang der Venus neben dem Mond das hellste natürliche Objekt in der ersten Nachthälfte. Mit einem Fernglas können die vier größten Monde beobachtet werden.
Saturn --> verfrüht seinen Aufgang im OSO auf 22 Uhr
Uranus --> verschwindet in der Abenddämmerung. [aktuelle Aufsuchkarte auf calsky]
Sonne im Februar
Die Tageslänge wächst im Februar in den insgesamt 29 Tagen um 90 Minuten. Diese Erkenntnis, dass ein Jahr etwa 6 Stunden länger ist als 365 Tage, hatten bereits die Alten Ägypter; aber erst Caesar übernahm das Wissen 45 v. Chr. bei seiner Reform des Kalenders. Sein Julianischer Kalender beinhaltet deswegen alle 4 Jahre einen Schalttag.
Bis ins 16. Jahrhundert hatte der Julianische Kalender Bestand. Bis 1582 um genau zu sein, denn in diesem Jahr ordnete Papst Gregor XIII. ein verbessertes System an. Warum? Weil Kalendersysteme möglichst lange stabil sein sollen. So korrigiert der heute weltweit genutzte Gregorianische Kalender u.a. die Abweichung des Julianischen Kalenders vom Sonnenjahr (die sich bis 1582 auf 10 Tage summiert hatte) und - als Folge dieser Korrektur - auch den Mondkalender. Den Astronomen war nämlich aufgefallen, dass der astronomische Frühlingsbeginn sich vom kalendarischen Frühlingsbeginn (der sich am Passahfest orientierte) entfernte.
Man strich 10 Kalendertage (auf den 04.10.1582 folgte der 15.10.1582), um den kalendarischen Frühlingsbeginn wieder mit dem Äquinoktium zu harmonisieren. Außerdem führte man eine Regel ein, nach der die Schalttage in durch 100 aber nicht durch 400 teilbaren (ohne Rest) Jahren weggelassen werden. Das hatte Auswirkungen auf den Mondkalender, so dass zur Angleichung an das Sonnenjahr im Gregorianischen Kalender bei einem ausfallenden Schalttag das kalendarische Datum des Frühlingsvollmonds um einen Tag nach vorn verschoben werden musste. (--> Sonnengleichung)
Sinn des Ganzen: Das Jahr hat nach der Reform 365,2425 Tage; und der Kalender stimmt für über 3000 Jahre in ausreichendem Maße mit dem Sonnen- und Mondjahr überein.
PS: Wann feiern am 29. Geborene in den Nicht-Schaltjahren eigentlich Geburtstag?
Nun, ein Aachener Professor hat dazu eine Tabelle ausgetüftelt (PDF, 1 MB, S. 5 ff.), mit deren Hilfe alle Betroffenen jedes Jahr Geburtstag feiern können:
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| Termine der Geburtstagsfeiern in den Nicht-Schaltjahren für am 29. Geborene |
Ein kleiner Exkurs zum Zusammenhang zwischen Erde, Sonne und unserer Zeitmessung:
Ein Erdentag dauert 24 Stunden. Die Erde benötigt für eine Umdrehung aber bloß 23 Stunden und 56 Minuten (und 4 Sekunden). [--> Siderischer Tag]
Wo bleiben also die "restlichen" 4 Minuten? Die Differenz erklärt sich, wenn man sich unser Planetensystem anschaut. Darin bewegen sich die Planeten jeweils um ihre eigene Achse und um die Sonne. Im Laufe eines Tages bewegt sich die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne einen Bogengrad weiter (360° in 365 Tagen). Beide Kreisbewegungen haben den gleichen Drehsinn, was zur Folge hat, dass die Sonne nach einer vollständigen Erddrehung in einer leicht anderen Richtung zu finden ist. Die Erde muss sich also noch 4 Minuten lang weiter drehen, bis für den gleichen Ort die Sonne wieder an der Position des Vortags zu finden ist. [--> Sonnentag]
MERKE:
- Ein Sonnentag ist der Zeitraum zwischen zwei Meridiandurchgängen der Sonne (bis also die Sonne wieder exakt auf dem Meridian des Vortags steht), er dauert 24 h
- Eine geometrisch vollständige Umdrehung der Erde wird Siderischer Tag genannt (ein Siderischer Tag ist der Zeitraum zwischen zwei aufeinanderfolgenden Meridiandurchgängen eines "Fixsterns"), er dauert 23:56:04 h
- Während sich ein Siderischer Tag auf die Position von Sternen bezieht, wird der sog. Sterntag mithilfe der Frühlingspunkte definiert. Ein Sterntag ist der gemittelte Zeitraum zwischen Frühlings- und Herbstpunkt. Zweimal im Jahr schneidet die scheinbare jährliche Bahn der Sonne (die Ekliptik) den Himmelsäquator (um den 20. März = Frühlingspunkt/Frühlingsanfang und um den 23. September = Herbstpunkt/Herbstanfang).
An diesen Daten sind Tag und Nacht nahezu gleich lang (Äquinoktialpunkte).
- Siderischer Tag und Sterntag unterscheiden sich in ihrer Länge um 0,008 Sekunden.
[heute beträgt der Unterschied zwischen UTC und Atomzeit 34 Sekunden]
Wenn die Sonne an einem beliebigen Standort auf der Nordhalbkugel exakt im Süden (auf der Südhalbkugel im N) auf dem höchsten Punkt ihrer scheinbaren Tagesbahn steht (--> Kulmination), beträgt die Wahre Ortszeit an diesem Standort 12 Uhr. Genau diese Zeit kann man von einer Sonnenuhr ablesen.
Die Schiefe der Ekliptik und die leichte Exzentrizität der Erdumlaufbahn (woraus eine ungleichförmige Geschwindigkeit des Laufs der Erde um die Sonne resultiert) bewirken nun aber nicht nur das Zustandekommen unserer Jahreszeiten - sondern auch, dass Sonnenuhren um bis zu 16 Minuten bezüglich der Mittleren Ortszeit (= die übers Jahr gemittelte Sonnenzeit*, also unser Zeitsystem) vor- bzw. nachgehen.
Dieser Unterschied zwischen Wahrer Ortszeit (= Wahre Sonnenzeit) und Mittlerer Ortszeit wird Zeitgleichung genannt.
Die Mittlere Ortszeit wäre dann mit der Wahren Ortszeit identisch, wenn die Erdbahn um die Sonne keine Ellipsen- sondern eine exakte Kreisform hätte und die Erdachse senkrecht zu dieser Bahnebene stünde.
[schöne Animationen zum Thema auf www.stadtsonnenuhr.de]
Am 11.02. ist es übrigens wieder soweit: Dann gehen Sonnenuhren über das ganze Jahr gesehen am weitesten "nach" - 14 Minuten beträgt die Differenz aus Wahrer Ortszeit und Mittlerer Ortszeit.
* Unsere gesetzliche Zeit CET (= UTC+1) ist praktisch gleichzusetzen mit der Mittleren Sonnenzeit. Sie leitet sich von der Sternzeit ab (die auf dem Sterntag basiert), berücksichtigt die o.g. Erdbahneffekte, ist konstant (Atomsekunde als Zeiteinheit) und stimmt mit dem Sonnenlauf überein
--> Vertiefende Informationen zur Astronomischen Zeitmessung
--> Von der Sonnenuhr zur UTC
Themen:
Astronomie
Freitag, 3. Februar 2012
Dresden am 29.01.2012
Eindrücke eines Kurztrips in die sächsische Landeshauptstadt.
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| Centrum Galerie |
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| Dresdner Frauenkirche |
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| Goldener Reiter |
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| Katholische Hofkirche |
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| Semperoper |
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| Fürstenzug |
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Themen:
Dresden,
Fotografie,
Städtetouren
Samstag, 28. Januar 2012
Mordsspaß
"Bei meiner Abreise aus Alabama nach Irland hatte ich mir vorgenommen, ein Haus auf dem Land zu finden, das so weit wie möglich von der Zivilisation entfernt war, damit ich absolut nichts anderes tun konnte, als zu schreiben.
Meistenteils hielt ich mich ziemlich gut an den Plan. Ich hatte Freundinnen, aber sie kamen in mein Leben und verließen es mit einer Regelmäßigkeit wieder, nach der man die Uhr stellen, und mit einer Zwangsläufigkeit, auf die man sein letztes Hemd verwetten konnte. Sie kamen mutmaßlich deshalb in mein Leben, weil ich höflich und geistreich war - jedenfalls wenn ich mich dazu aufraffen konnte - und immer noch ungewöhnlich gut aussah, zumindest für einen Hochschullehrer, denn mein Gesicht war noch nicht durch Jahre alkoholischer Ausschweifungen ruiniert. Sie verließen mich wieder, weil sie rasch begriffen, dass ich wenig für sie empfand und sie nur als bequemes sexuelles Ventil benutzte. Ich war eben nicht in der Lage, mein Leben mit einem Menschen zu teilen; ich hatte andere Sorgen.
Im Grunde genommen war ich wohl von Natur aus ein Misanthrop. Darauf bin ich nicht stolz, und es ist keine Seite meines Charakters, die ich pflegen möchte oder gepflegt habe. Aber das Merkmal ist unübersehbar vorhanden. Mit wenigen Ausnahmen sind meine Beziehungen zu anderen Menschen stets von dem Gefühl - einer vagen, grüblerischen Einsicht - durchdrungen gewesen, dass ich nur die Zeit totschlüge. So schlich sich der Alkohol in mein Leben ein. Ich hatte mich immer betrinken müssen, um mit Freunden - sei es in Wales, Manchester, Oxford oder Alabama - umgehen zu können. Das soll nicht heißen, dass ich mich nicht vergnügt hätte - im Gegenteil, ich hatte einen Mordsspaß. Allerdings bin ich ziemlich sicher, dass es ohne Alkohol nicht dazu gekommen wäre.
Hier redet nicht bloß ein eingebildeter Wissenschaftler, der sich nur mit denen abgeben möchte, die er intellektuell für seinesgleichen hält. Wissenschaftler langweilen mich sogar noch mehr. Die Schuld liegt nicht bei denen, die ich meine Freunde nennen durfte, sondern bei mir. Ich leide darunter, dass mir etwas fehlt. Und in den seither vergangenen Jahren ist mir allmählich klar geworden, dass die Entscheidungen, die ich getroffen habe, und das Leben, das ich gelebt habe, Reaktionen auf diesen Mangel sind. Das Wesentliche an mir ist womöglich das, was mir fehlt."
aus: Rowlands, M. (2009): Der Philosoph und der Wolf. München, Piper, S. 173f
Themen:
Staubkorn
Mittwoch, 25. Januar 2012
J. Edgar
Eines vorweg: Dieser Film prügelt einem nicht die ungeschönte Wahrheit (das, was hinter dem von uns verwendeten Begriff Realität zu finden ist) ins Hirn, auch bleibt er weit weniger lang im Gedächtnis als beispielsweise Eastwoods Meisterwerk Gran Torino.
Und trotzdem ist es dem Meister sozialkritischer Dramatik mit seinem aktuellsten Stück erneut gelungen, die Zuschauer aufzurütteln und den Finger auf eine Wunde zu legen, deren weitreichende Folgen wahrscheinlich - in verschiedenster Ausformung - so mancher Kinogänger selbst schon zu spüren bekam.
J. Edgar Hoover war von 1924 bis zu seinem Tod 1972 Leiter des FBI; einer Behörde, die in nicht wenigen Kinofilmen eine zentrale Rolle einnimmt und deren Einfluss auf die amerikanische Gesellschaft des 20. Jahrhunderts von vielen nach wie vor unterschätzt wird. Auch ich weiß wenig bis nichts über die "US-Schlapphüte" und war daher schon fast ein bisschen dankbar für diese filmische Einladung zum frontalen Geschichtsunterricht.
Jeder kennt Clarice Starling, die junge FBI-Ermittlerin in Das Schweigen der Lämmer. Nicht? Dann holen Sie es nach! In einer Szene joggt sie auf einem Trimm-dich-Pfad durch einen Wald in der Nähe der FBI-Akademie in Quantico, Virginia und gewährt damit ganz nebenbei einen Einblick in die Bedeutung des Sports für angehende Bundesagenten. Körperliche Fitness ist bis heute ein wichtiges Kriterium, um überhaupt als angehender Agent ins Trainingsprogramm aufgenomen zu werden (hier ein Einblick in die Anforderungen an künftige Mitglieder des Hostage Rescue Teams HRT).
Hoover war von Anfang an wichtig, das FBI zu professionalisieren und einen Berufsethos zu etablieren. Einen Berufsethos, der darauf bestand, es als erste Pflicht anzusehen, sich körperlich und geistig vollkommen den Aufgaben des FBI - der Verfolgung von Verstößen gegen Bundesgesetze und der Spionageabwehr - zu widmen.
Zuversicht, Edgar
Eastwood baut diesen Film nicht streng chronologisch auf, sondern illustriert verschiedene Stationen der Biographie Hoovers anhand von dessen fiktivem Diktat der eigenen Memoiren in die Schreibmaschine wechselnder Assistenten. Diese Arbeitsweise ermöglicht einerseits eine Komprimierung des umfangreichen Stoffes und andererseits eine Fokussierung auf die vermeintlichen Schlüsselstellen im Leben Hoovers, ohne die sein Handeln nicht interpretierbar wäre.
Es beginnt auch gleich recht amüsant mit einer privaten Führung in der Kongressbibliothek von Washington. Hoover, in seinen 20ern, hatte ein Katalogisierungssystem entworfen und fand es angemessen, die Präsentation dieser Arbeit als Vorwand und Rahmen für einen Heiratsantrag an eine neue Angestellte des FBI zu nutzen. Völlig überfordert von der Situation, fällt er vor der perplexen Angebeteten im leeren Lesesaal auf die Knie und bittet um ihre Hand. Diese Einstellung ist für Eastwood der Schlüssel zum Verständnis Hoovers: Wenn es schon nicht aus freien Stücken gelingen will, so muss man sich durch akribische Arbeit, durch das manische Sammeln von Fakten und die Anlage von Aktenbergen mit kompromittierenden Inhalten, dieLiebe Loyalität seiner Umgebung sichern. Besser: Erpressen.
Insofern ist die geschilderte Szene alles andere als amüsant - stattdessen zum Heulen tragisch.
Miss Helen, das Mädel aus der Bibliothek, wird übrigens bis zum Lebensende Hoovers dessen Sekretärin bleiben und neben Clyde Tolson als einzige Person Zugang zu seiner Gefühlswelt bekommen.
Wobei, es gibt da noch eine Person in Hoovers Leben, der im Film zentrale Bedeutung zukommt, zukommen muss: seine Mutter. Judi Dench spielt, wie nur Judi Dench es spielen kann, eine Frau mit betonharter Moral und butterweichem Herzen. Eine Frau aus der Mittelklasse der Washingtoner Gesellschaft, die einen an schweren Depressionen leidenden Mann im Haus hat und sich für ihre (3) Kinder nur das Beste wünscht. Soweit, so durchschnittlich. Tragik kommt in diese Mutter-Sohn-Beziehung jedoch durch die große Nähe der beiden - bis zu seinem 43. Lebensjahr (Hoovers Mutter starb 1938) lebte er mit ihr unter einem Dach. Sie kannte zeitlebens dessen homosexuelle(?) Orientierung, war sich aber auch des Umstands, dass dieser Fakt in der Lebenszeit des Sohnes vor der Gesellschaft versteckt werden musste, nur allzu bewusst. Das Wissen über die für ihn daraus resultierenden gesellschaftlichen Probleme versuchte sie durch das Anlegen eines Albums mit gesammelten Zeitungsausschnitten vom erfolgreichen beruflichen Werdegang ihres "Edgars" zu verdrängen.
Ganz stark wird der Film in gerade solchen Einstellungen: Die Mutter presst die Meldung über die Berufung des Sohnes zum FBI-Direktor an die rechte Brust, verdrückt dabei Tränen und legt ihm anschließend noch ein Stück Braten auf den Teller, der schon mehr als gut gefüllt ist.
Später wird sie ihm im heimischen Schlafzimmer noch das Tanzen beibringen und diesen Satz sprechen:
Sie wurden einander in einer Bar vorgestellt, von einem Kollegen Hoovers. Der junge, gutaussehende Mann mit Karriereziel "eigene Kanzlei" und er, der junge FBI-Chef, mit Karriereziel "anerkannt und geliebt zu werden".
Tatsächlich war es große Zuneigung, die Hoover dazu brachte, diesen Clyde Tolson bis zum Lebensende als seinen Stellvertreter an sich zu binden. Als Ersatz für eine Ehe?
Darüber streiten Historiker bis heute.
Mit den Ermittlungen im Fall des entführten Lindbergh-Sohnes beginnt im Film schließlich der Aufstieg des FBI zu einer ernsthaften Bundesbehörde mit weitreichenden Befugnissen sowie dem Bestreben, durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (u.a. dem Einrichten von Laboren zur Untersuchung von verschiedensten relevanten Tatortspuren) jedes Verbrechen aufklären zu können. Das ist ein unbestrittener Verdienst Hoovers.
Parallel gießt das FBI aber auch erste Fundamente zur Errichtung eines Überwachungsstaates,
indem es einflussreiche Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens ohne Grund observiert. "Ohne Grund" ist selbstverständlich nicht richtig. Denn der Vorwand, Kommunisten zu jagen oder Verbrechen vorzubeugen, stand Pate für die Anlage dieser Geheimdossiers.
Geheimdossiers deshalb, weil sämtliche Akten der auf Hoovers Geheiß hin Ausspionierten in sein eigenes Archiv wanderten. Sie dienten der Erpressung und Machtsicherung. Einerseits.
Andererseits dienten sie aber sicherlich auch der Befriedigung einer voyeuristischen Ader des Auftraggebers. Die privaten Aktenschränke waren der Fetisch Hoovers. Der Fetisch, der in der Lage war, ihm jeden Tag neue (Ersatz)Befriedigung zu verschaffen und - etwa beim regelmäßigen Wechsel der US-Präsidenten - ihn mit stets stolz geschwellter Brust ins Oval Office marschieren ließ, um dem neuen Amtsinhaber zu zeigen, wer die Nummer 1 im Staate ist.
Wild und zahm zugleich
Beängstigend. Wer soviel Macht hat, wird irgendwann zu einer Bedrohung. Und in der Tat war J. Edgar Hoover eine große Bedrohung. In erster Linie für sich selbst. Wer sich nämlich zeitlebens Zwängen unterworfen sieht/unterwirft und keine Fluchtmöglichkeit erkennt, wird zu einem Tier, das in die Ecke gedrängt wird. Es sieht nur noch sich, nur noch sein Überleben, nur noch seinen Feind.
Die ihm zur Verfügung stehende Fluchtmöglichkeit war die Aufklärung von Kriminalfällen. Und die Ernte der damit verbundenen Lorbeeren. Unwichtig dabei, welches Team den jeweiligen Fall tatsächlich aufklären konnte. Unwichtig dabei, ob möglicherweise manche dieser Aktionen als Folge einer Paranoia und Menschenjagd betrachtet werden können. So entstand nach und nach eine Parallelwelt, in der sich ab einem gewissen Punkt nur noch Hoover selbst auskannte. Er log im Kongress, danach gefragt, ob die sogenannten "G-Men" der Eigenwerbung des FBI dienen - die Antwort war "Nein". Er zögerte lange mit der Antwort, als ihm die Frage gestellt wurde, ob tatsächlich er all die Verhaftungen durchgeführt hat. Er zögerte bei dieser Frage deshalb lange, weil sie ihn ins Mark traf. Sie drückte unbarmherzig - obendrein in der Öffentlichkeit des Gerichtssaals - auf sein lebenslang wundes Selbstwertgefühl. Die Folge war eine neue Akte. Eine Akte über den Fragesteller.
Verbitterung und der sehnliche Wunsch nach Anerkennung, nach Liebe prägen Eastwoods Porträt des FBI-Gründers. Da ist es nur folgerichtig, dass Hoover im ganzen Film nicht ein einziges Mal lacht. Mit einer Ausnahme: Auf den Wochenendausflügen gemeinsam mit Tolson zur Pferderennbahn. Sie scheinen ihm, sie scheinen ihnen beiden, für wenige Stunden das zu ermöglichen, was sie sich am sehnlichsten wünschen: Ungehemmte Zweisamkeit.
Mit solchen Bildern will der Film den Zuschauer mit der Person seines Protagonisten versöhnen, diese Anteil haben lassen am Leben all der Nicht-Geächteten und posthum den vielen (zu recht) kritischen Stimmen ein menschliches Antlitz hinter der unbarmherzig wirkenden Maske präsentieren.
Was also bleibt im Gedächtnis, nachdem der Vorhang sich geschlossen hat?
Nun, es bleibt die Erkenntnis, dass, wer sich nicht selbst im Spiegel betrachten kann, dazu verdammt ist, ein unglückliches und auf ewig unerfülltes Leben zu führen, das sich in all seiner zunehmenden Verbitterung zu einer wahren Bedrohung für die Umwelt auswachsen kann. Es bleibt das Bild eines Mannes, der, vielleicht weil er zur früh gelebt hat, sich bis zum Tod (als Kompensation?) in die Arbeit gestürzt und so den Aufbau einer Behörde vorangetrieben hat, deren Arbeitsweisen und Methoden wegweisend für die Kriminalistik des 20. Jahrhunderts sind.
Und bei mir bleibt die unterbewusste Mahnung, stets die Gründe für menschliches Handeln zu hinterfragen. Denn große Geschichten beginnen immer entweder mit einem Ja oder mit einem Nein.
J. Edgar
Und trotzdem ist es dem Meister sozialkritischer Dramatik mit seinem aktuellsten Stück erneut gelungen, die Zuschauer aufzurütteln und den Finger auf eine Wunde zu legen, deren weitreichende Folgen wahrscheinlich - in verschiedenster Ausformung - so mancher Kinogänger selbst schon zu spüren bekam.
J. Edgar Hoover war von 1924 bis zu seinem Tod 1972 Leiter des FBI; einer Behörde, die in nicht wenigen Kinofilmen eine zentrale Rolle einnimmt und deren Einfluss auf die amerikanische Gesellschaft des 20. Jahrhunderts von vielen nach wie vor unterschätzt wird. Auch ich weiß wenig bis nichts über die "US-Schlapphüte" und war daher schon fast ein bisschen dankbar für diese filmische Einladung zum frontalen Geschichtsunterricht.
Jeder kennt Clarice Starling, die junge FBI-Ermittlerin in Das Schweigen der Lämmer. Nicht? Dann holen Sie es nach! In einer Szene joggt sie auf einem Trimm-dich-Pfad durch einen Wald in der Nähe der FBI-Akademie in Quantico, Virginia und gewährt damit ganz nebenbei einen Einblick in die Bedeutung des Sports für angehende Bundesagenten. Körperliche Fitness ist bis heute ein wichtiges Kriterium, um überhaupt als angehender Agent ins Trainingsprogramm aufgenomen zu werden (hier ein Einblick in die Anforderungen an künftige Mitglieder des Hostage Rescue Teams HRT).
Hoover war von Anfang an wichtig, das FBI zu professionalisieren und einen Berufsethos zu etablieren. Einen Berufsethos, der darauf bestand, es als erste Pflicht anzusehen, sich körperlich und geistig vollkommen den Aufgaben des FBI - der Verfolgung von Verstößen gegen Bundesgesetze und der Spionageabwehr - zu widmen.
Zuversicht, Edgar
Eastwood baut diesen Film nicht streng chronologisch auf, sondern illustriert verschiedene Stationen der Biographie Hoovers anhand von dessen fiktivem Diktat der eigenen Memoiren in die Schreibmaschine wechselnder Assistenten. Diese Arbeitsweise ermöglicht einerseits eine Komprimierung des umfangreichen Stoffes und andererseits eine Fokussierung auf die vermeintlichen Schlüsselstellen im Leben Hoovers, ohne die sein Handeln nicht interpretierbar wäre.
Es beginnt auch gleich recht amüsant mit einer privaten Führung in der Kongressbibliothek von Washington. Hoover, in seinen 20ern, hatte ein Katalogisierungssystem entworfen und fand es angemessen, die Präsentation dieser Arbeit als Vorwand und Rahmen für einen Heiratsantrag an eine neue Angestellte des FBI zu nutzen. Völlig überfordert von der Situation, fällt er vor der perplexen Angebeteten im leeren Lesesaal auf die Knie und bittet um ihre Hand. Diese Einstellung ist für Eastwood der Schlüssel zum Verständnis Hoovers: Wenn es schon nicht aus freien Stücken gelingen will, so muss man sich durch akribische Arbeit, durch das manische Sammeln von Fakten und die Anlage von Aktenbergen mit kompromittierenden Inhalten, die
Insofern ist die geschilderte Szene alles andere als amüsant - stattdessen zum Heulen tragisch.
Miss Helen, das Mädel aus der Bibliothek, wird übrigens bis zum Lebensende Hoovers dessen Sekretärin bleiben und neben Clyde Tolson als einzige Person Zugang zu seiner Gefühlswelt bekommen.
Wobei, es gibt da noch eine Person in Hoovers Leben, der im Film zentrale Bedeutung zukommt, zukommen muss: seine Mutter. Judi Dench spielt, wie nur Judi Dench es spielen kann, eine Frau mit betonharter Moral und butterweichem Herzen. Eine Frau aus der Mittelklasse der Washingtoner Gesellschaft, die einen an schweren Depressionen leidenden Mann im Haus hat und sich für ihre (3) Kinder nur das Beste wünscht. Soweit, so durchschnittlich. Tragik kommt in diese Mutter-Sohn-Beziehung jedoch durch die große Nähe der beiden - bis zu seinem 43. Lebensjahr (Hoovers Mutter starb 1938) lebte er mit ihr unter einem Dach. Sie kannte zeitlebens dessen homosexuelle(?) Orientierung, war sich aber auch des Umstands, dass dieser Fakt in der Lebenszeit des Sohnes vor der Gesellschaft versteckt werden musste, nur allzu bewusst. Das Wissen über die für ihn daraus resultierenden gesellschaftlichen Probleme versuchte sie durch das Anlegen eines Albums mit gesammelten Zeitungsausschnitten vom erfolgreichen beruflichen Werdegang ihres "Edgars" zu verdrängen.
Ganz stark wird der Film in gerade solchen Einstellungen: Die Mutter presst die Meldung über die Berufung des Sohnes zum FBI-Direktor an die rechte Brust, verdrückt dabei Tränen und legt ihm anschließend noch ein Stück Braten auf den Teller, der schon mehr als gut gefüllt ist.
Später wird sie ihm im heimischen Schlafzimmer noch das Tanzen beibringen und diesen Satz sprechen:
"Zuversicht, Edgar, Zuversicht - welke nicht dahin wie ein Blümchen, dass kein Wasser bekommt."Clyde Tolson
Sie wurden einander in einer Bar vorgestellt, von einem Kollegen Hoovers. Der junge, gutaussehende Mann mit Karriereziel "eigene Kanzlei" und er, der junge FBI-Chef, mit Karriereziel "anerkannt und geliebt zu werden".
Tatsächlich war es große Zuneigung, die Hoover dazu brachte, diesen Clyde Tolson bis zum Lebensende als seinen Stellvertreter an sich zu binden. Als Ersatz für eine Ehe?
Darüber streiten Historiker bis heute.
Mit den Ermittlungen im Fall des entführten Lindbergh-Sohnes beginnt im Film schließlich der Aufstieg des FBI zu einer ernsthaften Bundesbehörde mit weitreichenden Befugnissen sowie dem Bestreben, durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (u.a. dem Einrichten von Laboren zur Untersuchung von verschiedensten relevanten Tatortspuren) jedes Verbrechen aufklären zu können. Das ist ein unbestrittener Verdienst Hoovers.
Parallel gießt das FBI aber auch erste Fundamente zur Errichtung eines Überwachungsstaates,
indem es einflussreiche Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens ohne Grund observiert. "Ohne Grund" ist selbstverständlich nicht richtig. Denn der Vorwand, Kommunisten zu jagen oder Verbrechen vorzubeugen, stand Pate für die Anlage dieser Geheimdossiers.
Geheimdossiers deshalb, weil sämtliche Akten der auf Hoovers Geheiß hin Ausspionierten in sein eigenes Archiv wanderten. Sie dienten der Erpressung und Machtsicherung. Einerseits.
Andererseits dienten sie aber sicherlich auch der Befriedigung einer voyeuristischen Ader des Auftraggebers. Die privaten Aktenschränke waren der Fetisch Hoovers. Der Fetisch, der in der Lage war, ihm jeden Tag neue (Ersatz)Befriedigung zu verschaffen und - etwa beim regelmäßigen Wechsel der US-Präsidenten - ihn mit stets stolz geschwellter Brust ins Oval Office marschieren ließ, um dem neuen Amtsinhaber zu zeigen, wer die Nummer 1 im Staate ist.
Wild und zahm zugleich
Beängstigend. Wer soviel Macht hat, wird irgendwann zu einer Bedrohung. Und in der Tat war J. Edgar Hoover eine große Bedrohung. In erster Linie für sich selbst. Wer sich nämlich zeitlebens Zwängen unterworfen sieht/unterwirft und keine Fluchtmöglichkeit erkennt, wird zu einem Tier, das in die Ecke gedrängt wird. Es sieht nur noch sich, nur noch sein Überleben, nur noch seinen Feind.
Die ihm zur Verfügung stehende Fluchtmöglichkeit war die Aufklärung von Kriminalfällen. Und die Ernte der damit verbundenen Lorbeeren. Unwichtig dabei, welches Team den jeweiligen Fall tatsächlich aufklären konnte. Unwichtig dabei, ob möglicherweise manche dieser Aktionen als Folge einer Paranoia und Menschenjagd betrachtet werden können. So entstand nach und nach eine Parallelwelt, in der sich ab einem gewissen Punkt nur noch Hoover selbst auskannte. Er log im Kongress, danach gefragt, ob die sogenannten "G-Men" der Eigenwerbung des FBI dienen - die Antwort war "Nein". Er zögerte lange mit der Antwort, als ihm die Frage gestellt wurde, ob tatsächlich er all die Verhaftungen durchgeführt hat. Er zögerte bei dieser Frage deshalb lange, weil sie ihn ins Mark traf. Sie drückte unbarmherzig - obendrein in der Öffentlichkeit des Gerichtssaals - auf sein lebenslang wundes Selbstwertgefühl. Die Folge war eine neue Akte. Eine Akte über den Fragesteller.
Verbitterung und der sehnliche Wunsch nach Anerkennung, nach Liebe prägen Eastwoods Porträt des FBI-Gründers. Da ist es nur folgerichtig, dass Hoover im ganzen Film nicht ein einziges Mal lacht. Mit einer Ausnahme: Auf den Wochenendausflügen gemeinsam mit Tolson zur Pferderennbahn. Sie scheinen ihm, sie scheinen ihnen beiden, für wenige Stunden das zu ermöglichen, was sie sich am sehnlichsten wünschen: Ungehemmte Zweisamkeit.
Mit solchen Bildern will der Film den Zuschauer mit der Person seines Protagonisten versöhnen, diese Anteil haben lassen am Leben all der Nicht-Geächteten und posthum den vielen (zu recht) kritischen Stimmen ein menschliches Antlitz hinter der unbarmherzig wirkenden Maske präsentieren.
Was also bleibt im Gedächtnis, nachdem der Vorhang sich geschlossen hat?
Nun, es bleibt die Erkenntnis, dass, wer sich nicht selbst im Spiegel betrachten kann, dazu verdammt ist, ein unglückliches und auf ewig unerfülltes Leben zu führen, das sich in all seiner zunehmenden Verbitterung zu einer wahren Bedrohung für die Umwelt auswachsen kann. Es bleibt das Bild eines Mannes, der, vielleicht weil er zur früh gelebt hat, sich bis zum Tod (als Kompensation?) in die Arbeit gestürzt und so den Aufbau einer Behörde vorangetrieben hat, deren Arbeitsweisen und Methoden wegweisend für die Kriminalistik des 20. Jahrhunderts sind.
Und bei mir bleibt die unterbewusste Mahnung, stets die Gründe für menschliches Handeln zu hinterfragen. Denn große Geschichten beginnen immer entweder mit einem Ja oder mit einem Nein.
J. Edgar
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Kritiken
Montag, 23. Januar 2012
Unüberbrückbare Differenzen
Da schaltet man wie immer zum Frühstück das Nachrichtenradio ein, um sich über die aktuellen Staumeldungen im Ruhrgebiet sowie die neuesten Meldungen über gesponsertes Klopapier und Spielzeugautos für die Familie Wulff zu informieren, als es mir bei einer Info plötzlich fast das Müsli vom Löffel haut: Heidi und Seal wollen sich trennen.
Nach dem chinesischen Neujahrsfest (und Bildern von böllerwerfenden Vietnamesen in der Dessauer Innenstadt im MDR), blinden Passagieren auf der Costa Concordia, der famosen Rede Angelas auf Guidos Geburtstagsparty, Gingrichs "Sieg" in South Carolina und Honeckers ausspioniertem Liebesleben platzte also eine neue Bombe. Eine Bombe von erschreckender Bedeutungslosigkeit.
Warum schaffen es derartige Meldungen in als seriös geltende Nachrichtenformate? Weil sie die Hörer und Leser besser erreichen als Berichte über eine angedrohte Sperrung der Straße von Hormus und deren Folgen. Gehen Sie heute mal auf die Flaniermeile ihrer Stadt (für Bewohner von Dörfern: gehen Sie zur Freiwilligen Feuerwehr) und machen Sie den Test mit zwei Fragen:
Über die gesellschaftswissenschaftliche Relevanz von Klatsch und Tratsch wird seriös geforscht. Dieser Studie zufolge führt schon das Wissen darüber, eventuell Opfer von Tratsch zu werden, zu sozialerem Verhalten.
Andere Ergebnisse legen nahe, dass diese Eigenheiten menschlicher Kommunikation aus unserem Leben nicht wegzudenken sind; gar Stress abbauen können.
Jeder weiß aus eigener Erfahrung, wie das Gehirn die neuesten Infos über die Nachbarn gegenüber den neuesten Infos aus Syrien wichtet.
Klatsch und Tratsch sind wohl im weitesten Sinne wichtig für ein gesundes Leben. Auch die Auflagen der Yellow Press scheinen diese Theorie zu bestätigen. Aber die Meinung mancher Psychologen, das Überleben unserer Spezies hänge vom Klatschen und Tratschen ab, erscheint mir dann doch etwas zu forsch. Mag wohl damit zusammenhängen, wo definitionsgemäß das Tratschen beginnt; und wo es endet...
Hier ein kleiner Selbsttest: Nutzen Sie Facebook?
Logisch. Dumme Frage. Sorry.
Sollten Sie sich nun von mir überreden lassen und einmal für, sagen wir: eine Woche, Buch über Ihr Surfverhalten innerhalb dieses sozialen Netzwerks führen, würden Sie sich am Ende des Zeitraums selbst als Voyeur entlarvt haben.
"Ja und, macht doch jeder."
Richtig. Die Selbstdarstellung ist uns in die Gene geschrieben.
Gewalt aber auch.
Selbstverständlich tragen Gene nie allein die Verantwortung; vielmehr muss man Gewalt und ihre verschiedenen Ausprägungsformen stets im physiologischen, entwicklungs- und persönlichkeitspsychologischen sowie sozialen Kontext betrachten und dann auf diesen Feldern intervenierend behandeln.
Diese Studie hier wirft aber indirekt gänzlich neue Fragen zu unserem derzeitigen Rechtssystem auf:
[Defekte des Gens für Monoaminoxidase A (MAOA) gehen mit einer höheren Gewaltneigung einher und Träger solcher Allele findet man gehäuft in Gangs]
Kann man solche Gewalttäter für ihr Handeln überhaupt verantwortlich machen?
Hier ist die Ethik gefragt.
Im Alltag werden dank der Justiz und einer allgemein anerkannten Moral die dunklen Seiten unserer menschlichen Natur meist erfolgreich in die Schranken gewiesen. Meist. Denn wo das Auge des Gesetzes blind ist (oder ihm das Auge ausgestochen wurde) - in Diktaturen, Guantanamo, Gefängnissen, Kriegen, Drogenkartellen, Slums,...- treten sie offen zu Tage.
Täglich - daran ändert Ihr erschrockenes Nippen am Espresso jetzt leider nichts - werden Männer vergewaltigt (man(n) redet bloß nicht drüber); Kinder umgebracht oder selbst zu Killern ausgebildet; Frauen unterdrückt; "Feinde" spurlos beseitigt; Lügen gezielt gestreut; Menschen manipuliert; kurzum: Macht missbraucht.
Sollten wir nicht häufiger darüber sprechen? Am Mittagstisch, in der Mensa, im Büro, in der Freiwilligen Feuerwehr?
Heidi darf ja im Bikini gerne von der Wand aus zusehen.
---
Ich muss nochmal auf Diktaturen zu sprechen kommen. Wir leben ja bekanntlich in einer mobilen Diktatur; und da kommt es darauf an, stets mobil zu sein. Mit dem Auto. Wenn ich mit dem Rad an der Fußgängerampel stehe (weil man ja für Kinder ein gutes Vorbild sein will) und den Blick in die Wagen schweifen lasse, dann fällt eines auf: 1,5 t müssen solo bewegt werden.
Denn nur so kann man den Ampelsprint souverän gewinnen. Denn nur so passt die Handtasche auf den Beifahrersitz. Denn nur so hat Cleo - die zuckersüße Golden Retriever-Dame - ihre Rückbank für sich allein. Denn nur so können die wichtigen Meetingakten nochmal gesichtet werden. Denn nur so bin ich Chef im Ring - und nicht Chauffeur des Familienwagens, unterwegs zu Kaufland.
Es muss eine unüberbrückbare Hürde sein, sich aus den Fesseln der automobilen Dauerverführung zu lösen. Ich wünsche mir Pflaster - ähnlich Nikotinpflastern - die man sich morgens auf den Arm klebt, dann in den Keller geht, das Rad auf die Straße trägt ... und die ihre Wirkung sofort voll entfalten: Du radelst plötzlich mit der imaginierten Sch****länge eines im Panamera Turbo Sitzenden durch den Park, klingelst freundlich den Erzieherinnen und ihrer Meute aus 4-jährigen zu und freust dich über die deinen Weg kreuzenden Eichhörnchen.
Eine Utopie? Vielleicht. Oder nur eine Frage der Zeit? Die Dinos sind auch schon tot.
PS: Statistikfreaks finden hier den Beleg für die Dominanz von Kurzstreckenfahrten
---
Zu Kurzstrecken zählen im weitesten Sinne auch Abfahrten und einer der Meister dieses Metiers wird heute 70 Jahre alt.
Herzlichen Glückwunsch, Willy Bogner.
Den Status als wohl bekanntester Skifahrer der Welt erhielt er freilich weniger durch seinen Sieg bei der Lauberhornabfahrt, als vielmehr durch den Ausbau des Modegeschäfts seines Vaters zu einem Unternehmen mit über 700 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz (2009) von 170 Mio. Euro.
Daneben brannte er sich mit spektakulären und bis dato noch nicht im Fernsehen gesehenen Skiszenen in das Gedächtnis einer ganzen Generation ein.
Im Privaten bleibt wohl der Suizid seines Adoptivsohnes Bernhard im Jahr 2005 als schlimmste Erfahrung im Gedächtnis hängen.
Das war übrigens nicht der erste unnatürliche Tod eines Familienmitglieds, denn 41 Jahre zuvor starb seine damalige Verlobte beim Abgang zweier Lawinen in der Schweiz.
Zuletzt ließ sich Bogner als Vorsitzender der Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH für die Kandidatur zur Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2018 vor den Karren spannen. Ob es wirklich die Gesundheit war, die ihn zum Ausstieg mahnte? Man weiß es nicht.
Noch zwei Fragen zum Schluss:
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Schöne Woche.
PS: Grüßen Sie stets Ihren Tischnachbarn vom Verfassungsschutz und tun Sie etwas für Ihre Beziehung. Zuhören zum Beispiel.
PPS: "Die Mühsal des Strebens nach Eintracht und Frieden auf Erden lässt sich erst im Zusammenleben mit Kindern in Gänze ermessen." (Verena Schmitt-Roschmann im Freitag)
Nach dem chinesischen Neujahrsfest (und Bildern von böllerwerfenden Vietnamesen in der Dessauer Innenstadt im MDR), blinden Passagieren auf der Costa Concordia, der famosen Rede Angelas auf Guidos Geburtstagsparty, Gingrichs "Sieg" in South Carolina und Honeckers ausspioniertem Liebesleben platzte also eine neue Bombe. Eine Bombe von erschreckender Bedeutungslosigkeit.
Warum schaffen es derartige Meldungen in als seriös geltende Nachrichtenformate? Weil sie die Hörer und Leser besser erreichen als Berichte über eine angedrohte Sperrung der Straße von Hormus und deren Folgen. Gehen Sie heute mal auf die Flaniermeile ihrer Stadt (für Bewohner von Dörfern: gehen Sie zur Freiwilligen Feuerwehr) und machen Sie den Test mit zwei Fragen:
- Wo liegt die Straße von Hormus?
- Kennen Sie den Namen "Heidi Klum"?
Über die gesellschaftswissenschaftliche Relevanz von Klatsch und Tratsch wird seriös geforscht. Dieser Studie zufolge führt schon das Wissen darüber, eventuell Opfer von Tratsch zu werden, zu sozialerem Verhalten.
Andere Ergebnisse legen nahe, dass diese Eigenheiten menschlicher Kommunikation aus unserem Leben nicht wegzudenken sind; gar Stress abbauen können.
Jeder weiß aus eigener Erfahrung, wie das Gehirn die neuesten Infos über die Nachbarn gegenüber den neuesten Infos aus Syrien wichtet.
Klatsch und Tratsch sind wohl im weitesten Sinne wichtig für ein gesundes Leben. Auch die Auflagen der Yellow Press scheinen diese Theorie zu bestätigen. Aber die Meinung mancher Psychologen, das Überleben unserer Spezies hänge vom Klatschen und Tratschen ab, erscheint mir dann doch etwas zu forsch. Mag wohl damit zusammenhängen, wo definitionsgemäß das Tratschen beginnt; und wo es endet...
Hier ein kleiner Selbsttest: Nutzen Sie Facebook?
Logisch. Dumme Frage. Sorry.
Sollten Sie sich nun von mir überreden lassen und einmal für, sagen wir: eine Woche, Buch über Ihr Surfverhalten innerhalb dieses sozialen Netzwerks führen, würden Sie sich am Ende des Zeitraums selbst als Voyeur entlarvt haben.
"Ja und, macht doch jeder."
Richtig. Die Selbstdarstellung ist uns in die Gene geschrieben.
Gewalt aber auch.
Selbstverständlich tragen Gene nie allein die Verantwortung; vielmehr muss man Gewalt und ihre verschiedenen Ausprägungsformen stets im physiologischen, entwicklungs- und persönlichkeitspsychologischen sowie sozialen Kontext betrachten und dann auf diesen Feldern intervenierend behandeln.
Diese Studie hier wirft aber indirekt gänzlich neue Fragen zu unserem derzeitigen Rechtssystem auf:
[Defekte des Gens für Monoaminoxidase A (MAOA) gehen mit einer höheren Gewaltneigung einher und Träger solcher Allele findet man gehäuft in Gangs]
Kann man solche Gewalttäter für ihr Handeln überhaupt verantwortlich machen?
Hier ist die Ethik gefragt.
Im Alltag werden dank der Justiz und einer allgemein anerkannten Moral die dunklen Seiten unserer menschlichen Natur meist erfolgreich in die Schranken gewiesen. Meist. Denn wo das Auge des Gesetzes blind ist (oder ihm das Auge ausgestochen wurde) - in Diktaturen, Guantanamo, Gefängnissen, Kriegen, Drogenkartellen, Slums,...- treten sie offen zu Tage.
Täglich - daran ändert Ihr erschrockenes Nippen am Espresso jetzt leider nichts - werden Männer vergewaltigt (man(n) redet bloß nicht drüber); Kinder umgebracht oder selbst zu Killern ausgebildet; Frauen unterdrückt; "Feinde" spurlos beseitigt; Lügen gezielt gestreut; Menschen manipuliert; kurzum: Macht missbraucht.
Sollten wir nicht häufiger darüber sprechen? Am Mittagstisch, in der Mensa, im Büro, in der Freiwilligen Feuerwehr?
Heidi darf ja im Bikini gerne von der Wand aus zusehen.
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Ich muss nochmal auf Diktaturen zu sprechen kommen. Wir leben ja bekanntlich in einer mobilen Diktatur; und da kommt es darauf an, stets mobil zu sein. Mit dem Auto. Wenn ich mit dem Rad an der Fußgängerampel stehe (weil man ja für Kinder ein gutes Vorbild sein will) und den Blick in die Wagen schweifen lasse, dann fällt eines auf: 1,5 t müssen solo bewegt werden.
Denn nur so kann man den Ampelsprint souverän gewinnen. Denn nur so passt die Handtasche auf den Beifahrersitz. Denn nur so hat Cleo - die zuckersüße Golden Retriever-Dame - ihre Rückbank für sich allein. Denn nur so können die wichtigen Meetingakten nochmal gesichtet werden. Denn nur so bin ich Chef im Ring - und nicht Chauffeur des Familienwagens, unterwegs zu Kaufland.
Es muss eine unüberbrückbare Hürde sein, sich aus den Fesseln der automobilen Dauerverführung zu lösen. Ich wünsche mir Pflaster - ähnlich Nikotinpflastern - die man sich morgens auf den Arm klebt, dann in den Keller geht, das Rad auf die Straße trägt ... und die ihre Wirkung sofort voll entfalten: Du radelst plötzlich mit der imaginierten Sch****länge eines im Panamera Turbo Sitzenden durch den Park, klingelst freundlich den Erzieherinnen und ihrer Meute aus 4-jährigen zu und freust dich über die deinen Weg kreuzenden Eichhörnchen.
Eine Utopie? Vielleicht. Oder nur eine Frage der Zeit? Die Dinos sind auch schon tot.
PS: Statistikfreaks finden hier den Beleg für die Dominanz von Kurzstreckenfahrten
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Zu Kurzstrecken zählen im weitesten Sinne auch Abfahrten und einer der Meister dieses Metiers wird heute 70 Jahre alt.
Herzlichen Glückwunsch, Willy Bogner.
Den Status als wohl bekanntester Skifahrer der Welt erhielt er freilich weniger durch seinen Sieg bei der Lauberhornabfahrt, als vielmehr durch den Ausbau des Modegeschäfts seines Vaters zu einem Unternehmen mit über 700 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz (2009) von 170 Mio. Euro.
Daneben brannte er sich mit spektakulären und bis dato noch nicht im Fernsehen gesehenen Skiszenen in das Gedächtnis einer ganzen Generation ein.
Im Privaten bleibt wohl der Suizid seines Adoptivsohnes Bernhard im Jahr 2005 als schlimmste Erfahrung im Gedächtnis hängen.
Das war übrigens nicht der erste unnatürliche Tod eines Familienmitglieds, denn 41 Jahre zuvor starb seine damalige Verlobte beim Abgang zweier Lawinen in der Schweiz.
Zuletzt ließ sich Bogner als Vorsitzender der Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH für die Kandidatur zur Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2018 vor den Karren spannen. Ob es wirklich die Gesundheit war, die ihn zum Ausstieg mahnte? Man weiß es nicht.
Noch zwei Fragen zum Schluss:
- Trägt Lindsey Vonn eigentlich Bogner?
- Was haben Bikinis mit Skisport zu tun?
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| [Bildquelle] |
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Schöne Woche.
PS: Grüßen Sie stets Ihren Tischnachbarn vom Verfassungsschutz und tun Sie etwas für Ihre Beziehung. Zuhören zum Beispiel.
PPS: "Die Mühsal des Strebens nach Eintracht und Frieden auf Erden lässt sich erst im Zusammenleben mit Kindern in Gänze ermessen." (Verena Schmitt-Roschmann im Freitag)
Freitag, 20. Januar 2012
Der Kea (Nestor notabilis)
Eine Postkarte mit dem Bild eines fliegenden Keas vor dem Hintergrund der Neuseeländischen Alpen weckte ausgangs der vergangenen Woche mein Interesse. Was machen Papageien im Schnee; wovon leben diese Vögel; sind sie neben dem Kiwi nationale Symbole; ist ihr Lebensraum bedroht;...?
Diese nur in Neuseeland vorkommende (endemische) Papageienart ist die einzige weltweit, deren Lebensraum im Hochgebirge angesiedelt ist. Im Norden der neuseeländischen Südinsel leben sie in den Sommermonaten meist in der alpinen Zone bis oberhalb der Baumgrenze (Höhen von 2000 m NN). Aufgrund der Verlockungen menschlicher Siedlungen sieht man sie allerdings auch häufiger in der planaren Zone (Tiefland). Im Winter leben sie normalerweise in den bewaldeten Bereichen der kollinen bis submontanen Zone (300 - 600 m NN). [--> Ökologische Potenz]
[DOWNLOAD --> Daten zur Kea-Verbreitung, u.a. als KML für Google Earth]
Ausgewachsene Exemplare können bis zu 50 cm groß werden, gut 1 kg schwer und wirken dank ihres martialischen Schnabels und dem olivfarbenen Tarngefieder sicherlich nicht so harmlos wie der kleine Wellensittich auf dem heimischen Fensterbrett. Ein kaum ausgeprägter Sexualdimorphismus verhindert im Feld oft die exakte Unterscheidung der Geschlechter.
Systematik
Stamm: Chordata (Chordatiere)
Unterstamm: Vertebrata (Wirbeltiere)
Klasse: Aves (Vögel)
Ordnung: Psittaciformes (Papageien)
Familie: Psittacidae (Eigentliche Papageien)
Gattung: Nestor (Nestorpapageien)
Art: Nestor notabilis (Kea, GOULD 1856)
Der umgangssprachliche Name Kea geht auf die Māori zurück, abgeleitet von seinen charakteristischen Ruflauten. Die lateinische Artbezeichnung notabilis bedeutet übrigens "bemerkenswert".
Zur Gattung Nestor werden neben dem Kea außerdem der Kaka (Nestor meridionalis) und die beiden ausgestorbenen Arten Norfolk Kaka (N. productus) und Chatham Kaka (N. sp.) gezählt.
Wahrscheinlich während der Würm-Kaltzeit hat sich der Kea vom Kaka als eigenständige Art abgespalten. (--> Geographische Isolation)
Biologie
Bei diesen sehr sozial lebenden Tieren können Trupps mit 30 und mehr Exemplaren beobachtet werden. Deren Altersstruktur setzt sich dann vorwiegend aus Adulti zusammen, die älter als 5 Jahre (Erreichen der Geschlechtsreife) sind. Das maximale Alter wird seit 2008 für in Gefangenschaft lebende Tiere mit 50 Jahren angegeben. Im Durchschnitt liegt es aber bei lediglich 14,4 Jahren.
Für freilebende Keas gibt es keine dokumentierten Höchstalter, es wird aber angenommen, dass sie zwischen 25 und 40 Jahre alt werden.
Man sagt Keas Polygamie nach, dennoch bestimmen auch bei ihnen die Weibchen, wann und ob es zur Sache gehen darf. Dazu kommt die innergeschlechtliche Konkurrenz, weshalb sich in manchen Jahren nur ein Zehntel der männlichen Keas fortpflanzen kann.
Keas brüten gewöhnlich einmal im Zeitraum von Juli bis Januar für die Dauer von 3 Wochen zwischen 2 und 5 Eier aus. Dabei verbleibt das Weibchen die ganze Zeit über auf dem Nest und muss vom Männchen gefüttert werden. Mit Ausnahme des Herbsts hat man allerdings schon ganzjährig Bruten beobachten können. Ihre Nester werden in selbstgegrabenen Erdhöhlen mit bis zu 6 Meter langen Gängen angelegt, in Hohlräumen unter Baumwurzeln sowie in Felsnischen.
Nach dem Schlüpfen füttern die Männchen die Weibchen für die Dauer eines Monats weiter, weil diese nach der Brutarbeit nun mit der Fütterung der Jungen ausgelastet sind. Nach einem weiteren Monat schließlich dürfen die männlichen Keas auch selbst zur Fütterung an den Nachwuchs.
Juvenile sind nach 13 Wochen flügge und werden von diesem Zeitpunkt an bis zum Erreichen der Selbständigkeit im Alter von 5 Monaten nur noch von ihren Vätern gefüttert. Anschließend finden sich die jungen Keas zu losen Gemeinschaften zusammen und streifen für einige Jahre ohne feste Reviere umher.
Mit Beginn der Geschlechtsreife suchen sie sich dann eigene Reviere.
Ein brutaler Killer?
Als Hauptnahrungsquelle dient ihnen ... eigentlich alles. Hauptsächlich aber pflanzliche Kost, die sich aus verschiedenen Beeren, Knospen sowie Wurzeln von Sträuchern und Gräsern zusammensetzt. Tierische Kost wird nicht verschmäht (z.B. Insekten, Spinnen ... Aas).
Der Kea geriet wegen dieser Eigenschaft (Aasfresser) an den Rand der Ausrottung, weil neuseeländische Farmer ihn für einen Schafskiller hielten und Kopfprämien für tote Exemplare zahlten. Sage und schreibe 150.000 dieser Vögel wurden bis zur vollständigen Unterschutzstellung Mitte der 1980er Jahre über einen Zeitraum von 100 Jahren getötet!
Heute gilt der Kea als gefährdet und man schätzt die verbliebene Zahl auf 2000 bis 5000 Individuen (siehe APPENDIX III).
Was ist passiert?
![]() |
| PS: Euch beiden vielen Dank für die Karte. |
[DOWNLOAD --> Daten zur Kea-Verbreitung, u.a. als KML für Google Earth]
| [Bildquelle] |
Systematik
Stamm: Chordata (Chordatiere)
Unterstamm: Vertebrata (Wirbeltiere)
Klasse: Aves (Vögel)
Ordnung: Psittaciformes (Papageien)
Familie: Psittacidae (Eigentliche Papageien)
Gattung: Nestor (Nestorpapageien)
Art: Nestor notabilis (Kea, GOULD 1856)
Der umgangssprachliche Name Kea geht auf die Māori zurück, abgeleitet von seinen charakteristischen Ruflauten. Die lateinische Artbezeichnung notabilis bedeutet übrigens "bemerkenswert".
Zur Gattung Nestor werden neben dem Kea außerdem der Kaka (Nestor meridionalis) und die beiden ausgestorbenen Arten Norfolk Kaka (N. productus) und Chatham Kaka (N. sp.) gezählt.
Wahrscheinlich während der Würm-Kaltzeit hat sich der Kea vom Kaka als eigenständige Art abgespalten. (--> Geographische Isolation)
Biologie
Bei diesen sehr sozial lebenden Tieren können Trupps mit 30 und mehr Exemplaren beobachtet werden. Deren Altersstruktur setzt sich dann vorwiegend aus Adulti zusammen, die älter als 5 Jahre (Erreichen der Geschlechtsreife) sind. Das maximale Alter wird seit 2008 für in Gefangenschaft lebende Tiere mit 50 Jahren angegeben. Im Durchschnitt liegt es aber bei lediglich 14,4 Jahren.
Für freilebende Keas gibt es keine dokumentierten Höchstalter, es wird aber angenommen, dass sie zwischen 25 und 40 Jahre alt werden.
Man sagt Keas Polygamie nach, dennoch bestimmen auch bei ihnen die Weibchen, wann und ob es zur Sache gehen darf. Dazu kommt die innergeschlechtliche Konkurrenz, weshalb sich in manchen Jahren nur ein Zehntel der männlichen Keas fortpflanzen kann.
| [Bildquelle] |
Nach dem Schlüpfen füttern die Männchen die Weibchen für die Dauer eines Monats weiter, weil diese nach der Brutarbeit nun mit der Fütterung der Jungen ausgelastet sind. Nach einem weiteren Monat schließlich dürfen die männlichen Keas auch selbst zur Fütterung an den Nachwuchs.
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| [Bildquelle] |
Mit Beginn der Geschlechtsreife suchen sie sich dann eigene Reviere.
Ein brutaler Killer?
Als Hauptnahrungsquelle dient ihnen ... eigentlich alles. Hauptsächlich aber pflanzliche Kost, die sich aus verschiedenen Beeren, Knospen sowie Wurzeln von Sträuchern und Gräsern zusammensetzt. Tierische Kost wird nicht verschmäht (z.B. Insekten, Spinnen ... Aas).
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| [Bildquelle] |
Heute gilt der Kea als gefährdet und man schätzt die verbliebene Zahl auf 2000 bis 5000 Individuen (siehe APPENDIX III).
Was ist passiert?
Themen:
Biologie,
Grzimeks Erben,
Naturschutz,
Planet Erde
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