Freitag, 27. Februar 2009

"Und bitte nehmen Sie keine Gebeine mit!"

Eigentlich sollte Chum Mei nicht mehr leben. Als 1979 mit dem Einmarsch der Vietnamesen das Ende der 3 Jahre, 8 Monate und 20 Tage dauernden Diktatur unter Führung Pol Pot's endete, fanden die Befreier des Foltergefängnisses Toul Sleng unter einer Handvoll Überlebenden auch den in Ketten gelegten 48-jährigen. Er entkam den Killing Fields - über 1,7 Millionen Menschen nicht ... nachts fuhren die Busse von Toul Sleng mit den Opfern auf's Land, dort mussten sie ihre eigenen Gräber ausheben, bevor sie erschlagen oder ihnen die Kehlen aufgeschlitzt worden; Lautsprecher sollten die Todesschreie überdecken.

Hauptangeklagter in diesem ersten Prozess gegen einen führenden Vertreter der Roten Khmer ist Kaing Guek Eav (66), genannt Duch (sprich "Doik"). Weitere Angeklagte sind die politischen Entscheider von damals. Sie sitzen in geräumigen Zellen, können jeden Tag zwischen Fisch, Fleisch und einem vegetarischen Gericht wählen und werden von einer Schar Ärzte betreut, um ein Wegsterben der gebrechlichen Greise vor Prozessbeginn zu verhindern. Buddhismus in Reinkultur wird von den Anklägern gelebt - so macht es den Eindruck.
Mehr als 100 Millionen US-$ hat das Tribunal bis heute verschlungen. Hauptzahler: Japan, Deutschland. Ein Land, in dem über 30% der Bevölkerung an der Armutsgrenze leben "verschwendet" Geld für eine Farce sondersgleichen!!!

Zwei Jahrzehnte nach der Vertreibung der Roten Khmer, kommt Duch in Untersuchungshaft. Die Verteidigungsstrategie wird auf "Befehlsnotstand" hinauslaufen: Duch als kleines Rad in der Maschine Pol Pot. Die Psychologen gehen so weit, Duch "Rehabilitierungsfähigkeit" zu bescheinigen, da er nun durch seinen christlichen Glauben gefestigt sei.

Ein Ex-Gefangener hat das Schlusswort: "Ich verabscheue diese Vorstellung von einer Morgendämmerung, die es dem Homo sapiens erlauben könnte, in Harmonie zu leben - mit solchen Utopien wurden die schlimmsten Blutbäder in der Geschichte gerechtfertigt." (François Bizot)

(PS: Die provokante Überschrift findet sich an einer Gedenkstätte für Touristen in Choeung Ek, nahe der Killing Fields)

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