Donnerstag, 30. Juli 2009

Allein gegen Hügel, Regen, die Uhr und den Wind

Zusammen mit 98 anderen Teilnehmern (darunter 4 Mädels) fand ich mich am Vormittag des vergangenen Samstags in Schmölln ein, um das erste Einzelzeitfahren meines Lebens zu bestreiten. Die Mehrzahl der Teilnehmer traf man bei ihren Vorbereitungen auf einem großen Parkplatz in unmittelbarer Nähe des Marktplatzes an. Da wurden die Rollen zum Warmfahren aufgebaut, die Luftpumpen bemüht, Scheibenräder knarrten auf ihren Einrollrunden an einem vorbei und nebenan wunderten sich die Laubenpieper der Gartenkolonie über all den Aufwand.

Ich begab mich zuerst in den Ratskeller am Markt, um meine Startunterlagen und die Startzeit zu bekommen. Angemeldet mit einem 40er Schnitt für 18,6 km und 250 hm habe ich mich nicht lumpen lassen :-)). Zugegeben, dass ich diesen nicht erreichen würde, stand schon vorher fest ... er diente mir aber dazu, die namentlich bekannte Konkurrenz aus Leipzig während des Rennens nicht buchstäblich im Nacken sitzen zu haben.
Geklappt hat es jedenfalls, denn meine Pappenheimer starteten maximal 5 Minuten vor mir.
Auf der 12 km kurzen Einrollrunde bis nach Selka bekam ich den Wind erstmals zu spüren und auf dem Rückweg auch den finalen Schlussanstieg kurz vor dem Ziel.

Augen zu und durch. 15 Minuten vor meiner Startzeit (11:45:30 Uhr) stehe ich angespannt neben der Konkurrenz. Um mich abzulenken, mustere ich den Himmel und die zahlreich vorhandenen Cumuli. Darunter sind etliche dunkle, zu Überentwicklungen neigende Vertreter, die jederzeit einen Schauer entlassen können. Noch 3 Minuten, meine Startnummer 2 wird aufgerufen (schon ein geiles Gefühl ;-)), ich begebe mich in die Schlange. 6 weitere Jungs haben einen noch höheren Schnitt angegeben und starten hinter mir. Der Sattel wird gehalten, man klickt ein, schaut auf die Uhr, 5, 4, 3, 2, 1, START!

Hinaus aus der Stadt geht es (wie könnte es anders sein) zuerst über Kopfsteinpflaster. Mein banger Blick, ob es die Luftpumpe aus der Halterung gefetzt hat, wird beruhigt - sie ist noch da. Rechtskurve, Anstieg, Wind. Waaahhhh, warum nur? Schier endlos lang ist der erste Anstieg, auf dessen höchstem Punkt ich allerdings bereits den vor mir Gestarteten sehen kann. Powern, schlachten! Man möge es mir verzeihen, aber die Urzeit ist in solchen Situationen dein Beifahrer. Ich kämpfe mich heran ... und werde auf der langen Geraden zwischen Kummer (!) und Brandrübel nass. Die Cb's hatten kein Einsehen und mussten just zwischen 11:45 Uhr und 12:15 Uhr sich ihrer Fracht entledigen. Glücklicherweise dauerte es nicht lange, bis die Sonne wieder zum Vorschein kam.

Mist! 30 Sekunden hinter mir gestartet und jetzt schon fast dran. Regel Nummer 1 beim Zeitfahren: "Dreh dich niemals um!" Ich muss mein Rennen fahren und konzentriere mich nur auf die weitere Verfolgung meiner Beute. Soll er doch überholen ;-). Nach genau 15 Kilometern hab ich meinen Vordermann endlich am steilsten Stück der Strecke in Sommeritz gestellt. Ohne einen Seitenblick geht es vorbei. Schönes Gefühl.

Noch 3 Kilometer bis ins Ziel, ein weiterer Fahrer taucht vor mir auf. Yippieeeehhh!!! Dich will ich direkt auf dem Marktplatz vor Zuschauern zerlegen ... Rechtskurve, das Ziel ist zu sehen, ich rufe ihm zu, damit er mich nicht nach rechts in die Absperrung abdrängt ... und gehe vorbei. 31:44,170 Minuten für 18,6 km mit 250 hm (hatte ich das schon erwähnt? :-)) stehen am Ende für Platz 20 in meiner AK und für Platz 29 im Overall-Ranking.



Das Teilnehmerfeld der Thüringen-Rundfahrt der Frauen begab sich ab 14:30 Uhr auf den gleichen Rundkurs wie wir Jedermänner/-frauen, absolvierte aber 6 Runden. Ich hab mich derweil im Auto während der Rückfahrt über die leckeren Knacker des Sponsors "Wolf" hergemacht und meine Teilnahme für die nächste Auflage fest beschlossen.

Die Ergebnisse für Interessierte: Klick.

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