Freitag, 31. Juli 2009

LVB-Triathlon - oder: Langsamer Verfolger mit Bauchschmerzen

Im Frühjahr diesen Jahres hab ich mich für den 26. LVB-Triathlon angemeldet. Nach ein paar Schwimmeinheiten im Hallenbad in der Wintersaison, gestärktem Ego beim Silberseelauf und dem Wissen, beim Radfahren definitiv nicht frühzeitig zu kollabieren, musste es zur Premiere gleich die olympische Distanz sein. Ich liebe Herausforderungen.

Meinen Trainingsplan für Einsteiger hab ich sporadisch befolgt - also die Rad- und Laufeinheiten zumindest ;-)). Schwimmen war nie die Liebe auf den ersten Blick, aber wir sind immerhin Freunde geworden (oder wie ging der Spruch doch gleich?).
Im Vorfeld hab ich mir die Zeiten der vergangenen Jahre angeschaut und mir völlig illusorische Ziele ausgemalt, die nach heutigem Ermessen nur mit einer "richtigen" Vorbereitung zu meistern sind. Talent, wo bist du nur?!

Am Tag vor dem Wettkampf kam ich direkt vom EZF in Schmölln an den Kulki, um meine Startunterlagen abzuholen und den Neo von Mario zu testen. Nach Erhalt der roten Badekappe ging es an den Strand bei frischem Westwind und meterhohem Wellengang (max. 15 cm).
Einer Presswurst gleich stürzte ich mich in die arktischen Fluten. Mario ist quasi im Wasser geboren und teilt das Element mit den Fischen - ich hingegen sehe eher dem nach seinem Ball paddelnden Hund ähnlich. Seis drum, das andere Ufer haben wir lebend erreicht und bevor ich mit meinem Zittern den dortigen Steg beschädigen konnte, gingen wir den Rück...ähh...weg an.

Sonntags bin ich 9:30 Uhr auf dem Parkplatz, packe mein Rad aus und laufe zusammen mit den anderen Teilnehmern zum Startbereich. Dort angekommen, checke ich in die Wechselzone ein (bekomme den Hinweis, meinen Helmgurt enger zu stellen) und hänge das Rad über die Stange.
Der Helm kommt umgedreht auf den Aero-Lenker, die Sonnenbrille in den Helm. Radtrikot und -hose auf den Lenker, Radschuhe neben das Vorderrad. Die Trinkflasche wird mit einer Mischung von Kirschsaft, Mineralwasser, Traubenzucker, NaCl an den Rahmen gesteckt (gleich neben der Luftpumpe). Die Laufsachen liegen in Höhe der Kurbel. Soweit, so gut. Noch eine knappe Stunde bis zum Start. Um mich ein wenig abzuregen, gehe ich aufs Klo, lasse mir die Startnummer auf den Arm malen, schaue auf die riesigen orangefarbenen Pontons zur Markierung der Schwimmstrecke ... und habe bei deren Anblick Bammel, als Letzter aus dem Wasser zu krabbeln (die Schwimmstrecke des Vortags war übrigens circa 1300 m lang).

Einige laufen sich warm. Könnte ich auch machen. Kann ja nicht schaden. Nach zehn Minuten hab ich keine Lust mehr, das ganze Areal gesehen und genügend Zeit, um in den Naturdarm zu kriechen. 5 Minuten bis zum Start: Ich begebe mich in die Startzone der Rotkappen, deren Startschuss 2 Minuten nach den Weißkappen fallen wird.
Peng, die Weißen sind im Wasser und machen bereits ordentlich Dampf. Nervöses Nesteln an der Brille, Dehnungsübungen, Kopfkino bis zum erlösenden (!!) zweiten "Peng".
Hinein in die Fluten, ein wenig Kraulen, einen Pacemaker suchen, einen Pacemaker finden, der auch Brustschwimmer ist ... und dranbleiben. Am ersten orangenen Wendepunkt drehe ich mich um. Puuhh! Ich bin NICHT Letzter. Schön, denn ab jetzt entspannen sich meine Bewegungen etwas und der Kopf wird freier. Ein ausgewachsenes Walross (ich konnte es nur an der Rückenbehaarung bestimmen) kann ich überholen, ebenso die ersten Vertreter des schönen Geschlechts. Hach ja :-)) Zweiter Wendepunkt, das Ziel kommt in Sicht, ich freu mich und werde ein klein wenig schneller (okay, wieder Kopfkino). 35 Minuten sind um, raus aus dem Wasser, hoch zum Rad und weg mit dem Neo!

Auf dem Lenker liegend fühle ich mich gleich pudelwohl - nicht zuletzt, weil die nächsten Konkurrenten überholt werden. Die Strecke führt etwa 2 Kilometer in Richtung Westen, bevor der 10 Kilometer lange und viermal zu absolvierende Rundkurs mit einer scharfen Linkskurve beginnt.
Rückenwind, 42 km/h, überholen ist angesagt ... und Molkeriegelessen. Auf dem Gegenwindteil ist es ein harter Kampf, erstens um die 32 zu halten und zweitens, um nicht überholt zu werden.
Rechtskurve, zurück nach Lausen und ab da in die nächste Runde. Der spätere Sieger hat mich auf Runde 2 überholt ... und noch ein paar andere Cracks. Runde 4 hatte im Gegenwindpart einen walkenden Radfahrer zu bieten, der sicher meinte, ohne zu flicken das Ziel schneller erreichen zu können. Mit ziemlichen Poschmerzen rolle ich nach 1:14 h wieder in die Wechselzone.

Radtrikot -schuhe aus, Laufshirt -schuhe an. Zu meinem Entsetzen muss ich feststellen, dass es an den Verpflegungsständen "nur" Getränke gibt. Waahhh!! Wo sind meine vom Marathon gewöhnten Bananen, Fettbemmen, Apfelstücke, Energieriegel? Hab das in der Vorinfo irgendwie verdrängt. Zwei Becher mit isotonischem Inhaltsstoff genehmige ich mir auf Runde eins. Entlang des Ufers führt die Strecke in den Wald hinein und nach einer 180 Grad-Kehre wieder aus diesem hinaus (klingt logisch und ist auch so). Vorbei an der Fernwärmeversorgung für Grünau folgt man einem Feldweg, bevor es wieder in die Wohngegend geht. Anwohner verpassen uns mit dem Gartenschlauch eine willkommene Abkühlung bei gefühlten 30°C. Die erste Runde ist nach 21 Minuten geschafft. Niedlich. Leider überkommen mich auf den letzten 5 Kilometern Bauchschmerzen und ein gewisses Übelgefühl, dem geschuldet ich langsamer laufen und zwei kurze Gehpausen einlegen muss. Schade, denn so dauert die zweite Runde 27 Minuten.

Mario begleitet mich auf den finalen Metern der Laufstrecke zu Fuß - das macht auch nicht jeder Freund! Im Ziel reiße ich die Arme nach oben und bin sehr sehr erleichtert, als meine persönliche Stoppuhr bei 2:46:47 h stehen bleibt.
Gestärkt mit Melone, Erdinger Alkoholfrei, Kuchen und Bananen geht es zurück in die Wechselzone und danach wieder ins Wasser: Diesmal aber nur aus Gründen der Körperhygiene ;-)

Mit nun wieder kühlem Kopf traf ich eine Entscheidung: Ich komme wieder und knacke die 2:30 h! Versprochen.













Keine Kommentare: