Dienstag, 11. August 2009

Bellum omnium contra omnes

Ich bin über einen Essay von Richard David Precht zum Stabilisierungseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan gestolpert, dessen Inhalt ich euch in Auszügen unbedingt näherbringen möchte.

George Orwell wird darin mit den Worten, "Politische Sprache ist dazu geschaffen, Lügen wahrhaft und Mord respektabel klingen zu lassen", zitiert. Soweit, so bekannt. Nur interessieren den deutschen Michel außer seiner Gehaltsabrechung am Monatsende und dem getrimmten Rasen im 20 m²-Vorgarten leider kaum ernsthafte und umfassende Problemstellungen im globalen Handeln der Menschheit. [...] "Mag sein, dass die Bundeswehr am Hindukusch einigen Menschen das Leben gerettet, ein paar Straßen friedlich gemacht und ein paar Frauen und Schulkindern das Leben erleichtert hat - aber all diese feinen Dinge könnte man mit gleichem Recht auch in Somalia tun, im Kongo oder in Ruanda. Einsatzorte für gute Taten gibt es überall. Aber nicht die USA gäben dabei die Marschroute vor, sondern Amnesty International." [...]

YES, WE CAN!!!

Noch so ein schöner Satz von Herrn Precht: "Es gibt Menschen, denen sogenannte Realpolitik, Bündnistreue und wirtschaftliche Interessen wichtiger sind als Idealismus und Moral." Letzteres in der Politik? Vielleicht bei der Tierschutzpartei ... *hüstel*. Der Afghanistaneinsatz jedenfalls ist moralisch längst unerträglich geworden! Deutschland verwischt "en passant die Grenze zwischen Verteidigung und Angriff und führt einen Krieg, zu dem es gemäß der UN-Resolution 1386 keinerlei Mandat hat." [...] "Sicher, es ist nicht leicht" [...] (schon gar nicht für die Grünen) "sich von der Utopie zu befreien. Der Kampf für die Menschenrechte in aller Welt ist die Blaue Blume der linken Romantik. Und das größte Wunder der Erde ist der Wunderglaube ihrer Bewohner, besonders der Linken". [...] Wow, ich bin richtig happy, solch einen Post im Darwinjahr unter die Menschen bringen zu dürfen ;-). Wacht endlich auf und akzeptiert euer archaisches Erbgut! Darüber täuschen auch keine Maßanzüge, kein A8 oder eine S-Klasse als Dienstwagen und erst recht kein wöchentlicher Podcast an das Volk hinweg! (wo bleibt jetzt das shakehands mit Urban Priol?)

[...] "Seit der griechischen Antike inspiriert der Gedanke, dass es eine richtige Art zu leben gebe, den moralischen Idealismus westlicher Prägung. Die Dummen, die Ungebildeten und die moralisch Verwirrten müssen mit allen in der Macht der Durchblicker stehenden gesellschaftlichen Mitteln dazu gebracht werden, auf Linie zu kommen. Dieser Idealismus fordert Unterwerfung unter die Idee des Guten, der Tugend, mithin unter die westliche Wertegemeinschaft." [...] "die Grenzen der Kulturen sind noch immer die Grenzen auch des militärischen Humanismus. Wer sie zu schnell überschreitet, macht aus willkommener Aufklärung kontraproduktiven Kolonialismus." [...]

Aber man darf unbesorgt sein, denn wenn erst die Soldaten verschwunden sind, wird auch am Hindukusch die "erfolgreichste Massenvernichtungswaffe des 20. Jahrhunderts" zünden: Der American Way of Life. [...] "Aufklärung geschieht durch Kultur, nicht durch Tornados." [...]

Wenn dereinst auch Cem Özdemir verstanden haben wird, "dass es nicht mehr sinnvoll ist, deutsche Soldaten für den militärischen Humanismus in einen fernen Krieg zu schicken", [...] "so lange schließlich" [...] wird in der "parteiübergreifenden Koalition des schlechten Gewissens" [...] der Krieg ein Wahlkampfthema bleiben.

Unsere Friedenspanzer haben blühende Landschaften hinterlassen: Mohnfelder in sattem violett.

Bleibt nur zu hoffen, dass es auch in Zukunft weiterhin genügend Ablenkung (z.B. solche Weltmeldungen wie ein geplatztes Schumi-Comeback) und Arbeit für das gemeine Volk geben wird, damit die Steuergelder brav fließen und die Bundesrepublik Deutschland weiter ungehemmt im globalen Egozirkus mitmischen kann.

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