Sonntag, 11. Juli 2010

La vie c'est un vélo

Wer bei wüstengleichen Temperaturen (leider wird es des Nachts nicht ganz so kalt) ein paar Stunden auf dem Rad sitzen will, sollte aus der Not eine Tugend machen und den Schutz der Dunkelheit in Anspruch nehmen.
Genau diesen Ansatz habe ich am Freitag beherzigt, nach dem Abendessen also die Riegel und meine mittlerweile üblichen 3 Liter Getränke am Rad verstaut und 22.05 Uhr die Haustür verschlossen.
Es sollte einmal mehr zum Fichtelberg gehen und "einmal mehr" bedeutet, dass die erneute Motivation sich aus dem Ziel, den Sonnenaufgang auf dem Gipfel zu geniessen, speiste.

Von ein paar tierischen Begegnungen (Katzen, Füchse, Marder) abgesehen, verlief die Fahrt im ersten flachen Streckenteil unspektakulär und routiniert. Den großen Vorteil der fast autobefreiten Straßen genoss ich sehr, das Sich Nähern von Scheinwerfern dagegen weniger, denn ablenkende Gespräche im Fahrzeug oder anderes könnten das schnelle Ende bedeuten - wahrscheinlich schneller als am Tage.




Gut, "Schutz der Dunkelheit" ist eben auch nur relativ.

Ab Bärenwalde wurde es dann langsam spaßiger, die Höhenmeter am GPS gerieten in Bewegung und ich bemerkte - auf die Höh kommend - einen warmen Süd(föhn).
Besonders toll sind Baustellen auf Abfahrten im Dunkeln. Wo man sonst mit 60 Sachen ausrollen lässt, müssen jetzt die Felgenflanken gewärmt werden. Aber ich bin ja nicht anspruchsvoll, würde auch nie ein Wort der Kritik an den in die Fahrbahnoberfläche gefrästen Querrinnen auf der Abfahrt vom Bikertreff an der Talsperre Eibenstock (um das Motorradfahren zu behindern) nach Neidhardtsthal verlieren. Nie.

Bockau, mein liebes Bockau. Das Fehlen des Tageslichts macht dich auch nicht schöner, nein, du behältst deine fiese Grimasse, dein schelmiges Grinsen in Erwartung eines 39x28 kettenden Radfahrers bei. Und wirst auch noch belohnt dafür.


Die anschließende Passage durch den Wald bis Jägerhaus verlangte positive Gedanken an die Güte des Menschen und an den Weltfrieden, die folgende Abfahrt nach Antonsthal nur schlichte Ignoranz gegenüber potentiell eintretenden Überraschungen aus dem Unterholz / Materialfehlern.

Am sogleich folgenden Wiederaufstieg - das kann man einem normalen Menschen auch nur schwer erklären - konnten die Beine gelockert und Pläne für den nächsten Fotostopp geschmiedet werden.

Mein Timer erlaubte ab Rittersgrün 60 Minuten für die letzten 15 km / 600 hm hinauf zum Gipfel - das passt, Luft für eine Panne oder ähnliches gab's aber keine mehr.

Wuuuuuuhhhhhhhhuuuuuuuuuu (4.47 Uhr war das Tagesziel erreicht)!

Ein Stündchen später geht es wieder hinab und - nein, nicht über die Grenze zum Keilberg - fast identisch retour. Aus Vernunftgründen (jupp, es gibt noch Reste) verzichte ich auf das "Double" und entscheide mich hinter Bockau auch gegen Bernsbach.

Die gute Stunde Dösen am Morgen auf einer Bank bei Breitenbrunn hat das Schlafdefizit nicht wirklich verringern können, und so bin ich indirekt dankbar, dass Sonne und steigende Temperaturen mir die Entscheidung zur Weiterfahrt abgenommen haben.
Mit frischem Getränk aus einer Quelle versorgt, ging es erneut an der Talsperre vorbei und an die letzten Hügel vor der langen "Abfahrt" nach Zwickau.

Kurz vor Wilkau-Hasslau erschien mir ein schattiges Wiesenstück neben einem Flüsschen gar zu verlockend, um nicht eine kleine Erfrischung mitzunehmen ... und 15 Minuten Päuschen zu machen.
Dieses Prozedere sollte sich noch 3mal wiederholen :-).

Was hab ich gelernt? Dass meine defensive Fahrweise berechtigt, wohl ohne den befürchteten Kollaps heraufzubeschwören noch etwas mehr möglich gewesen, aber summa summarum für die Umstände durchaus alles perfekt war.

Dementsprechend positiv gestimmt konnte es nach einer 2-stündigen Ruhezeit am Nachmittag erneut raus und - diesmal mit dem ganzen Körper - ins Wasser gehen. Das gemeinsame Abendessen in Borna war schließlich der äußerst gelungene Abschluss eines etwas längeren Tages.

Tourdaten:

* 282 km
* 3141 hm
* 11:41 h Netto
* 17:04 h Brutto











Keilberg.


Gut Ding will Weile.














Keine Kommentare: