Montag, 2. Mai 2011

Santo subito

Ein Mann schaut an einem Sonntagnachmittag ein Liveprogramm über Satellit. Soweit nicht wirklich spannend und auch völlig banal? Mag sein, nur lief dieses Programm gestern Nachmittag nur für ihn; und der Mann heißt Barack Obama.

Mit der Exekution Osama bin Ladens haben die USA eine weitere Symbolfigur im von ihnen ausgerufenen Kampf gegen den Terrorismus zu Fall gebracht.

10 Jahre nach dem Fall des WTC ist daher der Jubel tausender Amerikaner am Ground Zero verständlich - und nachdenklich stimmend zugleich. Denn manchmal wird die Augenbinde der blind Gerechtigkeit abwägenden Justitia allzu derb vom Gesicht gerissen und deren Augenlicht durch ein Spektiv gelenkt. Doch wie soll sie über die gerechte Strafe abwägen können, wo doch ihr rechter Zeigefinger den Abzug sofort ziehen muss? Und wer hat ihr im Anschluss gleich wieder die Augenbinde verpasst?

Welche Konsequenzen werden aus diesem neuen Faktum gezogen? Was will Deutschland eigentlich mit einem Innenminister Friedrich? Hat Claudia Roth den Amerikanern auch gratuliert? Wie lange hatte Karzai seine heutige Ansprache schon im Schubfach und welche Orden bekommen die Todesschützen? Fragen, die seit diesem 02. Mai 2011 im Raum stehen.

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Eine Frage, die seit dem 01. Mai 2011 nicht mehr im Raum steht, ist jene nach der Seligsprechung "Giovanni Paulis". Um diesen Status erlangen zu können, muss man zu allererst natürlich, nun ja, tot sein. Gewiss ebenso wichtig ist jedoch entweder ein erlittenes Martyrium (genaue Informationen darüber dürfen gerne selbst recherchiert werden) oder ein bewirktes Wunder. Johannes Paul II. hat nachweislich eine Nonne aus Frankreich von Parkinson geheilt. Katholische Parkinsonkranke werden ab heute wohl sein zur Verehrung freigegebenes Blut in den Mittelpunkt ihrer Hoffnungen rücken. Meinen Segen haben sie.

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Apropos Segen. William und Kate. Oder Kate und William? Ist man ein Chauvinist, gar Darwinist, wenn man den Mann zuerst nennt, weil dieser adelig und sie gebürtige Bürgerliche ist?
Man sieht, ich komme scheinbar von einem Extrem zum nächsten, und doch hängt alles mit allem zusammen. Das Spektakel am Freitag sollen über 2 Milliarden Menschen am Fernseher verfolgt haben. Bei 7 Milliarden Menschen weltweit eine ... beängstigende Quote.

Osama wäre (unrasiert) überall erkannt worden, William & Kate werden (unrasiert) überall erkannt werden. Ein Leben für die Öffentlichkeit, ein Leben für die eigene Tradition, ein Leben als Maskottchen einer Nation. Man lernt aus solchen Großveranstaltungen viel über die menschliche Natur; das diese sich nämlich nach einem Anführer und Vorbild sehnt; das diese eher wenig individuell sondern eher gruppenorientiert handelt; und das diese nach Anerkennung strebt.

Anerkennung erwerben wir uns am einfachsten durch Ehrlichkeit, Vertrauenswürdigkeit und Zuverlässigkeit. Es muss ja nicht gleich der Märtyrertod oder die Hochzeit mit einem Thronfolger sein.

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