Freitag, 7. Oktober 2011

Herbstexkursion in die Sächsische Schweiz

Gegründet im September 1990 ist der Nationalpark Sächsische Schweiz heute einer von bundesweit 14 Nationalparks. Dem damaligen Vize-Umweltminister der letzten DDR-Regierung, Prof. Michael Succow, oblag die schwierige Aufgabe, unter Berücksichtigung der fortan geltenden bundesdeutschen Naturschutzgesetzgebung, innerhalb von 6 Monaten vom Entwurf hin zur tatsächlichen Realisierung des DDR-Nationalparkprogramms zu gelangen.

Mit diesem Programm kamen schließlich 5 Nationalparks, 6 Biosphärenreservate und 3 Naturparks in den Einigungsvertrag - eine umweltpolitische Großtat, die Herrn Succow 1997 den Alternativen Nobelpreis einbrachte. Mit dem Preisgeld gründete er die Succow-Stiftung, deren Hauptanliegen darin besteht, sich für die Ausweisung neuer Naturschutzgebiete (national und international) einzusetzen.
"Wir müssen retten, was zu retten ist!" Weg von der Hybris, sich die Erde untertan zu machen, hin zu mehr Demut. Auch in Westeuropa, wo es kaum noch unberührte Natur gibt, können Wildnisräume entstehen."*
(Michael Succow)
*Aktuell sind 0,54 % der Fläche des Bundesgebietes Nationalparks. Umweltpolitisch angestrebt ist eine Erweiterung auf 2 %.


Tag 1 - 01.10.2011

Mein Weg führte an diesem 01. Oktober 2011 zunächst in die hinterste Hintere Sächsische Schweiz: nach Hinterhermsdorf (2001 übrigens zum "schönsten Dorf Sachsens" erkürt). Zwischen Hohnstein und Hinterhermsdorf verläuft auf einer gedachten Linie die "Lausitzer Überschiebung". Dieser Bereich ist im Geologensprech eine Bruchzone, an der gegen Ende der Kreidezeit Granit auf die kreidezeitlichen Schichten der Elbtalzone aufgeschoben wurde. Der Laie erkennt insbesondere im Polenztal bei Hohnstein anhand der unterschiedlichen Formen der Talhänge den Einfluss von Granit und Sandstein auf das Relief. Während sich nämlich im Granitgebiet V-Täler herausbildeten, sind es im Sandsteingebiet U-Täler gewesen.

(Quelle: Wagenbreth/Steiner: Geologische Streifzüge, 4. Aufl., 1990, S. 167)

Vom Ortszentrum aus führte mich der Weg über die Buchenstraße zum Buchenpark und dann weiter in südöstlicher Richtung auf dem Hohweg erstmalig an diesem Wochenende in die Kernzone des NP.


Unterhalb des Hermannsecks beginnt an der Oberen Schleuse ein 700 m langer Stau der Kirnitzsch, der ab 1580 der Flößerei diente und heute für Bootsfahrten in der Kirnitzschklamm genutzt wird.

Felsenstiege am Hermannseck.







Ich wandere im Tal flußabwärts, spüre das kühl-feuchte Klima in der engen Wolfsschlucht und freue mich wenig später über relativ große Wiesenflächen, die von Mäandern durchschnitten werden.

Nach 3 Kilometern zweigt der Rabensteinweg scharf nach rechts zum nächst höher gelegenen Geländeniveau ab und mit einem letzten Blick ins Tal verabschiede ich mich von diesem bis dato neuen Teil des Elbsandsteingebirges.

An der Buchenparkhalle sind die Freisitze gegen 18 Uhr bereits gut gefüllt, während ich an (sich vor dem Pfarrberghintergrund eifrig im Sammeln von Familienbildern betätigenden) Knipsern vorbei mit der Abendsonne im Rücken zum Parkplatz schlendere. Nachdem die Wanderschuhe ausgezogen, das Abendessen verdrückt, der Übernachtungsplatz beschlossen und fast alle Türen geschlossen waren, hatte ich noch das Vergnügen, einem pensionierten Trucker zu lauschen, der sich als profunder Kenner der Maginot-Linie herausstellte. Wieviele Granaten auf einmal in den Aufzug zum Geschützturm passten (es sind 50), dass aber immer nur 48 transportiert und der freie Platz mit Rotweinflaschen aufgefüllt wurde, erfuhr ich von meinem abendlichen Gesprächspartner in Hinterhermsdorf. Etwas aktueller waren die Informationen zum Autoklau in der deutsch-tschechischen Grenzregion. Auf dem Parkplatz hier an der FFW im Ort sollen bei der letzten Bundestagswahl am hellerlichten Tag 3 (in Worten: drei) Pkw aufgebrochen worden sein.

Zeit, das Lager abzubrechen und den geplanten Übernachtungsplatz im Zahnsgrund anzusteuern. Ab 20 Uhr hetzte ich dann hinauf auf die Schrammsteine, in der Hoffnung, den Monduntergang noch sehen zu können. Ich konnte ihn zwar sehen, das dazugehörige Bild hat es aber in das diesen Post begleitende Video verschlagen.


Tag 2 - 02.10.2011

Nach etwas unruhiger Nacht bin ich ab 6.30 Uhr mit dem kompletten Tagesgepäck auf dem Rücken erneut unterwegs zu den Schrammsteinen. Über Schießgrund, Elbleitenweg und Jägersteig gelangt man schnell hinauf zum Gratweg, der jetzt am frühen Morgen noch ganz einsam und still zum Verweilen und Geniessen einlädt. Spätestens in zwei Stunden ist es mit der Ruhe allerdings vorbei, sodass mir nicht sehr viel Zeit blieb, ungestört die Umgebung durch den Prismensucher zu betrachten. Diese Aufnahmen entstanden auf dem Gratweg, zwischen Jägersteig und Mittelwinkel:













Am nordwestlichen Ende des Gratwegs befindet sich mit der sog. Schrammsteinaussicht der Hotspot schlechthin in der Hinteren Sächsischen Schweiz. Geographisch rechnet man übrigens das Gebiet um Rathen zur Vorderen und jenes, die Schrammsteine, Affensteine, Schmilkaer Gebiet, Zschand bis Hinterhermsdorf umfassende zur Hinteren Sächsischen Schweiz.

Es war 9.30 Uhr an diesem herrlichen Sonntagmorgen, als sich der Aussichtspunkt schon ganz gut zu füllen begann.


Die hier gezeigte "klassische Rollenverteilung" (Er mit Kamera, Sie mit Verpflegung und Kind) sah ich im Tagesverlauf allerdings bröckeln. Bei Japanern; denn hier hatten beide Geschlechter jeweils eine eigene DSLR im Anschlag - aber keine Kinder.

Okay, zurück zur Landschaft und dem hier gezeigten Panorama:

Wir sehen im linken Bilddrittel die Festung Königstein am Horizont, in Bildmitte Hohen (424 m NN) und Mittleren Torstein sowie rechts den Falkenstein (378 m NN).

In westlicher Richtung, 150 Meter entfernt, befindet sich die Tante (auf dem Bild mit zwei Boofern):


Ich wendete meinen Schritt und folgte dem Gratweg (später Schrammsteinweg) südostwärts.



Über die Breite Kluft steige ich anschließend ab und folge dem Elbleitenweg bis zum Rauschentor.


 Quert man anschließend den Rauschengrund und steigt sofort wieder über einen - an einen Trampelpfad erinnernden - Fussweg auf, erreicht man nach 150 m den Unteren Terrassenweg und damit den für mich bislang immer noch schönsten Pfad in diesem Gebiet. Mautpflichtig ist er aber Gott sei Dank noch nicht. :-)

Rauschenstein und Wachtürme.

Auf engstem Raum (500 m von der Starken Stiege bis zum Falknerturm) führt der Untere Terrassenweg vorbei an der ganzen Vielfalt der Verwitterungsformen des Quadersandsteins. Es gibt exponierte Felsriffe mit kleinen Sanduhren, Eisenverwitterung und zahlreichen Wabenstrukturen aber auch große Felsüberhänge. Letztere entstanden mittelbar aufgrund der fast rechtwinklig aufeinanderstoßenden Schichtfugen mit den SW-NO- bzw. SO-NW-verlaufenden Klüften des Sandsteins. An diesen Sollbruchstellen hat(te) das Wasser leichtes Spiel und sprengt(e) besonders bei häufigen Wechseln um die Nullgradmarke neue Stücke aus dem Sandsteinkörper heraus.










Zwischen Großem und Kleinem Falknerturm hindurch gelangt man auf dem nun in nordöstlicher Richtung weiter zur Rotkehlchenstiege führenden Unteren Terrassenweg, vorbei an Nebelturm, Stiegenwächter und Rotkehlchenturm.



Rotkehlchenstiege.

Zurückesteig und Reitsteig bringen mich anschließend Frienstein und Idagrotte näher.


Frienstein.

Die Idagrotte ist insofern spektakulär, als sie nämlich im Mittelalter u.a. als Wohnraum diente.





Mit einem letzten Blick auf Kuhstall und Hausberg (397 m NN)...


...ging es zurück zum Reitsteig...


...und von da entlang der Oberen Affensteinpromenade...



...zur 1 km entfernten Häntzschelstiege.


Ich bin quasi auf die Minute pünktlich zum Sonnenuntergang auf dem "Gipfel", kann gerade noch das Stativ in Stellung bringen, ein paar mal abdrücken und schon war die Show beendet:



Dabei sollte das schärfste Bild erst noch kommen:


Meinen Rückweg über Langes Horn und Wilde Hölle begleiteten auf kurzer Strecke 4 junge Kerle aus Dresden. Ob ich den Weg zum Carolafelsen kenne - Jungs, noch 200 m.
Eulentilke und Nasser Grund brachten mich wieder auf Talniveau und, halt, was leuchtete da im Schein der Lampe? Augen in der Dunkelheit, 50 Meter entfernt, unbewegt abseits des Weges. Ich kam näher, verlor sie nicht aus dem Blick und wollte unbedingt wissen, was für einem Tier sie zugerechnet werden müssen. Aber was ich dann sah, hätte ich nicht erwartet: eine Wildkatze!!!

Einstmals war die Wildkatze in ganz Mitteleuropa verbreitet. Heute ist sie eine der seltensten heimischen Säugetierarten und vom Aussterben bedroht. Internationale Artenschutzabkommen haben sie aufgenommen, ebenso wie die Rote Liste Deutschlands. Heute sind in Deutschland etwa 10% der ursprünglichen Vorkommensgebiete wieder besiedelt. Sichere Populationen bestehen im Harz, im Kyffhäusergebirge, im Taunus und in der Eifel. Auch im Nationalpark Hainich in Thüringen konnten in den letzten Jahren Ansiedlungen nachgewiesen werden.

Im Unterschied zur Hauskatze besitzt die Wildkatze einen korpulenteren, massigeren Körperbau sowie einen stark buschigen und relativ dicken Schwanz mit bis zu 40 cm Länge.
(vgl.: Unsere Jagd, 8/2005, S. 41)

Auf etwa 10 Meter kam ich heran, dann sprintete das Tier in enormem Tempo einen kleinen Hang hinauf und war verschwunden. Meine Kamera war im Rucksack. Ich sollte wie die Japaner rumrennen!

Tag 3 - 03.10.2011

Wir schreiben den Tag der Deutschen Einheit im Jahre 2011, ich frühstücke erneut im morgendlich doch etwas kühlen Zahnsgrund und freue mich auf die ersten Sonnenstrahlen oben auf der Falkensteinstraße. Heute wollte ich mir ein Stück des Panoramaweges ansehen und nördlich bzw. nordwestlich des Kirnitzschtales die Landschaft erkunden.


Schillerdenkmal oberhalb Bad Schandaus.
Königstein und Lilienstein.
Altendorf ist nach Bad Schandau die zweite Station an diesem Tag. Im Dorf fallen mir sofort die Zaunssäulen aus Sandstein auf - so zeigt man Heimatverbundenheit. ;-) Desweiteren stehen auch hier wie schon im Goldgründel zuvor nett gemachte Informationstafeln entlang des mit einem gelben Punkt markierten Panoramaweges.




In Mittelndorf verlasse ich den P.weg in Richtung Tal und Ostrauer Mühle.


Der Verkehrslärm auf der Verbindungsstraße zwischen Bad Schandau und Hinterhermsdorf im Kirnitzschtal vermiest mir zwar gleich wieder die Stimmung, aber es gibt leider keine echte Alternative zur Talquerung. Ein charmanter Farbtupfer ist die Straßenbahn (heute solarbetrieben), die seit 1898 von Bad Schandau bis zum Lichtenhainer Wasserfall verkehrt.


Aufpassen muss man als Pkw-Fahrer an der Ostrauer Mühle, denn hier gilt Tempo 30. Als ich vor 2 Jahren nämlich mit besetztem Beifahrersitz hier entlang fuhr, gab es plötzlich ein unfreiwilliges Foto von uns. Seitdem ist diese Stelle im Langzeitgedächtnis verankert. Man kann nur für die Zukunft lernen.

Über einen gut gefüllten Zeltplatz...


...gelange ich hinauf zum Steinbrecherweg...


...und weiter auf mir neuer Route zum Wenzelweg.

Heute sollte endlich mal der Mittelwinkel erkundet werden, der Aufstieg zur Schrammsteinaussicht von nordöstlicher Seite aus.

Radroute im Nationalpark.

Man läuft ein kurzes Stück auf der Radroute im Nationalpark bevor es steil, anfangs über Holztreppen und später über Metallleitern, auf das Gipfelplateau geht. Der erwartete Overkill blieb nicht aus, sodass ich keine Lust auf einen Verbleib verspürte und den direkten Heimweg antrat.

Schlange am Wildschützensteig.


Auch der Parkplatz, ach, was sag ich, die ganze Straße war zugeparkt. Ein Fakt, der erneut deutlich werden ließ, dass ich mich hier in einer der meistbesuchten Landschaften Deutschlands aufhielt. Kennzeichen von B über OSL bis S waren der Stichprobe genug.



Unten im Elbtal zeigte der Himmel die ersten Anzeichen vom nahen Ende der langen Hochdruckwetterphase; ab Ende der Woche soll der Herbst sein wahres Gesicht zeigen.

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