Samstag, 10. März 2012

Der Sternenhimmel im März

+++Die von mir für die jeweilige Jahreszeit vorgestellten sichtbaren Sternbilder, ihre Position am Himmel sowie Angaben zu Planeten, Sonne und Mond beziehen sich - sofern nicht anders angegeben - auf einen Beobachterstandort von 51° Nord und 12° Ost.

Als Unterstützung beim schnelleren Auffinden der Sternbilder empfehle ich den Kauf eines kleinen Himmelsführers mit beigefügter drehbarer Sternkarte. Dieses praktische Hilfsmittel misst meist nicht mehr als 10 cm im Durchmesser und findet Platz in jeder Jacken- oder Handtasche+++
Der nördliche Sternhimmel in der zweiten Märzhälfte um 22 Uhr

[Link zur Generierung von Sternkarten für das ganze Jahr]
[Der Sternenhimmel im ... 2012]
Die Wintersternbilder sind in diesem Monat gerade noch vollständig im SW und W zu beobachten. Sechs helle Sterne bilden das ... ihr könnt es singen? Gut so. :-)

Okay, dann eben eine andere Übung. Zu Orion. Dessen verlängerte Gürtellinie weist nach rechts oben in Richtung Aldebaran (Hauptstern im Stier) und nach links unten auf Sirius (Hauptstern im Großen Hund). Dies ist übrigens der hellste Stern, der von der Erde aus beobachtet werden kann.

Nach wie vor auffällig sind außerdem die beiden Zwillingshauptsterne Castor und Pollux, die gemeinsam mit Kapella (Fuhrmann) noch im Zenit stehen.
Im NW ragen Widder sowie ein kleiner Teil der Andromeda über den Horizont. Darüber steht das Zirkumpolarsternbild Perseus. Kassiopeia findet man jetzt im NNW und den Kepheus fast exakt im N, zwischen Horizont und Polarstern.

Im NNO steht (verkehrt herum) der Große Wagen bereits auf halber Höhe und auch der Drache ist - halbe Höhe zwischen Horizont und Zenit - zu sehen.

Im SO künden die Frühlingssternbilder vom Ende des Winters: Allen voran der Löwe, dessen Hauptstern Regulus gemeinsam mit Spika (Jungfrau) und Arktur (Bootes) das Frühlingsdreieck
bildet.
Frühlingsdreieck
Arktur findet man übrigens am Anfang leichter, wenn man die Deichsel des Großen Wagens etwa dreimal bis zu einem hellen Stern im O (nicht weit über dem Horizont) verlängert.

Unterhalb von Löwe und Jungfrau sehen wir die kleinen Sternbilder Sextant, Becher und Rabe sowie einen Großteil der Wasserschlange (Hauptstern Alphard).

Die Milchstraße zieht von SSW durch die Sternbilder Schiff, Argo, Großer und Kleiner Hund, Einhorn, Orion, Zwillinge, Stier, Fuhrmann, Perseus, Kassiopeia, Kepheus und Schwan nach N.

[Übersicht zu den Sternbildern]

Mond im März

Aufmerksam machen muss ich in diesem Monat auf ein seltenes und spektakuläres Ereignis (zumindest in unseren Breiten). Denn kurz nach Neumond kann man am Abend des 23.03. etwa 30 Minuten nach Sonnenuntergang die scheinbar flach liegende Mondsichel ("wie ein Boot") tief im WNW erkennen.

[Bildquelle]
Wie kommt das? Nun, die Mondbahn ist gegenüber der Ekliptik geneigt und dementsprechend ändern sich die Positionen des Neumondes in Bezug zur Sonne. Es kann also vorkommen, dass der Neumond scheinbar senkrecht über der Sonne steht - und wir eine bootsähnliche Sichel sehen können. Stimmen diverse Voraussetzungen (z.B. Position des Mondes zur Ekliptik, Jahreszeit, Monduntergangszeit, Neigung der Sichel), können wir in Mitteleuropa einen Hauch der astronomischen Tropen erhaschen. Außerdem vormerken: Den 25. und den 26. März. Denn an diesen Daten kann man Venus, Jupiter und die schmale Mondsichel gemeinsam am Firmament bewundern.

Planeten im März

Noch immer dominieren Venus und Jupiter den Abendhimmel - ab dem 25. März sogar bis nach Mitternacht.

Merkur --> die Zeit der besten Abendsichtbarkeit des Jahres endet am 15.03. (bei guten Bedingungen ist er bis dahin während der Dämmerung noch tief im W zu sehen)

Venus --> vergrößert ihren scheinbaren Durchmesser und erreicht im März die größten Deklinationswerte. Dabei wechselt sie von den Fischen (Monatsanfang) über den Widder in den Stier (Monatsende). Einen Termin muss man sich vormerken: den 13.03. Dann nämlich beträgt der Abstand zu Jupiter geringe 3°.

Mars --> befindet sich in Oppositionsstellung und kann mit Anbruch der Dämmerung im O als rötlicher "Stern" inmitten des Löwen beobachtet werden.

Jupiter --> wird am 13.03. von Venus überholt und befindet sich im Sternbild Widder.
Mit einem Fernglas können die vier größten Monde beobachtet werden.

Saturn --> verfrüht seinen Aufgang im OSO auf 21 Uhr und kann im Sternbild Jungfrau gefunden werden. Wer ein Teleskop zur Verfügung hat, sollte sich unbedingt die Ringe anschauen! Wer keines hat, sollte eine Sternwarte aufsuchen. Denn die gegenwärtige Position Erde-Saturn ist optimal.

Uranus --> befindet sich in Konjunktion mit der Sonne und ist nicht sichtbar.

Neptun --> Ende der Konjunktion, aber noch zu nah an der Sonne für Beobachtungen

Sonne im März

Am 20.03. um 06.14 MEZ ist astronomischer Frühlingsbeginn - also der Zeitpunkt, an dem die Sonne auf ihrer scheinbaren Jahresbahn den Äquator nordwärts überquert. Am Südpol bedeutet dies das Ende des Polartages, am Äquator den ersten von zwei Zenitständen des Jahres, in den mittleren Breiten "Tagundnachtgleiche" und am Nordpol das Ende der Polarnacht.

[Wegen der Lichtbrechung in der Erdatmosphäre findet die "Tagundnachtgleiche" genaugenommen bereits am 17.03. statt.]

Der Tag wird im März um fast zwei Stunden länger, infolge der Zeitumstellung geht die Sonne am Monatsende jedoch zur annähernd gleichen Zeit auf wie am Monatsanfang.

Ein kleiner Exkurs zur Zeitumstellung:

Am Sonntag, dem 25. März 2012 werden um 2 Uhr die Uhren wieder eine Stunde auf 3 Uhr vorgestellt. Bis zum 28. Oktober haben wir dann die MESZ und Gelegenheit, uns trefflich über Sinn und Unsinn dieser jährlichen Zeitspielerei auszulassen.

Auszug aus der "Verordnung über die Einführung der mitteleuropäischen Sommerzeit ab dem Jahr 2002 (Sommerzeitverordnung - SoZV)":
" [...] Auf Grund des § 3 des Zeitgesetzes vom 25. Juli 1978 (BGBl. I S. 1110, 1262), der durch das Gesetz vom 13. September 1994 (BGBl. I S. 2322) geändert worden ist, verordnet die Bundesregierung:

§ 1
Ab dem Jahr 2002 wird die mitteleuropäische Sommerzeit (§ 5 des Einheiten- und Zeitgesetzes) auf unbestimmte Zeit eingeführt.

§ 2
(1) Die mitteleuropäische Sommerzeit beginnt jeweils am letzten Sonntag im März um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Im Zeitpunkt des Beginns der Sommerzeit wird die Stundenzählung um eine Stunde von 2 Uhr auf 3 Uhr vorgestellt.
(2) Die mitteleuropäische Sommerzeit endet jeweils am letzten Sonntag im Oktober um 3 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Im Zeitpunkt des Endes der Sommerzeit wird die Stundenzählung um eine Stunde von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt. Die Stunde von 2 Uhr bis 3 Uhr erscheint dabei zweimal. Die erste Stunde (von 2 Uhr bis 3 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit) wird mit 2A und die zweite Stunde (von 2 Uhr bis 3 Uhr mitteleuropäischer Zeit) mit 2B bezeichnet."
So so, "die erste Stunde [...] wird mit 2A [...] bezeichnet."

Dabei ist ein Schmunzeln eigentlich fehl am Platz, denn es ergeben sich durchaus nicht nur banale Probleme aus der Zeitumstellung:
  • Für Nachtschichten sind spezielle Dienstpläne zu entwerfen, um die gesetzl. Arbeitszeitregelungen einzuhalten
  •  Züge fallen aus, müssen warten, früher abfahren oder (im Herbst) auf Kurzstrecken zweimal fahren
  • IT-Systeme müssen - sofern sie nicht wie die Luftfahrt intern mit UTC arbeiten - bei der herbstlichen Umstellung manuell gewartet werden --> was ist eigentlich mit Ebay?
  • Sicherheitssysteme müssen während des Zeitwechsels aktiv bleiben
  • Gebetszeiten orientieren sich am Sonnenstand und kollidieren möglicherweise mit Arbeitszeiten
  • der Biorhythmus wird aus dem Takt gebracht - bei (Nutz)Tier und Mensch
  • mit der Sommerzeit vergrößert sich die ohnehin bestehende Abweichung der gesetzlichen Uhrzeit von der Wahren Ortszeit
  • ...

Wie kam es dazu?

Auf Benjamin Franklin gehen die ersten Ansätze zur Energieeinsparung durch das bessere Ausnutzen des Tageslichts zurück. Im "Essay on Daylight Saving" hielt er 1784 seine Gedanken dazu fest.

In Deutschland gab es bis 1893 noch die unterschiedlichsten Zeiten, denn Bezugspunkt war jeweils der Stand der Sonne. Im Zuge von Industrialisierung und Ausbau des Eisenbahnnetzes musste jedoch eine Lösung zur Harmonisierung der verschiedenen Lokalzeiten gefunden werden. Die Lösung bestand darin, die Ortszeit auf 15° ö.L. als Mitteleuropäische Zeit (MEZ) gesetzlich festzulegen.

[Die Zeitdifferenz MEZ zu UTC beträgt +1 Stunde.]

Erstmals experimentiert wurde hierzulande mit der Sommerzeit im Ersten Weltkrieg für drei Jahre bis 1918 - damals noch mit dem Ziel, das Tageslicht möglichst effektiv in der Rüstungsindustrie zu nutzen. Übrigens: Die Briten führten 1916 mit ihrer "British Summer Time" ebenfalls die Sommerzeit ein - heute nennt man sie im englischen Sprachraum "Daylight Saving Time" (DST).

Dann kehrte man bis zum Zweiten Weltkrieg zur MEZ zurück. Während des Zweiten Weltkriegs gab es von April 1940 bis November 1942 gar durchgängig Sommerzeit in Deutschland. Im wahrsten Sinne des Wortes wirr waren die Zeiten nach Kriegsende. Denn es gab durch die verschiedenen Besatzungszonen einen Rückfall in Vor-MEZ-Zeiten.

So dauerte etwa die Sommerzeit (MESZ) 1945 in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zwei Monate länger als in den Westzonen (bis November statt bis September).

Aber damit nicht genug, denn die Sowjets wollten "ihre Zone" zeitlich näher an Moskau heranrücken und packten im Jahr 1945 von Mai bis September die Mitteleuropäische Hochsommerzeit (MEHSZ) aus --> MESZ + 1 h. Dieses Konstrukt hatte bis September 1945 Bestand, dann ging man bis zum November 1945 zur MESZ über.

1949 hatte dieser Spuk schließlich ein Ende und von 1950 bis 1979 fand in Deutschland überhaupt keine Zeitumstellung mehr statt. Dass ein Land mit damals weitgehend zerstörter Infrastruktur wesentlich stärker auf die möglichst optimale Nutzung des Tageslichts angewiesen war als dies im heutigen Deutschland der Fall ist, sei an dieser Stelle nicht unerwähnt und möge zugleich der Relativierung des evtl. überharten Wortes "Spuk" dienen.

Die Ölkrise von 1973 wird heute als Auslöser dafür gedeutet, erneut über die Einführung einer Sommerzeit mit dem Nebeneffekt der Energieeinsparung nachgedacht zu haben. Deutschland geriet dann Ende der 1970er gewissermaßen in Zugzwang - zahlreiche Nachbarn hatten bereits eine Sommerzeit eingeführt - und so führten auch BRD und DDR zeitgleich 1980 die Sommerzeit wieder ein.

Den Schlussakkord in dieser Zeitsymphonie setzt das Jahr 1996. Es markiert die Vereinheitlichung sämtlicher europäischer Sommerzeiten mit jeweiligem Beginn am letzten Sonntag im März und Ende am letzten Sonntag im Oktober.

Was bringt die Sommerzeit?

Kurz: Nichts.

In einer Antwort der Bundesregierung aus dem Jahr 2005 auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion bezüglich der "Auswirkungen der Zeitumstellung infolge der Einführung der mitteleuropäischen Sommerzeit" heißt es:
"Im Hinblick auf den Energieverbrauch bietet die Sommerzeit keine Vorteile. Die
durch das Umweltbundesamt recherchierten Erkenntnisse wiesen schon vor gut
10 Jahren auf den Umstand hin, dass von einer Zeitumstellung auf die Sommerzeit
keine positiven Energieeinspareffekte zu erwarten sind. Danach wird die
Einsparung an Strom für Beleuchtung, insbesondere bei vermehrtem Einsatz
effizienter Beleuchtungssysteme, durch den Mehrverbrauch an Heizenergie
durch Vorverlegung der Hauptheizzeit überkompensiert. Neue Erkenntnisse
hierzu liegen der Bundesregierung nicht vor. [...]

Aus umweltpolitischer Sicht besteht keine Notwendigkeit für eine Beibehaltung
der mitteleuropäischen Sommerzeit in Deutschland (s. a. Antwort zu Frage 2). [...]

Die Sommerzeit wurde 1980 in Deutschland zur besseren Ausnutzung der
Tageshelligkeit im Sommer und zur Angleichung der Zeitzählung an diejenige
benachbarter Staaten eingeführt. Deutschland sollte keine Zeitinsel bleiben.
Bereits damals ging es neben der zusätzlichen Stunde mit Tageslicht am Abend
vorrangig um die Harmonisierung der Sommerzeit in Europa. Tag und Uhrzeit
des Beginns und des Endes der Sommerzeit sollten einheitlich in der gesamten
EU festgelegt werden, um gleichzeitig ein besseres Funktionieren des EU-Binnenmarktes
zu bewirken.
Die Gründe für die Zeitumstellung haben sich auch heute nicht geändert. Angesichts
der zunehmenden Globalisierung in allen Bereichen ist an einer dauerhaften
einheitlichen Zeit in Europa festzuhalten. [...]

Für das weitere Funktionieren des EU-Binnenmarktes ist es von wesentlicher
Bedeutung, dass Tag und Uhrzeit des Beginns und des Endes der Sommerzeit
einheitlich in der gesamten Gemeinschaft festgelegt werden.
Die Bundesregierung wird deshalb an der Sommerzeit festhalten, sofern nicht
die Mitgliedstaaten der Europäischen Union gemeinsam die Absicht haben, die
Sommerzeit abzuschaffen."
Im Klartext: Deutschland wäre schon längst ausgestiegen, kann es sich aber nicht erlauben, weil es die größte Wirtschaftsnation innerhalb der EU ist. Wie wäre es damit: Deutschland steigt einfach aus; dann wird man sehen, dass sich Geschichte mit umgekehrten Vorzeichen wie damals Ende der 1970er wiederholt.

Das Umweltbundesamt zum selben Thema im Jahr 2009:
"Das Umweltbundesamt (UBA) selbst hat zum Thema "Sommerzeit" keine eigenen Studien vorgenommen - weder, was die Energieeinsparung betrifft, noch die gesundheitlichen Wirkungen.

Nach Auskunft der UBA-Fachleute ist allerdings eher nicht mit einer Energieeinsparung zu rechnen, denn: Die Zeitverschiebung um eine Stunde nach vorn bedeutet zwar eine bessere Ausnutzung der Tageshelligkeit im Sommer und damit eine Stromeinsparung für Beleuchtung. Diese wird jedoch durch den Mehrverbrauch an Heizenergie - durch das Vorverlegen der Hauptheizzeit in die kühleren Morgenstunden - in etwa kompensiert."
Eine recht junge Studie im US-Bundesstaat Indiana (er hat die DST erst 2006 in allen Counties eingeführt) hat die möglichen Energieeinspareffekte genauer untersucht:
"[...] This paper takes advantage of a unique natural experiment in the state of Indiana to provide the first empirical estimates of DST effects on electricity consumption in the United States since the mid-1970s. The results are also the first-ever empirical estimates of DST’s overall effect. Our main finding is that - contrary to the policy’s intent - DST results is an overall increase in residential electricity demand. Estimates of the overall increase in consumption are approximately 1 percent and highly statistically significant."

[Quelle]
Die Fakten scheinen eine klare Sprache zu sprechen.

Ganz egoistisch betrachtet muss ich sagen, dass die MESZ dennoch ihre guten Seiten hat: Denn man kann im Sommer 'länger" ohne Licht Radtouren unternehmen. ;-)

Kuriositäten

+ Russland hat im letzten Jahr beschlossen, nach Ende der Sommerzeit 2011 einfach bei dieser zu bleiben. Ein schönes Beispiel dafür, wie man sich den asiatischen Märkten annähern und zugleich die Wahre Ortszeit mit Füßen treten kann.

+ In Australien gibt es die Stadt Coolangatta. Diese befindet sich auf der Grenze zwischen
New South Wales und Queensland. New South Wales hat Sommerzeit, Queensland nicht. Es existieren also innerhalb einer Stadt zwei verschiedene Zeitzonen. Und es gibt an Silvester zweimal Feuerwerk.

Initiativen zur Abschaffung der Sommerzeit

--> In Deutschland
--> In den USA

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