Mittwoch, 24. Oktober 2012

Zur DHV-RegioOst nach Jena

Alljährlich im Oktober finden die Regionalversammlungen des Deutschen Hängegleiterverbandes (DHV) statt. Sinn dieser Veranstaltungen ist es, die Vereine aus den Regionen (Nord, Ost, Mitte, Südwest, Südost) an einen Tisch zu bekommen und sich auszutauschen. Was läuft bei den anderen; wo gibt es Probleme, wo Erfolge; was kann man voneinander lernen...? Darüberhinaus werden in diesem Rahmen die Delegierten für die Jahreshauptversammlung des Verbandes im November (mein Verein durfte dafür 2010 Gastgeber in Leipzig sein) gewählt.

Ich bin seit 3 Jahren regelmäßiger Gast dieser Treffen und hatte deshalb den 21. Oktober schon lange als festen Termin im Kalender markiert. Dummerweise herrschte am Wochenende geniales Herbstwetter, sodass es nur den auf mich wartenden Menschen zu verdanken ist, dass ich nicht die beiden Tage auf Bilderpirsch verbracht habe. Beide Tage? Nun, am Samstag war Hochbetrieb in der Flugschule mit Ausbildungsflügen und Tandemgästen - also keine Bilderpirsch. Und am Sonntag ging es 10 Uhr in Jena los. Aber ich fand eine Lösung...

Tropf, tropf

Fahrten außerhalb der Tagesstunden bieten besonders im Herbst einen gewissen Extrakick. Denn wenn man selbst schon den nächsten Leitpfosten nicht erkennen kann - wie soll da der Lenker eines Pkw/Lkw einen Radfahrer im Nebel erkennen? Ungefähr diese Gedanken trieben mich in der ersten Stunde auf dem Rad um, während ich u.a. in letzter Sekunde einem überfahrenen Waschbären, einem überfahrenen Jungigel, einer überfahrenen Katze auswich. Die Nacht forderte ihren Tribut ein und ich sinnierte erneut ohne Ergebnis darüber nach, wie man diese Opfer hätte vermeiden können.

Nicht zuletzt um die Chance dafür, selbst als Opfer der Nacht zu enden, in den Keller zu drücken, freute ich mich über jede positive Änderung des Streckenprofils. Denn bereits kleine Höhenunterschiede von wenigen Zehnermetern zeigten deutliche Temperaturunterschiede und ließen mich entweder in die Kaltluftseen eintauchen oder aus ihnen herausklettern. "Oben" konnte man stets die den Morgenhimmel dominierende Venus nicht übersehen - was hoffentlich auch für diesen Solitärradler galt.

"Südzucker" in Zeitz
Ziemlich genau eine Stunde nach Aufbruch erreiche ich Zeitz, wo ich neben dem Werk der Südzucker AG stoppe. Es ist kurz nach 7 Uhr als ich die feuchte Wiese betrete, meine Kamera auf die Zaunssäule stelle und die im Minutentakt angelieferte süße Fracht hinter den Fabriktoren verschwinden sehe. Meine eigene süße Fracht im Rucksack war diesbezüglich wesentlich einfacher zu handeln - Äpfel und Bananen. Und sie blieb auch vorerst unangetastet, während ich durch die nebelverhangene Auenlandschaft der Weißen Elster zwischen Salsitz und Trebnitz rollte.

In Anbetracht der geradezu verschwenderisch gefärbten Laubbäume neben der Bahnstrecke Leipzig - Gera - Saalfeld fiel es mir wirklich schwer, die Fahrt hier nicht für eine halbe Stunde zu unterbrechen und nicht auf den Sonnenaufgang zu warten. Mein fixer Zeitplan ließ aber leider nicht mit sich reden, denn schließlich wollte ich vor Versammlungsbeginn noch einige Fotostationen absolvieren, um die Fahrt rückblickend nicht auf ihre bloße Kurbelei reduzieren zu müssen.

Der Sonne entgegen

Die folgenden Aufnahmen entstanden, nachdem ich die Leipziger Tieflandsbucht endgültig verlassen hatte und mich inmitten der abwechslungsreichen, sanft gewellten Landschaft des Saale-Holzland-Kreises befand:


Trügerische Idylle: Eine Schweinemast am Morgen.





Hier, zwischen Thiemendorf und Eisenberg, ist die pleistozäne Vergangenheit des Gebietes zumindest insofern nicht unmittelbar sichtbar, als dass es keine weiten Flussauenlandschaften wie etwa in meiner Heimatregion gibt. Ich befand mich am östlichen Rand des Thüringer Beckens, der im Tertiär entlang verschiedener Störungslinien "aufgebogen" wurde und deshalb ältere Gesteine an der Oberfläche präsentiert als das Beckenzentrum: Buntsandstein und Muschelkalk.

Gleich hinter der A 9-Passage kann man schon den Muschelkalkring erkennen, den man auf dem 20 km langen Weg bis nach Jena durchschneiden wird. Die Jenaer Hausberge sind alle aus Muschelkalk aufgebaut und erheben sich über die Schichten des Oberen Buntsandsteins.

Der Jenzig von oben (1)





(2)







Ich erreiche den Jenzig (rechts im Bild der Startplatz für GS) zeitgleich mit dem DHV-Vorstand, gebe mich aber vorerst nicht zu erkennen, sondern lasse die Jungs unbehelligt an der schmalen Bergstraße passieren, um in Ruhe (deshalb der vermiedene Zeitnahmeimpuls ;-)) im kleinsten Gang hinterherzukriechen.

Ganz langsam lichtet sich der Nebel, mit jedem erkämpften Höhenmeter wird es wärmer, heller und immer eindrucksvoller. Denn allein die Panoramen wogen jede verlorene Stunde Schlaf mehrfach auf:









Blickrichtung S

Blickrichtung SW


Blickrichtung NW

Auf dem Jenzig

Unten im Bild: Das Jenzighaus






Entweder oder.
Nachdem das Rad angeschlossen, die Meute begrüßt und die Morgenstimmung ausgiebig auf dem Chip festgehalten war, verschwand ich auf der Toilette, um mich etwas (nicht-rad)gesellschaftstauglicher zu kleiden.

Eine nette Veranstaltung mit gutem zweiten Frühstück (Müsli, Obst, Eier, Käseplatte) schloß sich an, auf der interessante Einblicke in das Making-of des neuen Streckenflugfilms ebenso gezeigt wurden wie nicht sehr gesunde Startmanöver übermotivierter Piloten in den Dolomiten.


Nach Nebelauflösung: Der Blick gen NW





Gemeinsam unterwegs


Der DHV-Vorstand Charlie Jöst
Obendrein wurde noch der Demokratie Genüge getan, wurden Netzwerke geknüpft (Menschen können offenbar nicht anders) und wurde der nächste Austragungsort bestätigt. Es geht 2013 nach Sangerhausen.



Die Fahrstrecke

Vom ersten Fotostopp in Zeitz bis zum Jenzighaus:

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