Sonntag, 18. November 2012

Oben der Jubel, unten der Tod

Schon am Mittwoch konnte man aus den Wetterprognosen einen brauchbaren Flugtag am Wochenende ablesen - höchste Zeit, denn am 13. Oktober war ich zuletzt in der Luft. Um den Tag möglichst effektiv nutzen zu können und aus Angst vor eventuell zu starkem Wind nach dem Mittag, marschierten wir bereits kurz nach 10 Uhr vom kleinen Parkplatz aus den Wanderweg entlang hinauf zum Jenzig.

Am Waldrand und auf dem breiten Wanderweg parkten auffällig viele Autos, auffällig viele Jeeps.
Den Grund dafür hatte ich auf der Herfahrt bereits erkannt: orange gekleidete Männlein auf Hochsitzen konnten nämlich nur bedeuten, dass hier heute eine Treibjagd stattfand. Und richtig, das Knallen der Büchsen hallte durch das ganze Tal und gelangte mehrfach reflektiert als multiples Echo an unsere Ohren.

Da werden heute Leben genommen, dort werden heute Leben geschenkt. Da hetzen Tiere in Todesangst durch das Unterholz, dort spazieren Menschen in der schönen Herbstsonne durch die Trockenrasenvegetation. Da zerreißt ein Schuß das Herz, dort erfreut Thermik das Gemüt. Freud und Leid, Leben und Tod lagen und liegen eng beeinander. Ich beschäftige mich in dieser Woche gesondert mit dem Thema Tod, wollte an dieser Stelle aber meine Gedanken nicht unreproduziert lassen. Ganz rational betrachtet ist es müßig, sich mit solchen Gegenüberstellungen zu beschäftigen; denn sie deprimieren nur und ändern nichts an der Unabwendbarkeit bestimmter Ereignisse. Nichtsdestotrotz sind wir als vernunftbegabte Wesen - so meine tiefe Überzeugung - angehalten, uns und die Umwelt ständig zu hinterfragen, was, wann, warum und wenn ja, wieso, stattfinden muss.

In the air

Die Jungs am Startplatz hatten andere Probleme. Hier war nämlich nur Platz für eine Überzeugung: FLIEGEN!!! Ein paar Aufnahmen, ein zweites Frühstück und eine Pinkelpause später war ich dann auch startklar und wartete auf den perfekten Moment zum Abheben.

Der rote Schirm wird vom Grün befreit
Doch irgendwie wollte es nicht so recht klappen. Zwei Startabbrüche aufgrund mangelhafter Konzentration (oder mangelhaften Startwillens) sah ich als Zeichen dafür an, den benachbarten Fliegerkollegen beim "Entdornen" seines Schirms zu unterstützen. Neben mir hatte sich nämlich ein weiterer Pilot startklar gemacht und seinen Schirm infolge einer Böe im stacheligen Gestrüpp geparkt. Die Aktion hat sicher 20 Minuten gedauert und wurde von oben beobachtet.

Der Autor beim Start
Nachdem wir die Leinen wieder entfitzt hatten, war es an der Zeit, Land zu gewinnen, genauer: Land zu überhöhen. Der zunehmende Wind in Kombination mit einsetzender Thermik sorgte nämlich für zunehmende Turbulenzen am Startplatz, in deren Folge es immer schwieriger werden sollte, kontrolliert abzuheben. Mein dritter Versuch klappte aber entgegen aller Bedenken perfekt und ich begann meine Reise entlang der Muschelkalk-Ridge. Die folgenden Bilder sollen für sich sprechen, deshalb hier nur noch kurz vier Anmerkungen: Etwa zwanzig Piloten waren gleichzeitig in der Luft, die maximale Startüberhöhung betrug bei mir 137 m, ich konnte mehrere Kreise im Steigen absolvieren (max. 3 m/s) und verfehlte das Ziel, als letzter zu landen, nur knapp.











































PS: Während des Fotografierens aus dem Cockpit waren plötzlich die Bilder im Sucher unscharf. Ich hatte schon Panik, dass der AF ausgestiegen ist und ich manuell fokussieren müsste. Doch der Motor reagierte sowohl auf Nah als auch auf Fern. Hmm, was nun? Ich entschied, unverändert weiter zu knipsen und später am Boden den Fehler zu suchen. Des Rätsels Lösung: Durch die Bewegung im Gurtzeug kam es zu einer Verstellung des Dioptrienschiebers über dem Sucher.

Flugstrecke: 95,2 km
Flugzeit: 3:28 h
Akkumulierte Höhenmeter: 2826

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