Mittwoch, 17. September 2014

Mit leisen Rufen zum Erfolg - das Jagdgeheimnis der Mopsfledermaus

Eine Mopsfledermaus in Schlafposition.
Vor mittlerweile fast drei Jahren wurde an dieser Stelle eine Fledermaus vorgestellt, die in Deutschland heimisch und vom Aussterben bedroht ist.

Am Max Planck-Institut für Ornithologie im bayerischen Seewiesen arbeitet die Gruppe um Holger Goerlitz an einem tieferen Verständnis des Jagdverhaltens dieses kleinen Säugers. Man möchte neben der rein qualitativen Zusammensetzung des Beutespektrums auch Informationen darüber gewinnen, wie und warum eben genau diese oder jene Art bevorzugt auf dem Speiseplan landet. Durch DNA-Untersuchungen an den Ausscheidungen der Fledermäuse stellte man fest, dass zu vier Fünftel Nachtfalter mit Ohren verspeist werden. Nachtfalter mit Ohren? Nun, man darf deren Sinnesorgane nicht mit den unserigen vergleichen, obwohl sie denselben Zweck erfüllen: Luftschwingungen registrieren und zur Weiterverarbeitung an das Gehirn senden. Sollten es diese "Ohren" (= Tympanalorgan) den Fledermäusen nicht erschweren, sich dem Nachtfalter zu nähern? Ja, das tun sie - aber nicht im Fall der Mopsfledermaus.

Die Biologen untersuchten zur Beantwortung der Frage die Nervenaktivität der Beute im Freiland und verglichen diese mit dem Abstand der Jäger. Das erstaunliche Ergebnis: Die meisten Fledermäuse werden anhand ihrer Rufe bereits in 20 oder mehr Metern Entfernung von den Nachtfaltern erkannt, sodass (lebens)rettende Ausweichbewegungen (= sich fallen lassen) rechtzeitig eingeleitet werden können. Ganz anders bei der Mopsfledermaus. Deren Rufe sind nämlich so leise, dass die Nachtfalter sie erst bei ca. 10 % der sonst üblichen Hördistanz zum Jäger wahrnehmen können. Zu wenig, um erfolgreich auszuweichen.

Um den Faktor 10 - 100 ruft eine Mopsfledermaus nämlich in Relation zu anderen einheimischen Arten wie etwa dem Kleinen Abendsegler leiser. Sie verzichtet quasi zugunsten der Annäherung an ganz bestimmte Beutearten auf den Vorteil, mit lauteren Rufen ein größeres Gebiet nach (unbestimmter) Beute abscannen zu können. Dadurch hat sie eine ökologische Nische im Konkurrenzkampf mit den innerartlichen Predatoren besetzt, die den Selektionsdruck auf Nachtfalterarten mit Ohren aufrecht erhält.

Die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus)

Goerlitz et al. (2010): An Aerial-Hawking Bat Uses Stealth Echolocation to Counter Moth Hearing. In: Current Biology. Volume 20, Issue 17, 1568 - 1572. [http://dx.doi.org/10.1016/j.cub.2010.07.046]

Nahaufnahme einer ruhenden Mopsfledermaus.

Beeindruckende Kletterfähigkeiten.

Steckbrief zur Mopsfledermaus.

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