Donnerstag, 7. Januar 2016

10 Jahre Nationalpark Harz

Heute wurde in der Kaiserpfalz zu Goslar mit einem gemeinsamen Festakt von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt das zehnjährige Bestehen des länderübergreifenden Nationalparks Harz gefeiert. Man kann ihn nicht oft genug erwähnen: Michael Succow. Dem damaligen Vize-Umweltminister der letzten DDR-Regierung gelang es, innerhalb von nur 6 Monaten das DDR-Nationalparkprogramm zu entwerfen und umzusetzen.

Mit diesem Programm kamen 5 Nationalparks, 6 Biosphärenreservate und 3 Naturparks in den Einigungsvertrag. Ein umweltpolitisches Vermächtnis!

Vier Jahre nach dem ostdeutschen "Nationalpark Hochharz" entstand 1994 der westdeutsche "Nationalpark Harz"; und es sollte weitere zwölf Jahre dauern, bis am 1. Januar 2006 endlich von einem zusammenhängenden Nationalpark gesprochen werden konnte. Kleinere Scharmützel wie bspw. über den Sitz der künftigen Nationalparkverwaltung entschied der Osten für sich – es wurde Wernigerode und nicht Braunlage.

Jährlich besuchen etwa 1,7 Millionen Gäste den Park, dessen Fläche von 247 km² gut 10 % der Gesamtfläche des Harzes umfasst.

Natur Natur sein lassen

Auch im Harz werden die geschützten Lebensräume ihrer natürlichen Dynamik überlassen und gleichzeitig Renaturierungsprojekte wie die Wiedervernässung von Mooren, ein zukunftsfähiger Waldumbau oder die Freihaltung von Fließgewässern verfolgt.

Beispielhaft für die Region ist die gelungene Auswilderung des Luchses, nachdem dieser in weiten Teilen Mittel- und Westeuropas im 18./19. Jh. ausgerottet war. In der hiesigen Region wurde am 17. März 1818 das letzte freilebende Tier bei Lautenthal (10 km südwestlich von Goslar) erschossen. Zwischen den Jahren 2000 und 2006 wurden im Nationalpark Harz insgesamt 24 Luchse (9 Männchen und 15 Weibchen) in die Freiheit entlassen. Alle ausgewilderten Tiere sind Gehegenachzuchten aus europäischen Wildparks, die vor der Freilassung in einem vier Hektar großen Auswilderungsgehege an den neuen Lebensraum gewöhnt worden.

Durch die exponierte Lage dieses vor 300 Mio. Jahren aufgefalteten Mittelgebirges in Norddeutschland ist das Harzklima speziell. Nach Westen gibt es bis zum Atlantik keine höhere Erhebung, nach Osten bis zum Ural ebenfalls nicht. Die Luftmassen treffen ungehindert auf das "Hindernis" und sorgen mithin für klimat. Verhältnisse, die in den Alpen erst ab 2.000 m NN üblich sind (die Mitteltemperatur beträgt hier oben auf 1.142 m NN 2,9 °C, die Jahresniederschlagssumme 1.814 mm). Sechs Höhenstufen mit jeweils spezifischen Lebensbedingungen für Fauna und Flora werden in einem der größten Waldnationalparks Deutschlands unterschieden. Zuunterst dominiert der Buchenwald, ab 700 m NN wandelt er sich hin zu einem Buchen-Fichten-Mischwald und ab 800 m NN gewinnt die Fichte die Oberhand. Ab der natürlichen Waldgrenze bei 1.100 m NN breitet sich eine zwergstrauch- und grasreiche Vegetation rund um das Brockengipfelplateau aus. Nach dem Ende der letzten Eiszeit fanden Pflanzen, deren Ursprungsgebiet Skandinavien ist, auf dem Brockengipfel ein Rückzugsgebiet. Der Besuch im 1890 gegründeten Brockengarten mit seinen 1.800 Hochgebirgspflanzen ist deshalb Pflicht für jeden botanisch Interessierten.

Klimareferenzstation Brocken

Im Halbstundentakt verlassen aktuelle Wettermeldungen den DWD-Standort auf dem höchsten Berg Norddeutschlands. Zusätzlich zu den elektronisch erfassten Parametern werden jeweils um 6.30 Uhr, 13.30 Uhr und 20.30 Uhr UTC konventionell erfasste Daten von Thermometer, Sonnenscheinautograph, Niederschlagsmesser und Aspirationspsychrometer protokolliert, um – das Merkmal einer Klimareferenzstation – beide Datenerhebungsverfahren miteinander vergleichen zu können.

Die ältesten Wetterdaten vom Brocken datieren auf 1836, seit dem 1.10.1895 werden in einem eigenen Gebäude die Wetterbeobachtungen protokolliert.

Wetterrekorde Brocken (1895 - 2012)

Höchste Temperatur: 29 °C am 20. August 2012
Tiefste Temperatur: -28,4 °C am 1. Februar 1956
Höchste Schneehöhe: 380 cm am 14./15. April 1970
Maximum der Tage mit Schneedecke: 205 Tage im Jahr 1973
Höchste Jahressumme Niederschlag: 2.725 l/m² im Jahr 2007
Maximum der Sonnenscheindauer: 2.004,5 h im Jahr 1921
Absolute Windspitze: 263 km/h am 24. November 1984
Maximum Orkantage: 26 Tage im Jahr 1990
Maximum der Nebeltage: 330 Tage im Jahr 1958
Maximum der Fernsicht: ca. 230 km am 11. Januar 1998

Sie haben Interesse an einem kostenlosen Besuch der Wetterwarte? Dann richten Sie Ihre Anfrage gern an die

Bergwetterwarte Brocken
Tel.: 039455 / 58040
E-Mail: wewa.brocken@dwd.de

Mit dem Rennrad zum Brocken: 2 x 210 km


Ein Wintertag im Brockengebiet


Kultur und Natur

Sonnenuntergang auf...

...dem Brocken.

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Nationalpark Harz

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