Sonntag, 2. Juli 2017

11. LIFESTYLE Würzburg Triathlon | 25.06.2017

Ziemlich genau 8 Jahre liegt meine letzte Olympische Distanz (OD) nun schon zurück, eine Zeitspanne, in der sich auf vielen Ebenen Veränderungen vollzogen haben. Eine Veränderung ist allerdings noch nicht eingetreten: Trainingsfleiß. Wir starten am späten Samstagvormittag, im Auto zwei Menschen und unser lieber Hund, auf dem Dach die Rennräder. Die Bundesregierung hat das Ziel 1 Million Elektroautos auf deutschen Straßen bis 2020 ausgegeben - wir sichten unterwegs maximal 5 Exemplare. Unser nächstes Vehikel wird, bei akzeptablen Bedingungen, jedenfalls auch benzin-alternativ angetrieben.

Am Samstagnachmittag besuchen wir eines der zahlreichen Weingüter rund um Würzburg, das Privat-Weingut Schmitt in Bergtheim.

Im Zentrum des Städtedreiecks Karlstadt - Schweinfurt - Würzburg baut dieser fränkische Familienbetrieb auf ca. 30 ha vorwiegend Silvaner und Müller-Thurgau an, im gut sortierten Weinshop findet frau aber auch sofort einen Sauvignon.

Im Weinshop des Privat-Weingutes Schmitt.



[Das Weinanbaugebiet Franken in der Wikipedia]

Während ich die drei Gläser Wein schnell spüre und nichts gegen ein Nickerchen einzuwenden habe, zieht der Vierbeiner in den Gramschatzer Wald. Gramschatzer Wald? Genau, der aus den Verkehrsmeldungen. Ein traumhafter Buchenmischwald empfängt uns rund um das Waldhaus Einsiedel... und der Kater verschwindet sofort im Unterholz. Das hiesige Walderlebniszentrum hat einen barrierefreien Rundweg mit gut 1 km Länge geschaffen, auf dem verschiedenste Stationen durchlaufen werden können. Ehrlich gesagt stehe ich als Sehender etwas ratlos vor dem Wurfspiel für Blinde. Erst zögerlich macht es Klick.

Im Gramschatzer Wald.
Tatsächlich zur "Ruhe" kommen wir erst beim italienischen Abendessen in Kürnach. K. folgt konsequent der Ernährungslehre vor Ausdauerwettkämpfen, ich gebe einmal mehr den Anarchopart in unserer Beziehung: Fettige Pizza. Yammi!

Wurfspiel für Blinde.





Sonnenuntergang bei Kürnach.

Raceday

6.30 Uhr stehe ich freiwillig unfreiwillig auf, denn der Fellwecker kennt keine Snoozetaste - bzw. liegt selbige noch im Enddarm. Schwamm, äh, Gras drüber, hier am Rand unseres Dörfchens macht eine Runde in der Morgensonne schließlich auch dem Zweibeiner Spaß. Wir spazieren zwischen einem Rhabarberfeld und vorbildlich erhaltenen Streuobstwiesen dahin, meine Gedanken schweifen in die Ferne. Ich bin nun zum zweiten Mal seit 2014 hier, prinzipiell glücklicher als damals, fokussierter, wirke nach außen aber weiterhin partiell abwesend. Selbstzweifel übertragen sich unweigerlich auf das Umfeld, verselbständigen sich, blockieren wichtige Entscheidungen/Handlungen, verursachen Frust. Professionelle Hilfe ist die beste Handlungsoption; in Kombination mit ehrlicher Selbstreflektion und einem verständnisvollen Umfeld wird es gewiss weiter bergauf gehen.

Apropos, wir zwei sollten langsam zurückkehren, denn vor der geplanten Abfahrt um 8.20 Uhr wartet noch ein voller Frühstückstisch/Napf. Die avisierten 25 Minuten Fahrzeit bis Erlabrunn passen perfekt, unterwegs laden traumhafte Pfade zum Wandeln zwischen den 1.200 Jahre alten Weinbergen ein. Wir sind wenig später mit Ausladen am Erlabrunner Badesee beschäftigt, 10.10 Uhr fällt der Startschuss unserer Welle. Zuvor müssen wir bis 9.15 Uhr unsere Startunterlagen abgeholt und die Bikes eingecheckt haben. Kurze Verwirrung gibt es mit einem orangenen Aufkleber im Unterlagenkuvert. Des Rätsels Lösung erfahren wir am Ausgang der Wechselzone: Aufkleber für die OD.

Liebe Orga, ein paar Hinweise vor dem 12. Triathlon:
a) Infos zum farbigen Aufkleber, zum Fußband (muss mitgebracht oder vor Ort gekauft werden) online + auf einer Tafel vor dem Anmeldezelt
b) Große Tafel mit Pfeilen für Ausgang Rad / Ausgang Laufstrecke
c) Große digitale Zeitanzeige am Schwimmstart/in der Wechselzone
Danke.

Wir springen kurz vor 10 Uhr ins angenehm warme und saubere (nur Schwebeteilchen) Wasser des Badesees, langsam wird es ernst. Ich weiß, dass der Schwimmpart der lästigste wird und will versuchen, möglichst konstant die 1.500 m hinter mich zu bringen. Mit Kanonendonner stürzt sich die Meute am Nordwestufer in die Fluten, es gibt kein Zurück mehr. Bis zur ersten Boje versuche ich zu Kraulen - alles andere wäre in dem Gewimmel auch nicht möglich bzw. extrem unfair -, danach wird zum CM-Kampf-Brustschwimmen gewechselt. Zu Beginn der zweiten von 2,5 Runden wage ich einen Blick nach hinten: Da sind noch welche. Was für eine Erleichterung! Ich habe meinen Hundepaddel-Rhythmus gefunden, tauche beim Zug komplett unter, folge ein paar markanten Trisuits in konstantem Abstand. Immerhin. In dieser Disziplin muss ich unbedingt Fortschritte machen, denn Spaß ist etwas anderes...

34 Minuten im Wasser sind peinlich und schließlich überstanden, ich renne zum Fahrrad, setze den Helm auf, bin heiß auf die Verfolgung. Jene gilt natürlich zuerst ihr, denn unser privates Battle findet stets parallel statt. Wieviele Kilometer sie mir heute wohl schon abgenommen hat? Mir spielt das recht anspruchsvolle Streckenprofil definitiv in die Karten, denn auf dem profilierten Kurs sind Bergfahrerqualitäten gefragt. Da ist es auch nicht von großem Nachteil, mit dem Alltags-Rennrad gestartet zu sein, denn die Vorzüge der Fuji-Zeitfahrmaschine kommen so richtig erst bei flachen/längeren Routen zum tragen. Ich sammle die schnelleren Schwimmer der Reihe nach ein und zersäge auch ein paar Vollcarbon-Räder. Läuft.

Regelrecht zerbrochen waren Carbongabel und Vorderrad eines verunfallten Teilnehmers kurz vor Ende der 38 Radkilometer - immerhin konnte der Besitzer des Schrotthaufens selbständig in den Start-/Zielbereich humpeln. Radfahren: 1:09 h - Normalform abgerufen.

Locker flockig, *hust*.
Und nun das Laufen... ich komme so gar nicht in die Gänge. Seitenstechen quält mich auf dem Abschnitt bis zur ersten Wende, die Beine kleben förmlich am Main-Tauber-Radweg, ca. 50 m neben dem Main, fest. Na klasse, so habe ich mir die finale Disziplin nicht vorgestellt. Ich wollte an meine übliche 42er Zeit auf die 10 km ranlaufen, habe die Rechnung bloß nicht mit meinem alten Körper gemacht (Der musste sein!). Verdammter Mist! Das einzig Coole während jener endlos langen 47 Minuten ist unser Abklatschen. Wenn ich so weitermache und sie so weitermacht, ist die Entscheidung beim nächsten Battle im Vorfeld klar. #BeastModeOn

1,5 km | 38 km | 10 km -> 2:31 h (Platz 63, AK 9, Zeit auf Sieger: 31 min)




Einen Teil der verbrauchten Kalorien füllen wir im idyllischen Retzbach bei Cola und Wraps auf. Das Frankenland gefällt uns sehr! Balsam auf meine Wettkampfwunden bringt vor der Heimfahrt ein kleiner Spaziergang um die Kirche Maria im grünen Tal sowie durch den zauberhaft angelegten Bibel- und Heilkräutergarten "Prof. Franz-Christian Czygan" nebenan.

Hinter der Kirche Maria im grünen Tal, Retzbach.



Kneippbecken im Bibel- und Heilkräutergarten "Prof. Franz-Christian Czygan", Retzbach.









Das Leben ist zu kurz, um Chancen auszulassen. Sie sollten Gas geben, Herr Müller!

Würzburg Triathlon

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