Sonntag, 13. September 2009

It might get loud

Nach einer Vorankündigung Anfang des Jahres für eine Kino-Doku über drei bekannte Gitarristen im dritten Quartal 2009 war ich sofort ganz Ohr. Jimmy Page, The Edge, Jack White, wow, das muss ich sehen.

Davis Guggenheim ist ein intelligenter Film gelungen, mit der Absicht, "das kreative Zentrum zu ergründen, das den E-Gitarristen zum Hüter der Extase macht, ohne das Mysterium zu zerstören, das ihn umgibt." (Quelle: Tagesspiegel) Das lassen wir einfach mal so stehen.

Zu Beginn sieht man Jack White vor einem Farmhaus in den USA beim Bau einer äußerst simplen Gitarre zu. Man nehme: Eine Cola-Flasche, ein 50 cm langes Brett, eine Blechdose, einen Draht sowie einen Anschluss für den Verstärker. Anstöpseln, den Draht zum Schwingen bringen, geiler Sound! Sein Kommentar: "Who say's, you need to buy a guitar?"

Man bekommt einen Einblick in die Kindheit der 3 Männer, reist mit an die Orte ihrer ersten "Bühnenerfahrungen" und beginnt zu verstehen, warum sie nur das werden konnten, was sie heute sind. Ein nettes Zitat von Jimmy Page, als er zum Ort der gemeinsamen Jam-Session für den Film fährt (hab den O-Ton leider nicht mehr im Ohr): "Oh shit, jetzt hätten wir fast eine Gruppe Anzugträger überrolt." Das kann man so stehen lassen.

The Edge, Gitarrist bei U2, meldete sich auf einen Aushang in der High-School und war fortan Bandmitglied diverser Vorgänger von U2. Sein Faible für die unbegrenzten Möglichkeiten der E-Gitarre machten ihn zum wahren Technikbesessenen. Hinter sich ein schrankhohes Effektgerät und vor sich eine Batterie von Fußpedalen, steht er in Dublin in einem Hafengebäude und sucht nach dem perfekten Sound für einen einzigen Akkord. Später sieht man ihm an der Küste beim Improvisieren und Suchen nach neuen Ideen zu.

Mittlerweile 65 Jahre alt, ist Jimmy Page immer noch eine wahre Ikone der Rockmusik. Er spielte vor seiner Karriere als Rockmusiker in Studios beispielsweise Werbe-Jingels ein oder (kein Scherz) Fahrstuhlmusik. Allerdings nervte angeblich zunehmend das langweilige Spielen vorgegebener Noten ohne die Erlaubnis zur Improvisation, zur Variation des Tempos, des Stils. Er ging und schoss in die Stratosphäre:

"Ich kann nicht für die anderen sprechen, aber für mich gehörten Drogen die ganze Zeit dazu" (Quelle: Focus Online Kultur). 1968 gegründet, 1980 aufgelöst, bis heute 300 Millionen Platten verkauft. Led Zeppelin ist eine andere Liga. Als "Stairway to heaven" veröffentlicht wurde, gab es von der Kritik (laut Page) einen einzigen Satz als Reaktion. Tja, anscheinend waren die Jungs um Page und Robert Plant ihrer Zeit weit voraus ... denn das Solo auf der doppelhalsigen Gitarre zu "Stairway to heaven" wird auch noch in einhundert Jahren die Menschen in Entzücken versetzen und die Finger der Zuhörer durch die Luft wandern lassen. Oh ja, ganz bestimmt!

Im Zentrum einer Fabrikhalle, hergerichtet als Wohnzimmer mit Couch, Bücherregal und Co. treffen die drei im Film aufeinander (hier sagt auch The Edge "It might get loud" beim Einstöpseln seines Babys in den Verstärker), spielen sich gegenseitig Stücke vor, grienen wie kleine Kinder unter dem Weihnachtsbaum und haben einfach Spaß, den anderen ihren Stil näher zu bringen. Ich hab die Augen geschlossen und den Klängen gelauscht.

Geht ins Kino, der Film ist ein Erlebnis!

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