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Sonntag, 21. Juli 2019

Wo geht's hier zur Wildnis?

Ich bin wieder hier. Nach fast sechs Jahren kehre ich an den Ort im Nationalpark zurück, der mein Leben gleichermaßen gerettet und arg ins Wanken gebracht hat. Dort oben zwischen den Felsriffen, Plateaus und senkrechten Sandsteinwänden fand ich durch einen unglaublichen Zufall den Menschen, mit dem ich alt werden wollte. Dieser Mensch wurde zu meinem Retter in der wohl schwierigsten Lebensphase, er half mir auf die Beine; besser: Er brachte mir das Gehen (und Tanzen) erst bei.

Als ich gerade anfing zu Laufen, verlor ich diesen einmaligen Menschen wieder. Ich verlor ihn auch, weil ich nie ganz gesund werde. Weil ich jeden Tag mit inneren Widerständen zu kämpfen habe und dieser Kampf trotz mancher Siege im Grunde nur Verlierer kennt.

Ich kehre nach fast sechs Jahren trotzdem nicht allein zurück. Meine seit zwei Jahren regelmäßige Begleitung im Alltag - und ich kann überhaupt nicht beschreiben, wie dankbar ich für ihren Eintritt in mein Leben bin - ist nämlich eine Australian Shepherd Hündin namens Polly. Ein Tier mit starkem Willen und Führungsanspruch. Diese Zeilen entstehen an der Grenze des Nationalparks Sächsische Schweiz, gute zwei Kilometer östlich des Liliensteins. Das Tier mit starkem Willen und Führungsanspruch hat sich hier gerade unter dem Stuhl in der Küche meiner Ferienwohnung ausgestreckt und träumt sehr wahrscheinlich von erfolgreichen Jagden auf Katzen.

Zahlreiche Exkursionsteilnehmer.
Im Großen Zschand

Wenn es die Zeit zulässt, nehme ich sehr gern an Exkursionen teil, denn nur so kann man sein Halbwissen prüfen, es verwerfen oder bestenfalls dessen Fundament verbreitern. Mit den mir anvertrauten Kids im Job will ich ebenfalls hierher kommen. Wir werden Floßfahrten auf der Elbe unternehmen, mit professioneller Unterstützung Klettern, dem Wald spielerisch ein paar Geheimnisse entlocken, am Lagerfeuer Lieder singen. Okay, ich werde besser nicht singen.

Samstag, 14. November 2015

Herbst im Elbsandsteingebirge

Nach dieser Tour vor nunmehr schon wieder vier Jahren war es an der Zeit, gemeinsam zur selben Jahreszeit an jenen Ort zurückzukehren, dem ich (m)eine positive Lebenswende zu verdanken habe.Wir fahren mit den Rädern vom Nationalparkbahnhof Bad Schandau zur Schrammsteinbaude im Zahnsgrund, dem Ausgangspunkt einer Halbtageswanderung auf/um die Schrammsteine.

Der Lilienstein von der S-Bahn aus gesehen.

Ankunft in Bad Schandau.

Sonntag, 3. Mai 2015

Auf Rädern, zu Fuß und per Kahn in den Mai

Am 23. März begann ich mit der Suche nach einer Unterkunft in der Sächsischen Schweiz für das lange erste Mai-Wochenende. Was in meinen Augen kein Problem darstellte, bereitete einem Teil der avisierten Mitfahrer schon leichte Bauchschmerzen. Tatsächlich waren weder der erste noch der zweite Anruf von Erfolg gekrönt, doch innerhalb einer guten Dreiviertelstunde war das Quartier gebucht und konnte die Aktivitätenplanung vor Ort beginnen.

Ich wollte mit dem Rad anreisen wie zuletzt am 24. August und 7. September 2013, diesmal jedoch idealerweise zu zweit. Dass die Tour nicht ganz einfach wird, davon musste K. ausgehen. Dass wir die Tour bei bestem Radlerwetter erfolgreich bewältigen werden, davon konnten wir beide im März nur träumen. Auf partiell neu geplanter Route fahren wir über Grimma nach Döbeln, von da aus behalte ich aus Mangel guter Alternativen die Standardvariante bis auf den Elberadweg bei. So schön das Terrassenufer in Dresden auch ist - als (Renn)Radfahrer will man es bloß schnell hinter sich lassen. Der Radweg wird laufend von grobem Pflaster unterbrochen, Touristen bevölkern blind umherlaufend jeden freien Flecken, Fußgänger und Freizeitradler verstopfen anschließend bis kurz vor Pirna den Asphalt. Wir kurven kreuz und quer durch die Feiertagsbevölkerung, schneiden dort, wo geschnitten werden muss, schmunzeln dort, wo geschmunzelt werden muss. Etwa beim Radausflug jener Custom-Motorrad-Schmiede aus der Landeshauptstadt. Vor uns knattert irgendetwas, man sieht nichts. Dann taucht plötzlich eine Lederjacke samt Chopper-Fahrrad auf, davor radelt der Sohnemann mit einem montierten Auspuff-Simulator. Ich frage mich, wer hier wohl bei der Erziehung...?

In Pirna sperrt man kurzerhand den länderübergreifenden Radweg, um eine Quadstrecke für Kinder anbieten zu können. Wir schieben über die Wiese, begleitet von Roland Kaiser aus der Festbeschallung. Dann doch lieber ein kurzer Stopp in Obervogelgesang und eine kleine Rast in Rathen direkt gegenüber der Bastei. Für mich ist es jedes Mal besonders, diese einmalige Felsenwelt zu sehen, umso mehr nach vorheriger Anreise aus eigener Kraft. 160 Meter überragen die Felsen aus Quadersandstein hier die Elbe, die Fotos von der Basteibrücke sind im Gedächtnis von Generationen verankert. Für meine liebe K. sind das hier allesamt neue Erfahrungen; ich bin stolz, ihr Begleiter sein zu dürfen.

Die Bastei.

Samstag, 7. Februar 2015

Geologische Exkursion zu den Schrammsteinen | 07.02.2015

Mein bislang coolster Besuch auf den Schrammsteinen harrt bis dato seiner Wiederholung. Motivieren könnten mich die Anfertigung besserer Fotos und/oder eine zügigere Reisegeschwindigkeit; allein die pure Neugier, ob es mir heuer besser gelingt als an jenem 14. November 2010, würde schon ausreichen.

"Geologie erleben" nennt sich eine Veranstaltungsreihe des Nationalparkzentrums in Bad Schandau, zu deren Jahresauftakt ich mich sehr kurzfristig angemeldet habe.

Die Touren werden durchgeführt vom Nationalparkführer Rainer Reichstein, seines Zeichens Physiker mit familiärer Vorbelastung für das Fach Geologie (der Vater hatte darin eine Professur inne). Der SEV spuckt seine wenigen Fahrgäste 8.52 Uhr am Nationalparkbahnhof Bad Schandau aus, per pedes will ich den Treffpunkt Wanderparkplatz im Zahnsgrund erreichen. Die Zeit bis 10 Uhr soll genutzt werden, um mich sowohl mit meinem neuen Objektiv vertraut zu machen, als auch den Spaziergang entlang der Elbe bei traumhaft sonnigem Winterwetter zu geniessen. In Matrosenuniformen gekleidete junge Männer halten in Postelwitz bereits das erste Bier des Tages in Händen, kurz darauf lugt der Meeresgott Poseidon persönlich von Bord eines auf dem Trockenen liegenden Schiffes herüber. Klarer Fall von "Postelwitzer Schifferfastnacht", einer im Ort seit 400 Jahren gelebten Tradition.

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Rückblick: Herbstexkursion in die Sächsische Schweiz

Bevor neue Fotos aus dem Elbsandsteingebirge veröffentlicht werden, erinnere ich hier zum dritten Jahrestag an eine meiner bis dato schönsten Herbstwanderungen durch den sächsisch-böhmischen Nationalpark.



Der Artikel zum Video mit zahlreichen Panoramen

Ergänzende Beiträge:

Beuthenfall - Häntzschelstiege - Carolafelsen - Affensteinweg
Mit dem Fahrrad den Nationalpark erkunden | Sächsische Schweiz

Sonntag, 13. Oktober 2013

Beuthenfall - Häntzschelstiege - Carolafelsen - Affensteinweg

Ein Sonntagmorgen, 6.30 Uhr in Leipzig. Das Bundesverwaltungsgericht.

Die monotone Bahnfahrt hübsche ich mit einem Kapitel aus "Die Enden der Welt" (Roger Willemsen) auf, in dem der Autor gekonnt die Eigenschaften der Bewohner Sibiriens skizziert und neben den ökologischen Verbrechen im hohen Norden auch von einer die deutsch-russischen Sprachbarrieren überwindenen Zuneigung berichtet. Eine deutsch-deutsche Zuneigung anderer Art spielt sich im 4er-Abteil gegenüber ab. Der Mann ist geschätzt Anfang 70 (im Personalausweis steht eher 1946 als Geburtsdatum), trägt eine Sonnenbrille, eine kleine hellbraune Umhängetasche sowie ein Handy bei sich. Das zwangsweise mitgehörte Telefonat handelt davon, dass er in ein paar Minuten am Bahnhof ankommen wird. Er entschuldigt sich für die frühe Störung (das weibliche Gegenüber war bereits wach) und erkundigt sich nach dem Wohl der Enkel. Man kann förmlich sehen, wie er beim Vernehmen der Stimme aus dem Telefon aufblüht, ja enthusiastisch wird. Themen werden angeschnitten, die besser an den Küchentisch gehören, denn in einen Regionalexpress; vor lauter Aufregung will er gar eine Haltestelle eher aussteigen. Ich schmunzle und freue mich für ihn, bevor sich wieder Kolja und Jelena gewidmet wird.

Samstag, 7. September 2013

Mit dem Fahrrad den Nationalpark erkunden | Sächsische Schweiz

Vor ein paar Wochen hatte ich mir den Veranstaltungsplan der Nationalparkverwaltung in Bad Schandau zu Gemüte geführt. Zielstellung damals: Ein paar interessante (Herbst)touren finden. Sofort ins Auge stach der 7. September mit dem Angebot einer geführten Radtour durch den NP, geleitet vom Chef des Referats Öffentlichkeitsarbeit & naturkundliche Bildung, Hanspeter Mayr. 10 Uhr sollte es am "Nationalparkbahnhof" in Bad Schandau losgehen,  äh, wo bitte? Im Jahr 2011 nannten der Verkehrsverbund Oberelbe und die Stadt Bad Schandau den Bahnhof in "Nationalparkbahnhof" um, damit neben einem stärkeren Bezug zum touristischen Hauptziel der Region auch ein (überregionales) Bewusstsein für die Möglichkeiten der Anreise mit den Öffentlichen geschaffen werden kann. Sympathisch klingt es allemal.


Zu zweit - perfekt

Um einen kleinen Zeitpuffer entlang der Elbe ab Dresden zu haben, plane ich die Passage der Altstadt für spätestens 8 Uhr. Jogger und Gassigänger, Inlineskater und Radfahrer bevölkern zögerlich den Radweg; immerhin sollten mich jetzt keine Rehe mehr fast um den Haufen rennen wie noch 3 Stunden zuvor. Einige Radler - speziell Mountainbiker - sind an diesem Samstagmorgen schon durchaus ambitioniert unterwegs und verlangen nicht nur einmal das Verlassen der Komfortzone. In solchen Momenten darf das "Dresdner Hauspflaster" schlicht keine Rolle spielen...

Montag, 26. August 2013

Zwischen Schulanfang und Brückenfest

Der 18 Tage alte Mond wirft das Sonnenlicht auf die abgeernteten Weizenfelder ringsum und sorgt im Duett mit einem unverändert aus südöstlicher Richtung wehenden Wind für die optimale Rahmung des sich seinem Ende zuneigenden Radausflugs. Ich setze die Titelliste des Vormittags fort und lasse mich sowohl von der warmen Stimme in den Ohren als auch von der (kühleren) Luft im Rücken treiben. Die Gedanken gehen auf die Reise, die Kilometer verfliegen, die Müdigkeit spielt keine Hauptrolle mehr. Panta rei.

Die Würfel sind gefallen

Am Vorabend des vergangenen Samstags fällt die Entscheidung. Nachdem mir Wetterbericht und innere Stimme grünes Licht gegeben haben, beginne ich damit, das GPS mit den Streckenkoordinaten und den MP3-Player mit Grimms Märchen zu füllen. Richtig gelesen. Ein kurzer Exkurs als Babysitter hatte mich in die Rolle des Märchenonkels versetzt und dabei intolerable Wissenslücken zu Tage gefördert. Was liegt also näher, als diese Lücken Krater quasi im Vorbeifahren zu füllen? Da ich meinem Autarkiegrundsatz bezüglich fester Nahrung treu bleiben und die Kamera samt Stativ einpacken möchte, ist diesmal obendrein der Rucksack mit an Bord. Außerdem habe ich so Gelegenheit dazu, Beinlinge und Jacke problemlos verstauen zu können.

Mittwoch, 9. November 2011

Wake me up before you go

Früher war alles besser? Nun, je älter ich werde und je reflektierter (dieser Fakt mag sich für Außenstehende nicht immer sofort erschließen), desto leichter fällt es mir, gewisse menschliche Verhaltensweisen im größeren Kontext zu verstehen und mich mit deren Eigenheiten auszusöhnen.

Eingeladen (besser: angefragt) hatte ich im Freundeskreis zu (bezüglich) einer Wandertour irgendwo in Mitteldeutschland. Überraschenderweise flatterte daraufhin eine Antwort mit bereits ähnlich lautenden Plänen in den Briefkasten. Umso besser, erspart man sich bei gleicher Zielstellung doch so manche Überzeugungsarbeit. Inhalt des Briefes war eine vakante Absicht, die Sächsische Schweiz besuchen zu wollen. Sächsische Schweiz? Ja, da war ich lange nicht.

Zwei Autos; 6 Personen; 12°C in Dresden (Föhneffekt); Sperrung der Straße Bad Schandau-Königstein (Baumfällarbeiten); Probleme, Hartgeld für den Parkautomaten zu aquirieren; eine (noch) zufriedene und vor Elan strotzende Wandermeute - so lässt sich dieser Morgen des 06.11.2011 bis etwa 10.30 Uhr zusammenfassen. Alles in den Rucksäcken verstaut für den Gewaltmarsch über 15 km? Ja? Dann kann es ja losgehen.

Von Schmilka ging es zunächst über den Grenzweg auf teilweise grob mit Basaltblöcken gepflasterten Wanderwegen langsam in Richtung Großer Winterberg. Während die restliche Gruppe sichtlich entspannte und einfach nur den schönen Herbsttag genoss, verspürte ich den Drang zu Reportage und Dokumentation. Keine Ahnung ob dies irgendwann einmal nachlässt - aber im besten Fall hält sie dann auch eine Kamera in Händen und findet Blickwinkel, die mir ohne dieses zweite Augenpaar auf immer verschlossen geblieben wären und von deren Existenz ich nicht zu träumen wagte.

Kipphornaussicht
Menschen können ihre wahre Kreativität, ihr ganzes Potenzial erst im Zusammenspiel und durch die Wechselwirkung mit anderen Menschen vollends zur Geltung bringen. Kommunikation, Kooperation, Konkurrenz, Konsum, Konfliktbewältigung .... - ob man es nun mag oder nicht - gehören zu unserem Alltag.

Müßig, an dieser Stelle eine Diskussion über das Leben in Klöstern oder Einsiedeleien vom Zaun zu brechen, denn (ich verweise auf den Postanfang) obgleich nachvollziehbar und durchaus (immer noch) nicht ohne jeden Reiz, blendet eine solche Lebensentscheidung doch (besser: versucht sie auszublenden) einige Prozent unseres Daseins aus. Ob das ausschließlich nur die negativen Prozent des Daseins sind? Ich habe meine Zweifel.

Am "Gipfel" angekommen galt es für mich, die Gruppe bei Laune und mit der GPS-Vorschau auf eine kleine Runde voller spektakulärer Ausblicke auf dem Wanderweg zu halten; anstatt direkt in die Gastwirtschaft zu marschieren. So lernten die Rookies schließlich noch vor dem Mittagessen Fremdenweg, Katzenstein sowie Teile des Rosssteigs kennen.




Den Rückweg zum höchsten Berg der Sächsischen Schweiz gestaltete ich (ja, okay: unplanmäßig) mit einer Querfeldein-Trackabkürzungseinlage vorbei an Wildschweinsuhlen und unter Laub verborgenen -kötteln. Geschafft, gut durchblutet und dementsprechend hungrig war mein Huskyrudel alsbald neben dem urigen Kachelofen in der Stube versammelt und während ich in diversen NATURFOTO-Ausgaben schwelgte wurden die mit Kartoffel- und Nudelauflauf gefüllten Näpfe ihrer Bestimmung zugeführt. Sehr sehr schön.



Was noch blieb waren einerseits der Rückweg auf dem (in der Novemberabendsonne genial warm beleuchteten) Bergsteig hinunter nach Schmilka und andererseits eine Handvoll Fotos, die diesen Tag gut umschreiben und die passenden Erinnerungen zu wecken imstande sind. Ich war zufrieden.




Hey, ich ... ach was soll's.

Der Link zur Wanderstrecke: klick

Mittwoch, 2. November 2011

Drei über Zwanzig

Hach ja, süß. So könnte ich den 30. Oktober diesen Jahres zusammenfassen - aber es bliebe dann leider auch vieles ungesagt. Und wer will schon in diesen Zeiten knapper Worte in den a-capella-Chor unserer politischen Vorbilder (Obama - UNESCO - Palästina; Berlusconi - Staatsdefizit - Italien; Papandreou - Volksentscheid - Griechenland) einstimmen?!

Geplant war eine Fahrt in die sächsische Landeshauptstadt schon länger, allein der Tritt in den Hin**** fehlte. Letzteren versetzte ich mir im übertragenen Sinne nun selbst, als ich unseren beiden Teammitgliedern (und Elbflorenz-locals) von einer Sightseeing-Tour mit Start und Ziel in ihrer Heimatstadt berichtete. Die Route hört auf den schönen Namen "Fünf über Zwanzig" und verspricht nicht weniger als 2200 hm auf 137 km. Die Jungs schluckten den Köder. :-)

Bei einer geplanten Fahrzeit von unter 4 Stunden starte ich an diesem Sonntag mit auf Winterzeit geändertem Tachometer meine 111 km lange Einrollphase um kurz nach 7 Uhr. Unspektakulär (wenn man von den vielen des Nachts überfahrenen Igeln einmal absehen mag - und auch deren Schicksal ist im Herbst leider unspektakulär zu nennen) rollt es über Colditz, Hartha, Döbeln und Nossen Wilsdruff entgegen.

Eine lebendige Demokratie
Im Örtchen mit den 3 Wildschweinen am Marktbrunnen wähle ich (zum ersten und letzten Mal!) die direkte Stadtpassage als Alternative zur Hauptstraße. Nur soviel: die Schnellspanner blieben zu.

Anschließend folgte die Abfahrt ins Elbtal durch die nach Dresden eingemeindeten Örtchen Roitzsch, Podemus, Merbitz und Kemnitz. Unten angelangt, folgt man am besten dem gut ausgebauten Elberadweg bis zum nun nur noch 5 Kilometer entfernten Terrassenufer.
Unser Treffpunkt an der Anlegestelle der Elberaddampfer war bei meinem Eintreffen um 11.02 Uhr bereits von M. okkupiert, U. und A. sollten wenig später folgen.



Der oben verlinkten Streckenbeschreibung ist zu entnehmen, dass es zunächst elbaufwärts bis zur Loschwitzer Brücke und nach deren Querung alsbald auf der Robert-Diez-Straße dem Himmel entgegen geht. Diese Umschreibung ist zutreffend, denn was da charmant als Masochistenkompott bezeichnet wird, hat es wirklich in sich. 600 Meter purer Spaß auf Kopfsteinpflaster der miesesten Sorte. Radlerherz, was willst du mehr?


Wir sollten im Tagesverlauf übrigens noch erfahren, ab wann man Pflaster mit solchen Gradienten nicht mehr befahren kann. Doch jetzt befanden wir uns noch am Anfang der Reise, nur 3 km von der langen Abfahrt zurück ins Tal entfernt. Warum fährt man ins Tal? Um gleich wieder aus diesem herauszukommen.

Sind Radfahrer nicht das fleischgewordene Pin-up aller Motivationsgurus? Hinfallen um aufzustehen, Einstecken um auszuteilen, Leiden um glücklich zu werden,...! Kurz nach zwölf an diesem Sonntag hatten wir andere Gedanken im Kopf. Kurzzeitig waren sogar die Pin-ups verschwunden. Apropos, kannibalische Gelüste verspürte keiner von uns, obwohl sicher nicht nur mir die Beine teilweise brannten. Mit derart friedvollen Gedanken im blutleeren Hirn ging es erneut hinab, diesmal über die Straße Am Pillnitzberg (Achtung: Querrinnen). Ein phantastischer Blick bietet sich dem Besucher, der an der alten Steinmauer über die Weinreben am Schloß Pillnitz hinweg auf das weite Elbtal blickt. Wir ernteten allerdings auch ein paar (bewundernde) Blicke der zahlreichen Sonntagsausflügler, als uns Wünschendorfer und Hochlandstraße - vorbei an eben jener Steinmauer - zum zweithöchsten Berg Dresdens, dem Borsberg (361 m NN), führten.

Jetzt schloss sich eine Passage mit weniger heftigen Anstiegen über das Schönfelder Hochland an. Eine dörflich geprägte Landschaft, die, obwohl zu Dresden gehörend, rein gar nichts mit dem Trubel einer Großstadt gemein hat. Vielmehr sind Felder und Wiesen unsere Begleiter als wir ab Eschdorf auf dem alten Bahndamm der Strecke Dürrröhrsdorf–Weißig nach Wünschendorf rollen. Ab Mühlsdorf hatten wir leider kein Wetterglück mehr, es fing an zu regnen, sodass der Transfer auf der des Wochenends stark befahrenen S 165 bis Hohnstein kein Genuss war.

Aus dem Polenztal geht es gemäßigt im oberen einstelligen Prozentbereich bergan zur Burg Hohnstein. Hat man diese (fast) erreicht, und steht nur noch eine Serpentine zwischen dem Radfahrer und dem Gipfel, macht der Streckenguide "piep", was nichts anderes bedeutet, als jetzt doch bitte die Kindereien sein zu lassen und gefälligst scharf links in den Schulberg abzubiegen. Jetzt sollte sich auch zeigen, ab welcher Steigung man auf feuchtem Kopfsteinpflaster nicht mehr vorankommt; 20% waren mit gelegentlich rutschendem Pneu gerade noch zu schaffen (39 x 28).

Burg Hohnstein

So, Teambriefing: Einer musste zum Zug nach Bad Schandau, die zwei anderen waren einer warmen Zugfahrt auch nicht abgeneigt. Ich entschied mich, ebenfalls mitzufahren und die noch ausstehenden zwei Zwanziger demnächst mit trockenen Füßen anzugehen.





Nach einer Heißen Schokolade im Bahnhof von Bad Schandau, dem Transfer bis zum gemeinsamen Ausgangspunkt und einer Eskorte von A. bis zur B 6 (Meissner Landstraße) mache ich mich gegen 16.15 Uhr an den Heimweg.


Auf gleicher Strecke wie am Morgen, mit guten Kräften, schwachem Gegenwind (max. 10 km/h) und nassen Füßen. Meine Wasser- und Nahrungsressourcen reichen für die gesamte Strecke und der flüchtige Gedanke, den Autarkievorsatz in Döbeln zu unterlaufen, wird erfolgreich in den Wind gepfiffen. Radfahren trainiert in erster Linie den Kopf.

Schloß Colditz
Hach ja, süß.

* 289 km
* 2850 hm
* 11:15 h Netto
* 13:15 h Brutto

Freitag, 7. Oktober 2011

Herbstexkursion in die Sächsische Schweiz

Gegründet im September 1990 ist der Nationalpark Sächsische Schweiz heute einer von bundesweit 14 Nationalparks. Dem damaligen Vize-Umweltminister der letzten DDR-Regierung, Prof. Michael Succow, oblag die schwierige Aufgabe, unter Berücksichtigung der fortan geltenden bundesdeutschen Naturschutzgesetzgebung, innerhalb von 6 Monaten vom Entwurf hin zur tatsächlichen Realisierung des DDR-Nationalparkprogramms zu gelangen.

Mit diesem Programm kamen schließlich 5 Nationalparks, 6 Biosphärenreservate und 3 Naturparks in den Einigungsvertrag - eine umweltpolitische Großtat, die Herrn Succow 1997 den Alternativen Nobelpreis einbrachte. Mit dem Preisgeld gründete er die Succow-Stiftung, deren Hauptanliegen darin besteht, sich für die Ausweisung neuer Naturschutzgebiete (national und international) einzusetzen.
"Wir müssen retten, was zu retten ist!" Weg von der Hybris, sich die Erde untertan zu machen, hin zu mehr Demut. Auch in Westeuropa, wo es kaum noch unberührte Natur gibt, können Wildnisräume entstehen."*
(Michael Succow)
*Aktuell sind 0,54 % der Fläche des Bundesgebietes Nationalparks. Umweltpolitisch angestrebt ist eine Erweiterung auf 2 %.


Tag 1 - 01.10.2011

Mein Weg führte an diesem 01. Oktober 2011 zunächst in die hinterste Hintere Sächsische Schweiz: nach Hinterhermsdorf (2001 übrigens zum "schönsten Dorf Sachsens" erkürt). Zwischen Hohnstein und Hinterhermsdorf verläuft auf einer gedachten Linie die "Lausitzer Überschiebung". Dieser Bereich ist im Geologensprech eine Bruchzone, an der gegen Ende der Kreidezeit Granit auf die kreidezeitlichen Schichten der Elbtalzone aufgeschoben wurde. Der Laie erkennt insbesondere im Polenztal bei Hohnstein anhand der unterschiedlichen Formen der Talhänge den Einfluss von Granit und Sandstein auf das Relief. Während sich nämlich im Granitgebiet V-Täler herausbildeten, sind es im Sandsteingebiet U-Täler gewesen.

(Quelle: Wagenbreth/Steiner: Geologische Streifzüge, 4. Aufl., 1990, S. 167)

Vom Ortszentrum aus führte mich der Weg über die Buchenstraße zum Buchenpark und dann weiter in südöstlicher Richtung auf dem Hohweg erstmalig an diesem Wochenende in die Kernzone des NP.

Sonntag, 13. Februar 2011

Ein Wintertag im Elbsandsteingebirge

Der große Vorteil von Zugfahrten ist die Vermeidung motorisierten Individualverkehrs. Toller Satz. Also stand ich gestern kurz vor 4 Uhr auf, um die schlappen 128 km Luftlinie bis in die Sächsische Schweiz noch vor dem Mittagessen bewältigt zu haben.


Eine Spiegel-Titelstory, einen kleinen Exkursionsführer und mehrere MP3s später war es um 8.43 Uhr endlich soweit: Ankunft am Bahnhof von Bad Schandau. Wer über die B 172 zum rechtselbischen Ufer wechselt, erblickt zuerst einen Penny-Markt, dann eine Aral-Tankstelle, der Blick schweift Richtung Stadtmitte, erreicht schließlich die Stadtkirche und den Ostrauer Aufzug.

Entlang des Elberadweges führte die Strecke an der Stadt vorbei bis Postelwitz und gleich hinter dem Ortsausgang hinauf zum Obrigensteig.




Vor ein paar Monaten habe ich die Straße noch etwas später - zu Beginn des Lattengrundes - verlassen, gestern stand nun dieser Wanderweg erstmalig auf dem Programm. Kurz hinter dem Zusammentreffen beider Wege am Aussichtspunkt Falkenstein soll ein Pfad hinunter zur Nassen Tilke führen. Soll. Ich verzichtete auf die Bear-Grylls-Aktion und folgte stattdessen den zahlreichen Wildwechseln parallel zum Lattengrund in Richtung Wanderparkplatz.

Unten angekommen ging es gleich wieder hoch, jetzt endlich auf der geplanten Strecke und doch leider mit unnötigem Zeitverlust im Gepäck.



Der Schießgrund führt zur Radroute im Nationalpark und somit auch auf eine Piste, die mich schnell zu den Affensteinen bringt. Auch die Wetterprognose hielt sich an ihr vorgestern abgegebenes Wort und bescherte feinste Wintersonne. Derart zufrieden wurde es langsam Zeit, ein wenig Dokumentarmaterial für dieses kleine Poesiealbum zu sammeln:

Erster Versuch eines HDR, entstanden aus 9 Einzelbildern


Leider ließen sich kurz darauf die zwei Eichhörnchen am Abzweig zum Reitsteig nicht für ein Päuschen am Fuße der Fichte überreden. Der Reitsteig bindet auf die von Süden kommende Radroute ein, welcher bis zum Bloßstock gefolgt wurde.


Kurz vor 12 befinde ich mich am Einstieg zur Häntzschelstiege. Endlich.



Zwischen dem unteren und oberen Teil dieser Stiege befindet sich ein Aussichtsplatz, den ich (den wir) zuletzt bei gewittriger Stimmung besucht habe(n).


Warum muss die Zeit bloß so rasen und warum lässt sie Dinge unwiederbringlich verschwinden? Damit man neue findet. Immerhin schien gestern die Sonne und es drohte kein Blitzschlag.

180°-HDR-Panorama aus 36 Einzelbildern


Nichts für Übergewichtige ist der zweite Teil des Weges hinauf zum Grund des ehemaligen Meeres.




Die kleine Kraxelei lohnt sich aber allemal:



Back on track sollte man 800 m später unbedingt einen Abstecher zum Carolafelsen einplanen. Warum? Och:


Ich folgte nun dem Zurückesteig bis zur Rotkehlchenstiege. Diese galt es talwärts abzusteigen...



...und nach einem kurzen Schneeintermezzo...



...in einem Bogen über Rauschengrund und Unteren Terrassenweg wieder zu erreichen. Dieser Weg gehört mautpflichtig. SOO SCHÖN!!!

Sowas nenn ich Liebe auf den ersten Blick:

Die Route wird in diesem Jahr angegangen
Der Blick auf die Uhr deutete mir noch 1,5 h bis zum Sonnenuntergang und der Blick auf die Karte noch 1,8 km bis zum gewünschten Beobachtungsplatz für eben jenen. Zeit genug also, innezuhalten, die Kletterer auf dem Rauschenturm im Gegenlicht zu beneiden und diese Landschaft sehr zu mögen.

Oxidationsverwitterung
Beim nächsten Mal werde ich über Lehne, Vorderwinkel und Mittelwinkel erst ab- und anschließend ganz in der Nähe der Schrammsteinaussicht wieder aufsteigen. Diese Kombination verspricht nämlich mehr Abwechslung als der diesmal noch gewählte - fast, zum Glück - "altbekannte" Schrammsteinweg.

Die sich nähernde Kaltfront mit Schnee im Gepäck hatte kurz vor fünf den westlichen Himmel leider schon so in Beschlag genommen, dass mein erhofftes Abschlussbild ausbleiben musste. Also wurde der Rucksack abermals erfolglos nach sich wohl endgültig nicht wundersam vermehrenden Lebensmitteln abgesucht, der verbliebene Tee für die Zugfahrt aufgehoben und der Heimweg angetreten. Ich komme wieder. Dann aber ohne Bahn.

Weiterführende Links: