
Niemand kann sich aussuchen, ob er geboren werden will.
Niemand kann sich seine Charakterzüge aussuchen.
Niemand kann vor sich selbst davonlaufen.
Voller Neugier strebe ich an diesem Freitagabend hinaus in die Welt, begleitet von einem Gefühl der Wiedergeburt.
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Vor Teutschenthal. |
Die existentiellen Fragen - Ist das mein Platz? Ist das mein Weg? - stören die unbeschwerte Kindheit nicht, vielmehr steht der Spaß im Vordergrund, das spielerische Austesten der Kräfte, die Zeit mit Freunden. Die ersten Hürden des Lebens überwinden wir, ohne dass uns das als Hindernis ins Bewusstsein kommt. Einige Freunde straucheln schon hier, rappeln sich jedoch schnell wieder auf.
Adoleszenz | 12. Juni | 22:42 | 114 km - Polleben
Der Weg wird uneben, einige halten das Tempo bei, andere suchen sich Schleichpfade, um nicht zu arg durchgeschüttelt zu werden. Ich wechsle die Straßenseite, rolle links vom Kopfsteinpflaster auf einem staubigen Randstreifen. Es gibt keinen Gegenverkehr, diese Nacht teilen wir scheinbar allein. Unweigerlich zur Jugend gehören Rangeleien. Sei es zur Beeindruckung von Mädels, sei es zur Etablierung eines gesunden Selbstbewusstseins. Okay, rangel ich halt mit. Schelmisch werde ich gemustert, "Der Typ hat doch nichts drauf", mögen die Gedanken des Nächsten sein. Ich höre mir sein Gelaber an; im ersten Leben hätte es mich verletzt, jetzt allerdings vertieft es nur meinen seligen Blick zum westlichen Horizont.