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Samstag, 7. November 2015

Nationalpark Nummer 5 - Unteres Odertal

Wir befinden uns auf dem Rückweg von einem Tagesausflug nach Stettin, der aufgrund des Wetters leider keinen allzu positiven ersten Eindruck dieser aus geografischer und historischer Sicht interessanten Stadt an der Odermündung hinterlassen hat. Unser nächstes Ziel heißt Gartz, dort wollen wir einem Vortrag über die Vögel des Glücks lauschen.

Der Großteil Ostdeutschlands wird von Tiefland gebildet. Die mehrmaligen Vereisungen sowie die Erosions- und Sedimentationsvorgänge der Zeiten zwischen den Eisvorstößen und der Nacheiszeit haben eine Landschaft geschaffen, die teils duch weite Ebenen, teils durch wellige Höhenzüge, Talungen und Seen geprägt wird. Geformt wurde das Landschaftsbild hier zwischen Stralsund und Frankfurt (Oder) im wesentlichen von den pleistozänen Vereisungen mitsamt ihrer Begleiterscheinungen. Infolge eines Abfalls der Jahresmitteltemperaturen rückten die skandinavischen Gletscher mehrmals über das Ostseegebiet nach Süden vor, breiteten sich als geschlossene Inlandeismassen über große Gebiete des Tieflandes im Norden aus und hinterließen beim Abschmelzen den bei ihrem Vorrücken aus dem Untergrund aufgenommenen Gesteinsschutt. Diese Sedimente weisen im Durchschnitt eine Mächtigkeit von 50 - 100 Meter auf – in lokalen Depressionen über 400 Meter.

Dienstag, 20. Oktober 2015

In den Zillertaler Alpen

Die Sommertour gen Süden verläuft erneut problemlos, nette Mitfahrer bereichern die trögen Autobahnstunden. Mareile kommt dank uns zur Hochzeit einer ehemaligen WG-Mitbewohnerin in Wiesau, Chris spart sich die Bahnkosten und reist bis Weiden i. d. Oberpfalz, Diana erzählt auf dem Weg zur Allianz Arena vom Glück, ein Haus in München zu bewohnen sowie von Roms Reizen im Sommer. Im Chiemgau, unserem Zwischenstopp für eine Nacht, werden wir herzlich empfangen. Kaffee und Kuchen im Kreise der Bauernfamilie auf urigen Sitzmöbeln vor diesem alten Haus mit Blick auf die Hochries - fast scheint es, als wären wir kein Jahr lang weggeblieben. Ich lehne mich zurück und sauge den Moment ein, will das Leben mit seinen positiven Seiten bewusster wahrnehmen und seltener durch dessen negative in machtloses Erstarren abgleiten.
Gestärkt von Zitronenkuchen und Stracciatella-Eis leisten wir dem Tipp der Hausherren zu einem Spaziergang durch die Samerberger Filze Folge - einem Feuchtgebiet, das sich am Fuße der Chiemgauer Alpen auf tonigen Schichten im Zuge der nacheiszeitlichen Massenbewegungen bildete. Die Gewitter des Tages schaffen es nicht herüber, bleiben vielmehr hinter dem Kaisergebirge hängen und bescheren uns somit einen Einstand nach Maß im Alpenraum. Das Wasser des Naturbades Samerberg wird von zwei parallel arbeitenden natürlichen Systemen permanent gereinigt: Eine Pflanzenkläranlage bindet überschüssige Nährstoffe, ein begrünter Kiesel-Kohlefilter sorgt für die Entfernung von Schmutz und Keimen.

Samstag, 28. Februar 2015

Models, Museen, Weltkulturerbe und Wildrinder

Nachdem ich am 7. Februar in fotografischer und geologischer Mission im Elbsandsteingebirge unterwegs gewesen bin, hieß es in der Mitte des Monats: Gemeinsam den Nationalpark Harz erkunden.

51° 47' 57" N / 10° 36' 56" O

Das Auto ist am Morgen dieses Mittwochs gut gefüllt, denn zwei Mitfahrer haben sich auf meine Annonce gemeldet. Blablacar lohnt sich für drei Seiten gleichermaßen, nämlich für die Umwelt, für die Mitfahrer und für die Spritkasse. Gewiss kann man keinen Gewinn erzielen, allein das gute Gefühl, in einem vollen statt halbleeren Pkw zu reisen, ist den kleinen organisatorischen Aufwand jedoch allemal wert.

Ein Abstecher zum Blauen Auge des Mansfelder Landes - dem Süßen See - lässt die Monotonie der Autobahn zugunsten schöner Landstraßen im Harzvorland weichen. Wir geniessen die herrliche Wintersonne und hängen unseren Gedanken nach, während sich draußen die Landschaft von der Tieflandsbucht hin zum Mittelgebirge wandelt. Eisleben, Aschersleben, Nachterstedt, Quedlinburg, Thale - es gibt so viel zu entdecken, soviel zu lernen. Ich habe das Glück, meine Neugier auf Kultur und Natur nicht nur als privates Hobby ausleben zu dürfen, sondern auch tagtäglich andere Menschen (mal mehr, mal weniger erfolgreich ;-)) damit in Kontakt zu bringen.

Die Rosstrappe werden wir heute nicht zu Gesicht bekommen, doch eine ähnliche Aktion wie im Dezember 2013 schwebt mir für dieses Jahr sofort vor Augen, als die ersten Anzeichen der Teufelsmauer in der Umgebung auftauchen. Die sich hebende Harzscholle richtete in der Oberen Kreidezeit vor 100 Millionen Jahren die Schichten des Buntsandsteins, Muschelkalks, Keupers sowie der Kreide steil auf. Spätere Abtragung modellierte an verschiedenen Stellen Höhenrücken heraus - so zwischen Thale und Blankenburg aus dem Heidelbergsandstein die Teufelsmauer.

Wir erreichen unser schönes Domizil am Ufer der Bode gegen 13 Uhr, packen um und brechen schon eine Stunde später wieder auf nach Schierke. Der Ausgangspunkt für Wanderungen auf den Brocken liegt nur 21 Fahrminuten westlich des Quartiers - perfekt für meinen/unseren Höhepunkt des Tages. Dem Wanderer bieten sich im Prinzip drei sinnvolle Optionen zur Routenwahl auf den höchsten Berg Norddeutschlands. Wir entscheiden uns für die kürzeste und steilste, bereuen den Entschluss allerdings recht schnell.

Freitag, 9. Januar 2015

Silvester im Riesengebirge

Nummer 1 unserer Mitfahrer steigt an diesem Morgen des 28. Dezembers 2014 am Chemnitz Center zu. Wie bei jeder längeren Autofahrt haben wir im Vorfeld freie Plätze auf www.blablacar.de gemeldet und wie stets so auch heute mehr als eine Anfrage erhalten. Da ist einerseits das gute Gefühl, den verfügbaren Raum im Pkw vollständig genutzt zu haben und andererseits die Gewissheit, eine kostengünstige Alternative zu Bus und Bahn bieten zu können.

S. studiert in Zittau Ökologie und Umweltmanagement, zuvor war sie für ein Jahr in den Niederlanden im Fach Nutztiermanagement eingeschrieben. Wir sprechen über die Ausbreitung der Wölfe in Deutschland, das schwierige Verhältnis Mensch - Raubtier, Wildtierkorridore, die Vorzüge Zittaus als Studienort und selten dämliche Lehrpläne. So verfliegt die Zeit bis Bautzen förmlich unter dem sonnigen Winterhimmel, während ich zum Telefon greife, um Nummer 2 und 3 unserer Passagiere über die Ankunft am Treffpunkt zu informieren. 12.53 Uhr steigen zwei Mädels zu - bepackt mit Kraxen, Handetaschen und diesen Papiertüten einer hier nicht näher genannten Drogeriemarke.

Die eine arbeitet nach einem Studium der Leisure Studies jetzt in einer Werbeagentur in Berlin, die andere belegt Umweltmanagement in Zwickau. Entsprechend entspannt erfolgte die Jahresendplanung der beiden. Sie beschlossen nämlich erst am Vorabend, den Jahreswechsel auf einer Hütte bei Spindlermühle mit Freunden zu verbringen. Wie sie von unserem Tagesziel Rokytnice dahin gelangen sollen, wissen sie allerdings noch nicht...

Via Liberec rollen wir gemächlich dem Tagesziel entgegen, dank schneefreier Straßen unter Nutzung einer serpentinenreichen Nebenstrecke sogar fast im Luftlinienmodus. Oben angekommen geht es sogleich wieder ins Tal der Iser, 9 km bis zum Stadtzentrum von Rokytnice trennen unsere Rückbänkler noch vom ungewissen Tramperdasein. Und wir? Wir parken 15.50 Uhr nach 351 km am Häuschen der Familie M.

29. Dezember | Kalte Finger

Das Wetter verspricht einen sonnig kalten Wintertag mit spürbarem Nordwind, der hauseigene Skihang ist leider noch nicht geöffnet. Alternativ schnüren wir die Wanderschuhe und stapfen über den kleinen Kamm ins Nachbartal nach Paseky nad Jizerou. Als wir den Wald verlassen empfängt uns urige Riesengebirgsarchitektur, anfangs parallel zu einem schmalen Zufluss der Iser umrunden wir gegen den Uhrzeigersinn den Ort. Das hiesige Skigebiet mit seinen 10 Pisten ist gut besucht und bietet nach den Automarken zu urteilen einigen guten Partien Gelegenheit zum Abschalten von Immobilienpreisen und Börsen-Indizes.

Pisten des Skigebietes von Paseky nad Jizerou.

Sonntag, 24. August 2014

See, Land, Stadt - ein Reisetagebuch

9. August

Die Kunst bei der Planung von MFGs besteht darin, mit minimalem Aufwand das Auto maximal zu füllen. Dies Kunststück gelang uns ab Pechbrunn bei Marktredwitz in der Tat, doch da hatten wir keine Ahnung, was noch kommen würde: Zahlreiche Staus zwangen uns hinter Regensburg zum Verlassen der Autobahn, sodass der Zeitplan unserer Mitfahrer in Gefahr geriet. Zu allem Überfluss wurde deren Zug ab Rosenheim durch SEV ersetzt - eine Entscheidung musste her. Die beiden im strömenden Regen absetzen und zum Tagesziel fahren oder einen Abstecher nach Kufstein einlegen? Drei (!) Minuten vor Abfahrt des Zuges erreichten wir den Bahnhof von Kufstein, verabschiedeten die Passagiere ... und zuckelten eine Viertelstunde später hinter 50 unüberholbaren Enten her. Was sollte diese Strafe denn bloß?!

Abendlicher Blick vom Balkon.

Samstag, 31. Mai 2014

Über Himmelfahrt zu Art Wolfe

Nach drei Tagen Dauerregen liegen wir an diesem Donnerstagmorgen bereits ab 7 Uhr wach und lauschen den Geräuschen hinter dem gekippten Schlafzimmerfenster.

"Es regnet noch leicht. In der Vorschau sah das gestern Abend anders aus."
"Die Straßen sind nass und es ist kalt."
"Wir wollen ja erst 9 Uhr starten. Bis dahin hört das auf."
"Och menno." [Kopf unter die Decke ziehend]

Unser Plan für den diesjährigen Männertag ist Teil 1 einer zweitägigen Radtour von Leipzig nach Neubrandenburg: 200 km in die Bundeshauptstadt. Man hätte sich bessere Bedingungen für K.s 200er-Premiere wünschen können als Gegenwind (Nordlage), nasse Straßen, Temperaturen um die
15 °C und einen vollen Rucksack auf dem Rücken. Man hätte. Denn wer das Radfahren als festen Bestandteil seiner Lebensphilosophie versteht, für den sind Regen oder Sonnenschein nicht viel mehr als tägliche Begleiterscheinungen auf seinem Weg.

Ich bin schon des öfteren mit dem Fahrrad an meine Grenzen gestoßen; musste in Bushaltestellen schlafen, von Freunden mit Molkeriegeln aufgepäppelt werden, in Tankstellen die Kartoffelsalat- und Cola-Vorräte plündern, umkehren, 10 km/h auf den letzten Kilometern bis nach Hause als tolles Tempo akzeptieren. Während all dieser "Projekte" war ein besonderer Wunsch steter Begleiter: Deine Gegenwart. Wohl jeder trägt ein Idealbild von Partnerschaften mit sich durch das Leben - gemalt von den eigenen Eltern, den Großeltern, Tanten, Onkels, Freunden. Keine der vorgenannten Personen aus dem Dunstkreis des Autors suchte jemals sportliche Herausforderungen. Ich auch nicht. Im Kern geht es nämlich um viel mehr als um stundenlanges stoisches Pedalieren, Laufen, Wandern. Im Kern geht es um die bewusste Suche nach dem eigenen Pfad abseits allgegenwärtiger Bequemlichkeiten, abseits allgemeiner Denkmuster, abseits alltäglicher Gleichgültigkeit.

Montag, 17. Februar 2014

Kurzurlaub im Bayerischen Wald

Während ich vor einem Jahr noch durch winterliche Heimatgefilde tigerte, auf der Suche nach Überraschungseiern in Baumhöhlen, stand dem nun das denkbar interessantere Ausflugsprogramm gegenüber. Ein Kurztrip in Begleitung.

Tag 1

Wenn man schon auf den Pkw für den Weg von A nach B angewiesen ist, sollte man sich mindestens um Mitfahrer bemühen.

Sprachs und erhielt am Vortag gleich zwei Anrufe potentieller Interessenten unserer Tour in die Hauptstadt der Oberpfalz. Pünktlich um 8.25 Uhr rollten wir bei stürmischem Südwind (ich schätze, der hat locker 1 l mehr auf 100 km gekostet) auf die A 38 und wechselten später über zur A 9. Rein zufällig verließen wir bei Berg kurz die Autobahn, um am gleichnamigen Rasthof den Beinen und der Blase etwas Bewegung zu gönnen; im Juni 2011 machten wir hier zuletzt Station - damals mit den eindeutig ökologischeren Fortbewegungsmitteln.

Mittwoch, 27. November 2013

Zur DHV-JHV nach Furth im Wald

Wie beginnt ein guter Tag? Nun, am besten noch vor dem Weckerklingeln mit Frühsport ... irgendwie muss man schließlich im Winter aktiv bleiben.

Insofern war der vergangene Freitag für mich sowohl ein Sport- als auch ein Reisetag, denn am frühen Nachmittag nahm ich als Mitfahrer Numero 3 auf der Rückbank eines roten Volvo Kombi mit Fahrtziel Regensburg Platz. Neben mir eine Rechtsanwaltsgehilfin mit zu dominantem Make-up, die ihren Bruder besuchen wollte; vor mir a bayrisches Madel. Der Fahrer: Mitte 30, tiefenentspannt, kein Deutschlandfunkhörer, Informatiker, WE-Pendler zwischen Arbeit und Heimat. Wir gaben eine bunte Truppe ab.

Der Autor nutzte die erste Stunde der Fahrt für die Arbeit an einem sehr persönlichen Brief; schrieb, blickte in die von Nebel und gelegentlichem Sprühregen in tristes Novembergrau getauchte Landschaft, suchte Gedanken, wünschte seinen Schutzengel in physischer Präsenz neben sich. Im Radio liefen Jump, Antenne Thüringen und Antenne Bayern - damit etwas dudelt. Gesprächsversuche über Themen der 2-Minuten-Nachrichten auf den Popwellen verliefen im Sande; dieses starre Schweigen erfüllte mich mit Unzufriedenheit (wesentlich stimulierender war im Gegensatz dazu meine Heimfahrt am Sonntag - s.u.). Dem Paragraphen- und Abmahnungsfan neben mir gab ich einen Crashkurs zur Gleitschirmwelt und Einblick in meine Bilderordner auf dem Rechner. Das half, um sie für etwa 25 Minuten vom Smartphone zu trennen. Immerhin.

[Ich weiß genau, wessen Finger jetzt schon eifrig über dem Kommentarfeld kreisen. :-) Deswegen sei ergänzend angefügt: Ich mag Smartphone-Besitzer. Solange sie wissen, wann es Zeit ist, sich den physisch anwesenden Menschen zuzuwenden. Andererseits: Vorgestellte Ideen, Sichtweisen, Lebenseinstellungen bergen die Gefahr, Eigenes überdenken zu müssen. Mit einer Handbewegung wegsliden? Geht nicht. Tsss, wie umständlich.]

Hinter Selb lockerte die Bewölkung auf, kam sogar nach Tagen der Hauch eines sichtbaren Sonnenuntergangs zum Vorschein. Unsere Köpfe wendeten sich immer wieder nach halbrechts und ließen die Augen über vorbeifliegende Wiesen, Felder und hügelige Landschaft hin zu einem schmalen, orange-rot gefärbten Band am westlichen Horizont gleiten.


Ich verlasse mein Taxi in Schwandorf und folge dem GPS-Track ins Stadtzentrum zum Bahnhof. Vor selbigem erhalte ich einen Anruf, der mich zwar den Zug um 17 Uhr verpassen, dafür jedoch Raum zum Knipsen lässt.

Donnerstag, 3. Januar 2013

Silvester im Bergdorf

Leichter Schneefall hat eingesetzt als wir gegen 8 Uhr am Abend den kleinen Gasthof verlassen. Von drinnen dringt warmes Licht durch die teilweise beschlagenen alten Holzfenster in die kalte Nacht. Mit einem Hauch von Wehmut blicke ich ein letztes Mal über Pferdekoppel und Skihang hinweg zu unserer Heimat der vergangenen 4 Tage. Dieses rustikale Häuschen mit dem bodenständigen Charme seiner bäuerlichen Bewohner passte einfach zu mir. Ich hatte alles was ich brauchte. Und was ich nicht hatte, brauchte ich auch nicht. Ich schließe die Autotür und rolle in Richtung NW davon - einem neuen Jahr mit neuen Erlebnissen, neuen Menschen und neuem Wissen entgegen.

28.12.12 - Ein Flug gen Westen, ein Flug gen Osten

T. rief am frühen Vormittag an, erkundigte sich nach unserem Plan. Wir wollten nach der langen Zwangspause nämlich unbedingt die Option auf einen Flug wahren und verschoben die Abreise ins Riesengebirge deshalb um einen Tag. Nichtsdestotrotz stand der gepackte Koffer Zuhause griffbereit, um ihn auf der Heimfahrt einladen zu können. Kurz und knapp: Unser Küken konnte am Berg ihren Erstflug machen, für längere Luftspaziergänge war die Strömung aber leider zu schwach.












17 Uhr schließlich brachen wir zu zweit in Richtung Tschechische Republik auf, die Schirme dabei vorsichtshalber neben der Skiausrüstung im Kofferraum liegend.



Mittwoch, 31. Oktober 2012

Michael Martin: 30 Jahre Abenteuer | Die Wüsten der Erde

Teil I - 30 Jahre Abenteuer

Angefangen hat alles mit einem Hobby: Die Astronomie ist die große Leidenschaft des jungen Michael Martin und sie zieht ihn zu ersten Ausflügen in die Welt. In die Welt der Alpen. Aufgewachsen in Gersthofen, nördlich von Augsburg, baut er sich im Alter von 15 Jahren selbst ein Spiegelteleskop (er schleift sich dafür sogar den Spiegel selbst - dieser zerbricht aber leider kurz vor Fertigstellung --> die Eltern schenken ihm an Weihnachten ein neues Teleskop) und will damit die Sterne beobachten. Gemeinsam mit seinem Freund Achim Mende geht es per Fahrrad etliche Male in die 120 km entfernten Alpen, wo sie an Wochenenden auf den Bergen beim Fotografieren von Sternen, Galaxien und Nebeln die Zeit um sich herum vergessen.

Aus der Begeisterung über die Ergebnisse dieser ersten kleinen Expeditionen erwächst der Wunsch, die Freude zu teilen und die aufgenommenen Bilder einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Erste Diavorträge entstehen, die Zuschauerzahl hält sich allerdings mit 5 bis 10 noch in engen Grenzen. Das sollte sich aber bald ändern:


1981 - Mit dem Mofa nach Marokko
1982 - Mit dem Opel Kadett in die Sahara
1982 - Im VW-Bus durch Afrika
1983 - 1987 Mit 16 Peugeots nach Westafrika
1987 - Vom Nil zum Niger
1989 - Ténéré

1991 - Transafrika
1994 - Zu den Quellen des Nils
1997 - Durch die Wüsten Afrikas
2004 - 2009 Tourneejahre
2009 - Island - Aufbruch ins Eis


In den 1980er-Jahren muss Afrika das Sehnsuchtsland der damaligen Westdeutschen gewesen sein. Jedenfalls fanden die Berichte über ihre Individualreisen, die Bilder, die vielen Tricks, Tipps und Kniffe eine immer breitere Anhängerschaft, sodass es Martin und seinen Freunden möglich wurde, immer größere Projekte in Angriff zu nehmen. Berichte in der Lokalpresse und Vortragstourneen quer durch Deutschland machten ihn obendrein immer bekannter und führten zu so folgenreichen Bekanntschaften wie jene mit dem Pressechef von Leica. Über ihn bekam er (leihweise) seine erste professionelle Kameraausrüstung - eine Leica R 7 mit zwei Festbrennweiten - und konzentrierte sich fortan auf die Erstellung hochwertiger Landschaftsaufnahmen und Porträts. Seine erste Reise mit der neuen Kamera und dem frisch auf den Markt gekommenen Film Fuji Velvia RVP 50 führte ihn nach Ägypten. Er schreibt in seiner Beilage zum Vortrag:

"Von dieser Reise brachte ich Bilder nach Hause, die mich glücklich machten. Sie zeigten Menschen in Alltagssituationen in großer Eindrücklichkeit. Was hatte sich verändert? Sicherlich spielten die neue Fotoausrüstung und der neue Film eine Rolle, bestimmt auch der Motivreichtum Ägyptens. Entscheidend aber war, dass es mir zum ersten Mal gelang, Menschen zu fotografieren. Ich hatte begriffen, dass ich mit den Leuten ins Gespräch kommen, dass ich ein Vertrauensverhältnis aufbauen musste, bevor ich die Kamera hervorholen konnte."

Mittwoch, 5. Januar 2011

Silvesterstadl

Seit wenigen Jahren ist es zur Tradition geworden, die Tage um den Jahreswechsel im bergigen Terrain und auf rutschenden Kunststofflagen zu verbringen. Zugegeben, noch wandere ich lieber an schneefreien Hängen entlang, als mich halbwegs unbeholfen auf weichem Grund ins Tal gleiten (ähh, was auch immer) zu lassen. Und dennoch gelingt dank Neugier und Neid immer wieder die Überwindung hin zur Erschließung des sportlichen Neulands.

Okay, genug der Vorrede und direkt hinein in die wunderschöne Landschaft des Riesengebirges. Am 28. Dezember hatte der VW mit Ludwigshafener Kennzeichen nach langer Reise wieder den Weg in den arg verschneiten Hof - trotz verengter Einfahrt - gefunden. Mit etwas aus dem Zeitplan geratenem Packen kamen wir erst gegen 14.30 Uhr zurück auf die Straße gen 220 km (Luftlinie) entferntem Ziel. Beim kurzen Polen-Transit hatte ich auf vereister Landstraße ein ziemlich mulmiges Gefühl, welches sich jedoch wenig später auf der perfekt geräumten tschechischen Anschlussstrecke wieder in Nichts auflöste. Hejnice, gelegen an einer Nebenstraße, war das nächste Ziel und von da an eine Waldpassage bis nach Harrachov.

Was bedeutet ein Sperrschild? Eine Sperrung kann, muss nicht vorhanden sein. Ist so. Der Allrad zog dann auch anfangs unbekümmert durch die Schneehaufen... und kam erst auf Höhe der Bergbaude Smědava zum stehen. Hm, hatten die wohl doch nur eine Einbahnstraße geräumt. Also wieder runter und brav auf die Hauptstraße. Das Leben kann so einfach sein.

Die avisierte Ankunftszeit wurde um lediglich 120 Minuten verfehlt - was aber nicht an der übermäßig langen Suche nach unserer Pension lag. Denn die entfiel - dank Policie-Geleit bis zur Haustür. Man muss halt nur auf sich aufmerksam machen und nett fragen.

29.12. - Liebeserklärung an eine Inversion

Minus 17°C sind zwar gemeinhin nicht sonderlich dienlich, um die Lebensgeister zu wecken. In Kombination mit strahlend blauem Himmel und einem unruhigen Gemüt, das die besten Fotomotive zu verpassen befürchtet, kommt man aber doch in die Gänge. Später stand mir eine Einheit Abfahrtski-Training entlang der Hänge des 1020 m NN hohen Čertova hora bevor. Was 'n' Traum!
Also das Wetter mein ich:






30.12. - Laufen. Einfach laufen.

Die Wetterlage hatte sich auch am nächsten Tag noch gehalten, zeigte aber bereits erste Anzeichen der Veränderung in Form einer Zunahme der Bewölkung in den höheren Stockwerken der Atmosphäre. Eine Langlaufrunde von 23 km Länge sollte den Tag ausfüllen und gleichsam das Feld der Aktivitäten erweitern. Entlang der Mummel schlängelte sich die Route anfangs durch den Wald gen Osten, um nach 5 km in nördliche Richtung abzubiegen.


Mit zunehmender Höhe kamen wir in den Genuß der wärmenden Wintersonne und des Inversionseffekts - Gelegenheit für diesen Schnappschuss, einen guten Kilometer vor der Vosecká bouda:


Wenig später schwenkte unsere Loipe um in nordwestliche Marschrichtung, nun ständig in Tuchfühlung mit der polnischen Grenze.






Zwischen dem Sonnenuntergang um 16.10 Uhr und den anschließend verbliebenen 8 km zurück zum Ausgangspunkt lagen nur noch eine Waldpassage im Blindflug sowie ein unbefriedigendes NORMA-Angebot.



31.12. - Zweimal Suppe und eine Apfelschorle

Den letzten Tag des Jahres verbrachten wir zünftig auf der Skipiste mit dem vollen Ausschöpfen des 8-h-Tageskarten-und-Restpunkte-Kontingents. Leider hatten sich die Wetterahnungen bewahrheitet, so dass der Tag mit trübem Himmel und Schneefall begann. Egal, denn ich war einmal mehr damit ausgelastet, Druck auszuüben. Auf die Knie (in Richtung Berg); auf die Skikanten; auf die Schienbeine (zwecks Körpervorlage); auf die anderen Pistenbenutzer (als Verkehrshindernis); auf den Kopf (um es bei 3 Abwürfen auf der schwarzen Piste bewenden zu lassen) und auf den Skilehrer, der mich vergeblich in Rennen mit 6-Jährigen zu verwickeln suchte.


01.01. - Ich seh dich. Oder auch nicht.

Was mit leichtem Flockenwirbel am Vortag begann, wuchs sich an Neujahr zu einem veritablen Schneesturm aus. Wir hatten das Ziel, von Spindlermühle aus bis zur Schneekoppe zu gelangen und die Luční bouda bei diesem Unterfangen als Herberge zu nutzen. Ab 15.40 Uhr hatten wir dabei diese Sichtweite:


Und ich spürte zum ersten Mal ganz direkt die große Bedeutung dieser Stangen:


Man erkennt im Bildzentrum einen Lichtpunkt. Dort ist die Baude. Angekommen in diesem Koloss (immerhin die größte "Baude" im Riesengebirge) wollte ich gleich wieder verschwinden. Unsere nette Auskunftgeberin in der Touristeninfo im Tal hatte Schlafsäcke als nicht nötig erachtet und ich als Rookie hab darauf vertraut. Wenigstens war das Mehrbettquartier in diesem Hotel einem Doppelzimmer vergleichbar, der Ebergulasch ohne Lupe erkennbar und die Nachtruhe in Schnarchweite.

02.01. - Oben

Am Morgen des 2. Januar brechen wir vor dem Frühstück auf, um die knappen 4 Kilometer bis zur Schneekoppe zurückzulegen. Der Wind hat nicht abgenommen und in der Nacht feine Schneewehen über den Wanderweg verteilt. Von Wanderweg im eigentlichen Sinne war selbstverständlich keine Rede, denn man hangelte sich wieder ziemlich hilflos von Stange zu Stange. Das Schlesierhaus am Beginn des Aufstiegs zum Gipfel bot uns nach 30 Minuten den ersten richtigen Fixpunkt in dieser unwirtlichen Welt.

Nach einer Stärkung im Schutze der meteorologischen Behausungen traten wir den Rückweg an, glücklicherweise unterbrochen durch ein kurzzeitiges Aufreißen der Wolkendecke und Freigeben der Sicht in Richtung der Täler beiderseits des Grenzverlaufs.





Wieder unten auf dem Kammweg ging es zurück zur Baude, wo wir feststellen mussten, dass es wohl keine Ausnahmen bei den Frühstückszeiten gibt. Ein Grund mehr, dieses Gebäude schnell zu verlassen.

23 Kilometer (diese Zahl schien uns zu verfolgen) Rückweg bis zum Auto standen bevor. Zu Anfang wieder im bekannten Schneesturm und später kurzzeitig im Sonnenschein ging es auf größtenteils harmonisch abfallenden Wegen zurück nach Spindlermühle. Ein paar Einheimische schienen ihre sonntägliche Trainingstour hinauf auf den Kamm abzuhalten, andere hatten für ähnliche Unternehmungen gar vier- bzw. achtbeinige Unterstützung mitgebracht.



Und während die einen weiter Höhenmeter sammelten...


...näherten wir uns unweigerlich dem lang ersehnten Pizza-Frühstück um 15.15 Uhr. Begleitet vom Singsang der holländischen Tischnachbarn klang so ein spannender und lehrreicher Trip in ein Gebirge aus, das gewiss noch ein paar Besuche verdient hat. Ich komme wieder.

Mittwoch, 30. September 2009

Endlich wieder in den Bergen

Die letzte Woche im September ist seit 3 Jahren zum Fliegen in den Dolomiten reserviert. Dabei hat sich das Rennrad neben dem Gleitschirm einen gleichberechtigten Platz in meinem Gepäck ergattern können - sicher manchmal zum Leidwesen der Begleiter.
Dank positiver Wetterprognose für die Nordalpen steuerten wir am vergangenen Sonntag zu sechst im Ford Transit als erstes Ziel die Hochries bei Rosenheim an. Den Nudlbichl (ein Bauernhof) in Grainbach kenne ich seit nunmehr 5 Jahren als Standardquartier für die Leipziger Flieger im tiefsten Oberbayern. Friedbert hatte passenderweise noch eine Ferienwohnung für 6 Personen frei - man muss eben nicht alles schon vorher planen ;-)



Zwei Leutchen sind an diesem Tag noch geflogen, ich hingegen hab mich auf's Rad gesetzt und bin nach Prien an den Chiemsee gefahren. Das Abendbrot musste standesgemäß im "Maurer" verzehrt werden. Sonntagabend, 8 Leute im Lokal (uns eingeschlossen), 21 Uhr Küchenschluss, Jesus in jeder Zimmerecke; da ist die weiß-blaue Welt noch in Ordnung.

Zu meinem Erschrecken hab ich am nächsten Morgen bei der Fahrt zum Dorfkonsum einen Riss in der Flanke des neuen Mantels am Vorderrad bemerkt. Da werde ich die kommenden Abfahrten in den Dolos wohl nur mit 70 nehmen können...
Wegen sich hartnäckig bis zum Mittag haltenden Wolken am Hausberg haben wir uns entschlossen, ein weiter inneralpin gelegenes Fluggebiet anzusteuern: Kössen.

Circa 50 km Fahrstrecke, nette Cumuli, nette Bahnpreise, Basis auf Gipfelhöhe und Wind zum Soaren (für Birkenpollen). Meinen Premierenstart in diesem Revier vermassle ich gleich. Man muss doch eigentlich keine Angst haben, wenn 3 Schritte nach dem Aufziehen der Abgrund beginnt...
Der zweite Start klappt gut und was folgt sind 80 Minuten Sightseeing in Hangnähe zusammen mit den anderen Jungs vom Verein. Jeder versucht der höchste zu sein, den besten Bart auszugraben, sich am längsten in der Luft zu halten. Mit zunehmender airtime werden die Bewegungen von Schirm und Pilot fließender, effektiver, insgesamt entspannter.
Den zweiten Flug strecke ich auf 104 Minuten. Das sind 76 km Flugstrecke in Summe an einem Hang, entspannt zurückgelehnt im Gurtzeug, getragen vom Wind und einem Flügel aus Kunststoff. Faszinierend.




Noch am Abend bekam ich eine SMS, dass das Wetter in den Dolos wohl bis zum Donnerstag richtig gut aussähe. Damit war unsere Entscheidung gefallen und am nächsten Vormittag der Bus schnell wieder vollgepackt mit allerlei Kram.
Über die A12 passieren wir Kufstein, Wörgl, Innsbruck und schließlich das Einfallstour der Germanen in den Süden: den Brenner. An der chiusa Klausen verlassen wir den von unverzinkten Leitplanken gesäumten Pfad, um in die Bergwelt des Grödnertals zu entfliehen.
St. Ulrich, St. Christina und Wolkenstein bleiben am Wegesrand zurück, während sich vor uns das beeindruckende Panorama des Sella-Stocks öffnet. Über gleichnamigen Pass auf 2240 m NN windet sich die enge Straße wieder hinab ins Tal.

Benvenuti a Val di Fassa





Just zur Mittagspause der Bergbahn in Campitello di Fassa treffen wir am Parkplatz ein. Ärgerlich zum einen, zum anderen aber auch praktisch. Nämlich um gleich eine Unterkunft zu suchen. Die POI meines Garmin vermelden einen Campingplatz in 400 Meter Entfernung. Na dann ... fix eingecheckt und ab zum Col Rodella.



Mit dem erworbenen Panorama-Pass können an 6 Tagen alle Bergbahnen im gesamten Tal ad libitum genutzt werden - das lohnt sich für uns Flieger allemal.
42 Minuten ein bissl Hangkratzen, nicht den Einstieg in den Hausbart finden. Sche**premiere!





Der zweite Flug am späten Nachmittag bringt immerhin eine Talquerung und sanftes Soaring am Westhang. Dennoch wenig berauschend. Hohe Ziele? Ich doch nicht.

Am Morgen des 23.09. geht es direkt vom Zelt in den nahen Fluss zur morgendlichen Duscheinheit. Wobei, es war eher ein Vollbad. Die Wassertemperatur ließ gerade einmal eine Querung hinüber zum anderen Ufer (denn danach spürte man seine Füße kaum noch) sowie ein kurzes (!?) Hinlegen zu. Im Schlafsack war es danach so kuschelig wie selten, das Müsli schmeckte, die Sonne schickte die ersten Strahlen ins Tal: So lässt sich's leben.
Geplant war für den Vormittag eine kleine Trainingseinheit hinauf zum Sella-Pass (vom Zeltplatz aus 14,5 km). Nicht lang und auch nicht schwer - letzteres je nachdem wie schnell man unterwegs sein will ;-). In Erwartung dünnbewadeter Italiener fuhr ich die ersten Kehren moderat, um im "Notfall" zusetzen zu können. Ja, ja, so ist das eben. An diesem Mittwochvormittag fuhren allerdings nur Mountainbiker und ein Mädel in meine Richtung. Das moderate Tempo genügte.
Ein weiteres Bad im Fluss war der gelungene Abschluss eines Vormittags wie ich sie so sehr liebe!
Der Nachmittag war dem Fliegen vorbehalten, zumal die Jungs schon nach Kräften Punkte sammelten. 13.24 Uhr starte ich vom Südstart unterhalb des Col Rodella und bereits 6 Minuten später zieht mich der Hausbart an die Basis auf 3100 m NN. Wuuuuuhhhhuuuuuuuuu!!!

Marmolada, ich komme! Oder auch nicht.

Die Querung hinüber zum Belvedere mit Thermikanschluss ist keine Meisterleistung. Das wahre Können zeigt sich erst beim Weiterflug zum NW-Grat der Marmolada. Von hier gilt es, sich an diesen nackten Felswänden emporzukreisen und bis zum Gipfel vorzuarbeiten. Vielen gelang es. Mir nicht. Ob jetzt die Angst überwog, in diesem unwirtlichen Gelände notlanden zu müssen, oder einfach die Freude darüber, überhaupt hierher - mit erstmaligem Blick auf die 1000 m hohe Südflanke der Marmolada - zu gelangen; ich kann es nicht genau sagen.



Jedenfalls versuchte ich, jede einzelne Flugminute fest abzuspeichern, um davon in späteren depressiven Momenten zu zehren. Mein Plan für den weiteren Flug sah eine Rückkehr zum Belvedere vor mit anschließendem Einstieg in den Hausbart. Nur dumm, wenn man auf der Südseite unterhalb des Gipfelniveaus ankommt. Mir blieb nichts anderes übrig, als nach SW abzubiegen und den Kamm zu umfliegen. Der Thermikanschluss auf der Westseite gelang mir nicht mehr, so dass ich meinen Plan, den Sella-Stock zu besuchen, leider aufgeben musste. Wenngleich nicht alles geklappt hat so war ich doch zufrieden über die sichere Rückkehr zum Landeplatz.












Zwei Pässe und ein verwandelter Elfmeter

Am nächsten Morgen ging es wieder in den Fluss. Um die kleine Macho-Rambo-whatever-Note zu teilen: Frank und Thomas waren auch dabei. Danach beschloss ich an der Abzweigung zum Sass Pordoi, doch zuerst diesen und im Anschluss die Sella zu fahren. Warum nicht, immerhin kommen so ein paar mehr Kilometer für meine Flachlandbeinchen zusammen. Könnt ihr mir verraten, warum Menschen ein Seilbahnticket für den Sass Pordoi kaufen, wenn der Gipfel in einer dicken Wolke hängt? Die deutschen Touris hätte ich fragen sollen. Ja, die Wolken waren heute leider in größerer Zahl vertreten als dies noch am Vortag der Fall gewesen war. Nach der Rückkehr von der Sella fuhr ich dennoch hinauf zum Startplatz, weil mich diese bunte Traube in der Luft irgendwie magisch anzog. Thomas war bereits seit über einer Stunde unterwegs auf gleichem Höhenniveau vor dem Col Rodella-Süd-Startplatz. Ich startete 14.02 Uhr vor Frank und versuchte meine Flugberechtigung gegen die anderen 40 Piloten durchzusetzen. Heftig, heftig, man ist nur am schauen gewesen, wer was macht und wer woher kommt oder wohin fliegt. An der Westseite des Col Rodella bildete sich ein Zylinder mit Schirmen - ähnlich dem Schwimmbild von Maränen. 14.33 Uhr hatte ich schließlich den Zylinderriegel geknackt und konnte bis zur Spitze des Rodellas aufsoaren. Aber dann: Frank flog in Richtung Langkofel, welcher ab circa der halben Höhe in den Wolken steckte. Piep, piep, piep - im Geradeausflug entlang einer Geländerippe. Ich musste laut jubeln. Ehrlich!









Gemeinsam tauchten wir in die Wolke ein, hielten Funkkontakt, "spazierten" an der Felswand entlang, machten wieder Höhe ... und schauten hinunter zu den anderen, die da 400 Meter tiefer weiterhin am Startplatz soarten. Unbeschreiblich. Links und über einem die Wolke, rechts der freie Blick ins Tal. Und eine volle Blase. Damn, sowas aber auch. Meine ganze Konzentration ging flöten und nach 1:24 h gab ich dem Druck am Landeplatz nach.
Safari ohne wilde Tiere

Nach dem morgendlichen Wettercheck beschlossen wir, das Fluggebiet Seceda zu besichtigen, da im Tagesverlauf Regen an unserem "Hausberg" angekündigt wurde. Gesagt getan, einmal über den Sella-Pass rüber und dann weiter bis St. Ulrich. Hier startet die Seilbahn hinauf zu oben genanntem Fluggebiet. In Oliver Guenays Buch "Die schönsten Fluggebiete der Alpen" wird mehrfach ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Greenhorns hier nichts verloren haben. Einmal wegen des schwer landbaren Terrains, aber auch wegen der Flugbedingungen an diesem nackten Felsriesen. Keiner wollte den ersten Lemming machen (die Luft war außerdem frei von Schirmen) und nach 30 Minuten war der Gipfel in den Wolken. Alles richtig gemacht!
Weiter gings zum Gitschberg. Wunderschön sich aufbauende Altocumulus castellanus, ein 20er Gipfelwind und ein komisches Bauchgefühl waren die objektiven und subjektiven Begleiter beim Warten auf der Holzbank am Hanglandeplatz. Nee, das muss nicht sein.

Was lernt man aus so einem Tag? Ich habe ein weiteres Mal gelernt, dass wir uns in die Natur einfügen und ihre Zeichen interpretieren lernen müssen. Aus dem Wissen, nichts erzwingen zu können, erwächst eine tiefe innere Ruhe.

Auf dem Rückweg zum Zeltplatz befuhren wir eine noch stellenweise nasse Passstraße - das Sightseeing war demnach nicht soo falsch. 17 Uhr sitze ich auf dem Rad und bin unterwegs hinauf zum Sella-Pass. Aus dem kleinen Taleinschnitt zwischen Piz Ciavazes und Sass Pordoi schoben mir die Wolken ein paar wenige Regentropfen entgegen. Glücklicherweise hob wenig später die mächtige Südwand des Sella-Stocks den Wolkeneinfluss auf und es ging trocken weiter auf den letzten 4 Kilometern. Happy, wieder oben zu sein, aber in gewisser Weise auch traurig ob des diesjährigen Abschieds von den Dolomiten saß ich noch ein wenig grübelnd am Straßenrand.
Ob wohl der Tag kommt, an dem ich nicht mehr allein in dieser wunderschönen Landschaft unterwegs sein muss?

Ciao, bella dolomiti!

In der Nacht regnete und gewitterte es, so dass sich am kommenden Morgen die Basis auf 400 m über dem Landeplatz erhob. Die Prognose für die Folgetage war leider wenig schmeichelhaft, weshalb wir dem Tipp ebenfalls zeltender Flieger vertrauten und unser Heil nördlich des Alpenhauptkamms suchten.
Wir erreichten den Achensee am Nachmittag des vergangenen Samstags - zu unserer Freude sogar geschmückt mit bunten Schirmen in der Luft. Am Landeplatz gab uns eine Tandempilotin Auskunft zum Wetter der kommenden Tage: "S bleibt schee". Ab zur Seilbahn!
Der Startplatz am Rofan ist ein wenig tricky. Man benötigt einen relativ klaren Süd, weil zu Beginn der Skipiste abwärts gefolgt wird. Steht der Inntalwind aus Ost an, kann sich eine gefährliche Leesituation herausbilden. Unsere Starts passten alle und es ließen sich sogar noch 26 Minuten Soaring herausholen.
Nach einem tollen Abschlussabendessen und einer geruhsamen Nacht (beste Grüße an Ulli Wickert) ging es am Sonntagmorgen nackt im Achensee baden. Die Wassertemperatur lag im Vergleich zum Bad in den Dolomiten bei 3 statt 1 cm.

Frühstück im Zelt, Zeltabbau, Schirm auf den Rücken und ab zum Startplatz. 800 hm lagen vor mir, keiner wollte mitkommen. Dreimal wurde ich unterwegs gefragt, wie schwer denn die Ausrüstung sei und ob ich vielleicht nicht noch die ein oder andere Jacke tragen wöllte. Schließlich macht die das Kraut dann auch nicht mehr fett. Nö :-). Ich benötige 1:21 h für die 800 hm auf 5,3 km Wegstrecke.





Auf dem Wegweiser im Tal standen 2,5 h. Wer sich sowas ausdenkt? Unklar. Am Startplatz landet erstmal der Heli ein und transportiert einen Piloten mit Wadenbeinbruch ins Krankenhaus. Leestart am Morgen bringt Kummer und Sorgen! Ich warte noch bis zum Abgang der ersten Thermiken aus Süd und suche dann mein Heil an den S-exponierten Felsen. 48 Minuten kann ich mich in der Luft halten - erreiche jedoch nur 56 Meter Startüberhöhung. Na ja, zum Adler ist's eben noch ein weiter Weg ... (der Link zum Flug)



Thomas hat beim Kurbeln die Strömung abreissen lassen und ist in den Bäumen gelandet. Glücklicherweise hat dabei bloß der Schirm ein wenig Schaden genommen. Mit gemischten Gefühlen verließen wir am späteren Nachmittag dann wieder vollzählig den Achensee in Richtung Heimat. Anyway, ich komme bestimmt wieder!