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Sonntag, 19. September 2010

12 Stunden Liebe. Teil 1.

Ein Sonntag ganz nach meinem Gusto klingt mit einem fast vollen Mond vor dem Fenster aus.
Aus eben jenem Fenster hab ich beim Erwachen um 8 Uhr die aufsteigende Sonne gesehen und mich mit einem ziemlich guten Bauchgefühl zur Müslijagd aufgemacht.

Kurz nach 9 Uhr wurden dann in Borna die Startunterlagen abgeholt, die Startnummer an das Shirt gezwackt und die rekonvaleszente S. samt 70.3-Ironman-erfahrenen Begleiter auf dem Markt begrüßt. Mein persönlicher Mentalcoach auf dem Bike war ebenso anwesend wie M., ein alter Kletter- und Pennekollege. Bei diesen Vorzeichen konnte nichts schiefgehen.

Pünktlich 10 Uhr werden wir circa 200 Läufer auf die Premierenstrecke des 1. MIBRAG-Halbmarathons geschickt, zuschauerfreundlich zu Beginn mit 2 Aufwärmrunden durch die Altstadt.
Danach ging es hinaus in Richtung Osten zum Bockwitzer See, den es einmal zu umrunden galt.
Kurze Crosseinlagen und zwei kleine Drängungen der Höhenlinien später befanden wir - Mentalcoach und Autor - uns auf dem geschotterten Rundweg um den See.

Kleine Grüppchen überholten ab Km 11 - etwa "Ironman-Finisher 2010"-T-Shirtträger (das geht i.O.) oder "Feuerwehr Espenhain" (das muss nicht sein) - ich fühlte mich trotz allem gut und hatte bis auf ein kurzes Seitenstechen keine körperlichen Probleme.
Der Weg schlängelt sich durch wiederergrüntes Tagebaugelände, vorbei an kleinen Umzäunungen für eine besonders robuste Pferdeart sowie zwischen Birken, Hybridpappeln und Robinien entlang.

Nach etwa 15 km (liebes Orgateam: beim nächsten Mal bitte die Streckenmarkierungen aller 5 km nachholen. Danke) kommt man wieder auf freies Feld und läuft parallel zur Ortsumgehung gen N. Die Brücke voraus war ein gutes Hilfsmittel, um eine Übersicht der Vorläufer zu bekommen. Ah, da ist ja I. Erkennbar am Triathlon-Einteiler, weißen Kompressionsstrümpfen und weißem Basecap sah ich meinen (indirekten) Pacemaker wieder.

Wer die Brücke hinter sich gelassen hat, für den ging es nur noch bergab ins Stadtzentrum, vorbei an motivierenden Streckengästen.
Eine letzte Runde durch die Altstadt und schon wurde mit dem Durchlaufen des Reichstors der Zieljubel vernehmbar.

1:31 h für 21,1 km (übrigens auch meine persönliche HM-Premiere) wird es im nächsten Jahr anzugreifen gelten. Ich freu mich drauf!

Herzlichen Dank allen Begleitern, Mitläufern und Motivatoren.

TEIL 2

Freitag, 10. September 2010

11. Sportscheck-Stadtlauf in Leipzig

Tss, Red Bull in persona eines agent provocateurs?
Red Bull Energy Shot. Ungeöffnet.
Gibt man das jetzt nach dem Lauf ab oder wie läuft das?

Rennbericht

Ein warmer Spätsommertag war dieser 12. September, jedoch begannen schon erste Cirren den bevorstehenden Wetterwechsel einzuläuten. Direkt war von diesem heute aber glücklicherweise noch nichts weiter zu spüren und so fiel es schon ein wenig schwer, nach einem Kurzbesuch auf ein Stückchen Kuchen bei einem Geburtstagsbrunch, bereits den Weg zum Startbereich anzutreten.

Knapp 4200 Menschen hatten sich über den Vormittag verteilt an den verschiedenen Laufstrecken wie 400 m-Bambini-Lauf, 5 km-Firmenstrecke bis hin zum 10 km-Hauptlauf versucht.

Der Hauptlauf startete 12 Uhr, 11.30 Uhr war ich vor Ort und holte mir die letzte Motivation von zwei Kumpels. 11.55 Uhr steige ich über die Absperrung in den Ring und warte - einem kurzweiligen Gespräch des Moderators mit dem Olympiasieger Nils Schumann folgend - auf den Schuss. Los gehts!

Die Meute legt ein fettes Starttempo vor (mag wohl daran liegen, dass es hier die Ersten deutlich unter 40 Minuten machen wollen) und so fehlt mir am Anfang ein guter Pacemaker, dessen Fersen mich nicht bei Km 3 dem DRK übergeben.
Okay, der im roten Shirt mit dem Kinderwagen könnte ... mit dem Kinderwagen?! Ich lauf im roten Bereich und der schiebt einen roten Kinderwagen an mir vorbei?! Äh, tja, soll's geben.

Das war Nils Schumann. Eben. O-Ton vor dem Lauf: "Ich will hier heute einen schönen Tag verbringen und relaxed laufen." Relaxtes Tempo eines Ex-Profis.
Also kein rotes Shirt. Ein orangenes Farbenmeer zieht sich mittlerweile beiderseits der Karli entlang, ich bin noch vor dem 5 km-Wendepunkt. Ein stämmiger DHL-Mensch mit Team-Weste erscheint mir alsbald für die zweite Hälfte des Rennens ein geeigneter Ankerpunkt zu sein. Das Neue Rathaus kommt in Sichtweite, der Ring wird gequert, es geht langsam an den Schlussspurt. Da ist aber nix mehr mit zulegen, geschweige denn sprinten.

Die Uhr sagt 38 min, die Streckenmarkierung "noch 1 km". Das kann noch eine neue PB werden. Los jetzt, an DHL vorbei, an der MB vorbei, auf den Ring und die letzten 200 m fighten! Ziel! Aus!

41:40 min bedeuten in der Gesamtschau leider ein knappes Vorbeischrammen (13") an der neuen PB - das Erdinger alkoholfrei schmeckt dennoch sehr gut.

Nach zwei netten Gesprächen, dem ausgiebigen Testen des Verpflegungsangebotes und so manch reizvollem Ausblick (also bei den Frauen hätte Platz 3 eindeutig den 1. Platz bekommen sollen. Nicht dass Platz 1 es nicht verdient hätte, aber so ganz objektiv betrachtet ist - natürlich nur von den sichtbaren Laufanlagen ausgehend - Platz 3 der wahre Platz 1) geht ein tolles Laufevent zu Ende.

In diesem Sinne, bis zum nächsten Wochenende in Borna.

Dienstag, 3. August 2010

German Flatlands 2010

06.08.2010 - Tag 5, kein Task mehr

Heute blieb das "Wunder des Flämings" - denn auch zum Mittag hatte sich die Wolkendecke trotz viel Regens im übrigen Deutschland nur unmerklich gelichtet - aus. So waren einige weitangereiste Piloten sicher nicht traurig darüber, die Absage eines möglichen letzten Tasks und stattdessen den Termin für die Siegerehrung um 11.30 Uhr zu vernehmen. Leider war der Termin für die obligatorische Liveband und das Asterixsche Wildschweingrillen auch auf den heutigen Freitag gelegt worden :-(. So musste ich leider zusammen mit den schon abgefahrenen Piloten passen und stattdessen auf der Autobahn in Richtung Süden dem Regen entgegen rollen...

Ein grauer Morgenhimmel
Janka bei der Siegerehrung
Die Platzierten der LM Ost 2010
Die Platzierten der Flatlands 2010
See you all in 2011
05.08.2010 - Tag 4, Task 3

Es ist 0.12 Uhr am frühen Morgen des 06.08.2010. Die Bilder des Tages wurden gesichtet, der Magen gefüllt und der Frust verdaut. Nun, kein richtiger Frust, eher so ein Gefühl des Hättste-besser-machen-können.

Beim zweiten Start ging über der Kartbahn was, dann versetzt worden über den Wald und das Ding verloren. F***, schon wieder landen? Cool down, schau auf die anderen Schirme in deiner Nähe, entspann dich. Hatte mir als Notlandeplatz bereits den Sportplatz der ehemaligen Heeresfliegerschule herausgepickt, als sich plötzlich bei ausgefahrenem Fahrwerk doch wieder das Vario meldete. Ich muss dazusagen: Wir hatten 8/8 Cu mit kleinen Löchern, die sofort für Liftbetrieb sorgten.

Also versucht im Lift zu bleiben, diesen aber bei 800 m NN dann durch eine unbewusste Fehlentscheidung wieder verloren. War wohl zu sehr auf die Flugrichtung NW aus, um den Bartversatz nach N zu beachten. Tja, einmal raus, heißt es: neues Loch suchen. Lesen jetzt Kinder mit? Um diese Zeit nicht mehr ;-). Zurück zum Flug. Da gab es noch einen Windpark in Flugrichtung (also gen WP 1) - zog leider nicht durch. Und dann war der Wald auch schon wieder zu Ende und landbare Felder tauchten auf. Das Saufen wurde schwächer, es ging in einen Nullschieber über, der aber nur für zwei, drei Kreise reichte. Och menno. Na immerhin raus aus dem Zylinder...

Am Ortsrand von Bardenitz feierte eine Rentnergruppe den Hochzeitstag von zweien aus ihren Reihen. Ich wurde von der Kremsercombo zu Kaffee und Heidelbeerkuchen eingeladen, durfte von der Faszination des lautlosen Fliegens berichten und mich gut umsorgt fühlen. Hach ja, die Menschen und ihre Beziehungen untereinander.

Zurück bin ich - nachdem kein Schw*** einen Gleititramper mitnehmen wollte - zu Fuß durch den ehemaligen militärischen Sperrbezirk und heutiges NSG Forst Zinna zurück zur B102 gelaufen, von wo mich Franky schließlich abholte.

Guten Morgen
Briefing zum 3. Task
Der 3. Task
www.aircross.eu
Chillout vor dem Start
Airborne
Zwei PS
:-)
Da ist die Welt noch in Ordnung
Er lebt draußen...
Wölfe?
Leben im Sterben
Schlagbaum
Wir befinden uns hinter eine Okklusion und vor einer Kaltfront, die aktuell von Niedersachsen her ein Regengebiet in unseren Raum befördert. Am Boden weht der Wind mit 15 km/h aus SO - weshalb wir heute den Startplatz wechseln müssen - und in der Höhe mit 20 bis 25 km/h aus S. Taskbriefing ist in 20 Minuten (11.30 Uhr) am Startplatz Mitte. Unsere fleißigen Helfer haben schon die Winde aufgebaut und schleppen die ersten Freiflieger des Tages in den fast ungetrübt blauen Himmel (lediglich ein paar hohe Cirren stören den Eindruck).

Viele Grüße vom Team Neuseenland aus dem Alten Lager!

Video Task 3:



04.08.2010 - Tag 3, Task 2

Moin. Heute steht eine 91-km-Aufgabe auf dem Taskboard, immer entlang des Berliner Luftraums und geschoben vom 25er-SW-Höhenwind. Drückt mir die Daumen...

Task 2 am dritten Tag
Die Wendepunkte aus der Luft
Es ist 23.24 Uhr und ich sitze mal wieder am Rechner, um die zwei Follower dieses Blogs auf dem Laufenden zu halten ;-). Späßle (wo ich gerade dabei bin: mit den Kraichtalern zu babbeln ist immer wieder eine Ohrenweide). Was gabs denn heute so: Also da wären 3 Starts von mir, vor dem dritten 2 Abbrüche infolge 90° Seitenwinds mit Rückenwindkomponente, keiner im Ziel, Thomas auf Platz 8 der Tageswertung, ich zusammen mit Frank und Torsten immerhin in der Minimumdistanz gelandet.

Hans hatte heute auch Pech
Schleppstart
Erste Außenlandung
Zweite Außenlandung
Spiele beim Warten
Wir zwei
*träum* zum zweiten
Video Task 2:



03.08.2010 - Tag 2, kein Task

Jetzt bin ich schon zwei Tage im Alten Lager und habe immer noch keinen Eintrag im Blog hinterlassen. Sträflich sträflich. Dabei gibt es doch schon ein bissl zu berichten. Zum Beispiel, dass wir gestern trotz Regens am Vormittag ab 14 Uhr einen Task (41 km im Dreieck) fliegen konnten oder dass ich während dieses Tasks den ersten Wendepunkt erreicht habe :-). Yeah, kleine Strecke, große Freude. Vielleicht wäre es besser gewesen, nach dem ersten Start wieder einzuladen, weil die späteren Starter allesamt bis auf 1500 m NN aufdrehen konnten (während ich bei 700 m gedeckelt schien) und somit locker die zweite Wende geknackt haben. Vielleicht, vielleicht. Schwamm drüber. Zumindest hat sich mein "Kampf" (ja ja, war keine Absicht) gelohnt ... und einen Flugfehler werde ich sicher nicht wiederholen - Windparks sind Abrisskanten (aber nur an der richtigen Stelle).

Flug Task 1: klick.
Video Task 1:



 
Erstes Briefing
Erster Start
*träum*
Kopflos?
Mein Mädel ist gelandet
Abends im NO
Auch Ameisen wollen nur das eine
Das beste Helferteam der Welt!
Spielzeug für Regentage
Schleppzwerg
Ohne Seile
Asphaltierte Wildnis
Gleichschritt
Neue Leinen für den U4

Montag, 26. April 2010

Mein erster Leipzig Marathon

Geträumt habe ich von folgender Überschrift für diesen Blog-Eintrag: "Laufend durch die Schallmauer", denn es wäre eine schöne Metapher für das Unterbieten der 3 h-Marke gewesen. Es sollte anders kommen.

Der Morgen des 25.04.2010 begrüßt mich mit jubilierenden Staren auf den Kastanien und jagenden Schwalben am Himmel. Keine Wolke ist zu sehen, ein schwacher Wind weht und im abendlichen Wetterbericht sollte sich 13 Stunden später die Bestätigung für den ersten "Sommertag" des Jahres finden.

Aufwärmen

Sicherheitsnadeln wollte ich noch bereitlegen, ein Handtuch? (nicht nötig, rollst ja danach wieder heim), die Laufsachen werden unter Jeans und T-Shirt gezogen, 2 Molkeriegel kommen in den Rucksack zusammen mit 1,5 l Apfelschorle (versetzt mit Traubenzucker). Außer Müsli und einer Scheibe Brot mit Erdbeermarmelade gibt es beim Frühstück keine Experimente - warum auch. Gegen 8.20 Uhr breche ich mit dem Rad zum Start auf, eine knappe Stunde Fahrzeit in der Morgensonne erwärmt die Muskeln.

Nach 15 Minuten ein Anruf von U.: Wann man mich wo treffen könne. "Na ja, ab 13 Uhr im Zielbereich" ist meine positive Antwort. Weiter gehts in die Stadt, vorbei an den Straßensperren und schon auf einem Teil meiner späteren Laufstrecke rollend. Angekommen an der Ernst-Grube-Halle schließe ich mein Baby an und gebe in der Halle den Rucksack ab.
Die Nieren haben ihren Dienst scheinbar schon auf's Extreme eingestellt, denn viel kommt nicht mehr heraus. Hauptsache, Magen und Darm sehen das genauso.
Im Startbereich zwischen Arena und Festwiese werden gerade die Inlineskater auf die HM-Strecke geschickt - die Mädels zuerst - mit der Ankündigung, die Männer hätten die Frauen nach einem Drittel, spätestens nach der Hälfte der Strecke eingeholt. Besser, als andersherum, oder? ;-)

Pacemaker

9.55 Uhr, ich sehe den Zeitläufer für 2:59 h, Jörg Richter von der "LG eXa", im schwarzen Shirt und mit Basecap, umringt von schätzungsweise 20 Läufern, auf den Startschuss warten.
OBM Jung und Franziska Schenk (letztere mit ungesund viel Schminke im Gesicht und ersterer recht wortkarg) halten die Pistolen in den Händen und schicken die 664 Läufer mit einer Minute Verspätung 10.01 Uhr auf die 2 Runden durch Leipzig.

Ich habe mir in den Kopf gesetzt, an einem Läufer daranzubleiben, der im letzten Jahr hier in Leipzig eine 2:45 h gelaufen ist und vor 2 Wochen den Muldentaler Städtelauf (HM) in 1:12 h gewonnen hat. Ja, das hab ich.
Erste Beschnupperungen in der Gruppe, ein jeder schaut den Nachbarn an, okay, piepende Uhr mit Kilometerpace ist Standard, Laufclubshirt auch ... und Kompressionsstrümpfe.
Wie, schon 5 Kilometer? Am Innenstadtring ist ein außerplanmäßiger Getränketisch aufgebaut, den ich links, nein, rechts liegen lasse.
Kurze Zeit später kommt die "offizielle" Getränkestelle und alle tanken auf. Jörg schaut sich immer wieder um - im Gesicht kein Anzeichen von Rötung - und achtet auf die Geschwindigkeit. Alles (noch) kein Problem, ich komme gut mit, passiere das Völkerschlachtdenkmal in der Gruppe und biege an der Connewitzer Straße auf den vielleicht schönsten Streckenabschnitt des Tages ein. Rechts der Südfriedhof, links Gärten, Schatten und ein leichtes Gefälle wirken in Summe beruhigend. Hach ja, das läuft gut.

Die Zwischenzeitnahme für 10 Kilometer steht bevor, piep piep, 42 Minuten. Niedlich.
Wir kommen an die Richard-Lehmann-Straße und müssen einen 700 m-Schlenker gen Ost in Kauf nehmen. Motivierend kann es trotzdem sein, sofern man auf der "Gegenspur" potentielle Beute erblicken kann.
Vorbei am MDR-Gebäude, rechts abbiegen in die August-Bebel-Straße, trinken, links weiter auf den Schleußiger Weg. Ich bin jetzt leider allein unterwegs, denn an der vorangegangenen Getränkestelle wollte ich nicht wieder die Hälfte verschütten und stattdessen auch mal einen kompletten Becherinhalt in den Magen befördern, habe aber noch Sichtkontakt. Sowas macht man doch nicht Christian, es sei denn, du willst sprinten, um Anschluss halten zu können. Will ich nicht.

Erich-Zeigner-Allee, Lützner Straße, Jahnallee, piep piep, die erste Runde ist in 1:25 h absolviert.

Kick ass

Ich werde langsamer, sehe die 2:59 h-Gruppe nur noch andeutungsweise ... und muss mich doch ab jetzt nur noch auf den eigenen Lauf konzentrieren.
Endlos lang zieht sich die Prager Straße, ein Läufer im blauen Shirt gibt mir Halt, die Getränkestellen werden zu Schreinen der Wiedergeburt. Sommertag, da war doch was. 25°C stellen die Kühlfunktionen des Körpers auf eine Probe, und selbiger will einfach nicht anhalten. Will er schon, die rudimentären Hirnfunktionen lassen es aber nicht durchgehen. Wieder am Völkerschlachtdenkmal, ein Ruf: "Christian!" Schön, schön: K., A. und M. haben sich hier postiert und auf mich gewartet. Eine mentale Unterstützung, die ich dringend nötig habe.

Foto: M. R.
Mit den Rädern begleiten sie mich bis kurz vor das Ziel. Soweit ist es aber noch lange nicht, stehen mir doch nach der letzten Zeitnahme noch 11 km bevor. Los: Beißen, beißen! Mein Kreislauf ist nicht das Problem, wohl aber die Beine. Da geht nicht mehr viel, sogern ich auch wöllte. Am MDR ist ein Mädel ausgestiegen, laut Aussage von A. die bis vor kurzem Zweite ihres Geschlechts. Gut zu wissen, dass es auch Semi-Pros entschärfen kann.
Foto: M. R.
August-Bebel-Getränkestelle, Schleußiger Weg - eine halbe Flasche Wasser von M. findet den Weg auf meinen Kopf. Ob ich das bloß aus psychologischen oder doch aus physiologischen Gründen getan habe - ich weiß es nicht. Aber die Rosinen schmecken gut.

Foto: A. L.
Endspurt - schön wär's - die letzten 2 Kilometer stehen an, die Uhr verheißt nichts allzu tolles (3:19 h), aber dieses Ziel lass ich mir nicht nehmen, nie mehr!!!
Das Elsterbecken wird passiert, ich biege ein auf die Zielgerade. Cheerleader im Spalier (ich habe keinen Blick mehr für ihre Physiognomie), die Arme gehen nach oben (sieht auf Zielfotos immer geil aus) und es macht bei 3:29:13 h (Platz 99 Gesamt, Platz 19 AK) zum letzten Mal für heute "piep piep".

Der Autor auf der Zielgeraden | Foto: A. L.
Nachtisch

5 Minuten gönne ich mir anschließend im Schatten auf der Wiese - lang ausgestreckt und mit einem Gefühlspendel zwischen "happy" und "unbeteiligt".
Dann geht es (langsam) auf die andere Seite der Straße zur Begrüßung der jungen Familie. F. bekommt die Medaille erstmals probeweise umgehangen - steht ihm gut - und ich schnappe mir am Sponsorenstand das erste von zwei kühlen Radlern.
Das Massagezelt ist überaus winzig - wenn man den mir bekannten Guts-Muths-Rennsteiglauf zum Vorbild nimmt - mit 6 Liegen bei einer aus 3 Leuten bestehenden Warteschlange aber scheinbar doch ausreichend bestückt.
Kurze Zeit später vermisse ich das Beißholz an der Liege, denn, auf dem Bauch liegend, ahmt mein Kopf die Bewegungen eines Blinkers nach, an dessen zugehörigem Haken gerade angebissen wurde.

Auuuuuuaaaaaaaaaaaaaaaa!!! Nach Aussage des Masseurs werde ich die Wohltat morgen spüren. Gut, ich vertraue dir.

Inmitten meiner treuen "Supporter" glücklich im Zielbereich neben dem Massagezelt
Wieder im Freien, verabrede ich mich mit den treuen Streckenbegleitern auf ein Eis und kann vorher sogar (mit Handtuch!) noch duschen. An dieser Stelle vielen Dank an den netten Läufer, der mir Duschbad und Handtuch zur Verfügung gestellt hat.

"Wundertüte" nannte sich übrigens die süße Versuchung vor meiner Heimfahrt. Das waren 4 Kugeln Eis in großer Waffel, die gemeinsam mit 6 Freunden am Tisch genossen wurde.

PS: Einen Mitläufer der 2:59 h-Gruppe hatte ich zufällig im Zielbereich wiedergesehen. Er meinte, noch nie soviel getrunken und noch nie so gekämpft zu haben. Die Gruppe ist nach und nach zerfallen, nur 3 Leute (Jörg inbegriffen) haben es geschafft. Glückwunsch!

Mir steht der Kampf noch bevor und heute freue ich mich bereits wieder darauf.