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Donnerstag, 18. Dezember 2014

Türchen 18 | Adventskalender 2014

"Einem Dezember mit tüchtigem Schnee
folgt ein fruchtbares Jahr mit üppigem Klee."

"Wie der Dezember pfeift,
so tanzt das Frühjahr."


Knobelei im Advent

Jedes Jahr aufs Neue sucht der Weihnachtsmann für die bevorstehenden hektischen Tage Unterstützung. Die Bewerberzahl ist groß, denn es gibt nichts schöneres, als anderen eine Freude zu bereiten. Allerdings müssen die künftigen Wichtel vor Antritt ihrer Arbeit logisches Denkvermögen nachweisen, sollen doch in kurzer Zeit möglichst viele Geschenke verteilt werden. Haben Sie das Zeug zum Helfer des Weihnachtsmanns? Bis zum 21. Dezember veröffentlichen wir täglich ein kleines Rätsel. Wer am 4. Advent mindestens 10 Rätsel (über die Kommentarfunktion unter dem Beitrag) lösen konnte, erhält an Heiligabend ein Päckchen mit Leckereien sowie weiteren Überraschungen. Viel Spaß beim Knobeln!

(18) Ein Wanderer verirrt sich in eine kleine Stadt. "Das muss Wahrhausen oder Lügenstedt sein", denkt er. In Wahrhausen sagt jeder Einwohner zu jeder Zeit die Wahrheit; in Lügenstedt lügt umgekehrt jeder Einwohner zu jeder Zeit.

Wie kann der Wanderer mit einer einzigen Frage herausfinden, wo er sich befindet?

Sonntag, 16. November 2014

Das Salz der Erde

Sebastião Salgado hält die Fotokamera an gekrümmten Armen schützend vor die Brust und rollt sich langsam seitwärts über einen steinigen Strand auf der arktischen Wrangelinsel, begleitet von seinem ältesten Sohn Juliano (38) und ihrem Bewacher mit Gewehr. Dessen Waffe soll die Gruppe nicht primär vor den Walrossbullen schützen - derentwegen man sich so mühselig fortbewegt -, nein, seine wachen Augen gelten dem Hauptfeind dieser bis zu 4 Meter und 1,6 t messenden Kolosse: dem Eisbär.

Die stark verlängerten oberen Eckzähne der Bullen wachsen zeitlebens nach und erreichen dabei Längen von bis zu einem Meter. Sie waren der Hauptgrund für die gebietsweise Ausrottung der Art im 18. Jh., denn das Elfenbein lockte mehr und mehr Jäger in den Norden. Trotzdem die Bejagung heute nur noch den Eskimo aus kulturhistorischen Aspekten im Rahmen des Eigenverbrauchs gestattet ist, gilt die Unterart Atlantisches Walross (Odobenus rosmarus rosmarus) bis dato als gefährdet. Eine Züchtung in Zoos schlug bislang immer fehl.

Der kalte, für uns Menschen so schwer zu besiedelnde und jedes Leben auf eine harte Probe stellende polare Lebensraum spielt eine wichtige Rolle im Heilungsprozess des Protagonisten. Im Heilungsprozess von den Folgen einer chronischen Krankheit: der Besessenheit, die Art Homo sapiens zu verstehen.

Montag, 13. Oktober 2014

Der Welthungerindex 2014

Zum neunten Mal veröffentlichte heute die Deutsche Welthungerhilfe in Bonn gemeinsam mit zwei weiteren Organisationen den Welthungerindex (WHI).

Der WHI-Wert (0-100) berechnet sich aus dem jeweiligen
  • Anteil der Unterernährten an der Gesamtbevölkerung,
  • dem Anteil untergewichtiger Kinder unter fünf Jahren an allen unter Fünfjährigen eines Landes
  • sowie dem Anteil der Kinder, die vor dem fünften Lebensjahr sterben.
Hunger ("Qual durch den Mangel an Nahrung") bedeuten Werte > 5, Werte über 10 gelten als ernst, Werte über 20 als sehr ernst, Werte über 30 als gravierend. Erfasst werden für den WHI nur Entwicklungs- und Schwellenländer.

Beitrag der drei Indikatoren zum Gesamtwert des WHI 1990, 1995, 2000, 2005 und 2014 nach Regionen. Quelle: Pressemappe Welthunger-Index 2014

Das Ziel der UN, den weltweiten Hunger im Zeitraum 1990 bis 2015 zu halbieren, wird ebenso wie andere Millenniumsziele nicht erreicht. Trotzdem sich der WHI bis heute um 39 % verbessert hat, leiden nach wie vor 805 Millionen Menschen an Hunger und Unterernährung ("Chronisches Kaloriendefizit (1800 kcal/Tag) und/oder Unterversorgung mit Nahrungsenergie, Protein- und Mikronährstoffen").

Prozentualer Anteil der Bevölkerung mit ausgewählten Mikronährstoffdefiziten. Quelle: Pressemappe Welthunger-Index 2014

Samstag, 4. Oktober 2014

Greenpeace Ice Ride 2014 - Radeln für den Schutz der Arktis

Die Ausdehnung des arktischen Meereises befindet sich seit Jahren auf einem Abwärtstrend. Hauptursachen hierfür sind steigende globale Durchschnittstemperaturen aufgrund des anthropogenen Treibhauseffekts und dadurch ausgelöste zahlreiche Rückkopplungseffekte, bspw. durch veränderte Albedowerte des Arktischen Ozeans.

Juli-Mittelwerte der Meereisausdehnung in der Arktis im Zeitraum der Jahre 1972 bis 2014. Die graue Trendlinie zeigt den deutlichen Rückgang der Meereis-Fläche. Quelle: Alfred-Wegener-Institut/Universität Bremen

Nach Überschreiten des Kipppunktes in der Westantarktis im Frühjahr drohen ähnliche Szenarien sowohl für das grönländische Inlandeis als auch für das arktische Meereis - mit verheerenden Auswirkungen auf die Ökosysteme der Polarregionen, den weltweiten Meeresspiegel, die Thermohaline Atlantikzirkulation und die atmosphärische Zirkulation (Stichwort Hurrikan Sandy).



Ich, Sie, wir alle tragen einen Teil zum Klimawandel bei. Ich, Sie, wir alle können diesen Anteil verringern.

Sonntag, 20. Oktober 2013

Norbert Rosing: Wildes Deutschland | Leipziger Kubus, 20. Oktober 2013

Norbert Rosing beantwortet Gästefragen.
Naturfotografen kennen ihn wahrscheinlich, National Geographic-Leser aber mit Sicherheit: Norbert Rosing. Der 1953 in Nordrhein-Westfalen Geborene entschied sich im Alter von 39 Jahren, das schon einige Jahre als Hobby betriebene Handwerk der professionellen Bilderstellung zu seinem Haupterwerb zu machen und dafür die bis dato beschrittenen Karrierepfade als Kaufmann, Soldat und Krankenpfleger zu verlassen.

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Michael Martin: 30 Jahre Abenteuer | Die Wüsten der Erde

Teil I - 30 Jahre Abenteuer

Angefangen hat alles mit einem Hobby: Die Astronomie ist die große Leidenschaft des jungen Michael Martin und sie zieht ihn zu ersten Ausflügen in die Welt. In die Welt der Alpen. Aufgewachsen in Gersthofen, nördlich von Augsburg, baut er sich im Alter von 15 Jahren selbst ein Spiegelteleskop (er schleift sich dafür sogar den Spiegel selbst - dieser zerbricht aber leider kurz vor Fertigstellung --> die Eltern schenken ihm an Weihnachten ein neues Teleskop) und will damit die Sterne beobachten. Gemeinsam mit seinem Freund Achim Mende geht es per Fahrrad etliche Male in die 120 km entfernten Alpen, wo sie an Wochenenden auf den Bergen beim Fotografieren von Sternen, Galaxien und Nebeln die Zeit um sich herum vergessen.

Aus der Begeisterung über die Ergebnisse dieser ersten kleinen Expeditionen erwächst der Wunsch, die Freude zu teilen und die aufgenommenen Bilder einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Erste Diavorträge entstehen, die Zuschauerzahl hält sich allerdings mit 5 bis 10 noch in engen Grenzen. Das sollte sich aber bald ändern:


1981 - Mit dem Mofa nach Marokko
1982 - Mit dem Opel Kadett in die Sahara
1982 - Im VW-Bus durch Afrika
1983 - 1987 Mit 16 Peugeots nach Westafrika
1987 - Vom Nil zum Niger
1989 - Ténéré

1991 - Transafrika
1994 - Zu den Quellen des Nils
1997 - Durch die Wüsten Afrikas
2004 - 2009 Tourneejahre
2009 - Island - Aufbruch ins Eis


In den 1980er-Jahren muss Afrika das Sehnsuchtsland der damaligen Westdeutschen gewesen sein. Jedenfalls fanden die Berichte über ihre Individualreisen, die Bilder, die vielen Tricks, Tipps und Kniffe eine immer breitere Anhängerschaft, sodass es Martin und seinen Freunden möglich wurde, immer größere Projekte in Angriff zu nehmen. Berichte in der Lokalpresse und Vortragstourneen quer durch Deutschland machten ihn obendrein immer bekannter und führten zu so folgenreichen Bekanntschaften wie jene mit dem Pressechef von Leica. Über ihn bekam er (leihweise) seine erste professionelle Kameraausrüstung - eine Leica R 7 mit zwei Festbrennweiten - und konzentrierte sich fortan auf die Erstellung hochwertiger Landschaftsaufnahmen und Porträts. Seine erste Reise mit der neuen Kamera und dem frisch auf den Markt gekommenen Film Fuji Velvia RVP 50 führte ihn nach Ägypten. Er schreibt in seiner Beilage zum Vortrag:

"Von dieser Reise brachte ich Bilder nach Hause, die mich glücklich machten. Sie zeigten Menschen in Alltagssituationen in großer Eindrücklichkeit. Was hatte sich verändert? Sicherlich spielten die neue Fotoausrüstung und der neue Film eine Rolle, bestimmt auch der Motivreichtum Ägyptens. Entscheidend aber war, dass es mir zum ersten Mal gelang, Menschen zu fotografieren. Ich hatte begriffen, dass ich mit den Leuten ins Gespräch kommen, dass ich ein Vertrauensverhältnis aufbauen musste, bevor ich die Kamera hervorholen konnte."

Freitag, 20. Januar 2012

Der Kea (Nestor notabilis)

Eine Postkarte mit dem Bild eines fliegenden Keas vor dem Hintergrund der Neuseeländischen Alpen weckte ausgangs der vergangenen Woche mein Interesse. Was machen Papageien im Schnee; wovon leben diese Vögel; sind sie neben dem Kiwi nationale Symbole; ist ihr Lebensraum bedroht;...?

PS: Euch beiden vielen Dank für die Karte.
Diese nur in Neuseeland vorkommende (endemische) Papageienart ist die einzige weltweit, deren Lebensraum im Hochgebirge angesiedelt ist. Im Norden der neuseeländischen Südinsel leben sie in den Sommermonaten meist in der alpinen Zone bis oberhalb der Baumgrenze (Höhen von 2000 m NN). Aufgrund der Verlockungen menschlicher Siedlungen sieht man sie allerdings auch häufiger in der planaren Zone (Tiefland). Im Winter leben sie normalerweise in den bewaldeten Bereichen der kollinen bis submontanen Zone (300 - 600 m NN). [--> Ökologische Potenz]

[DOWNLOAD --> Daten zur Kea-Verbreitung, u.a. als KML für Google Earth]

[Bildquelle]
Ausgewachsene Exemplare können bis zu 50 cm groß werden, gut 1 kg schwer und wirken dank ihres martialischen Schnabels und dem olivfarbenen Tarngefieder sicherlich nicht so harmlos wie der kleine Wellensittich auf dem heimischen Fensterbrett. Ein kaum ausgeprägter Sexualdimorphismus verhindert im Feld oft die exakte Unterscheidung der Geschlechter.

Systematik

Stamm: Chordata (Chordatiere)
Unterstamm: Vertebrata (Wirbeltiere)
Klasse: Aves (Vögel)
Ordnung: Psittaciformes (Papageien)
Familie: Psittacidae (Eigentliche Papageien)
Gattung: Nestor (Nestorpapageien)
Art: Nestor notabilis (Kea, GOULD 1856)

Der umgangssprachliche Name Kea geht auf die Māori zurück, abgeleitet von seinen charakteristischen Ruflauten. Die lateinische Artbezeichnung notabilis bedeutet übrigens "bemerkenswert".

Zur Gattung Nestor werden neben dem Kea außerdem der Kaka (Nestor meridionalis) und die beiden ausgestorbenen Arten Norfolk Kaka (N. productus) und Chatham Kaka (N. sp.) gezählt.
Wahrscheinlich während der Würm-Kaltzeit hat sich der Kea vom Kaka als eigenständige Art abgespalten. (--> Geographische Isolation)

Biologie

Bei diesen sehr sozial lebenden Tieren können Trupps mit 30 und mehr Exemplaren beobachtet werden. Deren Altersstruktur setzt sich dann vorwiegend aus Adulti zusammen, die älter als 5 Jahre (Erreichen der Geschlechtsreife) sind. Das maximale Alter wird seit 2008 für in Gefangenschaft lebende Tiere mit 50 Jahren angegeben. Im Durchschnitt liegt es aber bei lediglich 14,4 Jahren.

Für freilebende Keas gibt es keine dokumentierten Höchstalter, es wird aber angenommen, dass sie zwischen 25 und 40 Jahre alt werden.

Man sagt Keas Polygamie nach, dennoch bestimmen auch bei ihnen die Weibchen, wann und ob es zur Sache gehen darf. Dazu kommt die innergeschlechtliche Konkurrenz, weshalb sich in manchen Jahren nur ein Zehntel der männlichen Keas fortpflanzen kann.
 
[Bildquelle]
Keas brüten gewöhnlich einmal im Zeitraum von Juli bis Januar für die Dauer von 3 Wochen zwischen 2 und 5 Eier aus. Dabei verbleibt das Weibchen die ganze Zeit über auf dem Nest und muss vom Männchen gefüttert werden. Mit Ausnahme des Herbsts hat man allerdings schon ganzjährig Bruten beobachten können. Ihre Nester werden in selbstgegrabenen Erdhöhlen mit bis zu 6 Meter langen Gängen angelegt, in Hohlräumen unter Baumwurzeln sowie in Felsnischen.

Nach dem Schlüpfen füttern die Männchen die Weibchen für die Dauer eines Monats weiter, weil diese nach der Brutarbeit nun mit der Fütterung der Jungen ausgelastet sind. Nach einem weiteren Monat schließlich dürfen die männlichen Keas auch selbst zur Fütterung an den Nachwuchs.

[Bildquelle]
Juvenile sind nach 13 Wochen flügge und werden von diesem Zeitpunkt an bis zum Erreichen der Selbständigkeit im Alter von 5 Monaten nur noch von ihren Vätern gefüttert. Anschließend finden sich die jungen Keas zu losen Gemeinschaften zusammen und streifen für einige Jahre ohne feste Reviere umher.

Mit Beginn der Geschlechtsreife suchen sie sich dann eigene Reviere.

Ein brutaler Killer?

Als Hauptnahrungsquelle dient ihnen ... eigentlich alles. Hauptsächlich aber pflanzliche Kost, die sich aus verschiedenen Beeren, Knospen sowie Wurzeln von Sträuchern und Gräsern zusammensetzt. Tierische Kost wird nicht verschmäht (z.B. Insekten, Spinnen ... Aas).

[Bildquelle]
Der Kea geriet wegen dieser Eigenschaft (Aasfresser) an den Rand der Ausrottung, weil neuseeländische Farmer ihn für einen Schafskiller hielten und Kopfprämien für tote Exemplare zahlten. Sage und schreibe 150.000 dieser Vögel wurden bis zur vollständigen Unterschutzstellung Mitte der 1980er Jahre über einen Zeitraum von 100 Jahren getötet!

Heute gilt der Kea als gefährdet und man schätzt die verbliebene Zahl auf 2000 bis 5000 Individuen (siehe APPENDIX III).

Was ist passiert?

Dienstag, 30. August 2011

Sturm in der Wüste

Die diesjährige Hurrikansaison im Atlantik war bislang eher zahm, doch was Irene da gerade mit der US-Ostküste veranstaltet hat war alles andere als zahm. Es war geschichtsträchtig. Denn zum ersten Mal überhaupt wurden der öffentliche Nahverkehr sowie die drei Flughäfen der Stadt New York wetterbedingt stillgelegt.

Emotional betrachtet könnte man sich jetzt zurücklehnen und sagen: "Diese Megacities haben einen großen Anteil am Klimawandel, also sollen sie auch einen großen Anteil an dessen Auswirkungen haben." Eine Haltung, die gewiss nicht zu verachten ist; und doch wäre sie falsch.

Denn der Klimawandel betrifft uns alle und uns bleibt keine Zeit für selbstgerechte Schuldzuweisungen!

Am Beispiel von Hurrikanen wurde 2005 in Science eine Studie zur Entwicklung der Sturmstärke veröffentlicht. Auf Grundlage von Satellitendaten stellte man fest, dass sich seit 1970 Zahl und Verhältnis von Cat 4 und 5-Stürmen fast verdoppelt haben:
"In contrast, hurricanes in the strongest categories (4 + 5) have almost doubled in number (50 per pentad in the 1970s to near 90 per pentad during the past decade) and in proportion (from around 20% to around 35% during the same period). These changes occur in all of the ocean basins."
Ein weiterer Anstieg der Oberflächentemperatur in den Ozeanen erhöht unausweichlich die Zahl sehr starker Stürme:
"The team calculates that a 1 ºC increase in sea-surface temperatures would result in a 31% increase in the global frequency of category 4 and 5 storms per year: from 13 of those storms to 17. Since 1970, the tropical oceans have warmed on average by around 0.5 ºC. Computer models suggest they may warm by a further 2 ºC by 2100."
(Quelle: Nature 445, S. 92-95, 2008)
ABER: Die Stärke eines tropischen Sturms (ganz gleich ob man diesen nun Hurrikan, Taifun oder Zyklon nennt) hängt maßgeblich vom Temperaturgefälle zwischen Wasseroberfläche und oberer Troposphäre ab. Und FCKW führte in der Vergangenheit zu einer Abkühlung eben dieser höheren Luftschichten - ein Effekt, der sich seit dem Verbot der Chemikalie nun wieder normalisiert.
Es bleibt demnach zu hoffen, Profiteur dieser "Normalisierung" zu sein und einen (ein schwacher Trost) künftig verlangsamten Anstieg der Hurrikanaktivität gegenüber dem oben erwähnten Vergleichszeitraum zu beobachten.

PS: Eine Übersicht über die Schäden von Irene in der New York Times.

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Bleiben wir doch gleich bei feuchten Füßen. Und zwar bei den feuchten Füßen des Pinguins
"Happy Feet".
Dieser wird nämlich gerade von Wellington aus wieder in Richtung Antarktis verfrachtet (und ca. 2000 km davor im Meer ausgesetzt) - nachdem man ihn operiert und vom vielen verschluckten Sand befreit hatte. Ich staune bei solchen Aktionen immer aufs neue über die Vielfalt menschlicher Verhaltensweisen. Da kreuzt einerseits die japanische Walfangflotte in antarktischen Gewässern (okay, durchaus nett geärgert von der Sea Shepherd-Crew) und macht Jagd auf bedrohte Bestände; und woanders nimmt die Welt voller Inbrunst Anteil am Schicksal eines Pinguins. Nicht falsch verstehen: Ich selbst gehöre zu den Menschen, die abends Mücken im Zimmer fangen (!!!) und dann nach draußen befördern.
Es ist einzig die schiere (aus dem Ruder gelaufene) Verhältnismäßigkeit, die mich ein ums andere Mal verwirrt. Vielleicht sind dies alles ja Symptome einer globalen Orientierungslosigkeit, Symptome der Suche/Sehnsucht nach der "guten alten Zeit". Als man Wale noch per Hand harpunierte und damit keinesfalls Bestände an den Rand der Ausrottung brachte; als Pinguine sich noch nicht so weit nach Norden vorwagten, weil die Antarktis genug Nahrung vorhielt und keine massiv schwindenden Schelfeisflächen aufwies; als La Niña noch nicht für eine Hungersnot in Ostafrika sorgte; als man einer Währung noch vertraute und keine Renaissance der Edelmetalle und Sachwerte heraufbeschwor.

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Die gute alte Zeit hätte Guido Westerwelle sicher auch gern wieder. Damals, als er noch im Guidomobil durch die Lande tingelte, sich im Big Brother-Container zeigte, Schuhe mit dem Sohlenaufdruck "18%" in die Kameras hielt, voller Oppositionseifer die Regierung attackierte.

Ja, das war der wahre Guido Westerwelle. Damals. Ein begnadeter Redner, ein begnadeter Polemiker, ein begnadeter Endlich-Anerkennung-bekommen-wollen-Goldschürfer.
Die Anerkennung bekam er mit dem Amt des FDP-Vorsitzenden und schließlich mit einem Sitz auf der Regierungsbank. Er war am Ziel, hatte seinem großen Vorbild Genscher nachgeeifert und es auf den Posten des deutschen Außenministers geschafft. Nun begann der Abstieg.

Dass er seinen Ehepartner mit auf Dienstreisen nahm, erschien anfangs zwar für das Adenauer-Nachkriegsdeutschland immer noch gewöhnungsbedürftig - aber es wurde erstaunlicherweise relativ stillschweigend geduldet. Keineswegs stillschweigend geduldet wurden jedoch die Versuche Westerwelles, private Geschäftskontakte für seinen Partner auf diesen Auslandsreisen einzufädeln. Ob in Südamerika oder im Nahen Osten: Überall achtete die deutsche Öffentlichkeit von nun an mit Argusaugen auf ihren Repräsentanten in der Welt. Innenpolitisch geriet die FDP dazu noch in immer schwierigeres Fahrwasser, denn mit Festhalten am Steuersenkungsmantra - auch und vor allem in Zeiten einer Finanz- und Wirtschaftskrise - erntete sie selbst aus Stammwählerkreisen Kritik. Als Politiker muss ich zuallererst die Fähigkeit besitzen, "dem Volk auf's Maul zu schauen" (Martin Luther). Aber genau diese Fähigkeit scheint Westerwelle mit Übernahme von Regierungsverantwortung abhanden gekommen zu sein. Er taumelte ohne klares Ziel durch Afrika, wurde in China belächelt, in den USA nicht ernstgenommen und verspielte schließlich auch noch die größte Trumpfkarte: den einen Monat währenden Vorsitz Deutschlands im Weltsicherheitsrat!

Hier hatte er seine letzte (persönliche) Chance, vor den Augen der Welt dem eigenen Amt, der eigenen Person Gewicht und Bedeutung beikommen zu lassen. Mit der Enthaltung Deutschlands beim Nato-Einsatz gegen Libyens Alleinherrscher Gaddafi aber war sein Ruf endgültig und der Ruf der deutschen Außenpolitik (zumindest temporär) beschädigt. Westerwelle missachtete im typisch deutschen Wir-wollen-nie-wieder-Krieg-Geschwurbel die Götterdämmerung der Despoten in Nordafrika und blieb stur - wie zu besten Oppositionszeiten - bei seiner Haltung. Die NATO, allen voran den französischen Kaiser, äh, Präsident, Sarkozy, focht das nicht an. Mit Luftangriffen und Bodenunterstützung durch Nachschublieferungen für die Aufständischen (das Wort passt irgendwie nicht) sowie Spezialeinheiten bewies das Militärbündnis ein halbes Jahr lang Ausdauer in Libyen. Die Ausdauer hat sich gelohnt; der Diktator bleibt zwar verschwunden, seine Familie hat sich jedoch bereits ins befreundete Algerien abgesetzt.

Wann es freie Wahlen geben kann, wie sich das bislang von Gaddafi clever austarierte Gleichgewicht der traditionell starken Stammeskultur im Land entwickeln (wo doch nun keine Millionen mehr zu ihnen fließen) wird, ob sich überhaupt eine tragfähige Demokratie entwickeln wird können - an der Beantwortung all dieser Fragen wird Deutschland ganz sicher mitwirken. Am entscheidenden Tag hatte es sich aber aus der Verantwortung gezogen. Denn sein Außenminister bevorzugte es, weiter nach persönlicher Anerkennung zu suchen und sie tragischerweise gerade während dieser intensiven Suche endgültig zu verlieren.

PS: Kaiserpinguine halten sich durch Gruppenkuscheln ohne Angst vor wechselnden Partnern warm. Kleine Schritte mit großer Wirkung.

Schönen Dienstag(abend).

Freitag, 11. März 2011

Auf tönernen Füßen

Die Erde hat gebebt. Vor Japan. Das ist nicht neues, das ist alltäglich. Aber dieses Beben war nicht alltäglich, es war geschichtsträchtig.

Wir sind Zeugen einer bedeutenden Weichenstellung im globalen menschlichen Handeln - doch das wird uns erst nach und nach bewusst werden.

Daten des U.S. Geological Survey
Linksammlung der IRIS
Ute Kehses Japan-Report

Fünf Tage sind mittlerweile ins Land gegangen (die sind jetzt nach dem Beben übrigens kürzer), seit die Küstengebiete im Nordosten Japans von einem 9er Beben mit anschließendem Tsunami verwüstet wurden. Bilder von durch die Straßen treibenden Schiffen und davonschwimmenden Häusern gingen um die Welt, man sah Autos wie Legosteine in einem Wasserbecken immer wieder unter- und auftauchen, Flughäfen wurden komplett überschwemmt - Jets lagen am Ende verkeilt zwischen Gebäuden. Manche kranke Gestalten geben viel Geld aus, um solche Szenarien "möglichst echt" am Rechner zu simulieren und das Ergebnis dann als Blockbuster ins Vorschulkino zu bringen: Ich hätte sie alle gerne an der Mole von Sendai festgekettet: Loge, kostenlos und in 3D - ohne Brille!

In den deutschen Medien mussten sich die Bilder dieser Zerstörung relativ schnell aus der ersten Reihe zurückziehen und dem AKW Fukushima Platz machen. Wasserstoffexplosion, Kernschmelze, Meerwasserkühlung, geringe Strahlung, sehr hohe Strahlung, 20-km-Evakuierungsradius, Fenster geschlossen halten, Lüftung abstellen,...
Es ist ein diffuser Informationsdschungel, dem man sich gegenüber sieht und dessen Durchdringen so manche Machete verschleißen wird. Fakt ist heute: Es tritt Radioaktivität aus, die Kühlung ist unterbrochen, ein Aufenthalt im Kraftwerksgelände ist lebensgefährlich.

Fakt sind auch die Hamsterkäufe der Japaner und die fluchtartige Bewegung in Richtung Süden. Dabei gibt es bloß ein Problem: Wie evakuiert man einen Ameisenhaufen?

Betrachtet man die natürlichen Bedingungen auf dem japanischen Archipel, werden nämlich die besonderen Anforderungen an dessen Bewohner deutlich: Extreme Ballungsräume, regelmäßige Naturkatastrophen, extreme Importabhängigkeit bei Nahrungsmitteln und Rohstoffen für Industrie und Energie, isolierte geographische Lage.

377.837 km² umfasst das Staatsgebiet Japans, etwa 67% davon sind gebirgig und bewaldet, es verbleiben für die Landwirtschaft 13%, für Wohngebiete 4%. Die Bevölkerungsdichte ist mit 330 Personen pro km² im Landesschnitt um über die Hälfte höher als in Deutschland - in den 23 Bezirken der japanischen Hauptstadt beträgt sie gar >13.000. Doch statt eine gleichmäßigere Besiedlung anzustreben, arrangieren sich die Menschen lieber in Ballungszentren; So leben heute 79% der Japaner in Städten. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Verteilung des verfügbaren Pro-Kopf-Wohnraums. Dieser beträgt (Daten von 2000) in Japan 30 m², in Deutschland 40 m² und in den USA 62 m².

Der Japaner unterscheidet landesintern zwischen "Rückseite" und "Vorderseite". Erstere meint die westliche Landeshälfte - ob ihres raueren Klimas nur dünn besiedelt mit kleineren Städten und Dörfern und geprägt durch den Reisanbau -, letztere die klimatisch begünstigte Osthälfe mit ihrer starken Urbanisierung und dem Sitz der großen japanischen Konzerne. Etwa 63% der Erwerbstätigen sind im tertiären Sektor beschäftigt.

Reis und weiße Helme

Seit über 2000 Jahren wird in Japan Reis angebaut, ein Nahrungsmittel, dessen Bedeutung für das Verständnis der japanischen Kultur oft unterschätzt wird. Obwohl Japan seit 1995 Reisimporte akzeptieren muss und obwohl die einheimische LW nur noch eine geringe Rolle in der Volkswirtschaft spielt, gilt der Reisanbau doch als Wurzel der japanischen Gruppenorientierung; Genauso wie die Begriffe Dorf und Dorfgemeinschaft.

Dorfgemeinschaften waren Schicksalsgemeinschaften, auf Gedeih und Verderb voneinander abhängig. Sie waren als Einheit steuerpflichtig und wurden kollektiv für Vergehen einzelner Mitglieder bestraft. Die Konsequenz waren ständige Absprachen, hohe Kompromissbereitschaft und Rücksichtnahme. Das Wohlergehen des Einzelnen hängt vom Wohlergehen der Gruppe ab. Dieser Satz ist im Bewusstsein der Japaner tief verwurzelt und findet sich in den "Dorfgemeinschaften" des 21.Jh. wieder, sei es in der Familie oder in der Firma.

Umso verständlicher wird das Auftreten des japanischen Regierungssprechers im blauen Arbeitsoverall oder das teilweise grotesk anmutende Tragen von Arbeitshelmen im Fernsehstudio. Die Japaner agieren als Gruppe, es gab nach dem großen Beben und den ersten Problemen in den AKWs nicht die - aus Deutschland nur allzu bekannten - sofortigen Schuldzuweisungen nach Katastrophenszenarien, sondern ein kollektives Betroffenheitsgefühl. Zum Kollektiv sprechen soll auch die Kleidung. Arbeiter tragen Blaumann, Politiker tragen Krawatte. Wir Politiker im Blaumann packen an - das ist das Symbol der Stunde.

Eine Frau, ein Wort

Vor ein paar Monaten sprach die deutsche Bundeskanzlerin:
"Die deutschen Atomkraftwerke sind die sichersten der Welt."
(Angela Merkel)
Und heute hört man das hier:
"Alles gehört auf den Prüfstand. [...] Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. [...] Im Zweifel für die Sicherheit."
(Angela Merkel)
Was eben noch ausgedealt wurde, bricht plötzlich zusammen. Die Politik folgt dem Druck der Medien und säuselt nun sanft in des Wählers liebster Stimme. Dabei ist das Hallali auf Mappus längst geblasen. Es wollte nur wieder keiner hören. Apropos: Hat die Wähler jemals Atompolitik interessiert?
Okay, back to basics (ein interessantes Webseitenfundstück so ganz nebenbei). Ein Gutes hat der ganze Spaß ja - auf den ersten Blick - die jetzt sofort abgeschalteten (und längst abgeschriebenen) AKWs spülen keine unbegrenzten Gewinne mehr in die Taschen unserer Energieriesen. Äh, Moment, darf man da eventuell ein im stillen Kämmerlein gewachsenes Unrechtsbewusstsein unserer obersten Dorfchefin vermuten? Aufwachen, es geht hier um Machtpolitik! Sorry, ich wollte ja bloß... Aus!

Interessant ist das Stillschweigen der Energiemultis dennoch. Es muss einen neuen Deal gegeben haben, etwa dergestalt: Kein Aufstand innerhalb der 3 Monate und dafür gibt es satte Übertragungsrechte der unverkauften Strommengen. Schaun ma mal.

Noch ein paar Worte zur Hysterie in den deutschen Medien. Fast minütlich aktualisiert Spiegel Online seinen Liveticker zum Geschehen in Japan. Was soll das? Das generiert viele Klicks, gewiss, enthält aber keinen Mehrwert an Information. Im Gegenteil, wichtige Informationen werden auf diese Weise schnell verschüttet. Stattdessen wünsche ich mir mehr lesenswerte Kommentare von Menschen, die die Fähigkeit besitzen, über den Nebel zu schauen.

Abschließend eine Meldung von Siemens: Der Konzern hat die komplette Planung und den Bau von Gaskraftwerken in Japan innerhalb von 12 Monaten angeboten.

Sayōnara.