Die Masturbationsphantasie einer 18-Jährigen? Freudsche Metaphorik? Coming of Age-Drama? Ganz großes Selbstfindungskino?
Um ehrlich zu sein, weiß ich überhaupt nicht, woran ich mit Nicolette Krebitz' Film aus dem Jahr 2016 bin. Da ist eine junge Frau, die in einer ostdeutschen Plattenbausiedlung wohnt, in einer Werbeagentur arbeitet und deren soziales Umfeld aus einem schwerkranken Opa im Krankenhaus und einer Schwester besteht. Und da ist ein Wolf, den die Protagonistin eines Tages auf dem Arbeitsweg in einem winzigen Stück Grün zwischen den tristen 13-Geschossern entdeckt. Der Gedanke an das Tier lässt sie fortan nicht mehr los und der Zuschauer wird hineingezogen in einen undurchschaubaren Strudel aus Realität und Fiktion.
Die Sehnsucht, selbst wild zu sein, soviel ist klar, treibt Ania an. Von den männlichen Kollegen wird sie mit verhohlen gierigen Blicken verfolgt, vom Chef wird sie wie eine Praktikantin behandelt (dieses Arschloch wirft regelmäßig einen Ball an die Glasscheibe zwischen seinem Büro und dem Großraumbüro der Angestellten als Zeichen, A. möge ihm bitte schnell Kaffee bringen!) und auch im Privaten mangelt es an menschlicher Zuneigung. Sie lebt allein und wünscht sich gewiss einen starken Partner. Einen starken Partner, der buchstäblich auf unsere menschlichen Konventionen... (dazu später mehr).
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Montag, 21. Oktober 2019
Sebastião Salgado - große Ehre für einen großen Humanisten
Sebastião Salgado erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Es ist eine hochpolitische und längst überfällige Entscheidung.
Er war jahrzehntelang mit seiner Kamera dort unterwegs, wo man es vor Schmerz und Leid kaum aushalten kann: der Genozid in Ruanda, brennende Ölquellen während der Irakkriege, auf dem Balkan, in Syrien, bei Flüchtlingen und ihren lebensgefährlichen "Reisen", in Gold- und Diamantenminen.
Stets galt sein Blick dem Menschen. Salgado versucht, uns in seinen Monumentalwerken "Migranten" oder "Exodus" auf der Suche nach uns selbst an die Hand zu nehmen. Sind wir das? Was geschieht da? Warum? Fragen, die bei seinen episch exakten Schwarz-Weiß-Fotos unwillkürlich im Betrachter aufflammen.
Doch Antworten hat der Fotograf keine gefunden, nur persönliche Verzweiflung ob der sehr beschränkten Fähigkeit des Menschen, sich zum Besseren zu ändern. Er widmete sich fortan der Naturfotografie und zeigte der Welt in "Genesis" Landschaften so, wie sie noch keiner gesehen hat. Majestätisch, kraftvoll. Seine "Hommage an die Natur" lebt er täglich, denn auf dem ausgelaugten Farmland seiner Eltern in Brasilien konnten bis heute schon mehr als 2,5 Mio. Bäume angepflanzt werden. Es ist sein Weg, um den vielen negativen, von Tod und Verderben geprägten Erinnerungen mit Neuem, mit Hoffnungsvollem zu begegnen.
Meine Rezension zu Wim Wenders Porträt von Sebastião Salgado aus dem Jahr 2014 - Das Salz der Erde.
Das Salz der Erde (2014)
Er war jahrzehntelang mit seiner Kamera dort unterwegs, wo man es vor Schmerz und Leid kaum aushalten kann: der Genozid in Ruanda, brennende Ölquellen während der Irakkriege, auf dem Balkan, in Syrien, bei Flüchtlingen und ihren lebensgefährlichen "Reisen", in Gold- und Diamantenminen.
Stets galt sein Blick dem Menschen. Salgado versucht, uns in seinen Monumentalwerken "Migranten" oder "Exodus" auf der Suche nach uns selbst an die Hand zu nehmen. Sind wir das? Was geschieht da? Warum? Fragen, die bei seinen episch exakten Schwarz-Weiß-Fotos unwillkürlich im Betrachter aufflammen.
Doch Antworten hat der Fotograf keine gefunden, nur persönliche Verzweiflung ob der sehr beschränkten Fähigkeit des Menschen, sich zum Besseren zu ändern. Er widmete sich fortan der Naturfotografie und zeigte der Welt in "Genesis" Landschaften so, wie sie noch keiner gesehen hat. Majestätisch, kraftvoll. Seine "Hommage an die Natur" lebt er täglich, denn auf dem ausgelaugten Farmland seiner Eltern in Brasilien konnten bis heute schon mehr als 2,5 Mio. Bäume angepflanzt werden. Es ist sein Weg, um den vielen negativen, von Tod und Verderben geprägten Erinnerungen mit Neuem, mit Hoffnungsvollem zu begegnen.
Meine Rezension zu Wim Wenders Porträt von Sebastião Salgado aus dem Jahr 2014 - Das Salz der Erde.
Das Salz der Erde (2014)
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Samstag, 20. Juli 2019
Pre-Crime
Smurfz - allein schon dieser Name! Was für eine Person stellen Sie sich hinter einem solchen Namen vor? Einen Künstler? Das Mitglied eines indigenen Stammes? Ein Kind? Gar keine Person? Ein technisches Kürzel?
Sie wissen rein gar nichts über dieses "Etwas" und doch versucht Ihr Hirn sofort, Assoziationen zu knüpfen. Assoziationen zu eigenem Wissen, zum eigenen Erfahrungsschatz, zu den eigenen (Vor)urteilen. Dasselbe - wie könnten sie auch anders sein als ihre Programmierer - machen tagtäglich Algorithmen mit uns allen. Sie bewerten uns nach schlichten Fakten und Stereotypen, die über jeden einzelnen bewusst oder unbewusst in diversen Datenbanken angehäuft werden. Ein Algorithmus hat vier Eigenschaften zu erfüllen: Allgemeingültigkeit, Ausführbarkeit, Endlichkeit, und Eindeutigkeit.
Algorithmen bewerten nach (wenn sie gut geschrieben sind) intelligenten Mustern vorliegende Daten und kommen, Stichwort "Endlichkeit", zu einem Ergebnis. Dieses Ergebnis muss überhaupt nicht absolut sein (0 oder 1). Wahrscheinlichkeiten, die in sogenannten Scores münden, sind sehr viel häufiger das Resultat.
Sie wissen rein gar nichts über dieses "Etwas" und doch versucht Ihr Hirn sofort, Assoziationen zu knüpfen. Assoziationen zu eigenem Wissen, zum eigenen Erfahrungsschatz, zu den eigenen (Vor)urteilen. Dasselbe - wie könnten sie auch anders sein als ihre Programmierer - machen tagtäglich Algorithmen mit uns allen. Sie bewerten uns nach schlichten Fakten und Stereotypen, die über jeden einzelnen bewusst oder unbewusst in diversen Datenbanken angehäuft werden. Ein Algorithmus hat vier Eigenschaften zu erfüllen: Allgemeingültigkeit, Ausführbarkeit, Endlichkeit, und Eindeutigkeit.
Algorithmen bewerten nach (wenn sie gut geschrieben sind) intelligenten Mustern vorliegende Daten und kommen, Stichwort "Endlichkeit", zu einem Ergebnis. Dieses Ergebnis muss überhaupt nicht absolut sein (0 oder 1). Wahrscheinlichkeiten, die in sogenannten Scores münden, sind sehr viel häufiger das Resultat.
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Donnerstag, 11. Februar 2016
European Outdoor Film Tour 2015/16
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E.O.F.T. 2015/16. |
Mach dein eigenes Ding, sei unabhängig, sei frei, trainiere, strebe nach besseren Leistungen, sei cool: Viele Sportvideos drehen sich im Kern um eben diese Botschaften und viele Sportler hat das Image des coolen, hart trainierenden und außergewöhnliche Leistungen vollbringenden Außenseiters über ihre Szene hinaus berühmt und vermögend gemacht. Diese jedes Jahr stattfindende Tour durch diverse Kinosäle ist also äußerst attraktiv für sowohl die gefeaturten Sportler als auch für die werbenden Marken.
Völlig neue Perspektiven eröffnete im Actionsport die Markteinführung der GoPro-Kameras. Die kleinen HD-Filmer konnte sich fortan jeder auf den Helm, in den Gleitschirm, an eine Teleskopstange, unter Wasser, an eine Drohne oder wo auch immer hinpappen und heraus kamen stets authentische und ganz nah am Geschehen spielende Weitwinkelbilder. Ich war neugierig auf diese "Clipsammlung"! Und wurde etwas enttäuscht.
Der wohl lässigste Beitrag war der erste: James Kelly driftet mit seinem Longboard bei 80 km/h um Serpentinen in der Sierra Nevada. "Burn it Down" ist Programm, denn der 25-jährige Kalifornier verslidet teilweise ein neues Paar Rollen nach bloß zwei Runs. Diesem Typ mit fünf Metern Abstand hinterherzufahren, dabei zuzusehen wie er bei über 100 km/h auf seinem Board steht, auf den Handschuhinnenflächen rote "Rückleuchten" angebracht, macht einfach Spaß.
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Sonntag, 15. November 2015
Spectre
Hach, das waren noch Zeiten! Roger Moore wird im brasilianischen Regenwald vom Beißer (Richard Kiel) verfolgt, fliegt kurz darauf mit seinem Hängegleiter über die Iguazú-Wasserfälle – was den Bösen, inkl. dem Beißer (der hat nämlich das Lenkrad des Verfolgerbootes dummerweise abgerissen), selbstverständlich nicht gelingt – und ringt kurz darauf unter Wasser mit einer Anakonda. Sie, die Würgeschlange, stirbt durch Giftinjektion aus Bonds Kugelschreiber. Hugo Drax (laut dem Forbes-Magazin mit 7,6 Mrd. US-$ angeblich reichster Bond-Bösewicht der Seriengeschichte) wollte im Jahr 1979 wie alle Bond-Bösewichte die Weltherrschaft und wurde wie alle Bond-Bösewichte bisher im allerallerallerletzten Moment mit einem coolen Spruch zur Strecke gebracht. "Bond-Bösewicht", "Schurke". Wie im Märchen. Schwarz und weiß, gut gegen böse. Siegfried Tesche hat kürzlich in der ZEIT schön das Schema eines typischen James Bond-Filmes aufgezeigt, an dem sich der jüngste Blockbuster mit Daniel Craig gleichsam merklich frustriert wie trittsicher abarbeitet. Mit Spectre soll als Schmankerl obendrein ein Erzählbogen halbwegs logisch geschlossen werden, der nicht erst in Casino Royale seinen Anfang nahm. Ob das gelingt?
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Dienstag, 30. Juni 2015
10 Milliarden - Wie werden wir alle satt?
Machen wir uns nichts vor: Viele Menschen glauben von sich, richtig zu handeln, korrekt zu leben, fair zu kaufen. Und dem Rest ist es einfach scheißegal?
Nun, leider ist die letztgenannte Aussage unter anderem auf einen Teil meines privaten Umfeldes zutreffend - und sowas schmerzt ganz besonders. Filme wie der aktuelle von Valentin Thurn gehören nicht nur in den Schulunterricht, nein, sie gehören in jeden Haushalt und in jedes Wohnzimmer, liefern sie doch wertvolle Argumente pro nachhaltige Ernährung und kontra unverantwortlichen Lebensmittelkonsum. Wie aber schafft man ein Bewusstsein für das eigene Tun im regionalen und globalen Kontext, wenn das Gegenüber beispielsweise mit Aussagen à la "Kommt doch hinten raus!", angesprochen auf CO2- und Feinstaubemissionen seines Pkw, retourniert?
Meine Antwort mag erstaunen: Unbeirrt den eigenen Weg weiterverfolgen - Vorbild sein. Denn was einst mit der Übernahme von grünen Inseln - Rasenflächen, die nicht im 7-Tagesrhythmus gemäht werden - in der hiesigen Nachbarschaft begann, muss beim an Schönwettertagen (immerhin!) praktizierten Fahrradeinsatz für den 10 km-Arbeitsweg lange kein Ende finden. Insofern bin ich zuversichtlich, die Welt durch das eigene Vorleben und (Vor)schreiben ein winziges Stück besser machen zu können.
Teil meiner, Teil unserer Mission, ist die stete Bereitschaft, dazuzulernen, eigene Standpunkte zu hinterfragen, scheinbare Fakten nicht als Dogmen auf den Thron zu heben.
So hält es auch der vorliegende Film, der dort anknüpft, wo "Taste the Waste" aufhört.
Nun, leider ist die letztgenannte Aussage unter anderem auf einen Teil meines privaten Umfeldes zutreffend - und sowas schmerzt ganz besonders. Filme wie der aktuelle von Valentin Thurn gehören nicht nur in den Schulunterricht, nein, sie gehören in jeden Haushalt und in jedes Wohnzimmer, liefern sie doch wertvolle Argumente pro nachhaltige Ernährung und kontra unverantwortlichen Lebensmittelkonsum. Wie aber schafft man ein Bewusstsein für das eigene Tun im regionalen und globalen Kontext, wenn das Gegenüber beispielsweise mit Aussagen à la "Kommt doch hinten raus!", angesprochen auf CO2- und Feinstaubemissionen seines Pkw, retourniert?
Meine Antwort mag erstaunen: Unbeirrt den eigenen Weg weiterverfolgen - Vorbild sein. Denn was einst mit der Übernahme von grünen Inseln - Rasenflächen, die nicht im 7-Tagesrhythmus gemäht werden - in der hiesigen Nachbarschaft begann, muss beim an Schönwettertagen (immerhin!) praktizierten Fahrradeinsatz für den 10 km-Arbeitsweg lange kein Ende finden. Insofern bin ich zuversichtlich, die Welt durch das eigene Vorleben und (Vor)schreiben ein winziges Stück besser machen zu können.
Teil meiner, Teil unserer Mission, ist die stete Bereitschaft, dazuzulernen, eigene Standpunkte zu hinterfragen, scheinbare Fakten nicht als Dogmen auf den Thron zu heben.
So hält es auch der vorliegende Film, der dort anknüpft, wo "Taste the Waste" aufhört.
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Mittwoch, 28. Januar 2015
The Imitation Game
Bletchley Park im Bezirk Milton Keynes, 55 Zugminuten nordwestlich von London gelegen, war im Zweiten Weltkrieg das Zentrum der britischen Kryptoanalytiker. Sie sollten dort den deutschen Funkverkehr knacken und den Kriegsverlauf zugunsten der Alliierten beeinflussen.
1939 bewirbt sich der 27-jährige Alan Turing (Benedict Cumberbatch) bei der "Governement Code and Cypher School" (GC&CS), mit dem Ziel, "Enigma" zu entschlüsseln. Dem Zuschauer wird der Protagonist hier anfangs als sehr selbstsicher und mit autistischen Zügen ausgestattet vorgestellt, gewissermaßen als ein Mensch, den man in kein Büro sperren muss, um eine Aufgabe erledigt zu bekommen. Im Gegenteil: Turing brennt seit seiner Jugend für Rätsel und dieses hier "ist derzeit das wichtigste unserer Zeit."
Ja, ich habe mich auf diesen Film gefreut. Ein bedeutender Informatiker, Mathematiker, Visionär und historisch bedeutsame Person gleichermaßen wird porträtiert. Ansehen! Wie nähert man sich einem solchen Sujet, welche Lebensstationen werden wie ausgewählt, welches Bild soll beim Zuschauer hängen bleiben?
1939 bewirbt sich der 27-jährige Alan Turing (Benedict Cumberbatch) bei der "Governement Code and Cypher School" (GC&CS), mit dem Ziel, "Enigma" zu entschlüsseln. Dem Zuschauer wird der Protagonist hier anfangs als sehr selbstsicher und mit autistischen Zügen ausgestattet vorgestellt, gewissermaßen als ein Mensch, den man in kein Büro sperren muss, um eine Aufgabe erledigt zu bekommen. Im Gegenteil: Turing brennt seit seiner Jugend für Rätsel und dieses hier "ist derzeit das wichtigste unserer Zeit."
Ja, ich habe mich auf diesen Film gefreut. Ein bedeutender Informatiker, Mathematiker, Visionär und historisch bedeutsame Person gleichermaßen wird porträtiert. Ansehen! Wie nähert man sich einem solchen Sujet, welche Lebensstationen werden wie ausgewählt, welches Bild soll beim Zuschauer hängen bleiben?
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Sonntag, 16. November 2014
Das Salz der Erde
Sebastião Salgado hält die Fotokamera an gekrümmten Armen schützend vor die Brust und rollt sich langsam seitwärts über einen steinigen Strand auf der arktischen Wrangelinsel, begleitet von seinem ältesten Sohn Juliano (38) und ihrem Bewacher mit Gewehr. Dessen Waffe soll die Gruppe nicht primär vor den Walrossbullen schützen - derentwegen man sich so mühselig fortbewegt -, nein, seine wachen Augen gelten dem Hauptfeind dieser bis zu 4 Meter und 1,6 t messenden Kolosse: dem Eisbär.
Die stark verlängerten oberen Eckzähne der Bullen wachsen zeitlebens nach und erreichen dabei Längen von bis zu einem Meter. Sie waren der Hauptgrund für die gebietsweise Ausrottung der Art im 18. Jh., denn das Elfenbein lockte mehr und mehr Jäger in den Norden. Trotzdem die Bejagung heute nur noch den Eskimo aus kulturhistorischen Aspekten im Rahmen des Eigenverbrauchs gestattet ist, gilt die Unterart Atlantisches Walross (Odobenus rosmarus rosmarus) bis dato als gefährdet. Eine Züchtung in Zoos schlug bislang immer fehl.
Der kalte, für uns Menschen so schwer zu besiedelnde und jedes Leben auf eine harte Probe stellende polare Lebensraum spielt eine wichtige Rolle im Heilungsprozess des Protagonisten. Im Heilungsprozess von den Folgen einer chronischen Krankheit: der Besessenheit, die Art Homo sapiens zu verstehen.
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Sonntag, 20. April 2014
Auge um Auge | Out of the furnace
Abschaum, purer menschlicher Abschaum zwingt den einfachen Stahlarbeiter Russell Baze (Christian Bale) dazu, sich den eigenen Werten auf ungeahnte Weise stellen zu müssen. Wir befinden uns im Nordosten der USA, im sogenannten "Rust Belt", im Fernsehen laufen Wahlkampfveranstaltungen. Hier leben die beiden Brüder Baze in einem Provinzkaff, dessen fast einzige legale Möglichkeit der ehrlichen Arbeit jene in besagtem Stahlwerk ist. Doch Rodney Baze Jr. (Casey Affleck) will nicht wie sein Bruder und ihr mittlerweile im Sterben liegender Vater in dieses Werk, dessen Tage ohnehin gezählt sind - der Globalisierung und billiger Stahlimporte aus Übersee sei Dank.
Rodney geht zur Army, in den Irak. Und kommt verändert wieder. Russell übersieht unter Alkoholeinfluss ein Auto beim Ausparken, rammt es ungebremst und tötet zwei Insassen. Im Gefängnis wird er zusammengeschlagen, hier lernt er die Regeln und Fähigkeiten, um in dieser Art Wildnis zu Überleben. Während seiner Haft stirbt der Vater - er verpasst dessen Beerdigung. Was geht in einem Menschen vor, der soviel Leid erfahren muss? Woran orientiert er sich? Was gibt ihm Halt? Was verhindert ein Durchbrennen der Sicherungen? Regisseur Scott Cooper lässt der Kamera Zeit für lange Einstellungen; nur leider nicht immer in den richtigen Szenen. Die Szene beispielsweise, als Russell nach der Haft von seinem Bruder abgeholt wird und sie gemeinsam das Grab des Vaters besuchen ist so aufwühlend, ist so symbolhaft für den ganzen Film, dass man sie nicht lang genug zeigen kann. Oder der Treff mit der (Ex-)Freundin Lena (Zoë Saldaña), ebenfalls nach Haftentlassung. Sie stehen gemeinsam auf einer Brücke im Ort, Russell und Lena, schauen sich in die Augen und wissen beide, dass es so für sie die einzige Chance auf ein Überleben in der Gegend war. Dass Lena jetzt mit dem Ortspolizisten Chief Wesley Barnes (Forest Whitaker) zusammen ist. Und doch, Lenas Geständnis, von Barnes schwanger zu sein, und die offensichtlich schwer abgerungene Freude Russells, jäh in Tränen erstickt, gehen unmittelbar ins Zuschauerherz. So muss Kino sein. Authentisch, ernsthaft, mitreißend.
Rodney geht zur Army, in den Irak. Und kommt verändert wieder. Russell übersieht unter Alkoholeinfluss ein Auto beim Ausparken, rammt es ungebremst und tötet zwei Insassen. Im Gefängnis wird er zusammengeschlagen, hier lernt er die Regeln und Fähigkeiten, um in dieser Art Wildnis zu Überleben. Während seiner Haft stirbt der Vater - er verpasst dessen Beerdigung. Was geht in einem Menschen vor, der soviel Leid erfahren muss? Woran orientiert er sich? Was gibt ihm Halt? Was verhindert ein Durchbrennen der Sicherungen? Regisseur Scott Cooper lässt der Kamera Zeit für lange Einstellungen; nur leider nicht immer in den richtigen Szenen. Die Szene beispielsweise, als Russell nach der Haft von seinem Bruder abgeholt wird und sie gemeinsam das Grab des Vaters besuchen ist so aufwühlend, ist so symbolhaft für den ganzen Film, dass man sie nicht lang genug zeigen kann. Oder der Treff mit der (Ex-)Freundin Lena (Zoë Saldaña), ebenfalls nach Haftentlassung. Sie stehen gemeinsam auf einer Brücke im Ort, Russell und Lena, schauen sich in die Augen und wissen beide, dass es so für sie die einzige Chance auf ein Überleben in der Gegend war. Dass Lena jetzt mit dem Ortspolizisten Chief Wesley Barnes (Forest Whitaker) zusammen ist. Und doch, Lenas Geständnis, von Barnes schwanger zu sein, und die offensichtlich schwer abgerungene Freude Russells, jäh in Tränen erstickt, gehen unmittelbar ins Zuschauerherz. So muss Kino sein. Authentisch, ernsthaft, mitreißend.
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Sonntag, 12. Januar 2014
Günter Wamser - Mit Pferden von Feuerland bis Alaska
DIA-VORTRAG | 12.01.2014 | 17 - 19 Uhr | Gewandhaus Leipzig, Mendelssohn-Saal
Ein Regenbogen spannt sich über das weite, flache Tal am Fuße des Mount McKinley im Denali-Nationalpark, als die vier Mustangs gemeinsam mit ihren zwei Reitern im September 2013 die letzte Anhöhe erklommen haben. Das Ziel dieser "Familie" ist erreicht - nach einer 7-jährigen Reise, nach 10.000 km Wegstrecke, von der Grenze zu Mexiko durch die USA, Kanada und Alaska.
Drei Tiere, ein Mensch
Doch das eigentliche Vorhaben begann viel früher - 1994 in Ushuaia, der südlichsten Stadt der Erde. Im Alter von 34 Jahren beschloss der gelernte Flugtriebwerkmechaniker Günter Wamser nämlich, den Zwängen einer durchschnittlichen Erwerbsbiographie zu entfliehen und die eigenen Freiräume nicht länger an feste Urlaubszeiten zu koppeln. Er wollte fremde Länder erkunden, ohne auf Wochentage schauen zu müssen. Er wollte langsam reisen, nicht bloß "von einer Tankstelle zur nächsten".
Geschätzt 500 Personen im Mendelssohn-Saal. |
Drei Tiere, ein Mensch
Doch das eigentliche Vorhaben begann viel früher - 1994 in Ushuaia, der südlichsten Stadt der Erde. Im Alter von 34 Jahren beschloss der gelernte Flugtriebwerkmechaniker Günter Wamser nämlich, den Zwängen einer durchschnittlichen Erwerbsbiographie zu entfliehen und die eigenen Freiräume nicht länger an feste Urlaubszeiten zu koppeln. Er wollte fremde Länder erkunden, ohne auf Wochentage schauen zu müssen. Er wollte langsam reisen, nicht bloß "von einer Tankstelle zur nächsten".
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Freitag, 10. Januar 2014
Jonathan Safran Foer: Tiere essen
Ein Gastbeitrag von Kati
Zugegeben, die scheinbar unerschöpflichen sowohl öffentlichen als auch medialen Diskussionen zu den Themen Gesunde Ernährung bzw. Fleischkonsum, Vegetarismus, Veganismus und dergleichen mögen bei dem einen oder anderen mitunter das Gefühl hervorrufen, dass es irgendwann zu viel des Guten ist. Dass es doch bitte weiterhin jedem selbst überlassen sein sollte, für welche Ernährungsweise er sich entscheidet. Nun, es bleibt weiterhin jedem selbst überlassen. Man muss dann allerdings bereit sein, diversen unbequemen Wahrheiten auf dem Feld der Ernährung offen ins Auge zu schauen, sich ehrlich zu deren Existenz und der eigenen Mitverantwortung bekennen.
Ja, eine einseitige Ernährung ist ungesund, ein hoher Fleischkonsum klimaschädlich und die Aussage, dass Veganer grundsätzlich gesünder leben, mit Vorsicht zu genießen - im Prinzip wissen wir das alles. ODER?
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Freitag, 8. November 2013
A Diary of a Journey | DOK Leipzig 2013
Haben Sie jemals eine Reise mit Ihrem Großvater unternommen? Ja? Hat er Ihnen dabei aus seiner Kindheit erzählt, gar, wieviele Freundinnen er hatte; wie und wo er Ihre Großmutter kennenlernte; wie er zu dem Mann wurde, den Sie heute "Opa" nennen? Der polnische Regisseur Piotr Stasik muss sich ähnliche Fragen gestellt haben, als er beschloß, den Roadtrip eines 15- mit einem 82-Jährigen im Kleinbus durch Polen cineastisch zu verarbeiten. Herausgekommen ist ein Stück voller stiller Momente, in denen die Erfahrungen eines reichen, eines gelebten Lebens mit der Neugier eines Teenagers, mit all seiner Unsicherheit, in sinnstiftenden Kontakt treten.
Anlass der Reise war die Erlernung des Handwerks der Fotografie - klassisch analog und Schwarz-Weiß -, denn Tadeusz Rolke, der Senior, ist ein international tätiger Fotograf mit entsprechenden Kenntnissen, Tricks und Kniffen. Der Zuschauer erfährt davon jedoch nur infolge entweder guter Sachkenntnis oder kurzer Recherche nach dem Abspann. Ich finde es gut, diese Information nicht in den Vordergrund zu rücken und stattdessen die Aussagen und Fotos für sich sprechen zu lassen. Namen können uns nämlich viel zu schnell blenden, mit falschen Erwartungen überfrachten oder - noch schlimmer - enttäuschen. Alles beginnt mit dem Einbau einer Dunkelkammer in einen weißen Transporter und dem Anbringen der Aufkleber "Mobiles Fotostudio". Michal streift mit Tadeusz über Flohmärkte, bekommt so nach und nach seine eigene, feine Kameraausrüstung. Dann kann es losgehen.
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DOK Leipzig,
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Mittwoch, 6. November 2013
Joanna | DOK Leipzig 2013
Er möchte die Hand kurz wegziehen, wird aber gebeten, sie bitte weiter genauso liegen zu lassen - unbewegt auf ihren unfreiwillig kurzen Haaren. Wir befinden uns in einem Haus im ländlichen Polen, unter dessen niedrigem Dach sich eine kleine Familie den Traum vom Wohnen in der Natur verwirklicht. Joanna, 36, steht offiziell im Mittelpunkt dieser Geschichte, obwohl den Part eigentlich ihr Sohn Jaś einnimmt, dessen aufgeweckter Charakter, eindrucksvolle Eigenwilligkeit und unverstellte Liebe zur Mutter den Zuschauer bereits in den ersten Minuten in seinen Bann zieht. Kann man ein Leben in 45 Minuten schneiden, wie es die Regisseurin Aneta Kopacz hier getan hat?
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Staubkorn
Sonntag, 20. Oktober 2013
Norbert Rosing: Wildes Deutschland | Leipziger Kubus, 20. Oktober 2013
Norbert Rosing beantwortet Gästefragen. |
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Planet Erde
Mittwoch, 10. April 2013
Die Jagd
Ein Dorf, irgendwo in Dänemark. Es ist ruhig hier, alles verläuft in geordneten Bahnen, die Einwohner kennen sich mehrheitlich seit Kindertagen, sind eng befreundet. Es gibt keine Kriminalität, es gibt keine Arbeitslosigkeit, es gibt keine Probleme. Man könnte meinen, hier das Paradies auf Erden vor sich zu haben.
Lucas ist zurückgekehrt in dieses, in sein Heimatdorf - wenn auch nicht ganz freiwillig. Seinen Job als Lehrer hat er nämlich nach einer Schulschließung verloren, seinen 14-jährigen Sohn nach einer Scheidung gleich mit. Im Dorfkindergarten findet er eine neue Anstellung, die er offensichtlich mag, wenngleich man unterschwellig spürt, dass er lieber in seinem eigentlichen Beruf arbeiten würde. Die Tage verlaufen gleichförmig, die Beziehungen zu den alten Freunden sind frisch wie eh und je. Tiefe Freundschaften sind das. Man geht gemeinsam auf die Jagd, man isst gemeinsam am großen Tisch, man spricht über seine Probleme, man nascht gemeinsam - unerlaubterweise - vom ofenfrischen Kuchen. Theo ist der beste Freund von Lucas und Vater von Klara. Die Fünfjährige wünscht sich mehr Aufmerksamkeit seitens ihrer Eltern, doch diese sind viel mit sich beschäftigt, haben keine so sensiblen Antennen. Klara geht in den Kindergarten des Dorfes, zieht sich dort jedoch zunehmend von den anderen Kindern zurück. Sie sehnt sich nach Anerkennung und Liebe.
Lucas ist zurückgekehrt in dieses, in sein Heimatdorf - wenn auch nicht ganz freiwillig. Seinen Job als Lehrer hat er nämlich nach einer Schulschließung verloren, seinen 14-jährigen Sohn nach einer Scheidung gleich mit. Im Dorfkindergarten findet er eine neue Anstellung, die er offensichtlich mag, wenngleich man unterschwellig spürt, dass er lieber in seinem eigentlichen Beruf arbeiten würde. Die Tage verlaufen gleichförmig, die Beziehungen zu den alten Freunden sind frisch wie eh und je. Tiefe Freundschaften sind das. Man geht gemeinsam auf die Jagd, man isst gemeinsam am großen Tisch, man spricht über seine Probleme, man nascht gemeinsam - unerlaubterweise - vom ofenfrischen Kuchen. Theo ist der beste Freund von Lucas und Vater von Klara. Die Fünfjährige wünscht sich mehr Aufmerksamkeit seitens ihrer Eltern, doch diese sind viel mit sich beschäftigt, haben keine so sensiblen Antennen. Klara geht in den Kindergarten des Dorfes, zieht sich dort jedoch zunehmend von den anderen Kindern zurück. Sie sehnt sich nach Anerkennung und Liebe.
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Sonntag, 27. Januar 2013
Post für Eva
Zuschauer der ARD (+ ihrer Digitalkanäle) müssen mitunter viel aushalten können. Eine Sendung mit authentischen, ehrlichen und frischen MacherInnen indes findet man auf EinsPlus: Klub Konkret.
Ich gehöre zwar nicht zur direkten Zielgruppe dieses Formats, möchte aber auch nicht allein auf die Tagesthemen mit Tom Buhrow festgelegt werden. :-) Auf dem Blog von Eva Schulz, die als Außenreporterin für den Klub arbeitet und parallel für verschiedene Printmedien als freie Journalistin schreibt, habe ich zum Thema der aktuellen Sendung ("Hippie oder Streber? Wie wir mit dem Leistungsdruck umgehen") zwei Kommentare meiner Sicht der Dinge hinterlassen.
Zugegeben, sie sind etwas länger geworden, aber - wie Daniel Bröckerhoff (seines Zeichens ebenfalls Reporter im Klub) so schön zur Arbeit von uns mehr oder weniger ambitionierten Schreiberlingen anmerkte ("Publiziert wird nur, was fertig ist. Und mit "fertig" meinen wir "durchrecherchiert, redigiert, korrigiert, von einem Kollegen/Chef/Redakteur abgenommen, nochmal geändert etc") - sie sind im Sinne von Kollegen, dem Chef und dem Redakteur (juhu, das bin alles ich in einer Person!!!) - veröffentlichungswürdig.
Ich gehöre zwar nicht zur direkten Zielgruppe dieses Formats, möchte aber auch nicht allein auf die Tagesthemen mit Tom Buhrow festgelegt werden. :-) Auf dem Blog von Eva Schulz, die als Außenreporterin für den Klub arbeitet und parallel für verschiedene Printmedien als freie Journalistin schreibt, habe ich zum Thema der aktuellen Sendung ("Hippie oder Streber? Wie wir mit dem Leistungsdruck umgehen") zwei Kommentare meiner Sicht der Dinge hinterlassen.
Zugegeben, sie sind etwas länger geworden, aber - wie Daniel Bröckerhoff (seines Zeichens ebenfalls Reporter im Klub) so schön zur Arbeit von uns mehr oder weniger ambitionierten Schreiberlingen anmerkte ("Publiziert wird nur, was fertig ist. Und mit "fertig" meinen wir "durchrecherchiert, redigiert, korrigiert, von einem Kollegen/Chef/Redakteur abgenommen, nochmal geändert etc") - sie sind im Sinne von Kollegen, dem Chef und dem Redakteur (juhu, das bin alles ich in einer Person!!!) - veröffentlichungswürdig.
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Mittwoch, 31. Oktober 2012
Michael Martin: 30 Jahre Abenteuer | Die Wüsten der Erde
Teil I - 30 Jahre Abenteuer
Angefangen hat alles mit einem Hobby: Die Astronomie ist die große Leidenschaft des jungen Michael Martin und sie zieht ihn zu ersten Ausflügen in die Welt. In die Welt der Alpen. Aufgewachsen in Gersthofen, nördlich von Augsburg, baut er sich im Alter von 15 Jahren selbst ein Spiegelteleskop (er schleift sich dafür sogar den Spiegel selbst - dieser zerbricht aber leider kurz vor Fertigstellung --> die Eltern schenken ihm an Weihnachten ein neues Teleskop) und will damit die Sterne beobachten. Gemeinsam mit seinem Freund Achim Mende geht es per Fahrrad etliche Male in die 120 km entfernten Alpen, wo sie an Wochenenden auf den Bergen beim Fotografieren von Sternen, Galaxien und Nebeln die Zeit um sich herum vergessen.
Aus der Begeisterung über die Ergebnisse dieser ersten kleinen Expeditionen erwächst der Wunsch, die Freude zu teilen und die aufgenommenen Bilder einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Erste Diavorträge entstehen, die Zuschauerzahl hält sich allerdings mit 5 bis 10 noch in engen Grenzen. Das sollte sich aber bald ändern:

1981 - Mit dem Mofa nach Marokko
1982 - Mit dem Opel Kadett in die Sahara
1982 - Im VW-Bus durch Afrika
1983 - 1987 Mit 16 Peugeots nach Westafrika
1987 - Vom Nil zum Niger
1989 - Ténéré
1991 - Transafrika
1994 - Zu den Quellen des Nils
1997 - Durch die Wüsten Afrikas
2004 - 2009 Tourneejahre
2009 - Island - Aufbruch ins Eis
In den 1980er-Jahren muss Afrika das Sehnsuchtsland der damaligen Westdeutschen gewesen sein. Jedenfalls fanden die Berichte über ihre Individualreisen, die Bilder, die vielen Tricks, Tipps und Kniffe eine immer breitere Anhängerschaft, sodass es Martin und seinen Freunden möglich wurde, immer größere Projekte in Angriff zu nehmen. Berichte in der Lokalpresse und Vortragstourneen quer durch Deutschland machten ihn obendrein immer bekannter und führten zu so folgenreichen Bekanntschaften wie jene mit dem Pressechef von Leica. Über ihn bekam er (leihweise) seine erste professionelle Kameraausrüstung - eine Leica R 7 mit zwei Festbrennweiten - und konzentrierte sich fortan auf die Erstellung hochwertiger Landschaftsaufnahmen und Porträts. Seine erste Reise mit der neuen Kamera und dem frisch auf den Markt gekommenen Film Fuji Velvia RVP 50 führte ihn nach Ägypten. Er schreibt in seiner Beilage zum Vortrag:
"Von dieser Reise brachte ich Bilder nach Hause, die mich glücklich machten. Sie zeigten Menschen in Alltagssituationen in großer Eindrücklichkeit. Was hatte sich verändert? Sicherlich spielten die neue Fotoausrüstung und der neue Film eine Rolle, bestimmt auch der Motivreichtum Ägyptens. Entscheidend aber war, dass es mir zum ersten Mal gelang, Menschen zu fotografieren. Ich hatte begriffen, dass ich mit den Leuten ins Gespräch kommen, dass ich ein Vertrauensverhältnis aufbauen musste, bevor ich die Kamera hervorholen konnte."

Aus der Begeisterung über die Ergebnisse dieser ersten kleinen Expeditionen erwächst der Wunsch, die Freude zu teilen und die aufgenommenen Bilder einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Erste Diavorträge entstehen, die Zuschauerzahl hält sich allerdings mit 5 bis 10 noch in engen Grenzen. Das sollte sich aber bald ändern:

1981 - Mit dem Mofa nach Marokko
1982 - Mit dem Opel Kadett in die Sahara
1982 - Im VW-Bus durch Afrika
1983 - 1987 Mit 16 Peugeots nach Westafrika
1987 - Vom Nil zum Niger
1989 - Ténéré
1991 - Transafrika
1994 - Zu den Quellen des Nils
1997 - Durch die Wüsten Afrikas
2004 - 2009 Tourneejahre
2009 - Island - Aufbruch ins Eis
In den 1980er-Jahren muss Afrika das Sehnsuchtsland der damaligen Westdeutschen gewesen sein. Jedenfalls fanden die Berichte über ihre Individualreisen, die Bilder, die vielen Tricks, Tipps und Kniffe eine immer breitere Anhängerschaft, sodass es Martin und seinen Freunden möglich wurde, immer größere Projekte in Angriff zu nehmen. Berichte in der Lokalpresse und Vortragstourneen quer durch Deutschland machten ihn obendrein immer bekannter und führten zu so folgenreichen Bekanntschaften wie jene mit dem Pressechef von Leica. Über ihn bekam er (leihweise) seine erste professionelle Kameraausrüstung - eine Leica R 7 mit zwei Festbrennweiten - und konzentrierte sich fortan auf die Erstellung hochwertiger Landschaftsaufnahmen und Porträts. Seine erste Reise mit der neuen Kamera und dem frisch auf den Markt gekommenen Film Fuji Velvia RVP 50 führte ihn nach Ägypten. Er schreibt in seiner Beilage zum Vortrag:
"Von dieser Reise brachte ich Bilder nach Hause, die mich glücklich machten. Sie zeigten Menschen in Alltagssituationen in großer Eindrücklichkeit. Was hatte sich verändert? Sicherlich spielten die neue Fotoausrüstung und der neue Film eine Rolle, bestimmt auch der Motivreichtum Ägyptens. Entscheidend aber war, dass es mir zum ersten Mal gelang, Menschen zu fotografieren. Ich hatte begriffen, dass ich mit den Leuten ins Gespräch kommen, dass ich ein Vertrauensverhältnis aufbauen musste, bevor ich die Kamera hervorholen konnte."
Themen:
Kritiken,
Planet Erde,
Reiseberichte
Dienstag, 14. August 2012
The Dark Knight Rises
Dieser Mann leidet. Er lebt seit Jahren zurückgezogen auf seinem großen Anwesen, vernachlässigt Gesundheit und Äußeres, vegetiert ohne richtiges Ziel dahin. Auf dem Tisch liegen viele Bücher, am Fenster steht ein Linsenteleskop; sein Abendessen wird abgestellt, gebracht von einem Dienstmädchen.
Der Zuschauer ist Zeuge einer traurigen Szene, die illustriert, wohin das Befolgen der eigenen Moral (und nur dieser) führen kann. Die Gesellschaft vor den Mauern des Hauses hat er zu retten versucht, er hat sich für diese Gesellschaft geopfert, Schuld auf sich geladen und damit ein Alter Ego zum Tode verdammt. Ein Alter Ego? Nein, das existierte nie - sich selbst hat er zum Tode verdammt. Er ist sich dieser Situation voll bewusst - dennoch tut er nichts dagegen. Warum nicht?
Der Zuschauer ist Zeuge einer traurigen Szene, die illustriert, wohin das Befolgen der eigenen Moral (und nur dieser) führen kann. Die Gesellschaft vor den Mauern des Hauses hat er zu retten versucht, er hat sich für diese Gesellschaft geopfert, Schuld auf sich geladen und damit ein Alter Ego zum Tode verdammt. Ein Alter Ego? Nein, das existierte nie - sich selbst hat er zum Tode verdammt. Er ist sich dieser Situation voll bewusst - dennoch tut er nichts dagegen. Warum nicht?
Themen:
Kritiken
Mittwoch, 25. Januar 2012
J. Edgar
Eines vorweg: Dieser Film prügelt einem nicht die ungeschönte Wahrheit (das, was hinter dem von uns verwendeten Begriff Realität zu finden ist) ins Hirn, auch bleibt er weit weniger lang im Gedächtnis als beispielsweise Eastwoods Meisterwerk Gran Torino.
Und trotzdem ist es dem Meister sozialkritischer Dramatik mit seinem aktuellsten Stück erneut gelungen, die Zuschauer aufzurütteln und den Finger auf eine Wunde zu legen, deren weitreichende Folgen wahrscheinlich - in verschiedenster Ausformung - so mancher Kinogänger selbst schon zu spüren bekam.
J. Edgar Hoover war von 1924 bis zu seinem Tod 1972 Leiter des FBI; einer Behörde, die in nicht wenigen Kinofilmen eine zentrale Rolle einnimmt und deren Einfluss auf die amerikanische Gesellschaft des 20. Jahrhunderts von vielen nach wie vor unterschätzt wird. Auch ich weiß wenig bis nichts über die "US-Schlapphüte" und war daher schon fast ein bisschen dankbar für diese filmische Einladung zum frontalen Geschichtsunterricht.
Jeder kennt Clarice Starling, die junge FBI-Ermittlerin in Das Schweigen der Lämmer. Nicht? Dann holen Sie es nach! In einer Szene joggt sie auf einem Trimm-dich-Pfad durch einen Wald in der Nähe der FBI-Akademie in Quantico, Virginia und gewährt damit ganz nebenbei einen Einblick in die Bedeutung des Sports für angehende Bundesagenten. Körperliche Fitness ist bis heute ein wichtiges Kriterium, um überhaupt als angehender Agent ins Trainingsprogramm aufgenomen zu werden (hier ein Einblick in die Anforderungen an künftige Mitglieder des Hostage Rescue Teams HRT).
Hoover war von Anfang an wichtig, das FBI zu professionalisieren und einen Berufsethos zu etablieren. Einen Berufsethos, der darauf bestand, es als erste Pflicht anzusehen, sich körperlich und geistig vollkommen den Aufgaben des FBI - der Verfolgung von Verstößen gegen Bundesgesetze und der Spionageabwehr - zu widmen.
Zuversicht, Edgar
Eastwood baut diesen Film nicht streng chronologisch auf, sondern illustriert verschiedene Stationen der Biographie Hoovers anhand von dessen fiktivem Diktat der eigenen Memoiren in die Schreibmaschine wechselnder Assistenten. Diese Arbeitsweise ermöglicht einerseits eine Komprimierung des umfangreichen Stoffes und andererseits eine Fokussierung auf die vermeintlichen Schlüsselstellen im Leben Hoovers, ohne die sein Handeln nicht interpretierbar wäre.
Es beginnt auch gleich recht amüsant mit einer privaten Führung in der Kongressbibliothek von Washington. Hoover, in seinen 20ern, hatte ein Katalogisierungssystem entworfen und fand es angemessen, die Präsentation dieser Arbeit als Vorwand und Rahmen für einen Heiratsantrag an eine neue Angestellte des FBI zu nutzen. Völlig überfordert von der Situation, fällt er vor der perplexen Angebeteten im leeren Lesesaal auf die Knie und bittet um ihre Hand. Diese Einstellung ist für Eastwood der Schlüssel zum Verständnis Hoovers: Wenn es schon nicht aus freien Stücken gelingen will, so muss man sich durch akribische Arbeit, durch das manische Sammeln von Fakten und die Anlage von Aktenbergen mit kompromittierenden Inhalten, dieLiebe Loyalität seiner Umgebung sichern. Besser: Erpressen.
Insofern ist die geschilderte Szene alles andere als amüsant - stattdessen zum Heulen tragisch.
Miss Helen, das Mädel aus der Bibliothek, wird übrigens bis zum Lebensende Hoovers dessen Sekretärin bleiben und neben Clyde Tolson als einzige Person Zugang zu seiner Gefühlswelt bekommen.
Wobei, es gibt da noch eine Person in Hoovers Leben, der im Film zentrale Bedeutung zukommt, zukommen muss: seine Mutter. Judi Dench spielt, wie nur Judi Dench es spielen kann, eine Frau mit betonharter Moral und butterweichem Herzen. Eine Frau aus der Mittelklasse der Washingtoner Gesellschaft, die einen an schweren Depressionen leidenden Mann im Haus hat und sich für ihre (3) Kinder nur das Beste wünscht. Soweit, so durchschnittlich. Tragik kommt in diese Mutter-Sohn-Beziehung jedoch durch die große Nähe der beiden - bis zu seinem 43. Lebensjahr (Hoovers Mutter starb 1938) lebte er mit ihr unter einem Dach. Sie kannte zeitlebens dessen homosexuelle(?) Orientierung, war sich aber auch des Umstands, dass dieser Fakt in der Lebenszeit des Sohnes vor der Gesellschaft versteckt werden musste, nur allzu bewusst. Das Wissen über die für ihn daraus resultierenden gesellschaftlichen Probleme versuchte sie durch das Anlegen eines Albums mit gesammelten Zeitungsausschnitten vom erfolgreichen beruflichen Werdegang ihres "Edgars" zu verdrängen.
Ganz stark wird der Film in gerade solchen Einstellungen: Die Mutter presst die Meldung über die Berufung des Sohnes zum FBI-Direktor an die rechte Brust, verdrückt dabei Tränen und legt ihm anschließend noch ein Stück Braten auf den Teller, der schon mehr als gut gefüllt ist.
Später wird sie ihm im heimischen Schlafzimmer noch das Tanzen beibringen und diesen Satz sprechen:
Sie wurden einander in einer Bar vorgestellt, von einem Kollegen Hoovers. Der junge, gutaussehende Mann mit Karriereziel "eigene Kanzlei" und er, der junge FBI-Chef, mit Karriereziel "anerkannt und geliebt zu werden".
Tatsächlich war es große Zuneigung, die Hoover dazu brachte, diesen Clyde Tolson bis zum Lebensende als seinen Stellvertreter an sich zu binden. Als Ersatz für eine Ehe?
Darüber streiten Historiker bis heute.
Mit den Ermittlungen im Fall des entführten Lindbergh-Sohnes beginnt im Film schließlich der Aufstieg des FBI zu einer ernsthaften Bundesbehörde mit weitreichenden Befugnissen sowie dem Bestreben, durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (u.a. dem Einrichten von Laboren zur Untersuchung von verschiedensten relevanten Tatortspuren) jedes Verbrechen aufklären zu können. Das ist ein unbestrittener Verdienst Hoovers.
Parallel gießt das FBI aber auch erste Fundamente zur Errichtung eines Überwachungsstaates,
indem es einflussreiche Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens ohne Grund observiert. "Ohne Grund" ist selbstverständlich nicht richtig. Denn der Vorwand, Kommunisten zu jagen oder Verbrechen vorzubeugen, stand Pate für die Anlage dieser Geheimdossiers.
Geheimdossiers deshalb, weil sämtliche Akten der auf Hoovers Geheiß hin Ausspionierten in sein eigenes Archiv wanderten. Sie dienten der Erpressung und Machtsicherung. Einerseits.
Andererseits dienten sie aber sicherlich auch der Befriedigung einer voyeuristischen Ader des Auftraggebers. Die privaten Aktenschränke waren der Fetisch Hoovers. Der Fetisch, der in der Lage war, ihm jeden Tag neue (Ersatz)Befriedigung zu verschaffen und - etwa beim regelmäßigen Wechsel der US-Präsidenten - ihn mit stets stolz geschwellter Brust ins Oval Office marschieren ließ, um dem neuen Amtsinhaber zu zeigen, wer die Nummer 1 im Staate ist.
Wild und zahm zugleich
Beängstigend. Wer soviel Macht hat, wird irgendwann zu einer Bedrohung. Und in der Tat war J. Edgar Hoover eine große Bedrohung. In erster Linie für sich selbst. Wer sich nämlich zeitlebens Zwängen unterworfen sieht/unterwirft und keine Fluchtmöglichkeit erkennt, wird zu einem Tier, das in die Ecke gedrängt wird. Es sieht nur noch sich, nur noch sein Überleben, nur noch seinen Feind.
Die ihm zur Verfügung stehende Fluchtmöglichkeit war die Aufklärung von Kriminalfällen. Und die Ernte der damit verbundenen Lorbeeren. Unwichtig dabei, welches Team den jeweiligen Fall tatsächlich aufklären konnte. Unwichtig dabei, ob möglicherweise manche dieser Aktionen als Folge einer Paranoia und Menschenjagd betrachtet werden können. So entstand nach und nach eine Parallelwelt, in der sich ab einem gewissen Punkt nur noch Hoover selbst auskannte. Er log im Kongress, danach gefragt, ob die sogenannten "G-Men" der Eigenwerbung des FBI dienen - die Antwort war "Nein". Er zögerte lange mit der Antwort, als ihm die Frage gestellt wurde, ob tatsächlich er all die Verhaftungen durchgeführt hat. Er zögerte bei dieser Frage deshalb lange, weil sie ihn ins Mark traf. Sie drückte unbarmherzig - obendrein in der Öffentlichkeit des Gerichtssaals - auf sein lebenslang wundes Selbstwertgefühl. Die Folge war eine neue Akte. Eine Akte über den Fragesteller.
Verbitterung und der sehnliche Wunsch nach Anerkennung, nach Liebe prägen Eastwoods Porträt des FBI-Gründers. Da ist es nur folgerichtig, dass Hoover im ganzen Film nicht ein einziges Mal lacht. Mit einer Ausnahme: Auf den Wochenendausflügen gemeinsam mit Tolson zur Pferderennbahn. Sie scheinen ihm, sie scheinen ihnen beiden, für wenige Stunden das zu ermöglichen, was sie sich am sehnlichsten wünschen: Ungehemmte Zweisamkeit.
Mit solchen Bildern will der Film den Zuschauer mit der Person seines Protagonisten versöhnen, diese Anteil haben lassen am Leben all der Nicht-Geächteten und posthum den vielen (zu recht) kritischen Stimmen ein menschliches Antlitz hinter der unbarmherzig wirkenden Maske präsentieren.
Was also bleibt im Gedächtnis, nachdem der Vorhang sich geschlossen hat?
Nun, es bleibt die Erkenntnis, dass, wer sich nicht selbst im Spiegel betrachten kann, dazu verdammt ist, ein unglückliches und auf ewig unerfülltes Leben zu führen, das sich in all seiner zunehmenden Verbitterung zu einer wahren Bedrohung für die Umwelt auswachsen kann. Es bleibt das Bild eines Mannes, der, vielleicht weil er zur früh gelebt hat, sich bis zum Tod (als Kompensation?) in die Arbeit gestürzt und so den Aufbau einer Behörde vorangetrieben hat, deren Arbeitsweisen und Methoden wegweisend für die Kriminalistik des 20. Jahrhunderts sind.
Und bei mir bleibt die unterbewusste Mahnung, stets die Gründe für menschliches Handeln zu hinterfragen. Denn große Geschichten beginnen immer entweder mit einem Ja oder mit einem Nein.
J. Edgar
Und trotzdem ist es dem Meister sozialkritischer Dramatik mit seinem aktuellsten Stück erneut gelungen, die Zuschauer aufzurütteln und den Finger auf eine Wunde zu legen, deren weitreichende Folgen wahrscheinlich - in verschiedenster Ausformung - so mancher Kinogänger selbst schon zu spüren bekam.
J. Edgar Hoover war von 1924 bis zu seinem Tod 1972 Leiter des FBI; einer Behörde, die in nicht wenigen Kinofilmen eine zentrale Rolle einnimmt und deren Einfluss auf die amerikanische Gesellschaft des 20. Jahrhunderts von vielen nach wie vor unterschätzt wird. Auch ich weiß wenig bis nichts über die "US-Schlapphüte" und war daher schon fast ein bisschen dankbar für diese filmische Einladung zum frontalen Geschichtsunterricht.
Jeder kennt Clarice Starling, die junge FBI-Ermittlerin in Das Schweigen der Lämmer. Nicht? Dann holen Sie es nach! In einer Szene joggt sie auf einem Trimm-dich-Pfad durch einen Wald in der Nähe der FBI-Akademie in Quantico, Virginia und gewährt damit ganz nebenbei einen Einblick in die Bedeutung des Sports für angehende Bundesagenten. Körperliche Fitness ist bis heute ein wichtiges Kriterium, um überhaupt als angehender Agent ins Trainingsprogramm aufgenomen zu werden (hier ein Einblick in die Anforderungen an künftige Mitglieder des Hostage Rescue Teams HRT).
Hoover war von Anfang an wichtig, das FBI zu professionalisieren und einen Berufsethos zu etablieren. Einen Berufsethos, der darauf bestand, es als erste Pflicht anzusehen, sich körperlich und geistig vollkommen den Aufgaben des FBI - der Verfolgung von Verstößen gegen Bundesgesetze und der Spionageabwehr - zu widmen.
Zuversicht, Edgar
Eastwood baut diesen Film nicht streng chronologisch auf, sondern illustriert verschiedene Stationen der Biographie Hoovers anhand von dessen fiktivem Diktat der eigenen Memoiren in die Schreibmaschine wechselnder Assistenten. Diese Arbeitsweise ermöglicht einerseits eine Komprimierung des umfangreichen Stoffes und andererseits eine Fokussierung auf die vermeintlichen Schlüsselstellen im Leben Hoovers, ohne die sein Handeln nicht interpretierbar wäre.
Es beginnt auch gleich recht amüsant mit einer privaten Führung in der Kongressbibliothek von Washington. Hoover, in seinen 20ern, hatte ein Katalogisierungssystem entworfen und fand es angemessen, die Präsentation dieser Arbeit als Vorwand und Rahmen für einen Heiratsantrag an eine neue Angestellte des FBI zu nutzen. Völlig überfordert von der Situation, fällt er vor der perplexen Angebeteten im leeren Lesesaal auf die Knie und bittet um ihre Hand. Diese Einstellung ist für Eastwood der Schlüssel zum Verständnis Hoovers: Wenn es schon nicht aus freien Stücken gelingen will, so muss man sich durch akribische Arbeit, durch das manische Sammeln von Fakten und die Anlage von Aktenbergen mit kompromittierenden Inhalten, die
Insofern ist die geschilderte Szene alles andere als amüsant - stattdessen zum Heulen tragisch.
Miss Helen, das Mädel aus der Bibliothek, wird übrigens bis zum Lebensende Hoovers dessen Sekretärin bleiben und neben Clyde Tolson als einzige Person Zugang zu seiner Gefühlswelt bekommen.
Wobei, es gibt da noch eine Person in Hoovers Leben, der im Film zentrale Bedeutung zukommt, zukommen muss: seine Mutter. Judi Dench spielt, wie nur Judi Dench es spielen kann, eine Frau mit betonharter Moral und butterweichem Herzen. Eine Frau aus der Mittelklasse der Washingtoner Gesellschaft, die einen an schweren Depressionen leidenden Mann im Haus hat und sich für ihre (3) Kinder nur das Beste wünscht. Soweit, so durchschnittlich. Tragik kommt in diese Mutter-Sohn-Beziehung jedoch durch die große Nähe der beiden - bis zu seinem 43. Lebensjahr (Hoovers Mutter starb 1938) lebte er mit ihr unter einem Dach. Sie kannte zeitlebens dessen homosexuelle(?) Orientierung, war sich aber auch des Umstands, dass dieser Fakt in der Lebenszeit des Sohnes vor der Gesellschaft versteckt werden musste, nur allzu bewusst. Das Wissen über die für ihn daraus resultierenden gesellschaftlichen Probleme versuchte sie durch das Anlegen eines Albums mit gesammelten Zeitungsausschnitten vom erfolgreichen beruflichen Werdegang ihres "Edgars" zu verdrängen.
Ganz stark wird der Film in gerade solchen Einstellungen: Die Mutter presst die Meldung über die Berufung des Sohnes zum FBI-Direktor an die rechte Brust, verdrückt dabei Tränen und legt ihm anschließend noch ein Stück Braten auf den Teller, der schon mehr als gut gefüllt ist.
Später wird sie ihm im heimischen Schlafzimmer noch das Tanzen beibringen und diesen Satz sprechen:
"Zuversicht, Edgar, Zuversicht - welke nicht dahin wie ein Blümchen, dass kein Wasser bekommt."Clyde Tolson
Sie wurden einander in einer Bar vorgestellt, von einem Kollegen Hoovers. Der junge, gutaussehende Mann mit Karriereziel "eigene Kanzlei" und er, der junge FBI-Chef, mit Karriereziel "anerkannt und geliebt zu werden".
Tatsächlich war es große Zuneigung, die Hoover dazu brachte, diesen Clyde Tolson bis zum Lebensende als seinen Stellvertreter an sich zu binden. Als Ersatz für eine Ehe?
Darüber streiten Historiker bis heute.
Mit den Ermittlungen im Fall des entführten Lindbergh-Sohnes beginnt im Film schließlich der Aufstieg des FBI zu einer ernsthaften Bundesbehörde mit weitreichenden Befugnissen sowie dem Bestreben, durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (u.a. dem Einrichten von Laboren zur Untersuchung von verschiedensten relevanten Tatortspuren) jedes Verbrechen aufklären zu können. Das ist ein unbestrittener Verdienst Hoovers.
Parallel gießt das FBI aber auch erste Fundamente zur Errichtung eines Überwachungsstaates,
indem es einflussreiche Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens ohne Grund observiert. "Ohne Grund" ist selbstverständlich nicht richtig. Denn der Vorwand, Kommunisten zu jagen oder Verbrechen vorzubeugen, stand Pate für die Anlage dieser Geheimdossiers.
Geheimdossiers deshalb, weil sämtliche Akten der auf Hoovers Geheiß hin Ausspionierten in sein eigenes Archiv wanderten. Sie dienten der Erpressung und Machtsicherung. Einerseits.
Andererseits dienten sie aber sicherlich auch der Befriedigung einer voyeuristischen Ader des Auftraggebers. Die privaten Aktenschränke waren der Fetisch Hoovers. Der Fetisch, der in der Lage war, ihm jeden Tag neue (Ersatz)Befriedigung zu verschaffen und - etwa beim regelmäßigen Wechsel der US-Präsidenten - ihn mit stets stolz geschwellter Brust ins Oval Office marschieren ließ, um dem neuen Amtsinhaber zu zeigen, wer die Nummer 1 im Staate ist.
Wild und zahm zugleich
Beängstigend. Wer soviel Macht hat, wird irgendwann zu einer Bedrohung. Und in der Tat war J. Edgar Hoover eine große Bedrohung. In erster Linie für sich selbst. Wer sich nämlich zeitlebens Zwängen unterworfen sieht/unterwirft und keine Fluchtmöglichkeit erkennt, wird zu einem Tier, das in die Ecke gedrängt wird. Es sieht nur noch sich, nur noch sein Überleben, nur noch seinen Feind.
Die ihm zur Verfügung stehende Fluchtmöglichkeit war die Aufklärung von Kriminalfällen. Und die Ernte der damit verbundenen Lorbeeren. Unwichtig dabei, welches Team den jeweiligen Fall tatsächlich aufklären konnte. Unwichtig dabei, ob möglicherweise manche dieser Aktionen als Folge einer Paranoia und Menschenjagd betrachtet werden können. So entstand nach und nach eine Parallelwelt, in der sich ab einem gewissen Punkt nur noch Hoover selbst auskannte. Er log im Kongress, danach gefragt, ob die sogenannten "G-Men" der Eigenwerbung des FBI dienen - die Antwort war "Nein". Er zögerte lange mit der Antwort, als ihm die Frage gestellt wurde, ob tatsächlich er all die Verhaftungen durchgeführt hat. Er zögerte bei dieser Frage deshalb lange, weil sie ihn ins Mark traf. Sie drückte unbarmherzig - obendrein in der Öffentlichkeit des Gerichtssaals - auf sein lebenslang wundes Selbstwertgefühl. Die Folge war eine neue Akte. Eine Akte über den Fragesteller.
Verbitterung und der sehnliche Wunsch nach Anerkennung, nach Liebe prägen Eastwoods Porträt des FBI-Gründers. Da ist es nur folgerichtig, dass Hoover im ganzen Film nicht ein einziges Mal lacht. Mit einer Ausnahme: Auf den Wochenendausflügen gemeinsam mit Tolson zur Pferderennbahn. Sie scheinen ihm, sie scheinen ihnen beiden, für wenige Stunden das zu ermöglichen, was sie sich am sehnlichsten wünschen: Ungehemmte Zweisamkeit.
Mit solchen Bildern will der Film den Zuschauer mit der Person seines Protagonisten versöhnen, diese Anteil haben lassen am Leben all der Nicht-Geächteten und posthum den vielen (zu recht) kritischen Stimmen ein menschliches Antlitz hinter der unbarmherzig wirkenden Maske präsentieren.
Was also bleibt im Gedächtnis, nachdem der Vorhang sich geschlossen hat?
Nun, es bleibt die Erkenntnis, dass, wer sich nicht selbst im Spiegel betrachten kann, dazu verdammt ist, ein unglückliches und auf ewig unerfülltes Leben zu führen, das sich in all seiner zunehmenden Verbitterung zu einer wahren Bedrohung für die Umwelt auswachsen kann. Es bleibt das Bild eines Mannes, der, vielleicht weil er zur früh gelebt hat, sich bis zum Tod (als Kompensation?) in die Arbeit gestürzt und so den Aufbau einer Behörde vorangetrieben hat, deren Arbeitsweisen und Methoden wegweisend für die Kriminalistik des 20. Jahrhunderts sind.
Und bei mir bleibt die unterbewusste Mahnung, stets die Gründe für menschliches Handeln zu hinterfragen. Denn große Geschichten beginnen immer entweder mit einem Ja oder mit einem Nein.
J. Edgar
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Mittwoch, 4. Januar 2012
The Ides of March
Wir befinden uns im Endspurt des Wahlkampfs um die Nominierung des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers. Mike Morris, Gouverneur von Pennsylvania, und Senator Ted Pullmann liefern sich in Ohio die entscheidende "Schlacht" um die Wahlmänner des Senators Franklin Thompson. Wer nämlich dessen Wahlmänner bekommt, wird Präsidentschaftskandidat der Demokraten und - da die Republikaner keinen ernstzunehmenden Gegner aufbieten können - neuer Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.
Dem Zuschauer wird dieser "Lagebericht" aus dem demokratischen War Room relativ schnell vermittelt, so dass die Bedeutung der Gunst Thompsons jedem klar wird.
Jetzt beginnt der Film. Clooney verkörpert einen perfekten Kandidaten. Hochintelligent; erfahren; durchtrieben und gleichzeitig charmant; gutaussehend; eloquent; verheiratet; gesegnet mit der Gabe, fähige und loyale Menschen um sich zu scharen; kurzum: ein virtuoser Pianist auf dem Flügel der Macht.
Es läuft gut für Morris. Es läuft perfekt für Morris. Sein Kontrahent ist schon so gut wie geschlagen, seine Auftritte werden - die wohl schelmigste Adaption des Obama-Wahlkampfs - zunehmend von einer unterschwelligen Überheblichkeit durchdrungen. Zwar nett verpackt, aber doch spürbar. "Mir kann keiner was - ich bin euer neuer Präsident. Schaut zu mir auf und lauscht meinen Worten. Ihr Schäfchen.", so in etwa meine freie Interpretation der gezeigten Wahlkampfauftritte.
Der junge, hochtalentierte Wahlkampfstratege Stephen Meyers ist unterfordert. Er surft die Wellen des Vorwahlozeans scheinbar mühelos, steckt einer Times-Journalistin gezielt Informationen, beobachtet routiniert die Umfragewerte, reagiert prompt mit Anpassungen der nächsten Reden Morris'. Langeweile.
Da trifft es sich gut, dass ihn die junge Praktikantin Molly für ebenso talentiert hält und - die Szene der Anbahnung des Dates ist hundertmal aufregender als das eigentliche Date - mit Meyers ins Bett will. Sie bekommt was sie will (Meyers natürlich auch, nur ist er viel zu idealistisch, um seine "Macht" im Wahlkampfteam für solche Zwecke zu missbrauchen) - und liefert in der zweiten gemeinsamen Nacht eine handfeste Überraschung.
Handfest überrascht wird Meyers auch von Tom Duffy, dem Wahlkampfmanager Pullmanns. Dieser lädt ihn nämlich zu einem Gespräch unter vier Augen und offenbart seine Bewunderung. Dass er den Konkurrenten nicht wird abwerben können, ist ihm bewusst - sein Plan deswegen umso durchtriebener. Die Wellen werden höher und höher, drohen, Meyers zu verschlingen. Sein Bild der Realität beginnt zu bröckeln, er erkennt, dass es Unterschiede gibt zwischen Umfragen und Meinungen. Dass es Unterschiede gibt zwischen Worten und Taten. Dass jeder sich selbst der Nächste ist.
Paul Zara, Morris' erfahrener Kampagnenmanager, steht auf Loyalität. Das sagt er jedenfalls. In Wahrheit ist er Perfektionist und versucht, jede Fliege von der Windschutzscheibe, die ihm den Weg zum Ziel weist, abzuwischen. Meyers war nicht loyal. Er fliegt. Wenig später gibt es einen Todesfall, der dem Film spürbar Dynamik und Nachdruck verleiht.
Aus dem jungen, vom Talent und den Visionen Morris' angetanen Stephen Meyers wird ein kalter, berechnender Stratege. Er nutzt seine Begabung von nun an für eigene Zwecke und er bekommt seinen Stuhl zurück. Am Ende des Films sitzt er wieder auf "seinem" Stuhl - ähnlich der Eingangsszene. Der Stuhl steht auf einer Bühne, die Spots sind auf ihn gerichtet, Helfer versehen ihn mit einem kleinen Kopfhörer. Es sind die letzten Minuten vor einem landesweit übertragenen Fernsehinterview. Der Film ist zu Ende.
"Schade eigentlich!", möchte man als Zuschauer nun ausrufen; denn es gäbe noch viel zu erzählen. Clooney - seines Zeichens Hauptdarsteller und Regisseur - sieht das genauso, vertritt aber die Ansicht, das noch zu Erzählende sei bereits bekannt. Es ist dies nur der letzte Ausdruck seiner mit diesem Film erneut Gestalt gewordenen Vorstellung vom Politzirkus.
Macht und Loyalität sind die Kernpunkte dieses politischen Weltbildes. Worauf beides basiert, darüber kann man sich - darüber soll sich der Zuschauer - trefflich streiten. Für die einen basiert Macht auf Bildung und fortschrittlichen Ideen, auf der Gabe, Sicherheit und Orientierung zu geben. Für die anderen basiert Macht auf schierer Stärke, auf Dominanz und Manipulation.
Loyalität ist eine ebenso ambivalente Eigenschaft. Sie kann auf Zuneigung und Respekt basieren; sie kann aber auch durch Erpressung erkauft worden sein.
Ein jeder ist angehalten, die jeweiligen Gründe von Macht und Loyalität zu hinterfragen.
Das ist das lobenswerte Statement dieses Films. Die Umsetzung ist mir persönlich aber zu gerade, zu stringent ausgefallen. Mag sein, dass sich dahinter Kalkül und eine weitere Adaption des sauber dahinschnurrenden Politikmotors verbirgt. Es mag aber auch sein, dass man sich schlicht nicht die Mühe machen wollte, einen Film mit dann zwar verdoppelter Spiellänge aber ungleich tiefer gezeichneten Charakteren und Handlungssträngen zu drehen.
The Ides of March
Dem Zuschauer wird dieser "Lagebericht" aus dem demokratischen War Room relativ schnell vermittelt, so dass die Bedeutung der Gunst Thompsons jedem klar wird.
Jetzt beginnt der Film. Clooney verkörpert einen perfekten Kandidaten. Hochintelligent; erfahren; durchtrieben und gleichzeitig charmant; gutaussehend; eloquent; verheiratet; gesegnet mit der Gabe, fähige und loyale Menschen um sich zu scharen; kurzum: ein virtuoser Pianist auf dem Flügel der Macht.
Es läuft gut für Morris. Es läuft perfekt für Morris. Sein Kontrahent ist schon so gut wie geschlagen, seine Auftritte werden - die wohl schelmigste Adaption des Obama-Wahlkampfs - zunehmend von einer unterschwelligen Überheblichkeit durchdrungen. Zwar nett verpackt, aber doch spürbar. "Mir kann keiner was - ich bin euer neuer Präsident. Schaut zu mir auf und lauscht meinen Worten. Ihr Schäfchen.", so in etwa meine freie Interpretation der gezeigten Wahlkampfauftritte.
Der junge, hochtalentierte Wahlkampfstratege Stephen Meyers ist unterfordert. Er surft die Wellen des Vorwahlozeans scheinbar mühelos, steckt einer Times-Journalistin gezielt Informationen, beobachtet routiniert die Umfragewerte, reagiert prompt mit Anpassungen der nächsten Reden Morris'. Langeweile.
Da trifft es sich gut, dass ihn die junge Praktikantin Molly für ebenso talentiert hält und - die Szene der Anbahnung des Dates ist hundertmal aufregender als das eigentliche Date - mit Meyers ins Bett will. Sie bekommt was sie will (Meyers natürlich auch, nur ist er viel zu idealistisch, um seine "Macht" im Wahlkampfteam für solche Zwecke zu missbrauchen) - und liefert in der zweiten gemeinsamen Nacht eine handfeste Überraschung.
Handfest überrascht wird Meyers auch von Tom Duffy, dem Wahlkampfmanager Pullmanns. Dieser lädt ihn nämlich zu einem Gespräch unter vier Augen und offenbart seine Bewunderung. Dass er den Konkurrenten nicht wird abwerben können, ist ihm bewusst - sein Plan deswegen umso durchtriebener. Die Wellen werden höher und höher, drohen, Meyers zu verschlingen. Sein Bild der Realität beginnt zu bröckeln, er erkennt, dass es Unterschiede gibt zwischen Umfragen und Meinungen. Dass es Unterschiede gibt zwischen Worten und Taten. Dass jeder sich selbst der Nächste ist.
Paul Zara, Morris' erfahrener Kampagnenmanager, steht auf Loyalität. Das sagt er jedenfalls. In Wahrheit ist er Perfektionist und versucht, jede Fliege von der Windschutzscheibe, die ihm den Weg zum Ziel weist, abzuwischen. Meyers war nicht loyal. Er fliegt. Wenig später gibt es einen Todesfall, der dem Film spürbar Dynamik und Nachdruck verleiht.
Aus dem jungen, vom Talent und den Visionen Morris' angetanen Stephen Meyers wird ein kalter, berechnender Stratege. Er nutzt seine Begabung von nun an für eigene Zwecke und er bekommt seinen Stuhl zurück. Am Ende des Films sitzt er wieder auf "seinem" Stuhl - ähnlich der Eingangsszene. Der Stuhl steht auf einer Bühne, die Spots sind auf ihn gerichtet, Helfer versehen ihn mit einem kleinen Kopfhörer. Es sind die letzten Minuten vor einem landesweit übertragenen Fernsehinterview. Der Film ist zu Ende.
"Schade eigentlich!", möchte man als Zuschauer nun ausrufen; denn es gäbe noch viel zu erzählen. Clooney - seines Zeichens Hauptdarsteller und Regisseur - sieht das genauso, vertritt aber die Ansicht, das noch zu Erzählende sei bereits bekannt. Es ist dies nur der letzte Ausdruck seiner mit diesem Film erneut Gestalt gewordenen Vorstellung vom Politzirkus.
Macht und Loyalität sind die Kernpunkte dieses politischen Weltbildes. Worauf beides basiert, darüber kann man sich - darüber soll sich der Zuschauer - trefflich streiten. Für die einen basiert Macht auf Bildung und fortschrittlichen Ideen, auf der Gabe, Sicherheit und Orientierung zu geben. Für die anderen basiert Macht auf schierer Stärke, auf Dominanz und Manipulation.
Loyalität ist eine ebenso ambivalente Eigenschaft. Sie kann auf Zuneigung und Respekt basieren; sie kann aber auch durch Erpressung erkauft worden sein.
Ein jeder ist angehalten, die jeweiligen Gründe von Macht und Loyalität zu hinterfragen.
Das ist das lobenswerte Statement dieses Films. Die Umsetzung ist mir persönlich aber zu gerade, zu stringent ausgefallen. Mag sein, dass sich dahinter Kalkül und eine weitere Adaption des sauber dahinschnurrenden Politikmotors verbirgt. Es mag aber auch sein, dass man sich schlicht nicht die Mühe machen wollte, einen Film mit dann zwar verdoppelter Spiellänge aber ungleich tiefer gezeichneten Charakteren und Handlungssträngen zu drehen.
The Ides of March
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