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Sonntag, 14. Februar 2016

Höhenmeterjagd am 13. Februar

C.: "Hier was machen wir denn nun, sonst lass ich mich weiter gehen. ;-)"
M.: "Na wir fahren morgen."
C.: "Top, letztes Bier."

Die Jungs hatten offensichtlich Spaß am Vorabend einer in weiten Teilen epischen Radtour und auch der Autor dieser Zeilen machte fünf Ausnahmen von seiner ansonsten strikten Alkoholabstinenz.
2 Uhr ins Bett, 8 Uhr aufstehen, 10.30 Uhr mit einem neuen Gesicht in der Runde bei feinstem Radwetter (für Februar) zu dritt ab in den Süden: Das nenn ich Samstag! Was können wir erreichen und warum sollten wir dieses oder jenes sinnvollerweise erreichen? Wo ist der Sinn? Wo ist der Zweck? Wo ist die Motivation?


Donnerstag, 18. Juni 2015

Ein Leben dauert 27 Stunden und 652 km

Geburt | 12. Juni | 18:35 | 0 km - Bennewitz

Niemand kann sich aussuchen, ob er geboren werden will.
Niemand kann sich seine Charakterzüge aussuchen.
Niemand kann vor sich selbst davonlaufen.

Voller Neugier strebe ich an diesem Freitagabend hinaus in die Welt, begleitet von einem Gefühl der Wiedergeburt.

Vor Teutschenthal.

Die existentiellen Fragen - Ist das mein Platz? Ist das mein Weg? - stören die unbeschwerte Kindheit nicht, vielmehr steht der Spaß im Vordergrund, das spielerische Austesten der Kräfte, die Zeit mit Freunden. Die ersten Hürden des Lebens überwinden wir, ohne dass uns das als Hindernis ins Bewusstsein kommt. Einige Freunde straucheln schon hier, rappeln sich jedoch schnell wieder auf.

Adoleszenz | 12. Juni | 22:42 | 114 km - Polleben

Der Weg wird uneben, einige halten das Tempo bei, andere suchen sich Schleichpfade, um nicht zu arg durchgeschüttelt zu werden. Ich wechsle die Straßenseite, rolle links vom Kopfsteinpflaster auf einem staubigen Randstreifen. Es gibt keinen Gegenverkehr, diese Nacht teilen wir scheinbar allein. Unweigerlich zur Jugend gehören Rangeleien. Sei es zur Beeindruckung von Mädels, sei es zur Etablierung eines gesunden Selbstbewusstseins. Okay, rangel ich halt mit. Schelmisch werde ich gemustert, "Der Typ hat doch nichts drauf", mögen die Gedanken des Nächsten sein. Ich höre mir sein Gelaber an; im ersten Leben hätte es mich verletzt, jetzt allerdings vertieft es nur meinen seligen Blick zum westlichen Horizont.

Freitag, 12. Juni 2015

600 km sind ... kein Geschenk

Vor vier Jahren absolvierte ich meinen bis heute einzigen 600er-Brevet. Als Teilnehmer ohne Stempelkarte fuhr ich im Feld der vom Audax Sachsen organisierten Tour in wechselnden Grüppchen von Wurzen über Halle zum Brocken (1. Stempelstelle: Wetterwarte), weiter zum Kyffhäuser, nach Bad Sulza (2. Stempelstelle: frei wählbar), zum Rasthof Berg in Bayern (3. Stempelstelle) und via Meerane (4. Stempelstelle: Shell-Tankstelle) zum Ziel in Frohburg (Endkontrolle: Total-Tankstelle). Wir waren damals 30 Stunden auf dem Rad unterwegs und 8 Stunden am futtern, pausieren, regenerieren, pinkeln etc.

Samstag, 28. März 2015

200k Freestyle

Nach dem 8. März verbrachte ich heute wieder über 7 Stunden auf dem Rennrad, denn der Audax Sachsen startete offiziell in die neue Brevet-Saison. Beginnend mit 200 km im März steigert sich die Tourenlänge fortan monatlich über 300 km im April und 400 km im Mai bis auf 600 km im Juni.

Termine Audax Sachsen 2015
Unser 600er-Brevet anno 2011

Seit ich mit K. zusammen bin, ist meine Motivation zu Sport allgemein und zu Wettkampfsport im Speziellen zurückgekehrt. Ich freue mich auf Trainingseinheiten, ich suche seltener nach Rechtfertigungen für die Teilnahme an derartigen Veranstaltungen; ich will einfach besser werden und mich mit anderen messen. Man kann nicht ewig vor sich selbst davonlaufen.

Ab 5.45 Uhr wird...

...sich nicht mehr in die Federn gekuschelt, stattdessen der Wecker ausgeschaltet und der Weg in die Küche angetreten. Die Anreise zum Startort Bennewitz misst auf neu geplanter Route 40 km, ruhige 75 Minuten dürften zur Erwärmung ausreichen. Das Thermometer verharrt träge bei 5 °C, der Himmel zeigt leichte Auflockerungen, doch die Sonne kann man nur erahnen, während sich die gestern neu aufgezogenen Contis mit dem Asphalt des Leipziger Südraums anfreunden und aus dem MP3-Player das Hörspiel "Der Schwarm" den Fahrer gedanklich zu Neuronencomputern und manipulierten Tieren befördert. Meine Zehen warten auf die "Erwärmung" vergeblich, ihnen zuliebe hätte man die Neopren-Überschuhe ruhig aus dem Schrank holen können.

8.04 Uhr wird mein Rad an das Geländer vor der Sporthalle gelehnt, werden die zahlreichen Bikes der heute wieder über 50 Teilnehmer begutachtet. Wilde Mischungen sind das, vom Highend-Carbonrenner über das Trekkingrad mit Rohloffnabe bis zum klassischen Randonneur, bestehend aus Stahlrahmen und baumelnder Stofftasche unter dem Sattel. Typischerweise tragen die Fahrer letztgenannter Drahtesel Trikots, die mit ihrem P-B-P-Logo in etwa sagen: "Hey, Kleiner, es zählt der Wille, nicht deine lächerliche Carbonfelge." Ihr wissendes Lächeln zeugt von großer Erfahrung. Denen macht schon lange niemand mehr etwas vor, weder auf der Straße, noch abseits derselben.

Mittwoch, 11. März 2015

Frauentagsrunde 2015

Manche fahren am Sonntag 2 Kilometer mit dem Pkw zum Bäcker, manche laufen, manche nehmen das Rad. Ich gehöre wahlweise zur letzt bzw. vorletzt genannten Gruppe, an diesem 8. März zur Radlerfraktion. 19 km in 36 Minuten läuten meinen Tag ein und sorgen für das erste breite Grinsen exakt eine Stunde nach Sonnenaufgang. Über die vielfach bewährten Molkeriegel hinausgehender Proviant ist sinnvoll - mit dem Alter wird man anscheinend anspruchsvoller, resp. weniger genügsam. Seis drum, Mehrkornbrötchen mit dickem Weichkäsebelag sind stets ein leckerer Snack, sodass ich beherzt beim SlowBaker unseres Vertrauens den Baumwollbeutel füllen lasse.

Mein Tagesplan sieht gemeinsame Zeit auf vier Rädern und einsame Zeit auf zwei Rädern vor. Nachdem ich die B 6 kurz vor Oschatz verlassen habe, widme ich mich einem weiteren Hörbuch - Ernest Hemingway: Der alte Mann und das Meer. Ob diese Wahl im Anschluss an Helmut Schmidt: Außer Dienst eine gute gewesen ist, werde ich bei etwa Kilometer 150 wissen. Am Vorabend schnell zusammengeklickt, stellt sich die neue Runde schon zu Beginn als durchaus anspruchsvoll dar. Meine Frühjahrsform ist nicht die schlechteste, trotzdem hauen die 100 hm auf 2,5 km am Collm schon spürbar in die Oberschenkel. "Verda***** Dr***, was soll das denn heute werden?!", sind noch die positivsten Gedanken, die mir durch den Kopf schwirren, während parallel der Fischer Santiago und sein junger Helfer Manolin vorgestellt werden. Obendrein hat der Wind klare Westtendenz, nix mit Süd. Fast bis Döbeln dauert es, bis ich meinen Rhythmus gefunden, den Zwang zur 3 auf dem Tacho abgelegt habe; schließlich soll am Ende dieses ersten 200ers im Jahr nicht das Bett sondern ein bewusst erlebter Abend stehen. Inklusive Lächeln.

Sonntag, 29. September 2013

Projekt 421,95

Ich gebs ja zu: Die Entscheidung fiel relativ spontan. Angedacht war an dem WE zwar eine längere Tour, aber am Samstag und dann auch nicht allein. Der Berlin-Marathon findet jedoch am Sonntag statt. Hmm, klarer Fall, leider. Nach einigen Stunden Baumpflege am Samstag, packe ich gegen 17.30 Uhr meine Sachen für die kommende Tagestour. Die Nachttemperaturen riechen bereits nach Winter, denn in Senken kann das Wasser stellenweise den Gefrierpunkt erreichen. Ergo werden lang-lang (nein, nicht der Pianist :-)) getragen, die Helmmütze aus dem Schrank gekramt und die langen Handschuhe angezogen. Zwischen 20.30 Uhr und 0.30 Uhr sammle ich ein paar Stunden Schlaf, dabei wissend, dass ich dank des leicht erhöhten Adrenalinpegels keinen Wecker nötig habe. 0.45 Uhr blicke ich zum ersten Mal in die sternenklare Nacht, es hat 4 °C.

Montag, 26. August 2013

Zwischen Schulanfang und Brückenfest

Der 18 Tage alte Mond wirft das Sonnenlicht auf die abgeernteten Weizenfelder ringsum und sorgt im Duett mit einem unverändert aus südöstlicher Richtung wehenden Wind für die optimale Rahmung des sich seinem Ende zuneigenden Radausflugs. Ich setze die Titelliste des Vormittags fort und lasse mich sowohl von der warmen Stimme in den Ohren als auch von der (kühleren) Luft im Rücken treiben. Die Gedanken gehen auf die Reise, die Kilometer verfliegen, die Müdigkeit spielt keine Hauptrolle mehr. Panta rei.

Die Würfel sind gefallen

Am Vorabend des vergangenen Samstags fällt die Entscheidung. Nachdem mir Wetterbericht und innere Stimme grünes Licht gegeben haben, beginne ich damit, das GPS mit den Streckenkoordinaten und den MP3-Player mit Grimms Märchen zu füllen. Richtig gelesen. Ein kurzer Exkurs als Babysitter hatte mich in die Rolle des Märchenonkels versetzt und dabei intolerable Wissenslücken zu Tage gefördert. Was liegt also näher, als diese Lücken Krater quasi im Vorbeifahren zu füllen? Da ich meinem Autarkiegrundsatz bezüglich fester Nahrung treu bleiben und die Kamera samt Stativ einpacken möchte, ist diesmal obendrein der Rucksack mit an Bord. Außerdem habe ich so Gelegenheit dazu, Beinlinge und Jacke problemlos verstauen zu können.

Dienstag, 2. April 2013

Ungewisse Gewissheiten

Neben dem Karsamstag bot der Ostermontag die "besten" Wetterbedingungen für eine Rennradeinheit an diesem langen Wochenende. Gegenwärtig bin ich ja schon froh, wenn es nicht schneit und die Straßen trocken sind. Temperaturen und Wind rangieren da erst an dritter bzw. vierter Stelle.

Das gestrige Programm sah 5 Stunden GA1, untermalt mit 3 Hügel- sowie 2 Flachlandintervallen vor.

Montag, 4. März 2013

Parallelwelten

Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie an Kenia denken? Safaris in der Masai Mara, Lodges, Victoriasee, Massai-Krieger, Rift Valley, Strände? Alles richtig, doch wichtige Punkte fehlen: Korruption, Auftragsmorde, Bürgerkrieg.

Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen haben in den letzten Monaten zu einer neuen Welle der Gewalt geführt, die von einflussreichen Politikern verstärkt wird. Die verschiedenen Lager ringen in diesem Land nicht vorrangig um die besten Konzepte, nein, sie Ringen um die Vorherrschaft der jeweils eigenen Ethnie.

Welche schockierenden Folgen das hat, konnte man am Samstag in einer eindrucksvollen Sendung im Deutschlandfunk hören:

Montag, 25. Juni 2012

Johannisrunde 2012

Der letzte Spargel des Jahres wird traditionell am Johannistag geerntet - genau drei Tage vor dem für die Wetterprognose der nächsten sieben Wochen (angeblich mit 70 %-Trefferwahrscheinlichkeit) seit Generationen so wichtigen Siebenschläfertag.

Ein Bis-7-Uhr-Schläfer war ich gestern auch, denn wir hatten uns von den kachelmannschen Auguren weismachen lassen, ab 14 Uhr potenziell von oben nass zu werden. Doch ungeachtet dessen hat ein relativ früher (oder relativ sehr später - je nachdem) Start weitere Vorzüge:

- es gibt jagdbare Konkurrenz auf den Straßen
- man braucht keine Beleuchtung
- man erkennt die Landschaft
- man wird nicht für komplett freaky und beziehungsbedürftig gehalten (nur zu 99,99999 %)
- man wird bei Tageslicht zu Tode gefahren und erleichtert dem Bestattungsunternehmen so die Suche

In Grimma fanden am vergangenen Wochenende übrigens die Deutschen Straßenradmeisterschaften statt. Die Elite der Herren begab sich am Sonntag ab 11 Uhr auf einen 10,4 km langen Rundkurs, der insgesamt 19-mal zu absolvieren war. Neunzehnmal die Kohlenstraße hinaufprügeln, neunzehnmal aus der Stadt heraus den Hohnstädter Berg erklimmen, achtunddreißigmal Schmerzen und Leiden.

Montag, 30. April 2012

Was geradelt werden muss

Warum warte ich, warte so lange,
auf offensichtlich tolle Pläne,
nach deren Umsetzung wir alle
als Sieger dastehen werden.

Es ist das schwere ererbte Leid,
das das von einem guten Geist beseelte
und zu guten Taten fähige Leben
in dunklen Momenten ganz nah an den Abgrund
zu führen im Stande ist.

Doch warum verbietet es sich,
jenes Leid beim Namen zu nennen,
in dessen Bannkreis Unbeteiligte zu geraten drohen
und bar jeder Kenntnis Gefahr laufen,
einen F r e u n d zu verlieren?


Vor dem Start: Papierkram


Oldschool


Der Chef persönlich
















Weil es Dinge gibt, die nicht mit Medikamenten,
nicht mit Wärme, nicht mit Gesprächen geheilt werden können.
Weil es Dinge gibt, die man bis zum Ende mit sich trägt.
Im schlimmsten Fall gibt man sie an neue Generationen weiter.
Ist es besser, keine neue Generation damit zu belasten?

Warum das viele Überlegen? Weil es der Optionen unendlich gibt.
Warum tut es sich das an, unter seinen Möglichkeiten zu bleiben,
kleiner zu wirken als es ist, langsamer zu fahren als es kann,
braver zu reden als es sollte, länger zu warten als es will?

Weil es nur in der Gruppe überleben,
nur so Energie sparen,
nur so das bekommen kannst,
was es sich am sehnlichsten wünschst.

Schloß Hartenfels in Torgau

Stopp in Schönewalde



Tauschen?

Lecker ... Croissants

Total im Nirgendwo

Bekehrungsversuche?













Und zugegeben: es ist eine Droge;
zudem ist zu hoffen, es mögen sich weitere ein Beispiel daran
nehmen und ihrerseits genau diesen Glücksmomenten nachjagen.

Aus zwei wurden schließlich fünf,
aus sechsunddreißig zweihundert,
aus drei wurden sechs,
und aus null wurden dreihundertfünf.

Wurzen, Schildau, Torgau, Prettin,
Jessen, Schönewalde, Schlieben, Uebigau,
Saxdorf, Mühlberg, Olganitz, Börln,
Falkenhain, Zschorna, Wurzen, Bennewitz.

Stempelsammler

Energiesammler

Kilometersammler

Lobsammler

Stylesammler

Umdrehungssammler














Schwule Pfarrer mit verwildertem Pfarrgarten,
schöne Dörfer mit klappernden Störchen,
erzwungene Stopps an Tankstellen im Nirgendwo,
gemeinsame Arbeit gegen den Wind.

Livetracking contra Privatsphäre,
Magenkrämpfe contra Führungsarbeit,
Oldscholl contra Mainstream,
Mia san mia contra Demut und Nachdenklichkeit,
Eis contra Knacker,
Molkeriegel contra Sandwich,
Moped contra Lutscher.



Zwangspause













Geschichten über das Leben und über den Stolz,
Geschichten über Kinder und über Frauen,
Geschichten über Fahrräder und über Häuser,
Geschichten über die Zukunft und über die Gegenwart.


Zurück in Wurzen














Abschied am Abend;
stille Momente im Schatten;
der Gesang der Vögel;
Heimfahrt in den Sonnenuntergang;
Intervalle, Brennen, Freude.

In diesen Momenten sind alle Sieger.




Mittwoch, 2. November 2011

Drei über Zwanzig

Hach ja, süß. So könnte ich den 30. Oktober diesen Jahres zusammenfassen - aber es bliebe dann leider auch vieles ungesagt. Und wer will schon in diesen Zeiten knapper Worte in den a-capella-Chor unserer politischen Vorbilder (Obama - UNESCO - Palästina; Berlusconi - Staatsdefizit - Italien; Papandreou - Volksentscheid - Griechenland) einstimmen?!

Geplant war eine Fahrt in die sächsische Landeshauptstadt schon länger, allein der Tritt in den Hin**** fehlte. Letzteren versetzte ich mir im übertragenen Sinne nun selbst, als ich unseren beiden Teammitgliedern (und Elbflorenz-locals) von einer Sightseeing-Tour mit Start und Ziel in ihrer Heimatstadt berichtete. Die Route hört auf den schönen Namen "Fünf über Zwanzig" und verspricht nicht weniger als 2200 hm auf 137 km. Die Jungs schluckten den Köder. :-)

Bei einer geplanten Fahrzeit von unter 4 Stunden starte ich an diesem Sonntag mit auf Winterzeit geändertem Tachometer meine 111 km lange Einrollphase um kurz nach 7 Uhr. Unspektakulär (wenn man von den vielen des Nachts überfahrenen Igeln einmal absehen mag - und auch deren Schicksal ist im Herbst leider unspektakulär zu nennen) rollt es über Colditz, Hartha, Döbeln und Nossen Wilsdruff entgegen.

Eine lebendige Demokratie
Im Örtchen mit den 3 Wildschweinen am Marktbrunnen wähle ich (zum ersten und letzten Mal!) die direkte Stadtpassage als Alternative zur Hauptstraße. Nur soviel: die Schnellspanner blieben zu.

Anschließend folgte die Abfahrt ins Elbtal durch die nach Dresden eingemeindeten Örtchen Roitzsch, Podemus, Merbitz und Kemnitz. Unten angelangt, folgt man am besten dem gut ausgebauten Elberadweg bis zum nun nur noch 5 Kilometer entfernten Terrassenufer.
Unser Treffpunkt an der Anlegestelle der Elberaddampfer war bei meinem Eintreffen um 11.02 Uhr bereits von M. okkupiert, U. und A. sollten wenig später folgen.



Der oben verlinkten Streckenbeschreibung ist zu entnehmen, dass es zunächst elbaufwärts bis zur Loschwitzer Brücke und nach deren Querung alsbald auf der Robert-Diez-Straße dem Himmel entgegen geht. Diese Umschreibung ist zutreffend, denn was da charmant als Masochistenkompott bezeichnet wird, hat es wirklich in sich. 600 Meter purer Spaß auf Kopfsteinpflaster der miesesten Sorte. Radlerherz, was willst du mehr?


Wir sollten im Tagesverlauf übrigens noch erfahren, ab wann man Pflaster mit solchen Gradienten nicht mehr befahren kann. Doch jetzt befanden wir uns noch am Anfang der Reise, nur 3 km von der langen Abfahrt zurück ins Tal entfernt. Warum fährt man ins Tal? Um gleich wieder aus diesem herauszukommen.

Sind Radfahrer nicht das fleischgewordene Pin-up aller Motivationsgurus? Hinfallen um aufzustehen, Einstecken um auszuteilen, Leiden um glücklich zu werden,...! Kurz nach zwölf an diesem Sonntag hatten wir andere Gedanken im Kopf. Kurzzeitig waren sogar die Pin-ups verschwunden. Apropos, kannibalische Gelüste verspürte keiner von uns, obwohl sicher nicht nur mir die Beine teilweise brannten. Mit derart friedvollen Gedanken im blutleeren Hirn ging es erneut hinab, diesmal über die Straße Am Pillnitzberg (Achtung: Querrinnen). Ein phantastischer Blick bietet sich dem Besucher, der an der alten Steinmauer über die Weinreben am Schloß Pillnitz hinweg auf das weite Elbtal blickt. Wir ernteten allerdings auch ein paar (bewundernde) Blicke der zahlreichen Sonntagsausflügler, als uns Wünschendorfer und Hochlandstraße - vorbei an eben jener Steinmauer - zum zweithöchsten Berg Dresdens, dem Borsberg (361 m NN), führten.

Jetzt schloss sich eine Passage mit weniger heftigen Anstiegen über das Schönfelder Hochland an. Eine dörflich geprägte Landschaft, die, obwohl zu Dresden gehörend, rein gar nichts mit dem Trubel einer Großstadt gemein hat. Vielmehr sind Felder und Wiesen unsere Begleiter als wir ab Eschdorf auf dem alten Bahndamm der Strecke Dürrröhrsdorf–Weißig nach Wünschendorf rollen. Ab Mühlsdorf hatten wir leider kein Wetterglück mehr, es fing an zu regnen, sodass der Transfer auf der des Wochenends stark befahrenen S 165 bis Hohnstein kein Genuss war.

Aus dem Polenztal geht es gemäßigt im oberen einstelligen Prozentbereich bergan zur Burg Hohnstein. Hat man diese (fast) erreicht, und steht nur noch eine Serpentine zwischen dem Radfahrer und dem Gipfel, macht der Streckenguide "piep", was nichts anderes bedeutet, als jetzt doch bitte die Kindereien sein zu lassen und gefälligst scharf links in den Schulberg abzubiegen. Jetzt sollte sich auch zeigen, ab welcher Steigung man auf feuchtem Kopfsteinpflaster nicht mehr vorankommt; 20% waren mit gelegentlich rutschendem Pneu gerade noch zu schaffen (39 x 28).

Burg Hohnstein

So, Teambriefing: Einer musste zum Zug nach Bad Schandau, die zwei anderen waren einer warmen Zugfahrt auch nicht abgeneigt. Ich entschied mich, ebenfalls mitzufahren und die noch ausstehenden zwei Zwanziger demnächst mit trockenen Füßen anzugehen.





Nach einer Heißen Schokolade im Bahnhof von Bad Schandau, dem Transfer bis zum gemeinsamen Ausgangspunkt und einer Eskorte von A. bis zur B 6 (Meissner Landstraße) mache ich mich gegen 16.15 Uhr an den Heimweg.


Auf gleicher Strecke wie am Morgen, mit guten Kräften, schwachem Gegenwind (max. 10 km/h) und nassen Füßen. Meine Wasser- und Nahrungsressourcen reichen für die gesamte Strecke und der flüchtige Gedanke, den Autarkievorsatz in Döbeln zu unterlaufen, wird erfolgreich in den Wind gepfiffen. Radfahren trainiert in erster Linie den Kopf.

Schloß Colditz
Hach ja, süß.

* 289 km
* 2850 hm
* 11:15 h Netto
* 13:15 h Brutto