Mittwoch, 17. Februar 2010

Platz eins

Thomas Bach wird es freuen, Deutschland aktuell auf Platz eins des olympischen Medaillenspiegels in Vancouver / Whistler zu sehen, äußerte er doch vor ein paar Tagen die Kampfansage: "Wir treten als Titelverteidiger an."

Das Lauf- und Schießtalent aus Wallgau bescherte gestern nicht nur dem Biathlon-Bundestrainer feuchte Augen (deshalb die große Sonnenbrille), nein, es nahm den Redakteuren der deutschen Sportseiten auch die Bilderauswahl für heute ab. Auch ich gratuliere "unserer" Lena selbstverständlich zu ihrer zweiten Olympiamedaille - weiter so in den nächsten Rennen! - denke aber bisweilen auch über den Rand des Rundkurses hinaus.

Der erste Biathlonverein wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in Norwegen gegründet, danach fand die Sportart den Weg aus den ursprünglich militärischen Fußstapfen hin zum Wettkampfsport auch für zivile Teilnehmer und in den Achtzigern dann in der Tschechei zum ersten internationalen Frauenwettkampf. Erst in jüngster Zeit erkannten Medien und Sponsoren den Vermarktungswert der Kombination aus Skilanglauf und Schießen, die heute sogar in deutschen Großstädten wie Düsseldorf und Gelsenkirchen mit enormem Aufwand zuschauerfreundlich veranstaltet wird.
"Das Gros der deutschen Aktiven kann nur deswegen in der Weltspitze mithalten, weil es sich von Verteidigungsminister Guttenberg mit "Stabsunteroffizier" anreden lassen muss."
(Martin Krauß, der freitag, Nr. 6/10, S. 1)
66% der deutschen Medaillengewinner bei den Spielen in Turin waren Sportsoldaten. Prinzipiell ein schöner Erfolg für die Bundesregierung, die das klare Ziel - die Mehrung des Ansehens der Bundesrepublik in der Welt - wohl auch heuer in Kanada wieder erreicht haben dürfte. Was, wenn die Regierung ihren gesamten Verteidigungshaushalt dem Sport widmen und keine Jets oder U-Boote mehr kaufen würde? Wenn dem so wäre, könnte man unbefangen stolz sein, einen Athlet mit dem Bundesadler auf dem Trikot als ersten die olympische Ziellinie überqueren zu sehen.

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