Dienstag, 16. Februar 2010

Gesund und krank

Wir haben es doch schon immer gewusst: Negative Gedanken, Depressionen, Neid und Streit machen krank. Evolutionär machte es durchaus Sinn, unter Stressbedingungen die Gerinnungsneigung des Blutes zu erhöhen, um bei möglichen Verletzungen nicht so schnell zu verbluten. Geht die vererbte Stressreaktion aber auf Alltagsbelastungen zurück, so - das zeigte eine Studie an 20.000 Briten - sterben depressive Menschen fast dreimal so häufig an Herzinfarkt wie gleichaltrige Nicht-Depressive.

Depressionen schädigen durch mit ihnen einhergehende erhöhte Kortisonspiegel das Skelett. Und auch Hauterkrankungen reagieren messbar auf Dis-Stress. Ein Ausweg sind harmonische Beziehungen (Partner werden seltener krank) ... und Haustiere. Die sind sogar gesünder für das Herz als der Partner. Na da kann bei 4 Katzen ja nichts schiefgehen.

Womit ich bei den Katholiken wäre. Nein, die halten nicht die meisten Katzen, (er)halten aber momentan die meisten Prügel.

Fest steht, dass es der katholischen Kirche nicht gelungen ist, mit der gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung Schritt zu halten. Ein Verharren in überkommenen Ansichten, ein Verdrängen wissenschaftlicher Erkenntnisse, die Angst, an Einfluss zu verlieren, führen gewiss nicht zu einem Mitgliederzuwachs. Der "Glaube", Homosexualität und Triebstau prokastinieren zu können, ist zum Irrglaube geworden - mit schlimmen Folgen für unschuldige Beteiligte.

Die Bischofskonferenz wird sich ab kommender Woche mit der Thematik des sexuellen Mißbrauchs in den eigenen Reihen beschäftigen. Die jungen Jesuitenschüler betrachteten - wie alle Menschen dies tun sollten - das Recht auf sexuelles Glück als Teil des menschlichen Glücks ... und wurden eines besseren belehrt. Schreiben die Regeln der eigenen Gemeinschaft vor, enthaltsam zu sein und sich (eine Empfehlung Benedikt XVI.) ein Beispiel am heiligen Dominik zu nehmen und "das Leben ganz dem Gebet und dem Lernen zu widmen" so kommt es unausweichlich zu Stress.

Okay, es kommt bei 99,99999996% der Menschheit zu Stress. Der Rest wird Papst.
"Wenn man von Amts wegen zu einem Leben ohne Frau und Kinder gezwungen wird, ist das Risiko groß, dass eine gesunde Integration der Sexualität misslingt, was beispielsweise zu pädophilen Akten führen kann. [...] Zu wünschen wäre neben der römischen Glaubenskongregation eine römische Liebeskongregation, die jeden Erlass der Kurie überprüft, ob er der christlichen Liebe entspricht."
(Hans Küng, Lehrerlaubnis vom Vatikan entzogen, 2005 im SPIEGEL)
Lösungsansätze? Das Zölibat überdenken; Homosexualität als angeboren akzeptieren und offen anerkennen; Probleme im Gespräch mit der Gesellschaft und nicht innerhalb per Inquisition (pardon, Glaubenskongregation) "klären"; die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse nicht behindern; den Menschen ein moralisches Vorbild sein (hat das schon einmal funktioniert?). Letzter Punkt: Endlich den Mensch als Mensch sehen.

Und solange die Lösungen noch ihrer Umsetzung harren, schickt man die eigenen Kinder nicht unbedingt auf ein kirchliches Internat. Ausnahmen dürfen natürlich gemacht werden.

Lesenswert: Eine Polemik über unsere Mehrwegmoral. (editiert am 27.03.10)

Edit (16.02.2010, 21.13 Uhr):
Ein Zitat wurde entfernt, um einen unerwünschten Bezug zwischen dessen Urheber und der Thematik des Posts zu beheben.

1 Kommentar:

ed2murrow hat gesagt…

Mein lieber Schieber,
1. bin ich kein Katholik,
2. wie jeder aufgeklärte Mensch mir meiner physischen Vergänglichkeit bewußt,
3. diene ich nicht als moralisches Vorbild, sondern bestenfalls als abschreckendes Beispiel und
4. verfügen Sie über eine Portion sonderbar schrägen Humors, das alles unter Ihr Zeugs subsumieren zu wollen.

Das nächste Mal ein besseres Subjekt für Ihre freie Zitatenwahl aussuchen, meine Empfehlung.
e2m