Mittwoch, 8. September 2010

Schwarzweißbunt

Die ARD hatte angeblich "exklusiven Zugang" zu einem KSK-Eingangstest "irgendwo im Süden Deutschlands" erhalten. Was der interessierte Zuschauer dann in einer zeitlich auf das Allerkleinste zusammengeschnittenen 30-min-Reportage zu sehen bekam, war jedoch alles andere als exklusiv. Leider.

Sich körperlich verausgabende Soldaten beim Marschieren oder durch-den-See-schwimmen zu beobachten hat - pardon - wenig neues im Inhalt. Okay, der Zuschauer lernt, dass nur wer den eigenen Körper überwinden auch ein guter KSK-Soldat sein kann. Aha.
Nach einer simulierten Geiselnahme (das interessanteste durfte natürlich nicht gezeigt werden) ging es im Marschtempo zurück in die Kaserne in Calw, wo noch ein weiterer Test wartete. Diesmal galt es, mit Stift und Zettel die verbliebene Konzentrationsfähigkeit nachzuweisen. Punkt.

Von 50 Bewerbern hatten es bei Kamerabegleitung (ob die motivierend wirkte?) am Ende des einwöchigen Tests 15 Soldaten (das liegt nach Auskunft über dem Durchschnitt) geschafft. Ihnen steht die Tür zur 2-jährigen Ausbildung zum Kommando-Soldaten offen.
Mir schoss immer wieder eine Frage durch den Kopf (das Bild musste sein) und allzu gern würde ich sie diesem Menschen persönlich stellen. "Sie haben ein abgeschlossenes Medizinstudium. Sie beginnen nun ihre Ausbildung zum Elite-Soldaten. Welche Moral treibt Sie jeden Tag aus dem Bett?"

Bin ich der einzige, der hier etwas extrem gegen den Strich Gebürstetes wahrnimmt? Oder bin ich bloß der letzte, der das bemerkt? Warum lernt jemand, Menschenleben zu retten, um danach zu lernen, Menschenleben zu beenden? Okay, er könnte im Saniteam des KSK unterkommen. Er könnte dann nach seinem Ausscheiden aus dem KSK - irgendwann in seinen 40ern (sofern er keine Führungsambitionen verspürt) - eine Allgemeinarztpraxis auf dem Land aufmachen. "Guten Tag Herr Doktor. Waren Sie schon mal in Afrika? Ein tolles Land." "Ja, schon mehrfach. Was macht das Rheuma?"

Ist es menschliche Neugier, das Bestreben gar, alle Facetten unserer Natur auszuleben? Wollen Sie sich selbst etwas beweisen, auf mehreren Feldern (also nicht nur dem gesellschaftlichen) zur "Elite" gehören? Ihrem Land einen Dienst erweisen? Sie haben sich das noch nie gefragt? Dann wird es höchste Zeit!
Sehr geehrter Herr X, wenn Sie sich angesprochen fühlen: Einfach auf das "Briefkasten-Bild" oben rechts klicken und antworten. Dankeschön.

Teil des Vereidigungszeremoniells ist ein Besuch in einer kleinen Kirche. Da sitzen sie und singen Lieder. Was für eine ambivalente Welt. Hans-Christoph Ammon (Kommandeur des KSK bis Herbst 2010) spricht den Neumitgliedern der Truppe am Ende Mut zu. Sie sind Teil einer Elite und deshalb verpflichtet, mehr zu leisten als andere. Sie sind auch verpflichtet, mehr Risiken einzugehen als andere. Das Rüstzeug dafür haben sie bekommen. Das Testament haben die meisten auch schon zu Hause hinterlegt.

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