Sonntag, 5. September 2010

Gruppentraining ohne Gruppe

Der ursprüngliche Plan für den heutigen Sonntag sah eine Tour nach Bad Schandau vor. Da aber das gestrige konspirative Treffen am Abend doch etwas länger dauerte, wurde dem anschließenden Schlafbedürfnis stattgegeben und in spätsommerlicher Sonne nur eine kleine Runde absolviert.
So rolle ich also im 30er-Reisetempo meine ersten Kilometer, als der Blick aufgrund eines anstehenden Überholmanövers sinnvollerweise über die Schulter gelenkt wird. F***!
100 m entfernt kommt ein Rennrad. Ziemlich schnell.
Na toll, aus die Maus, Ende des chillouts, Beginn der Arbeit.
Erstmal langsam auf 35 hochkurbeln (eine 115er TF erweist sich als optimal im Duett von Belastung und Speed), hinter dem nächsten Ortsschild verschämt gucken.

Ich gucke nicht, fahre weiter bis zur nächsten Ampel. Eine rote Ampel ist eine grüne Ampel ist eine gute Ampel. 5 hm hinauf, über die Bahn, hinein in die Ortschaft.
So, niemand zu sehen. Puls unter 180 absenken, Riegel einwerfen und etwas trinken.
Am Ortsausgang und hinter einem Feld biege ich rechts ab in Richtung SW mit freiem Blick auf das Ortsausgangsschild. Nichts. Nicht lange. Ich stelle fest: Da hat sich jemand ein Ziel gesetzt. Oder besser: Da haben sich zwei zwei Ziele gesetzt.

Das Spiel geht weiter. Spiel? Heh, das hier ist die Beschreibung der menschlichen Natur in Reinstform, mit Schweißperlen auf der Stirn und einem verdammten Tunnelblick, fest auf das zu erlegende Mammut gerichtet. Klar soweit?! Will ich hoffen.
Wo war ich stehengeblieben. Hm, falsche Metapher. Ganz falsche Metapher.
Andere Saiten werden angeschlagen, der Tacho klettert öfter über die 40, der Pulsmesser ist noch nicht ausgestiegen. 6 Kilometer bis zum nächsten Nest. Wird der Abstand größer? Schwer zu sagen, ich seh ihn (ich bin der festen Überzeugung, dass das ein Mann war :)) noch, also reicht der Abstand nicht aus. Unterlenker, Tachoblick, das beginnende Ziehen in den Waden ignorieren. Nächstes Ortsschild, nochmal alles geben, umschauen. Ein kleiner Punkt ist da draußen. Das reicht. Das muss reichen.

Die restlichen 60 Kilometer blieb ich im Jagdmodus, behielt den Schnitt tunlichst über 30, konnte meine 3 Testhügel aber nicht mit neuen Bestzeiten versehen. Allein, es spielte keine Rolle mehr, denn das Reh hat sich gesund in den heimischen Wald retten können. Oder wars der Neandertaler?

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Ach, ihr Männer. Man könnte ja auch zusammen fahren, stattdessen fährt man zusammen im 100 Meter-Abstand und hofft diesen Zustand so lange wie möglich aufrecht halten zu können :-).
Das Wetter war ja ziemlich bombastisch :-). Ich war etwa gegen 6 im Bett und um 9 hat mich meine Mutter netterweise geweckt.
Das passt jetzt zwar nicht zu Radtraining, aber deine Bilder im Blog sind echt spitze. Du hast ein gutes Auge für schöne Motive und offenbar auch noch ein ruhiges Händchen.
LG Elisa