Sonntag, 16. Januar 2011

Erste Winterrunde 2011

Das Jahr

In einem Lande möcht’ ich wohnen,
Wo der Natur gesetzter Zwang
Hinwandeln läßt durch glüh’nde Zonen
Des Jahres unverrückten Gang;
Wo nach des Winters Regengüssen
Ein langer fester Sommer kommt
Und auch die Menschen fühlen müssen,
Dass nicht ein wirrer Wechsel frommt.

Und wäre das mir nicht beschieden,
So möcht’ ich wohnen an dem Pol,
Wo eines tiefen Winters Frieden
Ich mir ließ auch gefallen wohl;
Da muss des Menschen Geist versenken
Sich können in des Daseins Schacht
Und still sich nach den Sternen lenken
In ewig heller Winternacht.

Unselig ist der Mitte Schwanken,
Dem hier wir unterworfen sind,
Wo Stunden wechseln wie Gedanken
Und die Gedanken wie der Wind;
Wo keine ruhige Entfaltung
Erlaubt des Jahrlaufs wilde Hast
Und in verworrner Welthaushaltung
Mensch und Natur hat nirgends Rast.

(Friedrich Rückert)

Die Schneemassen sind vorerst verschwunden, das Hochwasser hat sogleich nach den Berichten über Streusalzknappheit einen wahrhaft effektvollen Übergang von einem Extrem zum nächsten geschaffen und mit über 10°C wurde an diesem Wochenende ein erster Blick in Richtung Frühling gewagt.

Dem Gesang der Meisen im Garten zufolge konnte dieser heute nicht weit sein - ein Grund mehr, um erstmalig im neuen Jahr meine heimlichen Lieblingsplätze im Muldental aufzusuchen. Ein Track mit Namen "Hügelspielchen" diente mir dabei als ausbaufähige Vorlage für eine kleine Sonntagsrunde.

12 Uhr gings los und angeschoben von einem netten SW war auch sobald die erste Gruppe Gleichgesinnter getroffen.


Immer wieder unheimlich: Auf 200 Meter ist das Geschlecht der sich vor einem bewegenden Personen auszumachen. Bei näherer Betrachtung war die weiße Scott-Radhose dann allerdings deutlich attraktiver, noch dazu abgesprengt vom weiter vorn rollenden Feld so ganz allein. Hilft ja nix, ein Wolf muss jagen und so rollte er weiter auf seinem Track gen Osten (nein, es gibt kein Foto).

Der an dieser Stelle seit 3 Kilometern sich (Vereinigte) Mulde nennende Fluß bot eine überflutete Aue und - wer ein Auge dafür hat - nette Bilder in unmittelbarer Nähe:

Bei Kössern
Hinter dem Thümmlitzwald sind es nur noch 5 km bis Polkenberg ... und 45 hm auf 400 m später keine 2 km mehr bis Leisnig. Im Tal der Freiberger Mulde erreiche ich später Wendishain, einen Ort, der - wie soll ich sagen - wie aus der Zeit gefallen scheint. Zwei Häuser am Straßenrand erwecken den Eindruck, Teile der oberen Zehntausend haben sich (mit einer Vorliebe für asiatische Gartengestaltung) hier einen Ruhepol geschaffen; das auf der Straße entlangschlendernde Seniorenpaar jenen der Landidylle in Reinform. Herrlich.

Die folgenden Aufnahmen entstanden 2,5 km hinter Wendishain, kurz vor der Ortschaft Westewitz:

Freiberger Mulde bei Westewitz
An der Freiberger Mulde
Man kann sich vorstellen, dass 10-Minuten-auf-dem-Radweg-knien-wegen-Fotomanie dem geschlossenen Vorankommen einer Radgruppe eher abdienlich ist. Deswegen fahre ich bevorzugt allein, denn wenn ich mich für ein Motiv entschieden habe, muss es mitgenommen werden. Zwei Wasserpassagen (so etwa bis zum Schaltauge) hinter diesem Spot konnte ich die nächste Idee leider nicht umsetzen, da das Wasser just an jener Stelle fehlte. Mist!

Einmal rund um Döbeln und dann ab nach Waldheim. Schon im Tal der Striegis war es wie im Eiskeller (dabei hatte ich mich mit kurzem Trikot und Radjacke doch winterlich gekleidet) und die kurzen Hosen mussten mit Beinlingen verlängert werden. Aber jetzt in Waldheim spürte ich die Zehen kaum noch und um wenigstens die Finger zu behalten wurden flott die kurzen gegen die langen Handschuhe getauscht.

Und nun? Kurz vor Sonnenuntergang, meine "ausbaufähige Vorlage" lag ausgebaut vor mir und lud sogleich zum Kriebsteinbesuch ein. Nö. Mir ist kalt, ich hab Hunger und will heim. Also ab nach Hartha und der B 176 bis Bad Lausick folgen. So kann man auf dieser Strecke übrigens auch aussehen:


Kurz vor dem Heimathafen streckt mich fast noch ein Sprung Rehe nieder - sie wechseln von rechts nach links das Feld (keine 30er-Zone) und verfehlen mich um knappe 5 Meter. Aber nein, geträumt hab ich nicht. Oder doch? Von was? Ich sag es euch, sobald ich es weiß.

Tourdaten:

* 158 km
* 1438 hm
* 6:02 h Netto
* 7:34 h Brutto

Das war übrigens der Tag in Laucha:

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