Sonntag, 27. Februar 2011

Nomaden der Lüfte

Wie soll man es nennen, wenn die Telefonnummer schon fast gewählt ist und im gleichen Augenblick eben jene Telefonnummer anruft? Zwei Süchtige, ein Gedanke - so in etwa.

Der gestrige Samstag begann mit einer Baumfällaktion, bevor sich das dafür gesetzlich reservierte Fenster wieder bis zum Herbst schließt. Meine Gedanken waren allerdings schon auf der Autobahn, unterwegs nach Thüringen. Körper und Gleitschirm folgten ab 12 Uhr zusammen mit dem Anrufer vom Vortag.

Die Wetterprognose war ziemlich klar und verhieß in der Kurzzusammenfassung airtime bis zum Abend. Bei 7-8 kt SO und über 8 h Sonnenschein können sich an un- oder wenigbewachsenen Südhängen in unseren Breiten bereits im Februar erste brauchbare Thermiken entwickeln. Diese Theorie zu bestätigen war unser Antrieb.

Mit S. im Schlepptau (wen man nicht so alles auf der Autobahn überholt) ging es jedoch zuerst an einen bewachsenen und deutlich flacheren (als der oben gemeinte) Südhang bei Wichmar. Der Jenzig würde noch "hacken" verlautete es aus Kennermund. Unsere Intuition hatte beim Anblick der eher müde wirkenden Windräder unterwegs zwar nicht gerade das Gefühl der Zustimmung geweckt, dennoch verließen wir uns auf den local und änderten die Fahrtroute.


Noch 5 Kilometer bevor ich dieses Bild aufgenommen habe, sahen wir zwei Schirme mächtig hoch über dem Wald fliegen. Die Begrüßung von C. fiel dementsprechend knapp aus: "I was highest!" Ach halt doch deine Kl****! Man mag sich, gönnt seinen Freunden jeden Erfolg. ;-)

Naja, und wie es das Bild schon zeigt: Als wir ausgepackt hatten, hatte der Wind eingepackt. Ein Abgleiterli musste zur Lockerung der Flugmuskulatur ausreichen, bevor es - dem ursprünglichen Plan folgend - weiter zum Jenzig ging.

Die Luft war bereits bunt als wir eintrafen und so wurde gemeinsam mit den Berlinern der kurze Aufstieg angegangen. Ein 8-h-Spinningmarathon? "Also zu sowas müsste man mich mit Geschenken locken", waren die Gedanken des Autors als er von M.s Unternehmungen erfuhr.

Oben angekommen wurden - wir sind doch vorbereitet - die Oberklamotten gewechselt und sich startfertig gemacht. Ein dezenter O-Einschlag ist für Piloten die sicher starten können kein Problem. Mir bereitete er am Startplatz aber doch etwas Kopfzerbrechen, zumal die Bäume zwischenzeitlich arg rauschten; Ich habe mit diesem Hügel bisher gute Erfahrungen gemacht und das soll bitteschön so bleiben. 15 Minuten (und zwei sichere Starts neben mir) später hatte ich mich dann schließlich im Fokus. Langsam aufziehen, unterlaufen, ausdrehen, Gewicht nach vorn, abheben. Geschafft.

Videosession von H.



Thermik, viele Piloten, zuverlässiges Steigen, traumhaftes Wetter, ... kommt einfach vorbei und lernt das Fliegen. Denn ich kann diese Erfahrung leider nicht treffend mit Worten beschreiben.







Zum De-Briefing haben wir uns in der nahen Kneipe "Deutsche Eiche" eingefunden. Nomen est omen? Nein, keine Nazis am Start. Dafür aber ein Bildband über die Dolomiten auf dem Fensterbrett, eine sehr interessierte Wirtin ("So viele hab ich hier noch nie fliegen gesehen. [...] Wo kommen die alle her? [...] Woher wissen die, dass der Wind nicht zu stark ist? [...]") und eine fixe Küchencrew. Unser Tisch war gut gefüllt, 12,5%iger Frauenanteil - ausbaufähig, es gab wieder Heldengeschichten vom feinsten zu hören und durchaus hanebüchene Anekdoten.

Der Abschlussspruch gebührt aber C., denn niemand kann Männergedanken so perfekt codiert übermitteln: "Gute Nacht Jungs, ich werd jetzt nochmal über die..."

1 Kommentar:

zappa hat gesagt…

ohne Stau wäre die Mutti noch fröhlicher gewesen ;)