Montag, 21. Februar 2011

Für die Freiheit sterben

Moin. Es stellt sich heute die Frage, was geil ist. Ist es geil, ein Adliger zu sein und solche Bilder von sich zu veröffentlichen?

http://tinyurl.com/Guttenbergsdino
Oder ist es geil, "als junger Familienvater in mühevollster Kleinarbeit" eine Dissertation anzufertigen (das bleibt erstmal so stehen), die einen persönlich zwar nicht weiterbringt, wohl aber den begehrten Titel (den nichtangeborenen) einbringt?

Ich sag es euch: Das ist weder geil noch wichtig, noch verdient es, Thema einer (dachte ich zumindest bis dato) führenden Polittalkrunde im Ersten Deutschen Fernsehen zu werden.

Wurde es aber. Gestern Abend bei Anne Will. Mich hat nur ein Statement interessiert - nämlich jenes von Prof. Dr. Dr. Karl Lauterbach. Es war vernichtend und irgendwie ... so in seiner Nüchternheit ... geil.

Ein feiner Kommentar ohne Kommentar zum Thema: "Promovieren heißt Entbehren".

Schluß mit lustig und von Schaumschlägern hin zu Scharfschützen.

Nordafrika gehört zu den Regionen der Welt, die von unseren westlich geprägten Demokratien und dem dort herrschenden Lebensstandard bei weitem nicht nur durch die Distanz des Mittelmeeres oder des Atlantiks getrennt sind. All die Umbrüche, die beispielsweise Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs überstehen musste, sind an Libyen spurlos vorübergegangen.

Nach kurzer Monarchie von 1951 bis 1969 steht Libyen unter der Herrschaft des ewigen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi. Und der wird vom Westen protegiert wie alle Machthaber im Nahen Osten. Mit einer Einschränkung: Protegiert, wie alle Machthaber im Nahen Osten mit Ressourcenzugriff und dem Wunsch nach Absatzmärkten. Man fragt sich schon, woher der Gesinnungswandel der USA rührte, 20 Jahre nach einem Bombardement den Staat von der Liste der "Schurkenstaaten" zu streichen und wieder diplomatische Beziehungen aufzunehmen.

Libyen kam dieser Entscheidung jedenfalls mit der Streichung seines Massenvernichtungswaffenprogramms sowie mit dem artikulierten Willen zu ökonomischen Reformen entgegen. Die Reaktion des Westens war abzusehen, vermutete sie doch, hinter dem fetten Finger gleich den ganzen Arm umfassen zu können.

Gaddafi spielt seitdem Katz und Maus (wobei er meist die Rolle des Jägers innehat), lässt sich etwa vom französischen Präsidenten hofieren (kauft dafür ein paar Airbuse und Atomkraftwerke und gewährt Zugang zu den Ölquellen), schüttelte Schröder die Hand, Barroso und Berlusconi sowieso.

Was erwarte ich von der Politik? Ich erwarte das Ende der Lamentos. In den Hauptnachrichtensendungen laufen Youtube-Schnipsel von öffentlichen Massakern auf libyschen Straßen und im Anschluss berichtet man über den Sieg von Tatjana Hüfner beim Rennrodelweltcup. Kranke Welt. Wir schauen zu, sind kurz bedrückt und freuen uns auf den Tatort. Unseren Volksvertretern obliegt das Handeln. Wer Diktaturen unterstützt, soll bitte auch offen dazu stehen und sich nicht hinter fadenscheinigen Argumenten der Kategorien "Ressourcensicherheit, Stabilität in der Region, diplomatischer Diskurs, keine Einmischung in innere Angelegenheiten" verschanzen.

Europa hätte schon vor einigen Jahren mit klarer Stimme sprechen und beispielsweise das Flüchtlingsproblem (das Wort klingt fürchterlich) nicht auf Italien oder Spanien abwälzen sollen. Selbstverständlich kann Italien nicht allein für die Bewältigung des täglich fortdauernden Flüchtlingsstroms verantwortlich gemacht werden. Aber das wird es und das ist falsch! Hätte Europa eine Stimme (was es ja in keiner Angelegenheit hat) für seine Außenpolitik, dann gäbe es längst Regelungen für das faire (gemeinsame!) Verfahren der Mitgliedsstaaten gegenüber dem Flüchtlingsproblem.

A. Merkel hat Recht, indem sie für eine Unterstützung der heimischen afrikanischen Wirtschaften plädiert und damit das Problem an der Wurzel und nicht am kranken Ast anzupacken versucht. Nur brauchen wirtschaftliche Veränderungen viel Zeit. Zeit, die die gestern Abend in die Boote Gestiegenen nicht haben.

Die Strategie des Wandels durch Annäherung ist in den meisten autoritären Staaten schon lange gescheitert. Es wird Zeit für neue Wege!

Ein Gaddafi-Zitat aus seinem Grünen Buch, Teil 1 The solution of the problem of democracy, S. 8:
"The parliament is either elected from constituencies or a party or a coalition of parties, or is formed by some method of appointment. But all these procedures are undemocratic, for dividing the population into constituencies means that one member of parliament represents thousands, hundreds of thousands or millions of people, depending on the size of population. It also means that the member keeps no popular organisational link with the electors since he, like other members, is looked upon as a representative of the whole people. This is what the prevailing traditional democracy requires. The masses, therefore, are completely isolated from the representative and he, in turn, is totally separated from them. For immediately after winning their votes he himself usurps their sovereignty and acts instead of them."
Die Menschen und ihre Träume. Lasst sie endlich aufwachen!

Sicher interessiert meine weibliche Leserschaft auch die Meinung Gaddafis zu Frauen. Nun, ich verschwinde an dieser Stelle schon mal ganz unauffällig. Tschüssi.

Aus seinem Grünen Buch, Teil 3 The social basis of the third universal theory, S. 32ff:

"The woman, whose nature has assigned to her a natural role different from that of man, must be in an appropriate position to perform her natural role. Motherhood is the female's function, not the male's. [...] Among suitable and even essential conditions which enable the woman to perform her natural role, which differs from that of man, are those very conditions which are proper to a human being who is sick and burdened with pregnancy, i.e. bearing another human being in her womb, which renders her physically incapacitated. [...] To demand equality between man and woman in carrying heavy weights while the woman is pregnant is unjust and cruel. To demand equality between them in fasting and hardship, while she is breast-feeding, is unjust and cruel. To demand equality between them in any dirty work, which stains her beauty and detracts from her femininity, is unjust and cruel. Education that leads to work unsuitable for her nature is unjust and cruel as well.

There is no difference between man and woman in all that concerns humanity. None of them can marry the other against his or her will, or divorce without a just trial. Neither the woman nor the man can remarry without a previous agreement on divorce. The woman is the owner of the house because it is one of the suitable and necessary conditions for a woman who menstruates, conceives, and cares for her children."

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