Montag, 20. Juni 2011

Windbeutel

Obwohl das Regenradar gestern starke Ähnlichkeit mit Jackson Pollock-Werken aufwies und obwohl es zeitlich eh nur eine Mini-Sonntagsrunde werden konnte und obw... - shut up! -, schwang ich mich um die Mittagszeit kurzentschlossen in den Sattel.

Weil schon um 15 Uhr ein "Netzwerk-Kuchenbesuch" auf dem Tableau stand, konnte zwar meine No.-1-Runde nicht absolviert, sollte aber zumindest versuchsweise die gleiche Richtung eingeschlagen werden. So folgte ich auf noch nassen Straßen und bei formidablem Sonnenschein der sich nun weiter östlich abregnenden Zelle - unterbrochen von einem beherzten Sprung in ein Feld mit Sommergerste:




Feinster Westwind ging mit schnell trocknenden Straßen und schnell rotierenden Laufrädern einher, während die Cb's des öfteren zu einer Vollbremsung und einem schnell klickenden Kameraauslöser verführten. Keine Frage, das war ein Tag für Hügelspiele im Muldental - wenn man zeitig gestartet wäre. So aber rollte ich (etliche Stunden später als bei den letzten Besuchen in diesem Dörfchen) erneut durch Bernbruch und bog dann ab, dem Wegweiser nach Kleinbardau folgend.

Kurz vor dem Tor zum Muldental (Großbothen) gab es erst eine Straßensperrung, dann Smalltalk mit einem Feuerwehrmann und schließlich einen original Dorfumzug wie aus dem Bilderbuch mit allem drum und dran. Tja, wo soll man da anfangen; Na vielleicht mit dem Papa neben mir.

Er sammelte so ziemlich jedes geworfene Bonbon der Umzugsteilnehmer vom Straßenrand auf und ließ - Autos haben ja eine Bremse - die zwei Kids den ihrigen Anteil beisteuern. Eine sanft um, nein, über den Kopf gehaltene Hand hält in Straßenmitte jede Gefahr vom Leibe. Niedlich.
Na okay, jetzt fragt sich so mancher Leser möglicherweise erneut: "Was soll der Scheiß bloß wieder. Denkt der etwa, er ist von nem anderen Stern und was besonderes?!"
Anderer Stern? Was besonderes? Ich? Bullshit! Liebe Leute, alles was ich will, ist ein besseres Verständnis für unser menschliches Zusammenleben (BTW: lesenswert - eine spannende Frau obendrein und übrigens die Partnerin von Anne Will) und Miteinander zu entwickeln; Dinge zu hinterfragen; Rituale, nicht bloß des Rituals willen mitzumachen; Stattdessen zu versuchen, hinter die Kulissen zu steigen und durch genaue Beobachtung den Sinn des einen, die versteckte Hebelwirkung des anderen zu erkennen.



Vorbei marschierten alle Teile des Gemeindelebens, darunter dieser Wagen, der incl. fotodokumentarischer Zeitleiste den Bau eines Volleyballfeldes in Erinnerung rief:


Dann kamen die üblichen Vereine und ... natürlich ... die Feuerwehr. Die Freiwillige Feuerwehr ist ein ganz eigenes Kapitel einer jeden deutschen Gemeinde. Zum einen ist sie nämlich meist finanziell besser ausgestattet als andere kommunale Einrichtungen und zum anderen mischt sie einfach überall mit. Drum merke: Wer in seiner Gemeinde etwas bewegen und verändern will, kommt um die Freiwillige Feuerwehr nicht herum. Schenk den Jungs ein Faß Bier und du bekommst fast alle Hilfe (die besten Kontakte zu allen wichtigen Personen inklusive) die du benötigst. It's that simple.



Den krönenden Abschluss einer jeden 'Quotenregelung in Führungsetagen - Ja oder Nein?' - Debatte boten diese Bilder:



Unschwer zu erkennen ist der im Sulky sitzende Mann, selbstverständlich in Bildmitte. Aber das ist bloß die Oberfläche. Denn schaut man genauer hin, erkennt man seine, die des Mannes, wahre Funktion: Die Zügel halten - aber nicht lenken. Lenken tun die Frauen, sogar schon im Grundschulalter, während die Männer in ihrer scheinbar tradierten "Rolle" belassen werden. Das hier sind Bilder mit Aussagekraft, die, schaut man über den Horizont des nächsten Gartenzauns, peu à peu in Umsetzung befindlich sind. Die Chefs dreier Leipziger Universitäten? Frauen. Wer sitzt im Kanzler...falsches Beispiel. Sorry. IWF? Eine Frau. Film- und Showbizgrößen? Frauen. Deutsche Polittalks mit Reichweite? Frauen. Einfluss in der Presse- Literaturlandschaft? Furtwängler, Heidenreich, Schwarzer,...

Also schnell weg?


Um Himmels willen, natürlich nicht! Unsere Gesellschaft hat noch einen weiten Weg vor sich - und ich werde weiter beobachten.


85 km | 2:50 h

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