Donnerstag, 6. September 2012

Der Sternenhimmel im September

+++Die von mir für die jeweilige Jahreszeit vorgestellten sichtbaren Sternbilder, ihre Position am Himmel sowie Angaben zu Mond, Planeten und Sonne beziehen sich - sofern nicht anders angegeben - auf einen Beobachterstandort von 51° Nord und 12° Ost.

Als Unterstützung beim schnelleren Auffinden der Sternbilder empfehle ich den Kauf eines kleinen Himmelsführers mit beigefügter drehbarer Sternkarte. Dieses praktische Hilfsmittel misst meist nicht mehr als 10 cm im Durchmesser und findet Platz in jeder Jacken- oder Handtasche.+++

Der mitteleuropäische Sternenhimmel in der ersten Septemberhälfte um 22 Uhr
[Link zur Generierung von Sternkarten für das ganze Jahr]

[Der Sternenhimmel im ... 2012]

Die Astronomie-Software Stellarium

Vor meiner monatlichen Reise über den Sternenhimmel möchte ich ein sehr gutes Programm für an der Astronomie Interessierte vorstellen.

Stellarium ist Open Source und bringt den Himmel auf den eigenen Rechner. Die Software simuliert den Anblick des Sternenhimmels für jeden beliebigen Ort auf der Erde zu jeder beliebigen Zeit. Man hat ferner die Möglichkeit, sich verschiedene Koordinatensysteme als Orientierungshilfe einblenden zu lassen sowie zwischen unterschiedlichen Projektionsarten zu wechseln.

Linien zeigen bei Bedarf Äquator, Ekliptik und Meridian ebenso wie die Sternbilder. Letztere können obendrein in Bildform ihres Namens - also der Wassermann als Wassermann usw. - eingeblendet werden und helfen dadurch besonders dem Einsteiger dabei, schnelle Erfolge bei der nächtlichen Orientierung in den unendlichen Weiten zu erzielen.

Man kann sich astronomische Objekte wie Nebel und Planeten anzeigen lassen und dann beispielsweise im Zeitraffer oder in Echtzeit deren scheinbaren Lauf am Himmel verfolgen.

Man kann nach Objekten suchen, man kann den Mondaufgang in Kathmandu beobachten, man kann das Kreuz des Südens in der Antarktis sehen. Man kann aber auch die Erde verlassen und den Himmelsanblick von einem anderen Standort als der Erde aus simulieren. Etwa von der Sonne, dem Mond, allen Planeten und zahlreichen Monden des Sonnensystems aus, man kann... schaut es euch am besten selbst an. Es lohnt sich!

[Die gezeigten Bilder sind allesamt Screenshots aus Stellarium.
Man findet in jedem Bild unten eine Statusleiste mit Beobachterstandort, Blickrichtung, Datum und Uhrzeit.]

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Am Sternenhimmel ist Spätsommer - noch prägen die Sommersternbilder das abendliche Himmelszelt - aber das Sommerdreieck hat sich schon weiter gen W verschoben.

Tief im S finden wir jetzt das "Südliche Tor der Sonne" - ein Trivialname für den Steinbock, der daran erinnert, dass sich in diesem Sternbild einst der Winterpunkt befand. Daher kommt übrigens auch der Name "Wendekreis des Steinbocks".

[Wendekreise werden die beiden um 23° 27' nördlich sowie südlich vom Äquator entfernten Kleinkreise der Himmelssphäre genannt, an denen die Sonne ihre scheinbare jährliche Bewegungsrichtung umkehrt. Der nördliche Wendekreis, der Wendekreis des Krebses (Deklination +23° 27'), wird um den 21. Juni, der südliche, der Wendekreis des Steinbocks (Deklination -23° 27') um den 21. Dezember erreicht. Der Wendekreis des Krebses befand sich früher im Sternbild Krebs und liegt gegenwärtig im Sternbild Zwillinge, der Wendekreis des Steinbocks befindet sich derzeit im Sternbild Schütze. Ursache für diese Verschiebung ist die Kreiselbewegung der Erde.]

Ein kleiner Sehtest: Der Hauptstern des Steinbocks, Alpha Capricorni, ist ein Doppelstern und kann bei optimaler Dunkelheit/Sehkraft auch als ein Doppel identifiziert werden.

Position von Alpha Capricorni im Steinbock, rechts dessen Ansicht im Teleskop (70 x)
Über 400 Mrd. Sterne, 3 Mio. Lichtjahre entfernt: Die Andromeda-Galaxie M 31
Der Große Wagen (der "hintere Teil" des Großen Bären) ist zum NW-Horizont gesunken, die Kassiopeia steigt weiter im NO empor. Hoch am O-Himmel fällt ein großes Sternenquadrat auf. Es ist der Hauptteil des Pegasus und wird Herbstviereck genannt. Dessen linker oberer Stern ist der Hauptstern der Andromeda.

Unter günstigen Beobachtungsbedingungen ist nördlich von den 4 Hauptsternen der Andromeda ein schwach leuchtender Nebelfleck zu erkennen. Es ist die Galaxie M 31 - die Andromedagalaxie, unsere Nachbargalaxie.

Von September bis etwa Anfang Januar können wir von Mitteleuropa aus tief im S (max. 10° über Horizont) einen sehr hellen Stern mit Namen "Fomalhaut" beobachten. Übersetzt bedeutet das "Maul des Fisches" und mit 25 Lichtjahren Entfernung ist der hellste Stern im Südlichen Fisch unserer Sonne sogar relativ nah. Hellster Stern am nächtlichen Himmel bleibt allerdings Capella im Fuhrmann.

Fomalhaut im Südlichen Fisch
Die Milchstraße geht im SW über den Horizont herauf und erstreckt sich Richtung Sommerdreieck zum Zenit. Von dort aus verläuft sie über die Sternbilder Kepheus, Kassiopeia, Perseus und Fuhrmann zum NO-Horizont herab. Im SW ist die Milchstraße am hellsten, im NO am schwächsten.

Milchstraße und Sommerdreieck
[Übersicht zu den Sternbildern]

Mond im September

Halbmond: 08. September
Neumond: 16. September
Halbmond: 22. September
Vollmond: 30. September

Den Goldenen Henkel kann man am 26. September zwischen 2 und 3 Uhr erspähen.

Mondbegegnungen:

Venus --> am 12. September gegen 6.30 Uhr
Mars --> am 19. September gegen 20 Uhr
Jupiter --> am 08. September gegen 6 Uhr

Planeten im September

Merkur --> unsichtbar
Venus --> der "Morgenstern" erreicht seine größte Höhe über Horizont in diesem Monat
Mars --> nach Einbruch der Dunkelheit tief im WSW
Jupiter --> sichtbar ab etwa 22 Uhr und bis zum Venusaufgang der hellste Planet am Himmel
Saturn --> nach Einbruch der Dunkelheit tief im WSW, ab Mitte des Monats vollständig unbeobachtbar
Uranus --> Opposition am 29. September, die ganze Nacht im Sternbild Fische zu sehen
Neptun --> die ganze Nacht (schon mit einem Fernglas) im Sternbild Wassermann beobachtbar

Sonne im September

Die Sonne verlässt am 16. September das Sternbild Löwe und wechselt in das Sternbild Jungfrau, ihre Mittagshöhe nimmt um über 11° ab, die Tage werden in diesem Monat um 1:51 h kürzer.

Sonnenaufgang 01. September: 6.22 Uhr
Sonnenuntergang 01. September: 19.59 Uhr

Sonnenaufgang 30. September: 7.07 Uhr
Sonnenuntergang 30. September: 18.53 Uhr

Am 22. September beginnt um 16.49 MESZ der astronomische Herbst. Die Sonne überquert zu diesem Zeitpunkt den Himmelsäquator südwärts und steht an Orten am Erdäquator mittags genau im Zenit. Am Südpol geht die Sonne am 20. September auf und läutet den Polartag ein, während sie am Nordpol am 24. September verschwindet und die Polarnacht beginnt. Die zeitliche Differenz von 4 Tagen ist der Lichtbrechung in der Atmosphäre geschuldet, die es ermöglicht, unter den geometrischen Horizont sehen zu können. Dieser Effekt bewirkt außerdem, dass die "wahre" Tagundnachtgleiche in unseren Breiten erst am 25. September eintritt.

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