Dienstag, 8. Oktober 2013

Wieder da

Am 12. Mai 2013 ging das Staubkorn offline. Es war das erste Mal seit seiner Geburt. Diese Metapher passt insofern besonders gut, als dass sie einen Entwicklungsprozess impliziert, der theoretisch erst mit dem Tod endet; praktisch - u.a. durch die Verbreitung von Gedanken, Überzeugungen und Thesen - aber kein definierbares Ende kennt. Das ist eine schöne Vorstellung.

Im Gegensatz zu ontogenetischen Entwicklungsprozessen veränderten sich meine Inhalte weniger offensichtlich. Ich wurde zunehmend unzufrieden mit den Ergebnissen und stellte das Bloggen letztendlich vollständig ein. Was die Unzufriedenheit ausgelöst hat? Es waren die tausend mir wichtigen Themen; die etwa einhundert ausgeschnittenen Zeitungsartikel, welche sich neben dem Schreibtisch auf dem Boden angesammelt haben und auf ihre Verarbeitung warteten; die brillant recherchierten Postings auf Wissenschaftsblogs; die Unklarheit über meine Mission; die fehlende Zeit für die Produktion lesenswerter Geschichten.

Ich musste entscheiden, ob ich mein Kind umbringe, oder ob ich es beim Erwachsenwerden unterstütze.

Ich habe mich für das Leben entschieden. Manchem Leser mögen diese Zeilen fremd sein, er wird nicht nachvollziehen können, was Zweifel auslösen können; ja: welche Gefahren sie bergen. Zweifel können zu einer völligen Stagnation führen. Sie verwischen den eigenen Fokus, lassen Trugbilder erscheinen und objektive Relevanzkriterien in den Hintergrund treten. Wenn man allein ist, muss der innere Kompass besonders zuverlässig arbeiten - andernfalls findet man seinen Weg nie. Der Kompass dieses Blogs wurde nun neu kalibriert und dem Autor gefällt, was er da am Horizont erkennt. Mir wichtigen Themen - Energiewende, Klimawandel, nachhaltige Lebensführung - wird sich ausführlicher gewidmet werden, Persönliches wird bleiben, Irrelevantes verschwinden.

Auch das Thema Fotografie hat seinen festen Platz, wenngleich sich hier noch viele unkonkrete Projekte tummeln. Meinen reportagehaften Schnappschüssen mit mannigfaltigem Themenbezug bleibe ich treu. Jedenfalls sehe ich gegenwärtig nicht die Gefahr, in künstlerisch abstrakte Abgründe zu entschwinden. ;-)

Wer begründete Selbstzweifel behält und unbegründete über Bord zu werfen im Stande ist, gewinnt Zeit und Raum für effektive Reflektionsprozesse. Insofern haben Zweifel auch ihre positiven Seiten. Wer gehofft hat, das Staubkorn würde in der Zeit der Abwesenheit seinen missionarischen Eifer verlieren, den muss ich enttäuschen. Gerade dieser Treibstoff ist es nämlich, der mich auf (junge) Menschen eingehen und sie im besten Falle positiv aus dem Unterricht entlässt. Nun hat dieses Blog selbstverständlich nicht die Absicht, eine Lehrveranstaltung zu sein (zu werden) - gegen die Hoffnung, mit guten Argumenten Bewusstseins- und Verhaltensänderungen zu bewirken, stemme ich mich hingegen nicht...

Ein mittelfristiges Ziel für dieses Blog ist noch die Gewinnung einer Zweitautorin (im besten Alma mater Lipsiensis-Verständnis). Im Dialog könnten dann Geschichten entstehen, von denen ich heute nicht zu träumen wage.

Christian

PS: Danke für eure Geduld.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Schön, dass du dich für das Leben entschieden hast, denn deine sprachgewandten Berichte, deine Wahrnehmungen des scheinbar Belanglosen, vor allem aber deine Fotografien und Videoschnitte, die keiner Worte bedürfen, sind auch eine Bereicherung des selbigen, geben Impulse für Gedanken und viel mehr. Vielen Dank dafür.S.