Donnerstag, 26. August 2010

Ausklang eines Sommers

Täglich wird seit 3 Wochen in den Abendnachrichten zum Spenden für das vom Hochwasser des Indus betroffene Land Pakistan aufgerufen. Im ZDF zwar nicht mehr von Steffen Seibert - dieser feilt nun daran, seinen damals vor den Kameras im Fernsehstudio gezwungen nonchalant wirkenden Moderationsstil in einen dem Ohr einer Kanzlerin gefälligen umzubauen - dafür aber von Klaus Kleber und Co, im Bunde mit Tom Buhrow und der (überaus) attraktiven Judith Rakers vom Ersten Deutschen Fernsehen.

Und? Die Deutschen spenden eher schleppend. Das kann daran liegen, dass Hilfsorganisationen einerseits einen Sättigungsgrad nicht kennen (wobei, doch, kennen sie: 2004 beim Tsunami in Indonesien) oder daran, dass sie andererseits wirklich zu wenig haben. Die Präsidentin der Welthungerhilfe mahnte bei Anne Will auch pflichtbewusst zu mehr Mitgefühl ... und Peter Scholl-Latour - die personifizierte Leichenstarre - erkannte im Nachbarstuhl ganz richtig den Wettlauf der "großen Spender" USA und China um die Gunst der Pakistani. Man kann ja nie wissen; vielleicht werden dort bald ähnliche Bodenschätze wie im Nachbarland Afghanistan gefunden. Und gute Freunde hat jeder gern.

Apropos gute Freunde. Frau Merkel wird bald wieder mit Herrn Medwedjew (oder doch, weil sie ja eine kleine Strategin ist, besser gleich mit Herrn Putin?) am Samowar sitzen. Der Winter naht...
Russland, da war doch auch was in diesem Sommer. Richtig, Moskau im Smog, Atomanlagen von Waldbränden umzingelt, der Weizenpreis steigt rasant, eine Milch- und Fleischknappheit droht. Im Kreml wurden die Zeichen begriffen: Väterchen Putin rückte - eigenhändig am Steuer eines Löschflugzeugs sitzend - aus, um dem Volk Trost, Kraft und sein Gesicht im Fernsehen zu geben. Und der Präsident? Der "importierte" ganz entgegen russischer (okay, offizieller russischer) Tradition Hilfe aus dem Ausland. Feuerwehren aus der Ukraine, Löschflugzeuge aus Frankreich. Ortschaften werden von nun an mit Live-Bildern die Internetgemeinde über ihren Baufortschritt auf dem laufenden halten und ganze Dörfer werden mit Staatsgeldern komplett neu errichtet. Inklusive Löschteich.

Regt sich da etwa ein schlechtes Gewissen? Erkennt man im REM gar Moral? Fossile Energieträger verheizen, die Folgen erkennen, mantrahaft die Symptome bekämpfen? Oder gehts um die Wähler? Von allem ein bisschen? Ich bin ein wenig zynisch, sorry, reduziere komplexe Strukturen gern auf ihren Kern. Der ist beim Anbeißen meist nicht genießbar, ganz so wie beim beliebten Steinobst.

Jetzt aber noch fix was positives aus dem Sommer rausgeholt. BP.
Die USA vergeben schon wieder Offshore-Bohrlizenzen (die können gar nicht anders) und der Slogan "Beyond petroleum" wird weiterhin für einen Konzern stehen, der sich strikt der Erforschung und Nutzung regenerativer Energiequellen verschrieben hat. Nach Eigenaussage der Fischer vor der Küste Louisianas schmecken die Garnelen top. Guten Appetit.

Appetit auf Reis (peng, schon wieder ein Klischee!?) gefällig? Mitte Juli zerbarst in der nordostchinesischen Hafenstadt Dalian eine Pipeline. Laut offiziellen Angaben gelangten 1500 t Rohöl ins Meer. Laut Greenpeace mindestens 60.000 t. Die Wahrheit kennt keiner, die Folgen wird die Umwelt aber noch für Jahre zu spüren bekommen. Der Fokus zielt derweil schon wieder auf anderes: Nämlich auf die Überflutungen und Erdrutsche in der Provinz Gansu. Die Volksarmee marschiert wieder. Diesmal, um die Zahl der Toten zu begrenzen. Es wird Herbst. Und Frank-Walter Steinmeier hat nur noch eine Niere.

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