Mittwoch, 20. Oktober 2010

Batman

Du lebst allein, bist ein perfekter Jäger der Nacht und nur deiner Moral verpflichtet. Tagsüber ruhst du versteckt an einem dunklen Ort, in Tagesschlaflethargie verfallen. Bricht die Dämmerung heran, beginnt dein Körper zu vibrieren, du wärmst dich für die bevorstehende Mission auf und wartest auf die völlige Dunkelheit. Dein Kopf beginnt sich 20 Minuten nach Sonnenuntergang regelmäßig zu heben. Du scannst deine Umwelt nach potentiellen Bedrohungen und Veränderungen ab, willst ungehindert verschwinden können.

Ich stehe seit einer Stunde ehrfürchtig neben dir, du, schutzlos, an einer - für mich Unwissenden - glatten Wand verharrend. Ich erkenne deine Waffen, den Zweck ihres Daseins, deine Schönheit und Hässlichkeit zugleich. Verzeih mir, wir Menschen denken in Kategorien, müssen unterscheiden zwischen gut und böse, klein und groß, klug und dumm, schön und hässlich, schwach und stark. Wir erkennen erst sehr langsam das ungeheure Potential unserer Fähigkeiten, den sich listig dahinter versteckenden radikalen Bruch mit allem bisher Dagewesenen. Wir leben in Gruppen und tummeln uns auf den aberwitzigsten Schaubühnen dieser Welt (und mittlerweile schon darüberhinaus). Doch bei aller scheinbaren Heterogenität sind wir im Kern auf zwei Ziele fixiert: Alt werden und von der Gesellschaft in unserem Dasein / Tun anerkannt, akzeptiert, gewürdigt zu werden.

Ich denke, wir sind uns im letzten Punkt doch wieder ziemlich nah. Wenn du in deiner sommerlichen Wochenstube hängst oder gemeinsam mit vielen anderen im Winterquartier, die Körpertemperatur nur wenig über jene der Umgebung abgesenkt, dann geht es zwar vordergründig nur um dich allein, bei genauerem Hinsehen aber immer auch um deine ganze Art.
Ich wünsche eine erfolgreiche Jagd und dass du sehr alt werden wirst, Batman. Oder Batwoman?





Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus)






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