Freitag, 15. Oktober 2010

Maulwürfe

Ich bin so erleichtert! Die chilenischen Kumpel sind alle wohlbehalten zurück am Tageslicht, von kleineren Problemen wie Zahn-OP und Lungenentzündung abgesehen, haben brav in die Kameras gelächelt - man munkelt von 1 Mrd. Fernsehzuschauern weltweit - und gaben Präsident Pinera neben einer unbezahlbaren PR-Show (kurz vor Antritt seiner Europareise) Anlass, dem arg von Sicherheitsproblemen gebeutelten Bergbauwesen nicht länger die kalte Schulter zeigen zu können. Soweit, so hell.

Was aus geforderten Entschädigungszahlungen wird, wenn der Kamerafokus erst weitergeschwenkt ist; wie eine offiziell vor 3 Jahren geschlossene Mine jetzt mit solchen Schlagzeilen in die Weltöffentlichkeit geraten kann; warum Guttenberg die Dahlbuschbombe nicht eigenhändig bedient hat; alles Fragen, die in der Weite der Atacama-Wüste verhallen.

Halt stop! Europa, Kamerafokus, Bergbau? 57 km ist nach 33 Kumpel der nächste Rekord in diesem medialen Oktober. Unter dem Piz Vatgira in Graubünden trifft heute die von Norden kommende Röhre des Gotthard-Basis-Tunnels auf die von Süden kommende. Vor 14 Jahren begann man mit dem Bohren und heuer wurde ein für die beteiligten Menschen psychologisch wichtiger Etappenerfolg errungen: Arbeiter liegen sich in den Armen, schwenken Fahnen ihrer Herkunftsländer, sind stolz.

Zurecht! Uneingeschränkt anerkenne ich die ingenieurtechnische Leistung, eine durch den Gesteinsdruck um einen knappen Meter zusammengepresste Röhre millimetergenau voranzutreiben. Die Schweizer Bürger haben das Projekt durch mehrere Volksabstimmungen auf den Weg gebracht und als Teil eines größeren Projekts, der sogenannten Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (Neat), durch Abkommen mit der EU gesichert. Das gesamte Neat-Projekt wird noch weitere 7 Jahre laufen und 15 Mrd. Euro kosten. Bis zum Jahr 2070 wird sich ein Verlust von geschätzten 19 Mrd. Euro anhäufen. Dafür wird sich das Transportvolumen verdoppeln, werden weniger Lkw auf Schweizer Autobahnen unterwegs sein.

Maulwürfe sind extrem kurzsichtig bis blind. Meint man.

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