Sonntag, 27. März 2011

Wahlrunde

Auch ich kann die belebende Wirkung der nun spürbar längeren und wärmeren Tage nicht leugnen. Man fühlt sich ausgeglichener, energiegeladener, fröhlicher und zuversichtlicher. Da traf es sich gut, am gestrigen Abend zusammen mit ein paar "alten" Schulfreunden den Russischen Abend in einer Leipziger Kneipe zu verbringen - etwas außerhalb des Zentrums, denn innerstädtisch wurde ein Honky-Tonk-Obulus verlangt - und die Zeit abermals in anregenden Gesprächen wie im Fluge vergehen zu sehen.

Parallel dazu testete ich die neue 35-mm-Festbrennweite bei ersten Portraitaufnahmen und war begeistert von den gegenwärtig üblichen High-ISO-Fähigkeiten moderner SLRs. Wo werden wir wohl in 10 Jahren stehen?






Unser Treff war gegen 0.30 Uhr beendet, so blieben noch 1,5 h bis zur Zeitumstellung und 60 Minuten bis zur Abfahrt gen Dresden.

Ich wollte nämlich mal wieder ins Elbsandsteingebirge (wusste daher um die Notwendigkeit eines frühen Starts) und meine Lieblingsrunde um die Schrammsteine wandern. Im gepackten Rucksack befanden sich deshalb neben der SLR auch eine Wanderhose und ein Wechselshirt.

Die direkte Linie bis zur Landeshauptstadt und dem Elberadweg umfasst 106 km. 106 km, die irgendwo ganz geschickt gute 1000 hm zu verstecken wissen und dementsprechend mit 4 h Fahrzeit kein reiner Selbstläufer sind. Bevor hier jedoch über Schnitte etc. geunkt werden kann, ist ein Blick auf die morgendlichen Temperaturen von viel entscheidender Bedeutung. Minus 4°C zeigte das Thermometer nämlich im windgeschützten Bereich an der Haustür. Ob das kurze Trikot, kombiniert mit Ärmlingen, unter der Radjacke dem wohl genügen wird?

Unterwegs treffe ich nach 30 km auf die erste Polizeistreife des Tages und fast hätte ich wetten können, dass sie sich meiner annehmen (wohl in Erwartung eines volltrunkenen Partyheimkehrers). Doch die StVO-konforme Beleuchtung, der Helm und das Rennrad ließen solche Gedanken wahrscheinlich erfrieren und keine Lust aufkommen, den gut geheizten...

Weiter auf der B 176, vorbei an Hartha und durch ein nachtschlafendes Döbeln, bis Nossen.


Was stimmt hier nicht?
Sonnenaufgang unweit des Autobahn-Dreiecks Nossen. Nur ganz wenigen Orten in dieser Welt wohnt ein ähnliches Romantikpotenzial inne. ;-)

Kein kalter Kaffee


Die Fahrt ging dementsprechend beschwingt weiter, durch Wilsdruff, über die A17, um schließlich oberhalb Dresdens eine Denkpause einzulegen.
Früher hätte man jetzt in der Stadt jemanden anrufen und bei einer Tasse Kaffee offiziell in den Tag starten können. Ja, hätte man. Aber es kommen andere Morgen, an denen sich wieder jemand über einen Anruf freuen wird.




Was sagen uns diese Bilder? Die Feuchtigkeit vom Regen des Vortages beginnt, großflächig zu verdunsten. Dieser Effekt ist im Elbtal (im Gegensatz zu den höhergelegenen Feldern) sicher nicht innerhalb von ein paar Stunden erledigt und in Anbetracht der sich dort unten länger haltenden niedrigen Temperaturen und der Elbe auch großflächiger. Bei den dann durchaus möglichen Temperaturdifferenzen von 10°C zwischen unten und oben, meinen klammen Zehen, dem ohne Bewegung schnell mit Zittern beginnenden Körper und dem Gefühl, doch nicht ganz untätig gewesen zu sein, entscheide ich mich ruhigen Gewissens für die Heimfahrt.

Es geht die gleiche Strecke retour, begleitet von kurzweiligen Einblicken in die weiteren Wetterphänomene am Wegesrand und der Einsicht, dass ein Rucksack eher unpraktisch ist.



203 km | 1686 hm (min 130 m, max 329 m)

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