Sonntag, 31. Juli 2011

Dreiecksbeziehung

Gleitschirmfliegen ist Teamsport. Auch und vor allem im Flachland, denn hier benötigt man noch zusätzlich ein Bodenteam - bestehend aus einem Windenfahrer und einem Startleiter.

Später in der Luft erhöhen mehr Piloten die Wahrscheinlichkeit, gute Thermiken zu finden und mit deren Hilfe lange, bzw. weit zu fliegen.



Wir waren an diesem tollen Julitag etwa 7 Piloten und voller Vorfreude auf das gute Flugwetter. Völlig zurecht, wie sich herausstellen sollte, denn 5 von 7 Starts mussten nicht wiederholt werden, da sofort in die Thermik eingestiegen und entspannt Höhe gemacht werden konnte.


Suchbild
Der Osten Deutschlands befand sich im Einflussbereich feucht-labiler Luftmassen zwischen zwei Tiefdruckgebieten, was sich in einer 3/8 Cu-Bewölkung mit schwachem Cirrus darstellte. Es bestand nicht die Gefahr von Überentwicklungen und auch der Wind war bis in 2000 m GND mit 6 - 10 kt eher schwach. Besonders der letzte Fakt ließ in mir den Plan reifen, ein Dreieck zu probieren. Denn Dreiecke sind in allen nicht-motorisierten Flugdisziplinen die Königsklasse.

Warum? Nun, zum einen, weil man dem Wolken-, bzw. Thermikverlauf nicht "einfach" in Windrichtung folgt; und zum anderen, weil man folglich immer auch Gegenwindabschnitte mit damit einhergehendem größeren Gerätesinken zu meistern hat. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit für Fehlentscheidungen größer, etwa wenn ein Schenkel zu früh angegangen wird und man daraufhin gnadenlos "absäuft".

Doch all diese Überlegungen waren ganz weit weg, als ich nach viel zu langer Pause endlich wieder oben war:



Der Cospudener See



Direkt über der A38 an der Neuen Harth wendete ich und flog parallel zum südlichen Ufer des Zwenkauer Sees in westlicher Richtung weiter. Ich konnte P. als kleinen Punkt erkennen - verdammt hoch, also viel höher als ich. Die Routenwahl schien nicht die schlechteste zu sein.

Der Zwenkauer See (im Vordergrund)



Das Vario piepte wie im Lehrbuch.
Ein Seeufer in Windrichtung = Abrisskante für Thermik.
Wolkenschatten = Thermikauslöser.
Erhöhte Punkte (etwa Windparks oder Sendemasten) = Abrisskanten für Thermik.


Die Kunst besteht darin, a) diese Thermikquellen zu lokalisieren, b) sie zu nutzen und c) zu erkennen, wenn eine Quelle "kalt" ist.

Scheidens | Dorftyp: Rundling

Tagebau Profen-Nord


Blickrichtung Osten (über Pegau)

Blickrichtung Südosten (über Pegau)


Pegau
Über Pegau stand eine wichtige Entscheidung an. Entweder weiterfliegen nach Groitzsch (was mit ziemlicher Sicherheit in die Hose geht, weil ich dafür das thermisch inaktive Tal der Weißen Elster zu queren hätte aber nur noch etwa 800 m habe) oder zurück zum Werbener See (was die bessere Entscheidung sein dürfte, weil auf diesem Weg ein Windpark, abgeerntete Felder und ... ein Seeufer passiert werden).

Werbener See





Auf den Bildern ist klar zu erkennen: ES GEHT RUNTER.
Ich hatte den Bart bis dato noch nicht gefunden und bereitete mich (durchaus nicht unglücklich, weil die Blase tierisch drückte) auf die Landung vor. Letzte Chance: Seeufer. Hier muss was gehen. Nur, entweder war ich wieder einmal zu bl** oder einfach zu tief für den Einstieg. Das Vario blieb jedenfalls still und der Boden kam näher. Noch 200 Meter. "Komm schon, streng dich gefälligst an!", begann die innere Stimme zu mahnen. Endlose Minuten vergingen, man konnte schon die Bikinifarben am Seeufer erkennen, als ... es endlich zu piepen begann.

Wow! Ich habe zwar nicht laut gejubelt (denn Entspannung war schließlich nicht erlaubt), freute mich aber trotzdem riesig über den 1300 m-Höhengewinn innerhalb einer Viertelstunde. Ciao, Werbener See!


Anschließend ging es weiter gegen den Wind, zurück in Richtung Kraftwerk. Kurz vor Zwenkau war dann Schluss, denn die thermisch aktiven Felder neben der B2 sind voller Hochspannungsleitungen - und mit 350 m Höhe daher keine Option.






Sendemasten bei Wiederau






Dafür begrüßten mich nach der Landung (und dem Spontanverlust von 2 Litern Wasser) 3 weiße Pferde, ein Schwarm Tauben und meine Begleiter für den Heimweg per pedes. Fein.




Der Tag klang schließlich aus mit einer von mir angeregten Grillsession und den typischen Männergesprächen à la altius, citius, fortius. Etwas fehlte.



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