Mittwoch, 9. November 2011

Wake me up before you go

Früher war alles besser? Nun, je älter ich werde und je reflektierter (dieser Fakt mag sich für Außenstehende nicht immer sofort erschließen), desto leichter fällt es mir, gewisse menschliche Verhaltensweisen im größeren Kontext zu verstehen und mich mit deren Eigenheiten auszusöhnen.

Eingeladen (besser: angefragt) hatte ich im Freundeskreis zu (bezüglich) einer Wandertour irgendwo in Mitteldeutschland. Überraschenderweise flatterte daraufhin eine Antwort mit bereits ähnlich lautenden Plänen in den Briefkasten. Umso besser, erspart man sich bei gleicher Zielstellung doch so manche Überzeugungsarbeit. Inhalt des Briefes war eine vakante Absicht, die Sächsische Schweiz besuchen zu wollen. Sächsische Schweiz? Ja, da war ich lange nicht.

Zwei Autos; 6 Personen; 12°C in Dresden (Föhneffekt); Sperrung der Straße Bad Schandau-Königstein (Baumfällarbeiten); Probleme, Hartgeld für den Parkautomaten zu aquirieren; eine (noch) zufriedene und vor Elan strotzende Wandermeute - so lässt sich dieser Morgen des 06.11.2011 bis etwa 10.30 Uhr zusammenfassen. Alles in den Rucksäcken verstaut für den Gewaltmarsch über 15 km? Ja? Dann kann es ja losgehen.

Von Schmilka ging es zunächst über den Grenzweg auf teilweise grob mit Basaltblöcken gepflasterten Wanderwegen langsam in Richtung Großer Winterberg. Während die restliche Gruppe sichtlich entspannte und einfach nur den schönen Herbsttag genoss, verspürte ich den Drang zu Reportage und Dokumentation. Keine Ahnung ob dies irgendwann einmal nachlässt - aber im besten Fall hält sie dann auch eine Kamera in Händen und findet Blickwinkel, die mir ohne dieses zweite Augenpaar auf immer verschlossen geblieben wären und von deren Existenz ich nicht zu träumen wagte.

Kipphornaussicht
Menschen können ihre wahre Kreativität, ihr ganzes Potenzial erst im Zusammenspiel und durch die Wechselwirkung mit anderen Menschen vollends zur Geltung bringen. Kommunikation, Kooperation, Konkurrenz, Konsum, Konfliktbewältigung .... - ob man es nun mag oder nicht - gehören zu unserem Alltag.

Müßig, an dieser Stelle eine Diskussion über das Leben in Klöstern oder Einsiedeleien vom Zaun zu brechen, denn (ich verweise auf den Postanfang) obgleich nachvollziehbar und durchaus (immer noch) nicht ohne jeden Reiz, blendet eine solche Lebensentscheidung doch (besser: versucht sie auszublenden) einige Prozent unseres Daseins aus. Ob das ausschließlich nur die negativen Prozent des Daseins sind? Ich habe meine Zweifel.

Am "Gipfel" angekommen galt es für mich, die Gruppe bei Laune und mit der GPS-Vorschau auf eine kleine Runde voller spektakulärer Ausblicke auf dem Wanderweg zu halten; anstatt direkt in die Gastwirtschaft zu marschieren. So lernten die Rookies schließlich noch vor dem Mittagessen Fremdenweg, Katzenstein sowie Teile des Rosssteigs kennen.




Den Rückweg zum höchsten Berg der Sächsischen Schweiz gestaltete ich (ja, okay: unplanmäßig) mit einer Querfeldein-Trackabkürzungseinlage vorbei an Wildschweinsuhlen und unter Laub verborgenen -kötteln. Geschafft, gut durchblutet und dementsprechend hungrig war mein Huskyrudel alsbald neben dem urigen Kachelofen in der Stube versammelt und während ich in diversen NATURFOTO-Ausgaben schwelgte wurden die mit Kartoffel- und Nudelauflauf gefüllten Näpfe ihrer Bestimmung zugeführt. Sehr sehr schön.



Was noch blieb waren einerseits der Rückweg auf dem (in der Novemberabendsonne genial warm beleuchteten) Bergsteig hinunter nach Schmilka und andererseits eine Handvoll Fotos, die diesen Tag gut umschreiben und die passenden Erinnerungen zu wecken imstande sind. Ich war zufrieden.




Hey, ich ... ach was soll's.

Der Link zur Wanderstrecke: klick

Keine Kommentare: