Montag, 5. Dezember 2011

Alle Jahre wieder

Nervend, oder? Erst die Finanzkrise und jetzt auch noch kein Schnee. Ja auf was ist denn heute überhaupt noch Verlass? Wobei, Obacht: Das Geld wird aus den Steuertöpfen der nur humpelnden (und nicht bereits vollamputierten) Staaten in mediterrane Länder transferiert, damit die dortigen Einwohner weiterhin ihre Steuern an einen Staat zahlen können, der schon seit etlichen Jahren ein Vielfaches dessen zur Zins- und Schuldentilgung ausgibt, was er einnimmt.

Das ist wie mit den Schneekanonen in Garmisch-Partenkirchen. Diese urig naturverbundene Gemeinde im Allgäu (Edit 06.12.11: in Oberbayern) hat nämlich einen Großteil ihrer Immobilien verkauft, um ... die Skipisten beschneien zu können. Etliche Millionen Euro sind in den letzten Jahren in diverse Wintersportprojekte geflossen. Wasserbecken (für den Kunstschnee), Kühlschränke (zur Kühlung des warmen Wassers in den Wasserbecken), Schneekanonen (zur Produktion von Kunstschnee aus künstlich gekühlten Kunstwasserbecken) wurden entlang der naturbelassenen Hänge zwischen Eibsee und Elmau, zwischen Ochsenberg und Schafkopf installiert.
Liebe Garmisch-Partenkirchener, liebe Gemeindevertreter,

ich kann Sie verstehen. Ich kann Sie sehr gut verstehen, denn die schnelle Akzeptanz neu geschaffener Tatsachen war und ist bei Menschen seit jeher gering ausgeprägt. Handelt es sich bei einer dieser neu geschaffenen Tatsachen gar um etwas sehr Schwammiges, mit vielen Unsicherheiten und Unwägbarkeiten Verbundenes, erscheint es auf den ersten Blick sinnvoll, die bisher gefahrene Strategie beizubehalten.

Und wer weiß, da die Wissenschaft in diesem Jahr einen Link zwischen verstärkter Eisschmelze in der Arktis und harten Wintern auf der Nordhalbkugel gefunden hat, können sich Ihre Investitionen durchaus noch rentieren. Dennoch ist es besser - im realen Leben wie in der Wirtschaft gleichermaßen (ja, ich weiß, nur aus den Wirtschaftstheorien heraus erklärt sich das reale Leben) - mehrere Fähigkeiten zu kultivieren, bzw. mehrere Kleidungsstücke im Schrank zu haben. Eine Gemeinde mit internationaler Bekanntheit wie die Ihre hat es ungleich leichter als andere, mehrere Fundamente für die Zukunft zu giessen.

Erzwingen Sie nicht das Unmögliche, verkaufen Sie nicht Ihre Seele an einen Mephistopheles, der Ihnen kurzfristig alle Wünsche erfüllen kann. Denn irgendwann ist jede Nacht vorüber, irgendwann ist jeder Rausch verflogen.

Plain and simple:

Investitionen in neue Skigebiete?
Ja. Aber nachhaltig, überlegt, den natürlichen Gegebenheiten angepasst.

Ausbau der künstlichen Beschneiungsanlagen?
Nein! Denn damit lösen Sie Ihr Problem nur kurzfristig und lokal. Mittel- und langfristig schaden Sie den kommenden Generationen. Global.

Alternativen zum Skifahren?
Es ist davon auszugehen, dass die Skisaison künftig kürzer ausfallen wird. Um die Besucher dennoch im Winter an sich zu binden, bedarf es eines ansprechenden Mixes aus Kultur und Natur. Nicht zuletzt deswegen ist es ein großer Fehler, sein Tafelsilber zu verschleudern. Und keine Sorge: Auch die hinterletzten Ignoranten werden Ihnen den fehlenden Schnee verzeihen und weiter ihren Urlaub im Süden Deutschlands verbringen. Und wenn nicht, kommen neue Gäste. Gäste, die Ihren Kurs anerkennen und als vorbildlich empfinden.

Mit schneereichen Grüßen,
Ihr Staubkorn
Links:

* Beschneiungsanlagen in Bayern - Stand von 2000
* Beschneiungsanlagen - Ökonomie und Ökologie (Bayerisches Landesamt für Umwelt)
* Ausbau der künstlich beschneiten Fläche in Bayern nimmt zu - Anfrage des bayr. Landtagsabgeordneten Ludwig Wörner (10/2011)

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