Montag, 4. März 2013

Parallelwelten

Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie an Kenia denken? Safaris in der Masai Mara, Lodges, Victoriasee, Massai-Krieger, Rift Valley, Strände? Alles richtig, doch wichtige Punkte fehlen: Korruption, Auftragsmorde, Bürgerkrieg.

Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen haben in den letzten Monaten zu einer neuen Welle der Gewalt geführt, die von einflussreichen Politikern verstärkt wird. Die verschiedenen Lager ringen in diesem Land nicht vorrangig um die besten Konzepte, nein, sie Ringen um die Vorherrschaft der jeweils eigenen Ethnie.

Welche schockierenden Folgen das hat, konnte man am Samstag in einer eindrucksvollen Sendung im Deutschlandfunk hören:

Opfer und Täter leben Tür an Tür - Vor der Präsidentschaftswahl in Kenia
"Tom nennt den Auftraggeber "Boss". Der sei, sagt der 26-Jährige, ein hochrangiger Politiker. Seinen Namen nennt er nicht, das könnte für ihn tödlich sein. Tom weiß nicht, ob er Anfang 2008 bei dem Überfall auf Talanta dabei war, an seine Opfer erinnert er sich nur selten.

»Manchmal empfinde ich Mitleid mit jemanden. Aber ich töte ihn trotzdem. Ich brauche das Geld, und unser Boss droht uns oft: Entweder ihr tötet oder ihr seid selbst dran. Das sagt er immer, wenn wir einen Befehl nicht ausführen wollen: Ihr macht das besser, sonst werdet ihr getötet.«
[Am besten nicht lesen, sondern die Stimme des Täters (Opfers?!) im Original anhören!]

Auf diese Reportage folgte gleich der nächste Einblick in das Tier mit Namen Mensch:

Für Frauen die Hölle - Eine Studie zu Massenvergewaltigungen im Osten der Demokratischen Republik Kongo
"Eine vor zwei Jahren veröffentlichte Studie besagt, dass hier im Schnitt in jeder Stunde 48 Frauen vergewaltigt werden. Nach einer Umfrage sind knapp 40 Prozent der Frauen Opfer sexueller Gewalt geworden. Die meisten davon wurden von bewaffneten Männern missbraucht: von Rebellen, Angehörigen der Selbstverteidigungsmilizen oder von Soldaten der Armee."
Ich saß zum Sendezeitpunkt auf dem Rennrad und war ehrlich gesagt kurz davor, zu schreien. Das Gefühl der totalen Hilflosigkeit ließ meine Motivation auf den Nullpunkt sinken, obwohl ich wusste, dass dieses Verhalten irrational ist. Irrational wie die Ereignisse in Afrika. Irrational wie die Ereignisse anderswo auf der Welt.

Wer sich wie ich persönlich engagieren möchte - und sei es "nur" über Spenden - dem sei der medica mondiale e.V. von Monika Hauser ans Herz gelegt.

Dieser Verein hilft traumatisierten Frauen in Kriegs- und Krisengebieten weltweit, indem er u.a. psychologischen und rechtlichen Beistand leistet.

Die Kampagne »Stop Rape in Conflict« möchte ebenfalls auf diese schlimme Problematik aufmerksam machen und sie stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken. Auf den Seiten der internationalen Kampagne »Stop Rape & Gender Violence in Conflict« findet jeder klare Orientierungspunkte, wie er seine persönliche Kraft zum Wohl der Frauen einsetzen kann:

10 Maßnahmen, die helfen können

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Ich musste mich abreagieren - und das ging am besten mit Metallica. Erst zwei Alben später war ich bereit, den Puls wieder auf GA1 zu senken und in die Parallelwelt von MDR Figaro einzutauchen.

Die interaktive Sendung »Erst der Einkauf, dann die Moral - Wie kritisch füllen Sie Ihren Warenkorb?« begleitete mich schließlich in den Nachmittag und ließ die Gedanken bei verträumten und intelligenten Singer-Songwriterstücken zur Ruhe kommen. Ein Hörer aus Amerika rief an und wollte einfach nur mal den seiner Meinung nach besten Radiosender Deutschlands (neben dem Deutschlandfunk) loben. Mit diversen Popwellen konnte er nichts anfangen, ihm fehle da der Tiefgang. Dieses Gespräch zwischen Moderatorin und Anrufer hellte meine Stimmung auf und ließ mich das zwischenmenschliche Agieren unter nun wieder warmem Licht wahrnehmen.

Übrigens: Meinen Verbrauch von etwa 2500 kcal hab ich mit einer halben Lammkeule, 5 Kartoffeln, 1 kg Rohkostsalat sowie einer Flasche Rotwein ausgeglichen. :-)

90 km | 3:05 h | 4 °C | sonnig

www.kreuzotter.de






Im Gleisbergbruch auf dem Rochlitzer Berg

Noch unpassierbare Abfahrt vom Berg in Richtung Rochlitz

Friedrich-August-Turm auf dem Rochlitzer Berg



Bisherige Touren in 2013

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