Montag, 1. April 2013

Der Sternenhimmel im April | 2013

+++Die von mir für die jeweilige Jahreszeit vorgestellten sichtbaren Sternbilder, ihre Position am Himmel sowie Angaben zu Mond, Planeten und Sonne beziehen sich - sofern nicht anders angegeben - auf einen Beobachterstandort von 51° Nord und 12° Ost.

Als Unterstützung beim schnelleren Auffinden der Sternbilder empfehle ich den Kauf eines kleinen Himmelsführers mit beigefügter drehbarer Sternkarte. Dieses praktische Hilfsmittel misst meist nicht mehr als 10 cm im Durchmesser und findet Platz in jeder Jacken- oder Handtasche.+++

Der mitteleuropäische Sternenhimmel in der ersten Aprilhälfte um 23 Uhr MESZ
[Link zur Generierung von Sternkarten für das ganze Jahr]

[Der Sternenhimmel im ... 2012]

Januar, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober, November, Dezember

[Der Sternenhimmel im ... 2013]

Januar, Februar, März, April

Dieser Monat wird für Sternengucker erneut interessant, denn er bietet Sternschnuppen, einen Kometen sowie eine partielle Mondfinsternis.

Frühlingsdreieck
Obwohl heuer vom Frühling bis auf die in Schockstarre verharrenden Krokusse und tapfer gegen den eiskalten Nordostwind anpfeifende Stare nicht allzu viel zu spüren ist, zeigt ein Blick gen wolkenfreien Nachthimmel doch bereits typischen Frühlingscharakter. Hoch im S hält sich der Löwe auf, gerade dabei, den Meridian zu passieren; sein Hauptstern Regulus funkelt bläulich und ist 77 Lichtjahre von uns entfernt. Dem Löwen folgt im SO die Jungfrau mit ihrem Hauptstern Spica. Gemeinsam mit Arktur im Bootes (oberhalb der Jungfrau) bilden diese drei Sterne das Frühlingsdreieck.

Es ist ein fast rechtwinkliges Dreieck mit dem rechten Winkel bei Spika. Den Löwen stellt man sich liegend vor, den Kopf auf der rechten Seite. Arktur steht am Fuß eines V's, das den Bootes bildet.

Unterhalb von Löwe und Jungfrau findet man die kleinen Sternbilder Rabe, Becher und Sextant, zwischen ihnen und dem Horizont schließlich schlängelt sich die Wasserschlange entlang - ihr Hauptstern heißt Alphard.

Im W und NW ist mit Kleinem und Großem Hund, Orion, den Zwillingen, Fuhrmann und Stier noch ein Teil des Wintersternhimmels präsent. Bis etwa 22 Uhr kann man das Wintersechseck gegenwärtig vollständig beobachten. Wenig später ist Rigel im Orion bereits untergegangen.

Wintersechseck
Unser Himmelspanorama geht weiter nach N (Kassiopeia und Kepheus) und endet schließlich im O mit Leier (Hauptstern: Wega), Herkules, Schlange und Bootes.

N
Die Milchstraße kann im April nicht günstig beobachtet werden: Von WSW zieht sie sich über den tieferen W-, NW,- N- und NO-Himmel durch die Sternbilder Kleiner Hund, Zwillinge, Stier, Fuhrmann, Perseus, Kassiopeia und Schwan.

PS: Wo befindet sich der Große Wagen gegenwärtig? Gefunden? Prima. Seine "Deichsel" deutet wie ein Zeigefinger auf Arktur im Bootes.
O



[Die gezeigten Bilder sind allesamt Screenshots aus Stellarium. Man findet in jedem Bild unten eine Statusleiste mit Beobachterstandort, Blickrichtung, Datum und Uhrzeit.]

[Übersicht zu den Sternbildern]

Im März konnte man - Wetterglück vorausgesetzt - den Kometen C/2011 L4 (Pan-STARRS) am Abendhimmel beobachten. Im April nun wird die Sichtbarkeit am Morgenhimmel fortgesetzt, dabei jedoch leider einhergehend mit einer steten Helligkeitsabnahme (von 4. Magnitude auf 7. Magnitude) was den Einsatz eines Fernglases unbedingt notwendig werden lässt. Im Zeitraum 3. bis 5. April kann man den Kometen übrigens in der Nähe der Andromedagalaxie sehen.

Zwischen dem 14. und 24. April werden die Sternschnuppen der Lyriden erwartet. Nomen est omen scheinen sie dem Sternbild Leier zu entströmen. Zum Maximum um den 22. April wird mit circa 20 Meteoren pro Stunde gerechnet.

Mond im April

Den Goldenen Henkel kann man am 20. April zwischen 23 Uhr und 4 Uhr sehen.

Halbmond: 03. April
Neumond: 10. April
Halbmond: 18. April
Vollmond: 25. April (partielle Mondfinsternis)

Die einzige partielle Mondfinsternis in 2013 findet statt am 25. April:

20.02 Uhr - Eintritt in den Halbschatten der Erde
21.52 Uhr - Eintritt in den Kernschatten
22.07 Uhr - Mitte der Finsternis (2 % der nördlichen Mondscheibe befinden sich im Kernschatten)
22.23 Uhr - Verlassen des Kernschattens
0.13 Uhr - Verlassen des Halbschattens

Mondbegegnungen:

Stern Spica --> am 24./25. April die ganze Nacht (nächste Annäherung um 2.30 Uhr)
Jupiter --> am 14. April bis etwa 0 Uhr
Saturn --> am 26. April die ganze Nacht

Mond, Saturn und Spica am frühen Morgen des 26. April 2013
Planeten im April

Merkur --> unsichtbar
Venus --> unsichtbar
Mars --> unsichtbar
Jupiter --> bis zum Untergang gegen Mitternacht hellstes Objekt nach dem Mond

Saturn --> Opposition am 28. April, die ganze Nacht über sichtbar; schon mit einem Fernglas erkennt man Titan, den mit 5150 km Durchmesser zweitgrößten Mond des Sonnensystems; doch erst in einem Teleskop offenbart sich die ganze Faszination des Planeten - seine Ringe. Nutzen Sie die gute Gelegenheit für einen Besuch in der Sternwarte.

Uranus --> unsichtbar
Neptun --> unsichtbar

Sonne im April

Am 18. April wechselt die Sonne vom Sternbild Fische in das Sternbild Widder, am 20. April in das Tierkreiszeichen Stier. Die Mittagshöhe nimmt um über 10° zu, die Tage werden um 1:49 h länger.

Sonnenaufgang 1. April: 6.48 Uhr
Sonnenuntergang 1. April: 19.40 Uhr

Sonnenaufgang 30. April: 5.47 Uhr
Sonnenuntergang 30. April: 20.28 Uhr

Die nun folgende Passage wurde im Original erstmals an dieser Stelle von mir publiziert.
Dass Sonnenuhren als tägliches Zeitmaß zu ungenau sind, habe ich schon einmal erwähnt. Am 15. April, 13. Juni, 1. September und 25. Dezember trifft diese Aussage im Jahr 2013 jedoch nicht zu - denn dann stimmen Wahre Ortszeit und Mittlere Ortszeit überein; die Zeitgleichung beträgt Null. Eine Sonnenuhr unterliegt den Schwankungen der Himmelsmechanik (variabler Abstand Erde - Sonne, Neigung der Erdachse) und deshalb differiert die von ihr abgelesene Zeit um +/- 15 Minuten von der Mittleren Ortszeit.

Steht also am 15. April (und an den anderen genannten Daten) die Sonne um 12 Uhr genau im Süden?

Erstens: Nach der Wahren Ortszeit (Lokalzeit) an einem beliebigen Ort, ist es dort 12 Uhr Mittags, wenn die Sonne den höchsten Punkt ihrer scheinbaren Tagesbahn erreicht hat. Völlig unabhängig, ob das ein 15. April ist oder ein anderes Datum.

Zweitens: Nach der Mittleren Ortszeit an einem beliebigen Ort, ist es dort 12 Uhr Mittags, wenn die auf einer über das Jahr gemittelten Tageslänge basierende Uhr dies anzeigt. Diese Uhr weicht - wie oben erwähnt - um bis zu 15 Minuten (+/-) von der Wahren Ortszeit ab (die Sonne erreicht also bis zu 15 Minuten vor bzw. nach 12 Uhr den höchsten Punkt ihrer scheinbaren Tagesbahn). Außer an den erwähnten vier Kalendertagen im Jahr.

Drittens: Mit der Einführung von Zonenzeiten wurde die Mittlere Ortszeit eines bestimmten Bezugsmeridians maßgeblich für die Zeitmessung im Bereich von idealerweise 7,5° beiderseits des Bezugsmeridians.

Das hat den Vorteil, dass sich die Mittlere Ortszeit in Orten an den Zeitzonengrenzen nur um maximal 30 Minuten von der (für die ganze Zeitzone gültigen) Mittleren Ortszeit des jeweiligen Bezugsmeridians unterscheidet. In der Realität gibt es für diese Regel jedoch zahlreiche Ausnahmen, da sich zum einen Ländergrenzen nicht an Längengrade halten und sich zum anderen sehr große Staaten zur Vereinfachung ihrer souveränen und wirtschaftlichen Aufgaben für den Verzicht auf einige Zeitzonen entschieden haben.

Die für Mitteleuropa maßgebliche Mitteleuropäische Zeit (MEZ) definiert die Mittlere Ortszeit für Orte auf dem 15° Ost-Meridian (der unter anderem genau durch Görlitz verläuft). Gegenwärtig haben wir Sommerzeit (MESZ = MEZ + 1) und daher steht die Sonne genaugenommen am 15. April um 13 Uhr MESZ (fett) nur auf 15° Ost genau im Süden.

12 Uhr UTC bedeutet: Die Mittlere Sonne (= Mittlere Ortszeit) steht auf dem 0°-Meridian von Greenwich. Die Differenz MESZ-UTC beträgt 2 Stunden - also steht die Sonne um 14 Uhr MESZ (= 12 Uhr UTC) wieder über dem 0°-Meridian.

[Die Zone der MEZ reicht von 31° O bis zum westlichsten Punkt des spanischen Festlandes bei 9° W. Das sind 25° mehr als die üblichen 15° (360° / 24 h = 15° / 1 h) zwischen den Zeitzonen. Folglich weicht bspw. an der spanischen Atlantikküste die Wahre Ortszeit um 1:30 h von der Mittleren Ortszeit auf 15° O ab (bei Sommerzeit um 2:30 h).]

Beispielzeiten für den Tageshöchststand der Sonne am 15. April in der Zone der MESZ:

Breslau (17° O) = 12.52 Uhr
Wien (16° 22' O) = 12.55 Uhr
Görlitz (15° O) = 13 Uhr
Dresden (13° 44' O) = 13.05 Uhr
Berlin (13° 23' O) = 13.06 Uhr
München (11° 34' O) = 13.13 Uhr
Hamburg (10°O) = 13.20 Uhr
Köln (6° 57' O) = 13.32 Uhr

[Eine Abweichung von einem Längengrad +/- bedeutet jeweils 4 Minuten Zeitunterschied zwischen Lokal- und Zonenzeit.]

Keine Kommentare: