Sonntag, 20. Oktober 2013

Norbert Rosing: Wildes Deutschland | Leipziger Kubus, 20. Oktober 2013

Norbert Rosing beantwortet Gästefragen.
Naturfotografen kennen ihn wahrscheinlich, National Geographic-Leser aber mit Sicherheit: Norbert Rosing. Der 1953 in Nordrhein-Westfalen Geborene entschied sich im Alter von 39 Jahren, das schon einige Jahre als Hobby betriebene Handwerk der professionellen Bilderstellung zu seinem Haupterwerb zu machen und dafür die bis dato beschrittenen Karrierepfade als Kaufmann, Soldat und Krankenpfleger zu verlassen.

Vortragspause.
Ich wurde damals in den Neunzigern wahrscheinlich durch seine Eisbären- und Arktisgeschichten auf ihn aufmerksam und verlor den Namen Rosing seitdem nicht mehr aus dem Gedächtnis. Mich faszinieren derartige Biographien, mahnen sie einen selbst doch immer wieder, die eigenen Träume nicht aus den Augen zu verlieren, mutig zu sein, ein selbstbestimmtes Leben nach eigenen Vorstellungen zu führen. Dass die Verwirklichung der eigenen Träume nicht immer leicht ist, davon bekommen die Besucher des aktuellen Vortrags "Wildes Deutschland" auch zu hören. Vor allem das Geschäft der Profifotografie lebt von neuen Sichtweisen auf (scheinbar) bekannte Themen/Orte/Prozesse. Ich denke dabei jetzt ausdrücklich nicht an die Heerscharen von am Spielfeldrand der Deutschen bzw. anderer Nationen liebster Sportarten Knipsender. Nein, ich denke an die Herausforderung, teilweise bereits millionenfach abgelichtete Motive so umzusetzen, wie wir sie noch nie gesehen haben.


Die Arbeit am Projekt "Wildes Deutschland" begann nach einem Anruf von National Geographic und der Frage, ob N. Rosing sich vorstellen könnte, für 2 Jahre durch Deutschland zu reisen und die Einzigartigkeit der hiesigen Nationalparks im Bild festzuhalten. Es gab für die Fotos allerdings eine Bedingung: Man sollte nicht auf den ersten Blick erkennen, dass sie in Deutschland aufgenommen worden sind. Wie stellt man es also an, den Königssee in Berchtesgaden, den Watzmann, die Zugspitz-Aussicht, den Bayerischen Wald, den Harz, die Lüneburger Heide, das Wattenmeer oder die Insel Helgoland derartig zu fotografieren? Man benötigt Geduld, Beharrlichkeit, eine Vision, gute Ortskenntnisse, Wetterkenntnisse, lokale Guides, Erfahrung, Erfahrung, Erfahrung ... eine verständnisvolle Frau und ein Fahrrad.

Uns Besuchern im Leipziger Kubus wurden Einblicke in deutsche Naturlandschaften gezeigt, die wir so allesamt noch nie gesehen hatten. Der Watzmann hätte als 7000er in Pakistan durchgehen können, die wilden Hirsche in Oberbayern als Foto eines kanadischen Trappers, die Morgenstimmung in der Lüneburger Heide als Aquarell, der Urwald des Harzes als Märchenkulisse, das überschwemmte Oderbruch als Amazonasdelta und die Schluchten des Elbsandsteingebirges als südchinesische Berglandschaft. Wow. Wie macht der Mann das? Zu Beginn des Abends fallen die Worte:
"Von der Naturfotografie wird man nicht reich, man hat aber ein reiches Leben."
(Norbert Rosing)
Norbert Rosing.
Derartige Bilder "produzieren" zu können ist eine Gabe. Man kann sich technisches Wissen aneignen, man kann durch die ganze Welt reisen, gewiss. Man kann sich aber für kein Geld der Welt die Vorstellungskraft erkaufen, die es braucht, um die Fotos vor dem Drücken des Auslösers im Kopf entstehen zu lassen. Unser Referent besitzt diese Gabe und wir Besucher werden noch lange von den Impressionen dieser 120 gemeinsamen Minuten zehren.

Leider sehr wenig Publikum.


Wer eine solche Reputation wie Norbert Rosing besitzt, tut gut daran, seinen (politischen) Einfluss geltend zu machen. Als Botschafter der UN-Dekade Biologische Vielfalt (2011 - 2020) etwa setzt er sich für den Erhalt der Biodiversität ein und macht auf das globale Problem des Artenschwunds aufmerksam. Täglich sterben bis zu 100 Arten weltweit aus - die meisten davon sind noch nicht einmal klassifiziert, geschweige denn entdeckt worden (man kann anhand von Statistiken auf die Gesamtartenzahl der verschiedenen Ordnungen schließen). Ohne anthropogenen Einfluss verschwände eine Art pro Tag bzw. alle 10 Tage!

Wir sind mitschuldig. Die Menschheit muss sich ernsthaft Sorgen um die Stabilität der globalen Ökosysteme machen, will sie die eigenen Lebensbedingungen nicht radikal überdenken. Wir müssen endlich konsequent(!) den Weg hin zu einer nachhaltigen Lebensweise beschreiten, denn Umweltzerstörung und Klimawandel sind hausgemacht. Wir alle haben Anteil an den großen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte. Wir alle müssen uns fragen, wo, wie, womit wir intelligent und ressourcenschonend handeln können. Denn nicht nur die offenkundigen fossilen Schätze Kohle, Öl und Gas gehören zu den natürlichen Ressouren. Boden, Wasser, Luft und die darauf gründenden Lebensgemeinschaften tun es ebenso. Wir müssen uns als Teil einer Biosphäre verstehen, deren mannigfaltige Wechselwirkungen erst zu einem Bruchteil verstanden werden. Nicht zuletzt aus diesem Grunde sollten wir auf unsere Umwelt achten. Leben erschaffen kann nämlich nach wie vor nur eine/einer/eines.

In diesem Sinne: Leben Sie nachhaltig!

Norbert Rosing und seine Frau Elli.

Norbert Rosing

National Geographic Deutschland

UN-Dekade Biologische Vielfalt

Bundesamt für Naturschutz

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