Sonntag, 25. Oktober 2009

Iugula

Daumen zur Brust. So haben die alten Römer ihren Gladiatoren bekundet, den Feind zu töten.
Dass die leidige Diskussion um Sinn / Unsinn / Zweck der Todesstrafe wieder streiflichtartig in das öffentliche Bewusstsein gerückt wurde, mag am "missglückten" Setzen der Giftspritze bei Romell Broom im September diesen Jahres liegen. Ich denke, die Thematik ist zwar vielen bewusst, aber sie wird überwiegend von den meisten (auch den Entscheidungsträgern) erfolgreich prokastiniert. Denn eine Auseinandersetzung fördert schlicht die Unzulänglichkeit und die Hilflosigkeit unserer Gesellschaft zu Tage.

[...] "Die Regierung wie die einzelnen Governments bleiben lieber bei ihrer völlig irrationalen Rachejustiz, nur so lässt sich der schreiende Pöbel in den amerikanischen Vorstädten ab und zu befriedigen und damit ruhig halten. Hier herrscht das Prinzip "Brot und Spiele" - das Fernsehen hält die Leute dumm, der Staat hält sie leidlich satt und die Justiz bei Laune." [...]
(User "der Pixelschubser" im Forum auf SPIEGEL ONLINE)

Dieser Polemik mag ich mich nicht anschließen - dafür ist der unumstößliche Optimist in mir noch zu übermächtig - gleichwohl stimmt die Kernaussage. Jedes System (menschliche Gesellschaften sind nichts anderes) funktioniert auf der Basis gewisser Prinzipien. Alle Teile des Systems müssen diese Prinzipien anerkennen. Oder sie fliegen raus. Die Judikative urteilt ab, bestraft, versucht die öffentliche Ordnung am laufen zu halten. Menschliches Zusammenleben ist hochkomplex - das merkt man(n) spätestens beim Versuch, die Frauen zu verstehen (sorry Denise, musste sein ;-)) - und verläuft nie ohne Auseinandersetzungen.

Unstimmigkeiten können Gesellschaften weiterbringen: Wenn sinnvolle Argumente angehört, ausgetauscht und beraten werden. Werden Unstimmigkeiten aber ignoriert, verschleppt, kleingeredet wachsen sie weiter. Und werden zur Bedrohung. Das Wolfsrudel des 21. Jahrhunderts unterscheidet sich nicht stark vom Wolfsrudel des 1. Jahrhunderts. Warum? Es gibt schöne Fassaden heute, Interkontinentalflüge, Apple und Liegeräder. Und? Die Menschheit tötet noch heute ihresgleichen, weil sie keine anderen Lösungen parat hat. Beschämend.

Wie fühlt man sich eigentlich als Staatsführer, wenn man Begnadigungsgesuche ablehnt? Vertraut man voll den Akten und seinem Beraterstab?? Hört man (in den USA) Vertreter des Dokumentationszentrums der Todesstrafengegner an??? Handelt man aus christlicher Überzeugung der Nächstenliebe...ähh...pardon, aus leider notwendigen Gründen des "Auge um Auge,..." heraus????

Die Weltformel sollten nicht Physiker und Astronomen suchen, sondern Psychologen und Soziologen. Wie lassen sich Verbrechen verhindern? Wie schaffen wir Freiräume, um Triebe kanalisieren (nicht jeder fährt freiwillig 400 km Fahrrad oder klettert Free Solo an einer 1000m Wand :-)) und die dahintersteckende Energie dem Allgemeinnutzen und der Verbesserung unserer Gesellschaft zuführen zu können? Das sind die brennenden Fragen. Sind sie gelöst, wird E.T. vielleicht sogar mit uns Kontakt aufnehmen wollen.

PS: Nach aktueller Schätzung geht man von mindestens 10.000 technischen Zivilisationen in der Milchstraße aus.

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