Mittwoch, 9. Dezember 2009

Es ist nur ein Datum

Nicht mehr. Und trotzdem verleitet es dazu, am Morgen 10 Minuten länger im Bett zu verweilen und dem Regen zu lauschen. Ein enger Familienangehöriger hatte, projiziert auf mich heute, ab diesem Zeitpunkt noch 24 Jahre zu leben. Ich erfuhr von seinem Tod während meiner Fahrt im Auto nach Hause. Es schossen anfangs keine Tränen ins Gesichtsfeld - dafür aber umso heftiger am Abend.

Kurze Zeit vorher war mir ein zaghaftes Beziehungspflänzchen eingegangen - noch bevor es die Zeit hatte, seine Keimblätter über der Erdoberfläche zu entfalten. Selbstzweifel prägten meine Tage damals stärker als sie es heute tun, denn ich lasse mich nun bewusst öfter in das sichernde Netz aus Freundschaften fallen. Nicht immer werden Anstrengungen mit Erfolg belohnt. Eine Analogie zu meiner sportlichen Seite? Nun, dort habe ich dank Training zumindest eine weitaus größere Erfolgsaussicht.
Ich sollte mein Training auch auf andere Lebensbereiche erweitern - ich weiß - jedoch ist das ungleich schwerer als diese verdammten 3,8 km im nächsten Jahr zu schwimmen.

Aber nun zurück zu jenem Novemberabend und dessen Folgen. Ich werde nie wieder mit ihm und einem Golden Retriever über die Wiesen tollen können, wir werden nie wieder (erbärmlich kleine) Fische aus der Mulde angeln oder auf die Schneekoppe wandern können. Unumkehrbar.

Die Macht des Geldes sollte auch mich beruflich einfangen und 12 Stunden am Tag auf Trab halten. Sie hat es nicht geschafft, denn mir lag mehr am persönlichen Erkenntniserwerb und dessen Weitervermittlung an junge Menschen als an Zinssätzen und Boni. Er hat es zähneknirschend akzeptiert und ich erinnere mich an die späteren (viel zu wenigen) Treffen, bei denen meine Entscheidung keine Rolle mehr spielte. Unterbewusst war sie dennoch immer zugegen.

Was bleibt sind Erinnerungen, Wesenszüge, Angewohnheiten, ja, Gene, die überlebt haben und sich in einem weiteren Körper ausprägen. Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, Humor, Zupacken können - es lebt alles weiter. Ob auch ich einmal mit einem kleinen Jungen über die Muldewiesen tollen kann liegt in den Sternen - ein spezielles Staubkorn zu finden ist eben schwer.

Panta rei.

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