Donnerstag, 10. Dezember 2009

Kognitive Mehrfachkarambolage

Eine Kurzrezension zu Richard David Prechts "Liebe. Ein unordentliches Gefühl" findet sich im gestrigen Feuilleton der Süddeutschen Zeitung. Nach etwa 30 Seiten habe ich persönlich das Buch vor 2 Monaten wieder ins Regal bei Hugendubel zurückgestellt. Die im folgenden kurz umrissene Kritik des Artikelautors Malte Dahlgrün finde ich daher umso interessanter, weil sie gewisse (Vor-) urteile nun zu bestätigen scheint. Bedauerlicherweise versucht Precht gegen die Theorien der Evolutionsbiologie und der evolutionären Psychologie zu agitieren, um dann bei etwaigen Gegenbeispielen gerade jene Theorien zu bestätigen. Richard Dawkins, wohl der größte Vampir ... pardon ... Kreationistenjäger unserer Zeit, wird ebenso verspottet und als sonderbar diffamiert wie die Entdecker der DNA-Helixstruktur, Watson und Crick.

Kurze Aufforderung an die Leser meines Blogs: Nennt mir 4 Emotionen!
Wut, Trauer, Freude, Angst. Okay.

Kurze Aufforderung an Herrn Precht: Nennen Sie mir 4 Emotionen!
Sexuelle Gier, Müdigkeit, Hunger, Frieren.

Ich verstehe den Ansatz dazu, dieses Buch in die Welt gesetzt zu haben. Nach einem Bestseller zur weitverbreiteten Identitätskrise der Menschen in der 1. Welt musste man persönlicher werden. Wie geht das? Indem man über Liebe schreibt. Oder zumindest vorgibt zu schreiben. Alles was wir mit körperlicher Erfahrung verbinden ist emotionsgeladen, zieht uns magisch an, vermittelt ein gewisses Gefühl des "Mitten drin statt nur dabei". Siehe Charlotte Roche. Siehe Hape Kerkeling. Wäre dieser Mensch doch nur in Japan gepilgert. Über 1000 km, rund um eine Insel, 88 Tempel, heute Buddhist. Ein Traum.

Gewiss ist es angsteinflösend, vom Diktat der Gene zu lesen, den freien Willen als Konstrukt in Betracht zu ziehen, keinen wirklichen Sinn erkennen zu können. Aber ob uns dagegen Zynismus hilft? Ich bezweifle es. Wenn mich die Gene dazu verleiten, ein Nikolauspaket zu verschicken und ich aus der Freude der Empfängerin einen emotionalen Gewinn ziehe, akzeptiere ich die Rolle des Sklaven gerne. Denn eine Wahl hat niemand.

Lesen (das richtige) bildet. Dankeschön.

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