Mittwoch, 10. Februar 2010

Wachstum und Nachhaltigkeit

"In the same way, democracy cannot survive overpopulation. Human dignity cannot survive overpopulation. Convenience and decency cannot survive overpopulation. As you put more and more people onto the world, the value of life not only declines, it disappears. It doesn't matter if someone dies. The more people there are the less one individual matters."
(Isaac Asimov)
Mit diesem Intro könnte ich jetzt nahtlos beim zuletzt angesprochenen Superorganismus der Ameisen anknüpfen. Das Individuum zählt nichts, die Gruppe zählt alles. Reichlich pessimistisch blickte Asimov in die Zukunft einer überbevölkerten Erde ohne Lebensqualität.
Alle erwarteten Probleme laufen auf den Mangel an Ressourcen hinaus. Auf den Mangel an sauberem Trinkwasser, an Nahrungsmitteln, an Wohnraum, an Energie usw.

Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz schreibt in seinem Buch "Die Chancen der Globalisierung" auf Seite 208: "Wenn eine Ressource in Gemeineigentum von allen umsonst genutzt werden kann, dann denkt keiner der Nutzer darüber nach, ob sein Handeln möglicherweise andere schädigt. Jeder verliert das Gemeinwohl aus den Augen."

Was folgt daraus? Der Staat wird als Verwalter des Gemeingutes unausweichlich. Aber was geschieht mit solchen Gemeingütern wie zum Beispiel der lebenswichtigen Luft zum Atmen und deren Komponenten (es scheint mittlerweile gute Sitte zu sein, in jedem Post mehr Fragen als Antworten aufzuwerfen)? Die USA - die sind jetzt so richtig happy - wurden von China an der Spitze der größten Treibhausgasemittenten abgelöst. Ein Ansatz, um auch staatsgrenzenübergreifend Konsequenzen für, das Gemeinwohl schädigendes Verhalten einzufordern, ist der Handel mit Emissionsrechten. Gute Idee, schlechte Umsetzung. In Deutschland gab man die Verschmutzungsrechte gratis an die Firmen und schenkte ihnen somit einen beträchtlichen Kostenanteil. Also, liebe Leute, reist noch schnell auf die Malediven, denn in 50 Jahren muss man nach ihnen tauchen.

Es wird heuer überall von Nachhaltigkeit geredet, ohne - man muss den Eindruck gewinnen - wirklich verstanden zu haben, was dieses Wort bedeutet. Nachhaltige Entwicklung bzw. sustainable development ist
"development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs."
(World Comission on Environment and Development, 1987)
Es muss endlich mit der Schonung unserer natürlichen Ressourcen Geld verdient werden und nicht länger mit deren Ausbeutung!
"It is intellectually dishonest to talk about sustainability without stressing the obvious fact that stopping population growth is a necessary condition for sustainability!"
(Prof. Albert Bartlett)
Hatten wir das nicht schon? Gleichwohl, ein heißes Eisen, ein sehr heißes Eisen. Und darüberhinaus ein Problem, dass schon viele Hochkulturen in die Knie gezwungen hat. Wie das Wachstum stoppen? Nun, knallhart zu Ende gedacht, kommt man zu dem Schluss, für die Geburt eines Kindes einen bestimmten Preis festzusetzen. Wie? Das gefällt euch nicht? Komisch. In China ist es schon heute gang und gäbe, dass reiche Eltern sich die Erlaubnis, ein zweites Kind in die Welt zu setzen, erkaufen. Und wo wächst die Bevölkerung in der Welt momentan am stärksten? Das Eisen wird immer heißer. Gerade in jenen Regionen mit dem höchsten Prozentsatz an Bevölkerungszuwachs zeigen sich die Folgen von Überbevölkerung und Ressourcenausbeutung am deutlichsten. Hochgradige Umweltverschmutzung, Versorgungsprobleme, gesteigerte Mortalität, sinkende Lebensqualität.

Hat der Finkenmann die Lösung? [...] "in einer zivilisierten Welt sind natürliche und künstliche Zuchtwahl in einen Widerstreit geraten. Dank der ihnen zuteilwerdenden karitativen Leistungen könnten auch die schwächeren Angehörigen der betreffenden Völker ihre Art fortpflanzen. Niemand, der etwas von der Zucht von Haustieren verstehe, werde daran zweifeln, dass dies äußerst nachteilig für die Rasse sei." [...] (Charles Darwin in "Die Abstammung des Menschen"). Nein, hat er nicht! Uhh, es läuft mir kalt den Rücken herunter, beim erneuten lesen der soeben getippten Zeilen.
"The core of Menckens social philosophy was relatively simple. He believed it is the nature of the human species to reject what is true but unpleasant and to embrace what is obviously false but comforting."
(Prof. Albert Bartlett)
Ja mei, und das, obwohl ich meinen Schokokonsum schon fast auf null gedrosselt und die Waage stabile 72 anzeigt. Diese von Bartlett beschriebene Eigenschaft des Menschen zeigt im Prinzip den Kern unseres Dilemmas (die schwindenden Öl- und Gasvorräte, Platz,- Nahrungs- und Arbeitsmangel in Entwicklungsländern, globale Erwärmung infolge der Industrialisierung - by the way: 2003 waren die USA so energieeffizient wie Madagaskar und Uruguay und 2025 werden die Entwicklungsländer voraussichtlich mehr Treibhausgase emittieren als die Industrieländer - und fortschreitender Individualisierung) auf. CO2, CO2, CO2, was das Entwaldungsproblem in den Entwicklungsländern angeht, macht mir die vor 5 Jahren gegründete Rainforest Coalition Mut. Emissionsquoten dürfen seitdem auch für vermiedene Entwaldung verkauft werden.

Dass die Menschheit in letzter Minute den Kopf aus der Schlinge ziehen kann wurde zuletzt 1987 in Montreal bei der Unterzeichnung des Protokolls zum Verbot von FCKWs, deren klimaschädliche Wirkung erst 10 Jahre vorher erkannt wurde, bewiesen. Grund zur Hoffnung?
"Da wir auf dem nicht nachhaltigen Weg schnell vorankommen, werden die ökologischen Probleme der Erde in jedem Fall auf die eine oder andere Weise gelöst werden, und zwar zu Lebzeiten der heutigen Kinder und jungen Erwachsenen. Die Frage ist nur, ob es eine angenehme, von uns selbst gewählte Lösung sein wird, oder ob sie unangenehm sein wird und nicht unserer Entscheidung entspringt, ob es also beispielsweise zu Kriegen, Völkermord, Hungersnöten, Krankheitsepidemien und dem Zusammenbruch von Gesellschaften kommt. Alle diese grausigen Phänomene haben die Menschheit während ihrer gesamten Geschichte immer wieder heimgesucht, ihre Häufigkeit wächst aber mit Umweltzerstörung, Bevölkerungsdruck und der daraus entspringenden Armut und politischen Instabilität."
(Jared Diamond, Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen, S. 615)
Auf das wir alle hundert werden, 7 Kinder in die Welt setzen, 5 Mal heiraten und mindestens 3 Autos besitzen.

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