Montag, 1. März 2010

Frühlingsanfang

Die Vögel zwitschern aus vollen Kehlen, in Chile schieben sich die Anden mal wieder spürbar nach oben, Deutschland hat 10 Goldmedaillen in Kanada geholt, die EU macht Athen weiter Druck und eine Bischöfin hat ausgezwitschert.

War das spannend gestern! USA gegen Kanada, das Eishockeyfinale wie es sich die Vermarkter gewünscht haben. Perfekte Planung, perfektes Ergebnis. Heimsieg in der Verlängerung nach Ausgleich der Amerikaner 25 Sekunden vor Ende des regulären letzten Drittels. Sudden Death.
Wenn es die Gemeinschaft fördert, ist ja alles okay.

Gutes Stichwort und damit raus aus dem winterlichen Kanada und hinein ins versmogte Athen.
Die EU schickt heute einen Beobachter ins Land der verpönten Quittungsbelege und des alltäglichen Steuerbetrugs. Griechenland wird jetzt auch schon - unter dem Druck der EU - Registrierkassen für den Benzinverkauf an seinen Tankstellen installieren.
Unschuldsmiene und Besserwisserei sind in dieser Situation dennoch nicht angebracht. Schon gar nicht im Land der Dichter und Denker ... pardon, der vergreisenden Rentner.
"Es wird alles den Bach runter gehen, wenn wir es nicht schaffen, die Eurozone am Leben zu erhalten. Wir müssen die Länder zu einem vernünftigen Miteinander untereinander bewegen, sonst hat dieses Europa keinerlei Zukunft. [...] Wir müssten in Deutschland mal begreifen, dass man sich nicht immer auf Kosten anderer sanieren kann. Man müsste sich mal einen globaleren Blick angewöhnen und sehen, dass man nicht mit Hilfe von Auf- und Abwertung, Lohndumping oder Steuersenkungen dadurch überlebt, dass man anderen Ländern Marktanteile abjagt. Das funktioniert einfach nicht. [...] Der Hauptprofiteur eines niedrigen Euro ist eindeutig Deutschland. Es wird bei den Löhnen keinen Zuwachs geben, die Lohnstückkosten werden sinken und gleichzeitig werden die deutschen Exporteure durch den schwachen Euro auch im Rest der Welt abräumen. Damit werden die Ungleichgewichte global und in der Eurozone noch größer, weil Deutschland einen Wettkampf der Nationen antreibt, statt sich für den Wohlstand der Nationen zu interessieren."
(Heiner Flassbeck, der freitag 07/10, S. 7)
Hab ich's schon erwähnt? WIR haben 10 Goldmedaillen in Kanada geholt.

Wir sind nicht mehr Bischöfin. Aber immer noch Papst (welch finstere Vorstellung). Es gab eine vergleichsweise kurze Diskussion über Authorität, Verantwortung, Vorbildwirkung und Schuld. Dann war aus Margot Käßmann wieder eine Pastorin geworden. Prima inter pares war gestern. Heute ist sie wieder "eine von uns". Aus dem Volk, mit gescheiterter Ehe, gescheiterter Karriere, aber der Sympathie einer ganzen Nation im Rücken.

Die Sympathie einer ganzen Nation hat Eldrick "Tiger" Woods hingegen verloren.
"Jahre des Trainings haben ihn gelehrt, Zweifel, Ungewissheit und Selbsterforschung fahrenzulassen und sich für eine angenehme, selbstverherrlichende Eindimensionalität zu entscheiden."
(Mark Steinberg, Manager von Tiger Woods)
Schlichte Einschätzung mit treffender Note, führt doch ewiges Zweifeln auch nicht zum Erfolg. Ein ausgelebter Sexualtrieb jedoch ebensowenig, ja, er ist, wie am vorliegenden Beispiel zu erkennen, manchmal gar die Sollbruchstelle in einem (vermeintlich) glücklichen, erfolgreichen Leben. Anyway, es gibt nur eine Chance, um weiterzuleben in einer leeren Welt mit Häusern auf allen Kontinenten und Privatjets. Das Comeback findet am 5. April beim Masters in Augusta statt.
"Simul iustus et peccator - Gerecht und sündig zugleich sei der Mensch."
Hab ich was gegen den Sexualtrieb? Mitnichten! Gerade gestern sind zwei neue Nistkästen fertiggeworden, bereit, als Kinderstube für den Meisen- Rotschwanz und Starnachwuchs im heimischen Garten zu dienen. Seid fruchtbar und mehret euch. Das gilt selbstverständlich auch für die lichtschnellen Teilchen am CERN. Die Masse ist ambivalent. Einerseits erwünscht - hier das grundlegende Verständnis für ihre Existenz, dort in Form vieler Medaillen. Andererseits unerwünscht - man schaue sich nur meine (verbesserungswürdige) Zeit für den Rochlitzer Berg an.

Wenn ich mir jetzt abschließend wieder die Zeiten der deutschen Mädels beim letztjährigen Ironman auf Hawaii in der Altersklasse bis 30 in Erinnerung rufe:

Angela Kühnlein (11:26 h)
Julia Tripke (11:12 h)
Rebekka Trukenmüller (10:50 h)

... na immerhin geht es dort um einen Lorbeerkranz ;-)

Over and out.

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