Montag, 8. März 2010

Konsumieren, Kooperieren, Kastrieren, Köpfen, Kuscheln, Küssen

David de Rothschild ist vor ein paar Tagen mit einem Boot aus Plastikabfällen von San Francisco aus nach Sydney aufgebrochen. Der Katamaran soll auf die steigende Belastung des ozeanischen Ökosystems durch Kunststoffmüll aufmerksam machen. Eine sinnvolle Aktion, die, gemessen an den sozialen Kontakten des Veranstalters, eine kleine Wirkspur hinterlassen dürfte. Vielleicht finden innovative Lösungen wie biologisch abbaubare Kunststoffe oder Alternativprodukte aus Biomaterialien weitere interessierte Investoren und Unterstützer.

Warum Herr Rothschild kein Banker geworden ist? Er antwortet selbst: "Das wäre mir viel zu langweilig".

Keinesfalls langweilig kann sich die Pflege von demenzkranken Angehörigen gestalten. Es ist ein Genuss, zu erleben, wie die eigene Oma die Familie bald nicht mehr erkennt, bettlägrig wird, im Haus verstirbt. Angehörige sollen während dieser Zeit längstens für 2 Jahre ihre Arbeitszeit um 50% reduzieren und dennoch weiterhin 75% des Gehalts beziehen können. Später wird dann im Job wieder Vollzeit gearbeitet - für 75% bis der Ausgleich erzielt ist. Frau K...Schröder, pflegende Angehörige sind meist Frauen mit niedrigen Einkommen. Ganz ohne Steuerzahler wird es nicht gehen. Auch kann kein Geld der Welt die tief ins Gedächtnis gebrannten Eindrücke heilen! Wie war die Hochzeit? Schön spaßig?!

Wo es gerade ums Geld geht. Kürzlich bin ich über einen Artikel zu den Gebräuchen afrikanischer Medizinmänner gestolpert. Das Beispiel Uganda wurde gewählt, weil hier - auch als Lernerfolg aus der Zeit Amins - die Justiz wenigstens heute Aktivität zeigt und Fälle brutalster Verstümmelungen immer zahlreicher aufklärt. Da werden kleine Jungs mit abgetrennten Genitalien im Busch gefunden, Mädchen mit aufgeschnittenen Hälsen und entnommener Zunge, geköpfte Kinder. Wozu dieser ganze Wahnsinn? Um schnell an Reichtum zu gelangen und Erfolg zu haben. Sagt der Medizinmann. Arm und Reich, gute Ausbildung hier und Analphabeten da, Ausbeutung zu Hungerlöhnen, großer Einfluss eines nicht gerade karitativ wirksamen Militärapparates und der desinteressierte "Westen" sind alles Variable im Spiel. Zu lebenswerten Bedingungen gehören nicht nur eine funktionierende, unabhängige Justiz. Nein, es gehört auch der Wille einer (aufgeklärten!) Gesellschaft dazu, ihr Wissen zu mehren und harmonisch zu leben. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Nicht mehr leben tun definitiv die Opfer des jüngsten Massakers an Christen in Nigeria. Der Norden des Landes ist muslimisch dominiert, der Süden christlich und in der Mitte kommt es seit Jahren zu erbitterten Auseinandersetzungen. 3 christliche Dörfer wurden unlängst wieder überfallen, Kinder, Frauen, Alt und Jung brutal geschlachtet. Mir fehlen die Worte. Gott ist groß.

Es wird endlich harmonischer. Kein Wunder, haben wir doch die "Woche der Brüderlichkeit" zwischen Christen und Juden am laufen. Keine weiteren Kommentare meinerseits aber noch eine abschließende Feststellung:

Heute ist Internationaler Frauentag (u.a. in Uganda übrigens ein gesetzlicher Feiertag). Jeder sollte sich ein wenig Zeit nehmen und darüber nachdenken, warum wir diesen Tag immer noch begehen müssen. Bussi und tschüss.

Ende des Kapitels 1 in KW 10.

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