Freitag, 16. April 2010

Eyjafjallajökull

Island, das Land der Geysire, Erdwärmekraftwerke und rauen Landschaft. Zuletzt in den Negativschlagzeilen wegen einer bankrotten Bank und nun schon wieder ein Bösewicht. Diesmal war aber nicht die unbefriedigte Gier nach Geld der Auslöser für die Wut der Menschen, nein, diesmal war es die wilde Natur des Landes.

Seit vergangenem Dezember rumort es unter dem Gletscher des Eyjafjallajökull, seit kurzem ist der Vulkan aktiv und schickt seine Asche auf globale Reise. Habt ihr schonmal eine Pizza Calzone angestochen und die Luft entweichen sehen? Das wäre unser gegenwärtiges Islandmodell.
Das Kleine wirkt groß: Wenige Hundertstelmillimeter kleine Basaltpartikel sind nur mithilfe spezieller Radargeräte zu erkennen, nicht aber vom bordeigenen Radar der Verkehrsmaschinen. Silizium würde in den Triebwerken schmelzen, einen glasartigen Honig bilden und die Maschine damit lahmlegen. Außerdem wirkt Vulkanasche bei 900 km/h wie ein Sandstrahlgebläse, erblindet die Scheiben und verstopft die Geschwindigkeitsmesssonden.

Grund genug, fast alle(!) Airports in Mitteleuropa am heutigen Freitag zu schließen. Eine bis dato einmalige Aktion. Warum gleich nochmal? Ah ja, da war was mit Island.
Tausende Reisende sitzen fest, zahlen teils horrende Gebühren, um beispielsweise von FRA bis nach Basel mit dem Taxi (!) zu fahren. Die Bahn wird morgen sicher ihre Dampflokomotiven aus den Museen schleppen, um dem gegenwärtigen Ansturm gerecht werden zu können.

Arg gestresste Geschäftsreisende sitzen in den SkyLounges und suchen im iPhone oder Blackberry nach einer "Jetstream Vol.2"-Anwendung, unsere Bundeskanzlerin musste auf dem Rückweg von der Rettung der Welt nach LIS ausweichen. Wenigstens war der Staatschef gleich vor Ort. Kann ja nie schaden. Hauptsache, es findet sich jetzt noch ein kleines Zimmer für 25 Euro die Nacht am Stadtrand.

Wird der Sommer jetzt ausfallen? Zugegeben, eine mögliche Schlagzeile der morgen erscheinenden Bild-Zeitung, aber bei diesem Vulkanzwerg wohl eher unwahrscheinlich.
Problematischer wäre da schon eine Wiederholung des Ereignisses von 1783/84.
Damals wurde aus insgesamt etwa 130 isländischen Kratern ein Gesamtvolumen von circa 15 km³ Basalt ausgestoßen. Es kam in der Folge zu einem deutlichen Temperatursturz im Land, sowie zu 3 ungewöhnlich kurzen Sommern.

In Europa hatten die Eruptionen einen sehr kalten Winter 1783/84 zur Folge und in Nordamerika wurden gar neue Tiefsttemperatur-Rekorde erzielt.

Schwefeldioxid (SO2) ist der eigentliche Bösewicht, nicht die Asche. Denn SO2 verbindet sich mit Wasser zu Schwefelsäure, welche sich dann als feiner atmosphärischer Schleier um den Globus legt und die Sonneneinstrahlung verringert.

Drei Ausbrüche dieses eben geschilderten Kalibers in Jahresfrist und wir können die Felle hervorziehen. Gibts dafür auch schon eine App oder einen Hedgefonds?

Egal, ich freue mich in den nächsten Tagen über einen tollen, von Kondensstreifen befreiten, Himmel, etwas tiefere Nachttemperaturen und leicht erhöhte Tagestemperaturen. Das RASP-Modell wird doch am Sonntag nicht wieder in violette Sphären abgleiten wollen?!

Wer mag, findet in diesen Quellen Infos zum remote sensing sowie Antworten auf spezielle Fragen:
    So, und morgen Abend bitteschön den tollen Sonnenuntergang geniessen. Ja, auch ihr, die ihr gerade auf Feldbetten in der Wartehalle einschlummert.

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