Sonntag, 13. Februar 2011

Ein Wintertag im Elbsandsteingebirge

Der große Vorteil von Zugfahrten ist die Vermeidung motorisierten Individualverkehrs. Toller Satz. Also stand ich gestern kurz vor 4 Uhr auf, um die schlappen 128 km Luftlinie bis in die Sächsische Schweiz noch vor dem Mittagessen bewältigt zu haben.


Eine Spiegel-Titelstory, einen kleinen Exkursionsführer und mehrere MP3s später war es um 8.43 Uhr endlich soweit: Ankunft am Bahnhof von Bad Schandau. Wer über die B 172 zum rechtselbischen Ufer wechselt, erblickt zuerst einen Penny-Markt, dann eine Aral-Tankstelle, der Blick schweift Richtung Stadtmitte, erreicht schließlich die Stadtkirche und den Ostrauer Aufzug.

Entlang des Elberadweges führte die Strecke an der Stadt vorbei bis Postelwitz und gleich hinter dem Ortsausgang hinauf zum Obrigensteig.




Vor ein paar Monaten habe ich die Straße noch etwas später - zu Beginn des Lattengrundes - verlassen, gestern stand nun dieser Wanderweg erstmalig auf dem Programm. Kurz hinter dem Zusammentreffen beider Wege am Aussichtspunkt Falkenstein soll ein Pfad hinunter zur Nassen Tilke führen. Soll. Ich verzichtete auf die Bear-Grylls-Aktion und folgte stattdessen den zahlreichen Wildwechseln parallel zum Lattengrund in Richtung Wanderparkplatz.

Unten angekommen ging es gleich wieder hoch, jetzt endlich auf der geplanten Strecke und doch leider mit unnötigem Zeitverlust im Gepäck.



Der Schießgrund führt zur Radroute im Nationalpark und somit auch auf eine Piste, die mich schnell zu den Affensteinen bringt. Auch die Wetterprognose hielt sich an ihr vorgestern abgegebenes Wort und bescherte feinste Wintersonne. Derart zufrieden wurde es langsam Zeit, ein wenig Dokumentarmaterial für dieses kleine Poesiealbum zu sammeln:

Erster Versuch eines HDR, entstanden aus 9 Einzelbildern


Leider ließen sich kurz darauf die zwei Eichhörnchen am Abzweig zum Reitsteig nicht für ein Päuschen am Fuße der Fichte überreden. Der Reitsteig bindet auf die von Süden kommende Radroute ein, welcher bis zum Bloßstock gefolgt wurde.


Kurz vor 12 befinde ich mich am Einstieg zur Häntzschelstiege. Endlich.



Zwischen dem unteren und oberen Teil dieser Stiege befindet sich ein Aussichtsplatz, den ich (den wir) zuletzt bei gewittriger Stimmung besucht habe(n).


Warum muss die Zeit bloß so rasen und warum lässt sie Dinge unwiederbringlich verschwinden? Damit man neue findet. Immerhin schien gestern die Sonne und es drohte kein Blitzschlag.

180°-HDR-Panorama aus 36 Einzelbildern


Nichts für Übergewichtige ist der zweite Teil des Weges hinauf zum Grund des ehemaligen Meeres.




Die kleine Kraxelei lohnt sich aber allemal:



Back on track sollte man 800 m später unbedingt einen Abstecher zum Carolafelsen einplanen. Warum? Och:


Ich folgte nun dem Zurückesteig bis zur Rotkehlchenstiege. Diese galt es talwärts abzusteigen...



...und nach einem kurzen Schneeintermezzo...



...in einem Bogen über Rauschengrund und Unteren Terrassenweg wieder zu erreichen. Dieser Weg gehört mautpflichtig. SOO SCHÖN!!!

Sowas nenn ich Liebe auf den ersten Blick:

Die Route wird in diesem Jahr angegangen
Der Blick auf die Uhr deutete mir noch 1,5 h bis zum Sonnenuntergang und der Blick auf die Karte noch 1,8 km bis zum gewünschten Beobachtungsplatz für eben jenen. Zeit genug also, innezuhalten, die Kletterer auf dem Rauschenturm im Gegenlicht zu beneiden und diese Landschaft sehr zu mögen.

Oxidationsverwitterung
Beim nächsten Mal werde ich über Lehne, Vorderwinkel und Mittelwinkel erst ab- und anschließend ganz in der Nähe der Schrammsteinaussicht wieder aufsteigen. Diese Kombination verspricht nämlich mehr Abwechslung als der diesmal noch gewählte - fast, zum Glück - "altbekannte" Schrammsteinweg.

Die sich nähernde Kaltfront mit Schnee im Gepäck hatte kurz vor fünf den westlichen Himmel leider schon so in Beschlag genommen, dass mein erhofftes Abschlussbild ausbleiben musste. Also wurde der Rucksack abermals erfolglos nach sich wohl endgültig nicht wundersam vermehrenden Lebensmitteln abgesucht, der verbliebene Tee für die Zugfahrt aufgehoben und der Heimweg angetreten. Ich komme wieder. Dann aber ohne Bahn.

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